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Allianz SE

Die Allianz SE mit Sitz in München ist ein 1889 gegründeter börsennotierter Versicherungskonzern und einer der größten Versicherer der Welt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Geschäftsfelder
  2. 2. Gründung, Wachstum und Weimarer Republik
  3. 3. Nationalsozialismus, Neubeginn und Internationalisierung
  4. 4. Entwicklungen seit 2000
  5. 5. Aktien, Führung und Konzernstruktur
  6. 6. Kritik und bekannte Versicherungsfälle

Unternehmen und Geschäftsfelder

Die Allianz SE ist ein börsennotierter Versicherungskonzern mit Sitz in München, gegründet 1889; die Geschäftstätigkeit begann am 5. Februar 1890 in Berlin. Weltweit tritt der Konzern als Allianz Group auf und zählt zu den größten Versicherern der Welt. Ende 2025 beschäftigte er 156.875 Menschen, erzielte 186,9 Milliarden Euro Umsatz und einen Jahresüberschuss von 11,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 10,5 Milliarden Euro). Vorstandsvorsitzender ist seit Mai 2015 Oliver Bäte.

Das Kerngeschäft besteht aus Versicherungen und Finanzdienstleistungen. 2022 erzielten Lebens- und Krankenversicherungen Beitragseinnahmen von 75,1 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss von 3,8 Milliarden Euro. Die Schaden- und Unfallversicherung kam auf 70,0 Milliarden Euro Umsatz und 3,2 Milliarden Euro Jahresüberschuss. Im Asset Management, also der Verwaltung von Vermögen für Privatpersonen, institutionelle Anleger und Versicherungstöchter, verwaltete die Gruppe zum 31. Dezember 2022 2,2 Billionen Euro und erzielte 0,9 Milliarden Euro Jahresüberschuss. Zu diesem Bereich gehören PIMCO und Allianz Global Investors (AGI). Die Allianz ist außerdem größter Gesellschafter der Extremus Versicherung, die Großschäden durch Terrorismus versichert.

Der Bankbereich wurde nach dem Verkauf der Dresdner Bank 2009 deutlich eingeschränkt. In Deutschland lag der Schwerpunkt zeitweise bei der Oldenburgischen Landesbank; größere Bankaktivitäten bestehen auch in Italien und Frankreich. Allianz X wurde 2013 gegründet, um die Digitalisierung voranzutreiben. Seit November 2017 tätigt die Einheit strategische Investitionen in digitale Themen; ihr Gesamtinvestitionsvolumen betrug 2019 eine Milliarde Euro.

Gründung, Wachstum und Weimarer Republik

Die Allianz Versicherungs-AG wurde von Vertretern der Münchener Rück, der Deutschen Bank sowie weiteren Unternehmern gegründet. Das Aktienkapital betrug 4 Millionen Mark, davon waren 25 % einzuzahlen. 1893 eröffnete sie in London ihre erste Auslandsfiliale, 1895 wurden ihre Aktien erstmals an der Berliner Börse gehandelt. Frühe große Versicherungsfälle waren das Erdbeben von San Francisco 1906 und der Untergang der Titanic 1912, bei denen hohe Entschädigungen fällig wurden.

Nach dem Ersten Weltkrieg baute die Allianz unter Vorstandsvorsitzendem Kurt Schmitt neue Sparten aus, etwa Luftfahrt-, Aufruhr- und Kraftfahrtversicherung. 1921 vereinbarten Allianz und Münchener Rück im „Gemeinschaftsvertrag“ eine enge Kapital- und Personalverflechtung sowie eine Aufteilung ihrer Aufgaben: Die Allianz konzentrierte sich auf Erstversicherung, die Münchener Rück auf Rückversicherung. 1922 entstand mit 20 Millionen Reichsmark Grundkapital die Allianz Lebensversicherungs-AG.

In den 1920er-Jahren übernahm die Allianz kleinere Konkurrenten und zählte nach der Inflation zu den größten deutschen Versicherern; 1924 betrugen die Prämieneinnahmen rund 80 Millionen Reichsmark. Nach der Fusion mit dem Stuttgarter Verein 1927/28 führte sie zunächst den Namen Allianz und Stuttgarter Verein. Allein in der Lebensversicherung verwaltete sie danach 1,6 Milliarden Reichsmark. Nach dem Zusammenbruch der FAVAG 1929 übernahm eine Allianz-Tochter deren Sachversicherungsverpflichtungen. 1932 eröffnete die Allianz eine Materialprüfstelle zur Schadenforschung, aus der das Allianz Zentrum für Technik hervorging.

Nationalsozialismus, Neubeginn und Internationalisierung

Die Allianz hatte bereits in der Weimarer Republik Kontakte zu Nationalsozialisten. Kurt Schmitt wurde im Juni 1933 Reichswirtschaftsminister und SS-Ehrenmitglied. Von 1933 bis 1945 versicherte die Allianz Unterorganisationen der NSDAP und profitierte bei der Ausbreitung des Deutschen Reiches von neuen Geschäftsfeldern. Durch die Übernahme jüdischer Versicherungshäuser wurde der Kundenstamm erweitert. Ab 1940 versicherte sie unter anderem SS-Rüstungsbetriebe, Häftlingsbaracken, Lager und Fuhrparks in Konzentrationslagern wie Auschwitz, Buchenwald und Dachau; Mitarbeitende inspizierten die Lager regelmäßig. Eine historische Forschungsgruppe veröffentlichte 2001 Ergebnisse zur Unternehmensgeschichte von 1933 bis 1945.

Nach Krieg und Berlin-Blockade wurden die Zentralen 1949 nach München und Stuttgart verlegt. Die Allianz führte als erstes Unternehmen in Deutschland elektronische Datenverarbeitung für den Versichertenbestand ein, mit einem IBM 650 und Lochkarten. 1958 entstand der Werbeslogan „hoffentlich Allianz versichert“, 1959 wurde das Auslandsgeschäft wieder aufgenommen.

Seit den 1970er-Jahren wuchs die Allianz international durch Gründungen und Übernahmen, darunter Vereinte in Deutschland, AGF in Frankreich, RAS in Italien und Fireman’s Fund in den USA. 1985 wurde die Allianz AG als Holding gegründet. 1990 übernahm sie die Staatliche Versicherung der DDR, expandierte nach Mittel- und Osteuropa sowie nach Asien und stieg 1994 in die private Krankenversicherung ein. Mit der Übernahme von 51 % der französischen AGF für 9,2 Milliarden DM wurde die Allianz 1997 zum weltgrößten Versicherungskonzern.

Entwicklungen seit 2000

Die Übernahme der Dresdner Bank 2001 führte zusammen mit Naturkatastrophen in Mitteleuropa, den Anschlägen auf das World Trade Center und Finanzmarktkrisen zum ersten negativen Ergebnis der Unternehmensgeschichte: etwa 1,2 Milliarden Euro Verlust. Die Dresdner Bank wurde 2008 für insgesamt 9,8 Milliarden Euro an die Commerzbank verkauft; der Abschluss erfolgte am 12. Januar 2009.

2003 kündigten Allianz und Münchener Rück ihren Rahmenvertrag zur Überkreuzbeteiligung. Damit wurde die weitgehende Entflechtung der deutschen Versicherungswirtschaft vorangetrieben. 2006 wurden die deutschen Hauptgesellschaften unter der Allianz Deutschland AG gebündelt. Am 13. Oktober 2006 fusionierte die Allianz mit der italienischen RAS und wandelte sich in eine Europäische Aktiengesellschaft um; seither lautet der Name Allianz SE.

Die Direktversicherungsmarke Allianz24 bot ab 2005 Pkw-Versicherungen im Internet an und wurde 2009 durch Allsecur, die heutige Allianz Direct Versicherung-AG, ersetzt. Die defizitäre Allianz Bank stellte ihren Betrieb zum 30. Juni 2013 ein. 2017 wurde der Verkauf von rund 90,2 % der Oldenburgischen Landesbank an die Bremer Kreditbank für 300 Millionen Euro bekannt gegeben. Seit 2025 wird ein 2023 geschlossenes Joint Venture mit Sanlam für Afrika als SanlamAllianz umgesetzt. Am 9. Januar 2026 kündigte die Allianz eine Partnerschaft mit Anthropic an: Modelle der Claude-Familie sollen mit der internen KI-Plattform verbunden und Beschäftigten bereitgestellt werden.

Aktien, Führung und Konzernstruktur

Das Grundkapital ist in rund 380,4 Millionen Stückaktien aufgeteilt. Die Aktie ist in Frankfurt notiert und im DAX sowie DivDAX enthalten. Wegen geringer Handelsvolumina kündigte die Allianz 2009 den Rückzug von der New York Stock Exchange sowie später von Börsen in London, Mailand, Paris und der Schweiz an.

Zum 31. Dezember 2022 befanden sich alle Aktien im Streubesitz. Ausländische Investoren hielten 58,3 % des Grundkapitals; 26,2 % entfielen auf private und 73,8 % auf institutionelle Investoren. Etwa 842.000 Aktionäre aus Deutschland hielten zusammen 41,7 %. Größter Einzelaktionär war BlackRock Inc. mit 7,63 %. Die Allianz strebt an, jährlich 50 % des auf Anteilseigner entfallenden Konzernjahresüberschusses auszuschütten und die Dividende gegenüber dem Vorjahr um mindestens 5 % zu steigern.

Oliver Bäte ist seit dem 7. Mai 2015 Vorstandsvorsitzender, Michael Diekmann seit dem 7. Mai 2017 Aufsichtsratsvorsitzender. Der Konzern umfasst in Deutschland unter anderem Versicherungen für Leben, private Kranken-, Schaden- und Unfallversicherung, Vertriebs- und Technologiegesellschaften sowie Allianz Global Investors. International gehören bzw. gehörten unter anderem Gesellschaften in Frankreich, Österreich, der Schweiz, Italien, Rumänien, Indien und weiteren Ländern zur Gruppe.

Kritik und bekannte Versicherungsfälle

Oxfam erklärte 2012 in einer Studie, die Allianz sei 2011 mit geschätzten 6,2 Milliarden Euro in fünf Fonds größter Investor in Agrarrohstoffen gewesen. Oxfam führte aus, Spekulation etwa mit Weizen oder Mais verursache starke Preisschwankungen und Preisspitzen und könne damit Hunger verschärfen. Die Allianz bestritt 2012 einen Zusammenhang zwischen ihren Investitionen und steigenden oder volatilen Preisen.

2006 kündigte der Konzern an, bis 2008 rund 7.500 Stellen in Deutschland abzubauen, darunter etwa 2.500 bei der Dresdner Bank. Die Planung wurde angesichts eines Rekordgewinns von 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2005 kritisiert. Nach Verhandlungen mit ver.di erklärte die Konzernleitung im November 2006, bis 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Wegen der Structured Alpha Fonds von AGI US untersuchte das US-Justizministerium ab 2021 Vorgänge rund um hohe Verluste während der Corona-Krise. Kläger warfen AGI US Abweichungen von eigenen Fondsregeln vor. Im Mai 2022 einigte sich die Allianz mit den meisten Klägern und US-Behörden, bekannte sich nach Artikelangabe schuldig und stellte 5,6 Milliarden Euro für Entschädigungs- und Strafzahlungen zurück.

Zu bekannten Fällen zählen San Francisco 1906, die Versicherung von Malaysia-Airlines-Flug 370 und Indonesia-AirAsia-Flug 8501 sowie das frühere World Trade Center. Bei diesem wurde die Allianz zur Zahlung der doppelten Versicherungssumme verurteilt, weil die Anschläge auf die Zwillingstürme als zwei Schadensfälle galten. Durch Namenssponsoring trägt die Allianz außerdem den Namen von sieben Sportstadien, darunter Allianz Arena in München, Allianz Field in Saint Paul und Allianz Stadium in Turin.

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