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Markus Krall
Markus Krall (* 10. Oktober 1962 in Aschaffenburg) ist ein deutscher Unternehmensberater und Autor. Einem breiteren Publikum wurde er ab den 2010er-Jahren …
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Person und beruflicher Werdegang
Markus Krall (* 10. Oktober 1962 in Aschaffenburg) ist ein deutscher Unternehmensberater und Autor. Größere öffentliche Bekanntheit erlangte er ab den 2010er-Jahren durch provokante Prognosen in sozialen Medien. Er warnte vor einem bevorstehenden und angeblich „berechneten“ „Mega-Systemcrash“. Diese Vorhersage erwies sich später als völlig haltlos. In der öffentlichen Rezeption wird Krall unter anderem als rechtslibertär, als „Crash-Prophet“, als Leugner des menschengemachten Klimawandels und als Verbreiter von Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie bezeichnet.
Krall studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Volkswirtschaft und erwarb den Abschluss Diplom-Volkswirt. Nach einem Postgraduiertenstudium an der Universität Nagoya promovierte er 1993 an der Universität Freiburg mit einer Dissertation über die Preisbildung am japanischen Aktienmarkt.
Beruflich arbeitete er im Risikomanagement bei der Allianz, bei der Boston Consulting Group und Oliver Wyman sowie bei McKinsey und Roland Berger. Der Versuch, 2012/13 eine Ratingagentur zu gründen, scheiterte vor dem Start und wurde im April 2013 wegen fehlender finanzieller Mittel aufgegeben. Von 2014 bis 2019 war Krall Managing Director bei Goetzpartners.
Im September 2019 ernannte ihn August von Finck zum Mitglied und Sprecher der Geschäftsführung der Degussa Sonne/Mond Goldhandel. Ende November 2022 wurde Krall mit sofortiger Wirkung freigestellt. Zuvor hatte er mit politischen Thesen stark polarisiert. Im April 2024 wurde bekannt, dass er in Schaffhausen in der Schweiz lebt und sich im Kanton Thurgau niederlassen möchte. Er beantragte eine Aufenthaltsbewilligung und plante ein Unternehmen „im Bereich Edelmetalle“. Als Grund, nicht in Deutschland zu gründen, wurde sein Tweet zitiert, er wolle niemals in die Lage kommen, „die von Hitler erfundene Wegzugssteuer zu bezahlen“.
Wirtschaftliche Prognosen
Krall wird als Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie eingeordnet. Durch sein 2017 erschienenes Buch Der Draghi-Crash wurde er als Kritiker des Keynesianismus und der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bekannt. Er prognostizierte, spätestens 2019/20 werde es zu einem globalen Finanzkollaps kommen.
Seine Erklärung beruhte auf der Annahme, dass die Niedrigzinspolitik der EZB und günstige Refinanzierungsmöglichkeiten viele nicht mehr rentabel arbeitende Unternehmen dazu gebracht hätten, sich zunehmend zu verschulden. Diese Unternehmen bezeichnete er als „Zombiefirmen“. Das Volumen ihrer Kredite schätzte Krall größer ein als das Eigenkapital der Banken im Eurosystem. Schon eine geringfügige Erhöhung des Leitzinses oder eine Kreditrationierung könne daher zahlreiche Zombiefirmen zahlungsunfähig machen. Die daraus entstehenden Kreditausfälle würden nach seiner Einschätzung Banken gefährden, die er wegen niedriger Margen und hoher Compliance-Aufwendungen teilweise als „Zombiebanken“ bezeichnete.
Die Geldpolitik der EZB kritisierte Krall im Januar 2020 als „rein planwirtschaftlich“ und als „Geldsozialismus“; die EZB selbst nannte er den „Maschinenraum des Völkerselbstmords“.
In seinem im Mai 2021 erschienenen Buch Freiheit oder Untergang. Warum Deutschland jetzt vor der Entscheidung steht sagte Krall voraus, der Euro werde bis Ende 2021 in einer Hyperinflation seinen Wert verlieren. Als Ersatz werde die EZB „Digitalgeld“ einführen, was zu Totalitarismus führen werde. Danach werde ein „totaler Produktionszusammenbruch“ folgen, durch den die Bürger ihr gesamtes Vermögen verlören. Diese von Krall selbst als „Vision wahrhaft apokalyptischer Natur“ bezeichnete Vorhersage trat nicht ein.
Politische Aktivitäten und Positionen
Krall war bis 2012 Mitglied der CDU und danach zunächst parteilos. Im Juli 2023 trat er als außerordentliches Mitglied dem Verein Werteunion bei. Während seiner Mitgliedschaft arbeitete er an Plänen mit, die Werteunion in eine eigenständige Partei umzuwandeln. Ziel war unter anderem, sie als Mehrheitsbeschaffer für die AfD zu etablieren, weil die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnte. Krall sprach von „Mehrheiten rechts vom Linken Altparteienblock“, die nötig seien, um „Deutschland zu reformieren“. Eine führende Position in der neuen Partei war zunächst vorgesehen, wurde jedoch von Hans-Georg Maaßen abgelehnt. Am 20. Februar 2024 erklärte Krall seinen Austritt aus der Werteunion. Seit September 2024 ist er Mitglied der Partei Bündnis Deutschland.
Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Mitglieder der mutmaßlich rechtsterroristischen Patriotischen Union kam es laut der Wochenzeitschrift Die Zeit im Dezember 2022 auch bei Krall zu einer Hausdurchsuchung. Anlass war ein Treffen mit Mitgliedern dieser Gruppe, darunter dem „Reichsbürger“ Heinrich XIII. Prinz Reuß.
Krall erwartet als Folge einer globalen Finanzkrise eine Währungsreform und eine grundlegende Reform oder Revolution des politischen Systems. Die bisherige Parteiendemokratie hält er für obsolet. Er behauptet, eine „Negativauswahl“ führe dazu, dass weniger befähigte Menschen in die Politik gelangten: Weil Einkommen und Intelligenz korrelierten, würden fähige Personen eher in der freien Wirtschaft arbeiten. Das Listensystem der Parteien fördere außerdem Konformität und Rückgratlosigkeit.
In einem von Krall 2021 skizzierten Verfassungsentwurf sollen nur Parteilose zu Wahlen antreten dürfen. Der Bundestag soll nur an 60 Tagen im Jahr zusammentreten, und es soll nur noch vier Bundesministerien geben. Krall fordert außerdem, das allgemeine und gleiche Wahlrecht einzuschränken. Empfänger von Transferleistungen, etwa Bafög oder Sozialhilfe, sowie Beschäftigte in einem subventionierten Betrieb sollen nach seiner Vorstellung kein Wahlrecht haben. In Die bürgerliche Revolution schlägt er zudem einen lebenslang gewählten „Wahlkönig“ mit Vetorecht in allen „grundsätzlichen Fragen“ vor. Weiterhin befürwortet er eine Liberalisierung des deutschen Waffenrechts und kritisiert eine zunehmende „Staatsgläubigkeit“, den Etatismus, die Planwirtschaft und das Zurückdrängen liberaler Ideen.
Klimawandel und COVID-19-Pandemie
Krall bezweifelt den menschengemachten Klimawandel. Im Dezember 2022 veröffentlichte er auf Twitter eine Klimagrafik von Richard Alley und schrieb: „Die Temperaturentwicklung der letzten 9.500 Jahre. (…) Klimawandel gibt es, nur ist er weder neu, noch menschengemacht“.
Die Grafik zeigt laut dem Artikel jedoch weder globale Temperaturdaten noch die gegenwärtige globale Erwärmung. Sie stellt eine lokale Datenreihe aus Grönland dar und endet bereits 1885, also mehrere Jahrzehnte vor Beginn des aktuellen Temperaturanstiegs. Nach der im Artikel wiedergegebenen Einschätzung von Correctiv wird diese Grafik seit vielen Jahren von Klimawandelleugnern verwendet, um die menschengemachte Erderwärmung zu bestreiten. Kralls Tweet wurde rund 3000 Mal geteilt, unter anderem von der SVP-Nationalrätin Yvette Estermann.
In Freiheit oder Untergang. Warum Deutschland jetzt vor der Entscheidung steht behauptet Krall, die Corona-Krise sei keine Gesundheitskrise, sondern „die finale Phase unserer sterbenden Demokratie“. Die staatlichen Coronamaßnahmen stellt er als Teil einer Verschwörung westlicher Eliten dar. Diese hätten angeblich das Ziel, die Menschheit zu kontrollieren und auszubeuten. Als angebliche Begründungen für eine neue Diktatur nennt er sowohl die „erfundene Klimakatastrophe“ als auch eine „aufgeblasene Grippe“. Maßnahmen wie Einschränkungen des Reisens, Verbote von Demonstrationen und Eingriffe in Grundrechte deutet er als Aufbau eines Staatswesens, in dem Grundrechte zu „verfügbaren Privilegien“ würden.
Rezeption und Veröffentlichungen
In Medien wird Krall als Vertreter der Österreichischen Schule und als Anhänger des Libertarismus charakterisiert. Mehrere seiner Bücher wurden Bestseller, erstmals insbesondere Der Draghi-Crash von 2017. Wegen seiner Prognosen eines Zusammenbruchs des Eurosystems und der Weltwirtschaft 2019/20 sowie seiner Schriften über einen bevorstehenden Finanzkollaps wurde er mit anderen Autoren als „Crash-Prophet“ bezeichnet. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass mehrere solcher Autoren über ihre Unternehmen zugleich Vermögensanlagen bewerben, die eine ungünstige Performance zeigten.
Der Spiegel ordnete Kralls Aussagen als „rechte Umsturzphantasien“ und „extrem rechte Positionen“ ein und verwies unter anderem auf seine öffentliche Werbung für die AfD. Das Schweizer Magazin Republik bezeichnete ihn als „rechtslibertär“ und „AfD-Sympathisanten“. Ein Vortrag in Zürich fand wegen der Sicherheitskosten letztlich nicht an der Universität statt; außerdem widerrief die liechtensteinische Gemeinde Ruggell die Bewilligung für einen Liechtensteintag. Die Süddeutsche Zeitung nannte Krall eine „Art Pop-Star unter den politischen Verschwörungsideologen“. Der Journalist Christian Jakob verglich bestimmte Äußerungen Kralls zum Klimawandel und zur COVID-19-Pandemie mit dem Mythos einer jüdischen Weltverschwörung.
Zu Kralls Veröffentlichungen gehören seine Dissertation Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am japanischen Aktienmarkt von 1994, ein Beitrag zu Basel II von 2005 sowie das unter dem Pseudonym Diogenes Rant erschienene Buch Verzockte Freiheit. Wehrt euch! von 2014. Weitere zentrale Bücher sind Der Draghi-Crash von 2017, Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen von 2018, der gemeinsam mit Florian Homm, Moritz Hessel und anderen verfasste Band Der Crash ist da von 2019, Die bürgerliche Revolution von 2020 und Freiheit oder Untergang von 2021.
Mitgliedschaft
Krall ist Mitglied des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab.