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Mascha Kaléko
Charakteristisch für Mascha Kalékos Arbeit ist die Großstadtlyrik mit ironisch-zärtlichem melancholischem Ton. ... Deutsch und rechts in Englisch):. Wenn einst, …
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Bedeutung und literarisches Profil
Mascha Kaléko, geboren als Golda Malka Aufen am 7. Juni 1907 in Chrzanów in Galizien und gestorben am 21. Januar 1975 in Zürich, war eine deutschsprachige Dichterin. Sie wird der Neuen Sachlichkeit zugerechnet, einer literarischen Richtung, die nüchtern, klar und nah am Alltag schrieb. Kaléko gilt als einzige bekannte dichtende Frau dieser Richtung.
Charakteristisch für ihr Werk ist Großstadtlyrik: Gedichte über das Leben in der modernen Stadt, besonders über Alltag, kleine Leute, Einsamkeit, Liebe, Verlust und Zeitgefühl. Ihr Ton wird als ironisch, zärtlich und melancholisch beschrieben. Schon ihre frühen Kabarettgedichte spiegelten die Lebenswelt der kleinen Leute und die Atmosphäre Berlins am Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wider.
Wichtig für ihr Werk sind auch Exilerfahrungen. Einige ihrer bekanntesten Texte handeln von Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime, politischer Vertreibung und den Folgen des antisemitischen Denkens der NSDAP. Kalékos Gedichte wurden oft vertont und als Chansons vorgetragen. Dadurch wirkten sie nicht nur als gedruckte Literatur, sondern auch auf Kabarett-, Konzert- und Theaterbühnen weiter.
Kindheit, Berlin und literarischer Beginn
Kaléko wurde als nichteheliches Kind der jüdisch-österreichischen Rozalia Chaja Reisel Aufen und des jüdisch-russischen Kaufmanns Fischel Engel geboren. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zog ihre Mutter 1914 mit Mascha und ihrer Schwester Lea nach Deutschland. In Frankfurt am Main besuchte Mascha die Volksschule; ihr Vater wurde dort wegen seiner russischen Staatsbürgerschaft als feindlicher Ausländer interniert.
1916 zog die Familie nach Marburg, 1918 nach Berlin in das Scheunenviertel der Spandauer Vorstadt. Dort verbrachte Mascha ihre Schul- und Studienzeit. Obwohl sie eine gute Schülerin war und gern studiert hätte, hielt ihr Vater ein Studium für ein Mädchen nicht für notwendig. 1922 heirateten ihre Eltern standesamtlich; Mascha wurde von ihrem Vater anerkannt und erhielt den Familiennamen Engel.
1925 begann sie eine Bürolehre im Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands. Nebenher besuchte sie Abendkurse in Philosophie und Psychologie, unter anderem an der Lessing-Hochschule zu Berlin und an der Friedrich-Wilhelms-Universität. 1928 heiratete sie den Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko, den sie seit 1926 kannte. Ende der 1920er Jahre kam sie im Romanischen Café in Charlottenburg mit der Berliner künstlerischen Avantgarde in Kontakt, darunter Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz.
1929 veröffentlichte sie erste Kabarettgedichte in der Zeitschrift Der Querschnitt. Ab 1930 arbeitete sie beim Rundfunk und im Künstlerkabarett mit. Edmund Nick und Günter Neumann vertonten Texte von ihr; Interpretinnen wie Rosa Valetti, Claire Waldoff und Annemarie Hase trugen sie vor. 1933 erschien Das lyrische Stenogrammheft, 1934 das Kleine Lesebuch für Große. Das erfolgreiche Stenogrammheft war von der nationalsozialistischen Bücherverbrennung im Mai 1933 noch nicht betroffen, weil die Nationalsozialisten damals noch nicht erfasst hatten, dass Kaléko Jüdin war.
Verfolgung, Exil und späte Jahre
1933/1934 studierte Kaléko an der Reimann-Schule in Berlin, unter anderem Werbungs- und Publicity-Schreiben. 1936 wurde ihr Sohn Evjatar Alexander Michael geboren; im Exil wurde sein Name später in Steven geändert. Der Vater war der Dirigent und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver. Am 22. Januar 1938 wurde Kalékos Ehe mit Saul Kaléko geschieden, sechs Tage später heiratete sie Chemjo Vinaver. Den Namen Kaléko behielt sie als Künstlernamen.
Bald verboten die Nationalsozialisten ihre Bücher als „schädliche und unerwünschte Schriften“. Im September 1938 emigrierte die Familie in die Vereinigten Staaten. In den USA blieb der berufliche Erfolg ihres Mannes aus, und Kaléko hielt die Familie mit Reklametexten über Wasser. Außerdem schrieb sie Kindergedichte und veröffentlichte 1939 Texte in der deutschsprachigen jüdischen Exilzeitung Aufbau. 1944 erhielt die Familie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. 1945 erschien in einem amerikanischen Verlag Verse für Zeitgenossen. Von 1942 bis 1957 lebte Kaléko in Greenwich Village in New York.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand sie in Deutschland wieder ein Publikum. Das lyrische Stenogrammheft wurde 1956 erneut bei Rowohlt veröffentlicht, später auch die Verse für Zeitgenossen; beide Werke standen auf Bestsellerlisten. 1960 sollte Kaléko den Fontane-Preis der Akademie der Künste in Berlin (West) erhalten. Sie lehnte die Nominierung ab, als sie erfuhr, dass der ehemalige SS-Standartenführer Hans Egon Holthusen in der Jury saß. Im selben Jahr zog sie ihrem Mann zuliebe nach Jerusalem. Dort litt sie unter sprachlicher und kultureller Isolation und lebte enttäuscht und einsam.
1968 starb ihr musikalisch hochbegabter Sohn in New York nach schwerer Krankheit, 1973 starb ihr Mann. In ihrem letzten Lebensjahr schrieb Kaléko noch einmal Gedichte, in denen sie Schmerz, Trauer und Einsamkeit ausdrückte. Im Herbst 1974 besuchte sie zum letzten Mal Berlin und hielt am 16. September in der Amerika-Gedenkbibliothek einen Vortrag. Auf dem Rückweg nach Jerusalem verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand; sie musste in Zürich ins Krankenhaus und wurde operiert. Dort starb sie am 21. Januar 1975 an Magenkrebs. Ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof Oberer Friesenberg in Zürich.
Wichtige Werke und Nachlass
Zu Kalékos wichtigsten zu Lebzeiten erschienenen Büchern gehören Das lyrische Stenogrammheft. Verse vom Alltag von 1933, Kleines Lesebuch für Große. Gereimtes und Ungereimtes von 1935, Verse für Zeitgenossen von 1945 beziehungsweise 1958, Der Papagei, die Mamagei und andere komische Tiere von 1961, Verse in Dur und Moll von 1967, Das himmelgraue Poesiealbum der Mascha Kaléko von 1968, Wie’s auf dem Mond zugeht und andere Verse von 1971 und Hat alles seine zwei Schattenseiten von 1973.
Nach ihrem Tod erschienen zahlreiche Ausgaben aus dem Nachlass und neue Zusammenstellungen. Dazu gehören In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlaß von 1977, Heute ist morgen schon gestern von 1980, Ich bin von anno dazumal von 1984, Liebesgedichte von 2007, Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte von 2007 sowie Sämtliche Werke und Briefe in vier Bänden von 2012. Spätere Ausgaben zeigen, dass Kalékos Texte weiterhin gelesen und neu herausgegeben werden, darunter Kinder- und Liebesgedichte, Briefausgaben und zweisprachige Ausgaben.
Die Verwalterin ihres literarischen Nachlasses war Gisela Zoch-Westphal. Der Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Kalékos Texte existieren nicht nur als Bücher, sondern auch als Liedtexte, Hörbücher und Hörspiele. Ein Beispiel ist Interview mit mir selbst. Mascha Kaléko spricht Mascha Kaléko von 2007, außerdem Wir haben keine andre Zeit als diese. Gedichte über das Leben von 2021.
Wirkung, Vertonungen und Bühne
Kalékos Gedichte wurden früh und später immer wieder vertont. Schon in den 1930er Jahren schrieben Komponisten wie Edmund Nick und Günter Neumann Musik zu ihren Texten. Später wurden Gedichte von ihr unter anderem von Hanne Wieder gesungen oder von Rainer Bielfeldt, Günter Gall und Rebekka Ziegler vorgetragen. Die Sängerin Dota Kehr widmete ihr drei ganze Musikalben mit vertonten Gedichten: Mascha Kaléko von 2020 sowie In der Fernsten der Fernen und Die vielgerühmte Einsamkeit von 2023.
Auch im Hörspiel und Theater wurde Kaléko aufgegriffen. 2017 entstand Jan Koneffkes Hörspiel Bleibtreu heißt die Straße, dessen Titel auf einen Gedichttitel Kalékos zurückgeht. 2025 folgte Ulrike Haages Hörspiel Nichts ist, sagt der Weise mit Texten von Mascha Kaléko. Auf der Bühne erschien 2023 Anja Hillings Drama Mascha K. (Tourist Status) am Schauspiel Frankfurt. 2025 brachte Anne Struve in Berlin eine Hommage mit dem Titel Die Koffer voll von Sehnsucht heraus, in der Kaléko mit ihren eigenen Worten auf ihr Leben zurückblickt.
Gedenken und Ehrungen
An Mascha Kaléko erinnern mehrere Gedenkorte und Benennungen. Am 21. Januar 1990, zu ihrem 15. Todestag, wurde an ihrem ehemaligen Wohnort in der Bleibtreustraße 10/11 in Berlin eine Gedenktafel angebracht. 1995 wurde in Berlin-Kladow die Straße 179 in Mascha-Kaléko-Weg umbenannt. Ihre besondere Beziehung zu Kladow zeigt das Gedicht Souvenir à Kladow mit der Zeile „Ich denke oft an Kladow im April.“ Unklar ist, auf welches Haus oder welche Wohnung in Kladow sich die Erinnerung genau bezieht.
1996 wurde im Zürcher Quartier Oerlikon ein Mascha-Kaléko-Weg nach ihr benannt. 2006 erhielt eine Parkanlage in Berlin-Hellersdorf den Namen Mascha-Kaléko-Park. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2007 wurde an ihrem früheren New Yorker Wohnhaus in der Minetta Street eine Gedenktafel angebracht. Ebenfalls 2007 zeigte Rengha Rodewill im Georg Kolbe Museum in Berlin die Kunstinstallation Hommage à Mascha Kaléko.
Seit dem 7. Juni 2018, Kalékos 111. Geburtstag, trägt eine Grundschule im Berliner Ortsteil Mariendorf den Namen Mascha-Kaléko-Grundschule. Zuvor war die Schule nach dem Zoologen Ludwig Heck benannt, der im Nationalsozialismus an rassenideologischen Denkgebäuden beteiligt und eng mit dem Nationalsozialismus verbunden war.