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Matrizenring

Die additive und die multiplikative Verknüpfung im Matrizenring sind die Matrizenaddition und die Matrizenmultiplikation. Das neutrale Element im Matrizenring …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Ringregeln, Nullteiler und Reihenfolge
  3. 3. Abbildungen, Determinante und Rang
  4. 4. Unterringe, invertierbare Matrizen und Ideale
  5. 5. Matrizenalgebren

Grundidee und Definition

Ein Matrizenring, auch Matrixring oder Ring der Matrizen, besteht aus allen quadratischen Matrizen einer festen Größe n×n, deren Einträge aus einem unitären Ring R stammen. Er wird als R^{n×n}, M_n(R), Mat(n,R) oder R_n bezeichnet. Verknüpft werden die Matrizen durch Matrizenaddition und Matrizenmultiplikation; das Ergebnis ist jeweils wieder eine n×n-Matrix.

Die Nullmatrix ist das neutrale Element der Addition, die Einheitsmatrix I das Einselement der Multiplikation. Damit ist (R^{n×n}, +, ·) selbst ein unitärer Ring. Matrizenringe sind wichtig, weil der Endomorphismenring, also der Ring der Selbstabbildungen, eines freien Moduls R^n isomorph zu R^{n×n} ist. Viele Ringe können daher als Unterringe eines Matrizenrings dargestellt werden; dies heißt Matrixdarstellung eines Rings.

Für 2×2-Matrizen werden Einträge bei der Addition einzeln addiert. Bei der Multiplikation entsteht etwa links oben der Eintrag a_11·b_11 + a_12·b_21. Diese Regel erklärt, warum die Reihenfolge bei der Matrizenmultiplikation wesentlich sein kann.

Ringregeln, Nullteiler und Reihenfolge

Die Ringaxiome folgen aus den entsprechenden Regeln für Matrizen: Unter der Addition bilden die Matrizen eine kommutative Gruppe, die Multiplikation ist assoziativ, und die Distributivgesetze gelten. Dabei wird 1 ≠ 0 vorausgesetzt.

Die Nullmatrix ist absorbierend: Für jede Matrix A gilt A·0 = 0·A = 0. Für n > 1 besitzt ein Matrizenring jedoch Nullteiler. Beispielsweise gilt

[[0,1],[0,0]] · [[0,1],[0,0]] = [[0,0],[0,0]].

Daher ist R^{n×n} für n > 1 kein Integritätsring. Insbesondere darf man in Matrixgleichungen im Allgemeinen nicht kürzen: Aus A·B = A·C folgt nicht notwendigerweise B = C.

Auch wenn R kommutativ ist, ist R^{n×n} für n > 1 nicht kommutativ. So ist

[[0,1],[0,0]] · [[0,0],[1,0]] = [[1,0],[0,0]]

ungleich

[[0,0],[1,0]] · [[0,1],[0,0]] = [[0,0],[0,1]].

Der Matrizenring ist genau dann kommutativ, wenn n = 1 und R kommutativ ist. Sein Zentrum, also die Menge aller mit jeder Matrix kommutierenden Elemente, lautet Z(R^{n×n}) = {z·I | z ∈ Z(R)}.

Abbildungen, Determinante und Rang

Der Isomorphismus R^{n×n} ≅ End(R^n) verbindet Matrizen mit linearen Selbstabbildungen des freien Moduls R^n. Dabei entspricht die Addition von Abbildungen der Matrizenaddition, die Hintereinanderausführung der Matrizenmultiplikation, die Nullmatrix der Nullabbildung und die Einheitsmatrix der identischen Abbildung.

Ein unitärer Ring S ist genau dann zu R^{n×n} isomorph, wenn er n² Elemente e_ij für i,j = 1,…,n besitzt mit e_ij e_kl = δ_jk e_il und e_11e_11 + e_22e_22 + … + e_nne_nn = 1 sowie einem zu R isomorphen Zentralisator dieser Elemente.

Ist R kommutativ, ist die Determinante eine normierte alternierende Multilinearform R^{n×n} → R. Sie kann mit der Leibniz-Formel berechnet werden:

det A = Σ_{σ ∈ S_n}(sgn(σ) · Π_{i=1}^n a_{i,σ(i)}).

Dabei läuft die Summe über alle Permutationen der symmetrischen Gruppe S_n, und sgn(σ) ist das Vorzeichen der Permutation. Für Produkte gilt det(A·B) = det A · det B.

Der Spaltenrang ist die maximale Zahl linear unabhängiger Spaltenvektoren in R^n; der Zeilenrang ist entsprechend für Zeilen definiert. Bei kommutativem R stimmen beide überein und heißen Rang. Es gilt rang A ≤ n sowie rang(A·B) ≤ min{rang A, rang B}.

Unterringe, invertierbare Matrizen und Ideale

Zu jedem Unterring U von R gehört der Unterring U^{n×n} von R^{n×n}. Weitere strukturelle Unterringe sind Diagonalmatrizen, obere oder untere Dreiecksmatrizen, Blockdiagonal- oder Blockdreiecksmatrizen sowie Matrizen, bei denen bestimmte Zeilen oder Spalten nur Nulleinträge besitzen. Der Unterring der Diagonalmatrizen ist kommutativ, falls R kommutativ ist. Der gesamte Ring R^{n×n} heißt zur Unterscheidung auch voller Matrizenring.

Die Einheiten, also die invertierbaren Elemente des Matrizenrings, bilden die allgemeine lineare Gruppe GL(n,R) der regulären Matrizen. Für reguläre Matrizen A und B gilt (A·B)^{-1} = B^{-1}·A^{-1}. Eine Matrix ist genau dann invertierbar, wenn ihre Spalten eine Basis des freien Moduls R^n bilden.

Bei kommutativem R besitzt jede Matrix A eine Adjunkte adj A mit A·adj A = adj A·A = det A·I. Dann ist A genau dann invertierbar, wenn det A in R invertierbar ist.

Die Ideale von R^{n×n} haben genau die Form J^{n×n}, wobei J ein Ideal von R ist. Entsprechend gilt für die Faktorringe R^{n×n}/J^{n×n} ≅ (R/J)^{n×n}.

Matrizenalgebren

Ist R speziell ein Körper oder Schiefkörper K, dann ist K^{n×n} einfach: Seine einzigen Ideale sind der Nullring {0} und der ganze Ring K^{n×n}. Nach dem Satz von Artin-Wedderburn ist jeder halbeinfache Ring isomorph zu einem endlichen direkten Produkt von Matrizenringen über Schiefkörpern. Mit komponentenweiser Skalarmultiplikation ist K^{n×n} außerdem eine assoziative Algebra.

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