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Maschinenstürmer

Maschinenstürmer waren eine Protestbewegung gegen die sozialen Folgeerscheinungen der Mechanisierung in der industriellen Revolution.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Beteiligte und Ziele
  3. 3. England: Ludditen und Swing Riots
  4. 4. Deutschland und der Weberaufstand
  5. 5. Weitere Regionen und historischer Kontext

Definition und Bedeutung

Maschinenstürmer waren eine Protestbewegung gegen die sozialen Folgen der Mechanisierung während der industriellen Revolution. Häufig zerstörten sie Maschinen oder neu errichtete Fabriken. Damit wollten sie verhindern, dass qualifizierte Arbeiter durch ungelernte Arbeitskräfte ersetzt wurden, oder gegen sinkende Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen protestieren. Der Schwerpunkt lag in England; ähnliche Proteste gab es auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der Maschinensturm war ein offen geführter Protest der Frühindustrialisierung. Traditionelle Wirtschafts- und Arbeitsweisen sowie die soziale Stellung von Handwerkern und Facharbeitern gerieten durch die Mechanisierung und die Entstehung von Fabriken unter Druck. Weil geregelte Verhandlungen, Gewerkschaften und Tarifverhandlungen weitgehend fehlten, griffen Betroffene zur Androhung oder Anwendung offensiver Gewalt gegen Maschinen, Waren oder das Privateigentum von Fabrikanten und Verlegern. Davon unterscheidet sich Sabotage als verdeckte Kampfform.

Beteiligte und Ziele

Die Aktionen konzentrierten sich vor allem auf den Textilsektor. Beteiligt waren unter anderem Tuchscherer, Handweber, Kattundrucker, Baumwollweber und Strumpfwirker. Häufig kämpften außerdem Metallhandwerker wie Schleifer und Schmiede gegen Maschinen und neue Produktionsverfahren.

Die Forschung deutet den Maschinensturm nicht als grundsätzlich irrationale Technikfeindlichkeit. Im Mittelpunkt standen die Verteidigung des sozialen Status, der Verlust traditioneller Privilegien und die Furcht vor einer Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Auch Petitionen an die Obrigkeit wurden genutzt. Selbst wenn Maschinen zunächst nur punktuell Arbeitsplätze vernichteten, verringerte die Angst vor Arbeitslosigkeit die Akzeptanz des technischen Fortschritts und konnte die Industrialisierung verzögern.

Nach Eric Hobsbawm war die Zerstörung oder Androhung der Zerstörung von Produkten und Produktionsmitteln ein Druckmittel in Lohnkämpfen. Da legale Mittel wie gewerkschaftliche Organisation, Streik und Tarifverhandlungen fehlten, konnten Arbeiter so kollektive Forderungen durchsetzen und verhindern, dass Streikbrecher weiterarbeiteten. Hobsbawm bezeichnete dies als „collective bargaining by riot“, also als kollektive Verhandlung durch Aufruhr. Auch Rolf Peter Sieferle dokumentierte Maschinensturm als Druckmittel bei Arbeitskämpfen, besonders in Situationen ohne Gewerkschaften.

England: Ludditen und Swing Riots

In England war der Maschinensturm besonders stark ausgeprägt. Nach E. P. Thompson war der englische Luddismus von 1811 bis 1817 auf drei Regionen und Berufsgruppen begrenzt: Tuchscherer im West Riding of Yorkshire, Baumwollweber in Süd-Lancashire und Strumpfwirker in Nottingham. Tuchscherer waren gelernte und privilegierte Arbeiter; Weber und Strumpfwirker arbeiteten überwiegend zu Hause und besaßen eine lange Handwerkertradition. Alle drei Gruppen verloren durch den Wegfall von Schutzgesetzen und die Konzentration der Webstühle in Fabriken mit ungelernten und jugendlichen Arbeitern an sozialem Status.

Die Ludditen-Aufstände von 1811 bis 1816 zählen zu den bekanntesten technikbezogenen Aufständen. 1811/1812 kam es in Nottingham zu einem großen Aufruhr, den der Staat mit 12.000 Soldaten niederschlug. Das Gesetz von 1812, der Frame-breaking Act, stellte die Zerstörung von Webstühlen unter Todesstrafe und erfüllte die Forderungen der Ludditen. Die Bewegung setzte Gewalt organisiert und diszipliniert ein und erhielt in Mittel- und Unterschichten viel Sympathie. Vor allem Weber und Spinner zerstörten mechanische Webstühle und Fabriken; einzelne Erfinder wurden sogar ermordet. Später wurden die Erleichterungen wieder zurückgenommen. Insgesamt 30 Anführer wurden zum Tode verurteilt, andere Aufständische nach Australien deportiert. 1816 kam es wegen einer erneuten Verschlechterung der Arbeitersituation zu weiteren Ludditen-Unruhen.

Die Swing Riots von 1830 bis 1833 waren Proteste englischer Landarbeiter gegen Landmaschinen, besonders gegen Dreschmaschinen, und für höhere Löhne. Unter dem erfundenen Namen Captain Swing wurden Drohbriefe verschickt. Die Landarbeiter brannten Getreideschober und Dreschmaschinen nieder; teilweise richteten sich die Aufstände auch gegen irische Arbeitsimmigranten.

Deutschland und der Weberaufstand

In Deutschland kam es zwischen 1815 und 1849 zu 186 dokumentierten Fällen von Maschinenprotest. Die Aktionen gingen überwiegend von hochqualifizierten und gut verdienenden Handwerker-Arbeitern aus und entsprachen daher nicht dem Bild einer unkontrolliert und blindwütig handelnden Menge.

Die sogenannten Weberaufstände hatten unterschiedliche Ursachen. Kleinunternehmer und Handwerker konnten im freien Wettbewerb mit der entstehenden Industrie oft nicht bestehen und griffen deshalb Produktivkapital oder Arbeiter an. Daneben gab es Lobbying und Revolten, mit denen ausländische Anbieter durch staatliche Maßnahmen benachteiligt werden sollten. In besonders verarmten Regionen nahmen die Proteste auch den Charakter von Hungerrevolten an. Verschärft wurde die Lage durch den Verlust ausländischer Absatzmärkte infolge der Kontinentalsperre und der englischen Seeblockade, das Eindringen englischer Fabrikwaren nach dem Ende der Kontinentalsperre, sinkende Nachfrage im Inland während Agrarkrisen und die fortschreitende Industrialisierung mit ihren billigeren Produkten.

Der Aufstand der schlesischen Weber von 1844 gilt häufig als bekanntester deutscher Fall. Nach einer jüngeren Auswertung von Christina von Hodenberg standen dabei weder extremes materielles Elend noch antiindustrieller Maschinensturm oder klassenkämpferische Motive im Vordergrund, sondern die Forderung nach angemessener Bezahlung und respektvoller Behandlung. Die Heimweber zerstörten gezielt Firmengebäude, Warenlager und Wohnhäuser von Verlegern, die die Löhne drückten. Maschinelle Textilproduktion gab es dort noch kaum; außer einzelnen Jacquardwebstühlen existierten keine entsprechenden Maschinen.

Die juristischen Folgen waren in Deutschland meist milder als in England und richteten sich vor allem gegen Rädelsführer. Behörden untersuchten die Arbeitsbedingungen und bemühten sich teilweise um Fabrikordnungen. Die Aachener Fabrikenordnung scheiterte jedoch am preußischen Staatsministerium.

Weitere Regionen und historischer Kontext

In Frankreich war die industrielle Revolution Ende des 18. Jahrhunderts noch weniger weit fortgeschritten als in England. Arbeitskämpfe verliefen nach George Rudé deshalb relativ gewaltlos. Eine Ausnahme bildeten die Aufstände der Seidenweber in Lyon 1831 und 1834, bei denen es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Nationalgarde kam; Maschinen wurden dabei jedoch nicht zerstört.

In der Schweiz zerstörten 1832 beim sogenannten Usterbrand Kleinfabrikanten und Heimarbeiter aus dem Zürcher Oberland eine mechanische Spinnerei und Weberei. Sie hatten zuvor vergeblich ein Verbot der Webmaschinen gefordert.

Der Maschinensturm war zeitlich begrenzt, blieb aber als historisches Ereignis und als Metapher in der Erinnerungskultur erhalten. Als ältere Parallelen wurden Gesellschaften angeführt, die technische Neuerungen verhinderten, wenn diese soziale Normen und Gewohnheiten bedrohten. Dazu zählt eine Thorner Zunfturkunde von 1523, nach der kein Handwerksmann etwas Neues erdenken, erfinden oder gebrauchen solle. Auch die Bandmühle, ein Vorläufer des mechanischen Webstuhls, wurde 1685 in ganz Deutschland verboten und in Hamburg auf Befehl des Magistrats öffentlich verbrannt.

Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts bezeichneten Arbeitgeber und Presse Arbeitnehmer sowie Gewerkschaften als „moderne Maschinenstürmer“, wenn diese gegen technische Neuerungen wie Fotosatz sowie NC- und CNC-Maschinen streikten. Besonders heftig war der Konflikt im Londoner Pressezentrum Fleet Street. Ein jahrelanger, teilweise gewalttätiger Streik führte zur einjährigen Unterbrechung des Erscheinens der Times und zur Verlagerung des Pressezentrums nach Wapping in den Docklands.

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