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Maximilian von Montgelas (General)
Montgelas war ein Sohn des bayerischen Gesandten Ludwig von Montgelas (1814–1892) ... (= Jahrbuch 2002 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust), Campus …
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Überblick
Maximilian Maria Karl Desiderius Graf von Montgelas (* 23. Mai 1860 in Sankt Petersburg; † 4. Februar 1938 in München) war ein bayerischer General der Infanterie, deutscher Politiker und Militärhistoriker. Besondere Bedeutung erlangte er durch seine Kritik an der deutschen Kriegführung im Ersten Weltkrieg und durch seine spätere Beschäftigung mit der Kriegsschuldfrage, also der Frage nach der Verantwortung für den Ausbruch des Krieges von 1914.
Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst wurde Montgelas zum überzeugten Pazifisten. Nach dem Krieg wandte er sich jedoch vor allem gegen die These von der deutschen Alleinschuld. Dabei unterschied sich seine spätere Haltung deutlich von seiner Position während seines Aufenthalts in der Schweiz, als er noch von einer „dreifachen Schuld“ Deutschlands gesprochen hatte.
Familie und Ausbildung
Montgelas war der Sohn des bayerischen Gesandten Ludwig von Montgelas (1814–1892) und Anna von Montgelas, geborene Gräfin von Seinsheim (1833–1909). Sein Großvater war der bayerische Minister Maximilian von Montgelas, der als Begründer des modernen Bayern gilt. Am 3. Juli 1897 heiratete er in München Pauline Gräfin von Wimpffen (1874–1961); die Ehe blieb kinderlos.
Nach dem Besuch der Pagerie legte Montgelas 1878 am Wilhelmsgymnasium München das Abitur ab. Von 1888 bis 1891 besuchte er die Bayerische Kriegsakademie. Diese bescheinigte ihm die Qualifikation für den Generalstab, die Höhere Adjutantur und das militärische Lehrfach.
Militärische Laufbahn
1879 trat Montgelas als Fähnrich in das Infanterie-Leib-Regiment der Bayerischen Armee ein; ein Jahr später wurde er Sekondeleutnant. 1887 wurde er persönlicher Adjutant des Prinzen Rupprecht von Bayern.
Im Jahr 1900 nahm Montgelas als Major und Kommandeur des II. Bataillons des 4. Ostasiatischen Infanterie-Regiments an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China teil. Danach war er drei Jahre lang deutscher Militärattaché in Peking. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Oberstleutnant in der Zentralstelle des Generalstabs. 1905 wurde er Chef des Generalstabes des III. Armee-Korps in Nürnberg.
1906 kehrte er in den Truppendienst zurück und führte bis 1908 als Oberst das Infanterie-Leib-Regiment. Anschließend wurde er Generalmajor und Kommandeur der 7. Infanterie-Brigade in Würzburg. Von 1910 bis 1912 war er Oberquartiermeister im preußischen Großen Generalstab in Berlin. Danach kommandierte er bis 1915 die 4. Division und blieb als Berater Helmuth von Moltkes mit dem Generalstab verbunden.
Montgelas kritisierte im August 1914 den deutschen Bruch der belgischen Neutralität sowie die deutsche Kriegführung in der Anfangsphase des Ersten Weltkriegs. Deshalb wurde er am 8. April 1915 unter Verleihung des Militärverdienstordens I. Klasse mit Schwertern und mit gesetzlicher Pension zur Disposition gestellt, also aus dem aktiven Dienst genommen. Am 25. Januar 1917 erhielt er den Charakter als General der Infanterie. Bis zum Ende des Krieges lebte er in der Schweiz und entwickelte sich zum überzeugten Pazifisten.
Versailles und Kriegsschuldfrage
Im März 1919 wurde Montgelas gemeinsam mit Hans Delbrück, Max Weber und Albrecht Mendelssohn Bartholdy Mitglied der sogenannten Viererkommission innerhalb der deutschen Delegation bei den Friedensverhandlungen von Versailles. Am 27. Mai 1919 legten sie das Professorenmemorandum vor. Diese Denkschrift mit dem Titel „Bemerkung zum Bericht der Kommission der alliierten und assoziierten Regierungen über die Verantwortlichkeit der Urheber des Krieges“ wandte sich entschieden gegen die von den Siegermächten vertretene These, Deutschland trage die alleinige Schuld am Kriegsausbruch von 1914.
Die Widerlegung dieser Alleinschuldthese wurde zum Schwerpunkt von Montgelas’ Arbeit als Militärhistoriker. Er ging davon aus, Deutschland könne nachträglich mildere Friedensbedingungen erhalten, wenn seine Unschuld am Krieg bewiesen werde. Im Juli und August 1919 führte er im ehemaligen Preußischen Herrenhaus an drei Abenden eine öffentlich stark beachtete Auseinandersetzung mit dem Liberalen Hellmut von Gerlach über die Kriegsschuldfrage. Zusammen mit Walther Schücking gab er in den frühen 1920er Jahren die offiziellen deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch heraus. Außerdem veröffentlichte er Bücher und zahlreiche Beiträge unter anderem in den „Berliner Monatsheften“, der Zeitschrift „Die Kriegsschuldfrage“ und der „Politischen Zeitschrift“.
Ab 1923 war Montgelas stellvertretender Direktor der Zentralstelle für die Erforschung der Kriegsursachen. Diese formal private Vereinigung war eine Tarnorganisation des Auswärtigen Amtes. Sie sollte die Weltöffentlichkeit mit wissenschaftlich wirkenden Argumenten davon überzeugen, dass Deutschland am Ausbruch des Ersten Weltkriegs unschuldig gewesen sei.
Wandel seiner Position und weitere Aufgaben
Montgelas’ spätere Argumentation stand im Gegensatz zu seiner Haltung während des Aufenthalts in der Schweiz. Dort hatte er von einer „dreifachen Schuld“ Deutschlands gesprochen: Erstens habe Deutschland fälschlich angenommen, verstärkte Rüstung könne den Frieden sichern. Zweitens habe es bewusst einen Präventivkrieg herbeigeführt, also einen Krieg begonnen, der einem erwarteten Angriff zuvorkommen sollte. Drittens habe es Kriegsziele festgelegt, die kein „ehrliebender“ Gegner akzeptieren konnte. Nach seiner damaligen Einschätzung war der deutsche Präventivkrieg spätestens im September 1914 zu einem Eroberungskrieg geworden.
1919 wurde Montgelas Sekretär der Heidelberger Vereinigung, die von Max Weber und Maximilian von Baden gegründet worden war. Maximilian von Baden bezeichnete sie als „Kampfesorganisation gegen den Versailler Vertrag“. 1920 wurde Montgelas Sachverständiger des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses. 1928 verlieh ihm die Universität München die Ehrendoktorwürde.
Veröffentlichungen
Montgelas veröffentlichte vor allem Arbeiten zur Entstehung des Ersten Weltkriegs, zur Mobilmachung von 1914 und zur Kriegsschuldfrage. Dazu gehörten „Zur Schuldfrage. Eine Untersuchung über den Ausbruch des Weltkrieges“ (1921), „Die wichtigsten Mobilmachungsdaten 1914“ (1922), „Übersicht der Truppen I. und II. Linie für die Mobilmachungsbefehle ergingen“ (1922), „Leitfaden zur Kriegsschuldfrage“ (1923) und „Der Schlüssel zur Kriegsschuldfrage“ (1926, zusammen mit Heinrich Kanner).
Das Professorenmemorandum erschien später in „Das Deutsche Weißbuch über die Schuld am Kriege 1914“ (Berlin 1927). 1932 veröffentlichte Montgelas „Three invasions of France?“ sowie die französische Ausgabe „Les trois invasions de La France“. Als Herausgeber verantwortete er gemeinsam mit Walter Schücking die vierbändige Ausgabe „Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch“ (Berlin 1927).