Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Gattung (Biologie)
Die Gattung (auch das Genus) bezeichnet in der Biologie (einschließlich Virologie und Palichnologie) eine Rangstufe innerhalb der Hierarchie der biologischen …
Inhalt2 Abschnitte
Bedeutung und Benennung
Die Gattung, auch Genus genannt, ist eine Rangstufe der biologischen Systematik. Sie wird in Biologie, Virologie und Palichnologie verwendet und steht über der Art sowie unter der Familie beziehungsweise unter der Tribus, falls diese vorhanden ist. Eine Gattung kann beliebig viele Arten umfassen; enthält sie nur eine Art, heißt sie monotypische Gattung.
Nach Ernst Mayr (1950) ist eine Gattung mit mehreren Arten eine Gruppe von Arten gemeinsamer Abstammung, die von einer anderen Art oder Artengruppe durch einen deutlichen morphologischen Abstand getrennt ist. Morphologisch bedeutet: bezogen auf die äußere Gestalt und den Bau. Willi Hennig ergänzte 1966 in Phylogenetic Systematics, dass die Arten einer Gattung untereinander enger verwandt sein müssen als mit jeder Art einer anderen Gattung.
Jede Art innerhalb einer Gattung besitzt einen zweiteiligen, binären Namen, das Binomen. Er besteht aus dem Gattungsnamen und dem Art-Epitheton. Der Gattungsname steht immer im Singular. Ist das Art-Epitheton ein Adjektiv, richtet sich sein Geschlecht nach dem Gattungsnamen. Die Weißtanne heißt beispielsweise Abies alba und gehört als eine von etwa 51 Arten zur Gattung Abies (Tannen).
Carl von Linné führte die binäre Nomenklatur für Pflanzen 1753 in Species Plantarum ein. In der 1758 erschienenen 10. Auflage von Systema Naturæ erhielten auch Tiere binäre Namen. Die Nomenklatursysteme ICN und ICZN bestehen bis heute unabhängig voneinander. Deshalb können Gattungsnamen sowohl in der Botanik als auch in der Zoologie vorkommen; solche Namen heißen Hemihomonyme.
Untergliederung einer Gattung
Enthält eine Gattung viele Arten, können über der Art weitere Rangstufen verwendet werden: Untergattung (subg.), Sektion (sect.), Untersektion (subsect.), Serie (ser.) und Unterserie (subser.). Welcher Rang passend ist, entscheidet der beschreibende Biologe.
Größere Unterschiede werden meist durch Untergattungen ausgedrückt, zum Beispiel Solanum subg. Leptostemonum. Für weniger auffällige Unterschiede wird eher eine Sektion verwendet, etwa Rubus sect. Rubus bei Brombeeren. Es gibt keine Vorschrift, bestimmte Ränge bevorzugt einzusetzen. Eine Untersektion darf jedoch nur verwendet werden, wenn auch eine Sektion benutzt wird; entsprechend setzt eine Unterserie eine Serie voraus.
Der Name einer Untergattung kann in runden Klammern zwischen Gattungsname und Art-Epitheton stehen, zum Beispiel Plebejus (Plebejus) argus beim Geißklee-Bläuling oder Plebejus (Vacciniina) optilete beim Hochmoor-Bläuling. Oft tragen Untergattungen Namen, die andere Autoren früher oder heute als eigene Gattungen ansehen. Bei einer Einteilung in Untergattungen muss eine Untergattung denselben Namen wie die Gattung tragen. Sie soll die Typusart oder Typus-Artgruppe der Gattung umfassen, zum Beispiel die Weinbergschnecke Helix (Helix) pomatia.
In der Zoologie sind Sektion und Serie sowie die darunterliegenden Ränge nach heutigen Nomenklaturregeln nicht mehr zulässig, anders als in der Botanik. In der Virologie ist von diesen Unterteilungen Stand Juli 2022 nur die Untergattung zulässig.