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X (soziales Netzwerk)
X (stilisierte Schreibweise X), bis Juli 2023 Twitter (englisch für „Gezwitscher“), ist ein soziales Netzwerk. Das Internetportal wurde 2006 als …
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Überblick und Funktionsweise
X, bis Juli 2023 Twitter, ist ein zentral betriebenes soziales Netzwerk und ein Mikroblogging-Dienst. Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams gründeten die Plattform 2006; sie ist seit dem 21. März 2006 online. Betreiber war zunächst Twitter, Inc., seit 2023 ist es X Corp. und seit Ende März 2025 gehört X Corp. zum KI-Unternehmen X.AI. X zählt zu den meistbesuchten Onlineplattformen der Welt.
Angemeldete Nutzer veröffentlichen Texte, Bilder und Videos. Die Beiträge heißen heute „Posts“, früher „Tweets“. Ein normaler Beitrag darf bis zu 280 Unicode-Zeichen enthalten, in der Bezahlversion bis zu 4000 Zeichen. Ohne Konto sind Inhalte nur eingeschränkt einsehbar. Die Plattform dient Privatpersonen, Medien, Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen zur schnellen, meist öffentlichen Kommunikation.
Nutzer „folgen“ ausgewählten Konten und abonnieren dadurch deren Beiträge. Der Bereich „Folge ich“ zeigt Beiträge gefolgter Konten chronologisch; „Für dich“ enthält eine algorithmisch ausgewählte, personalisierte Mischung. X ist zentralisiert: Der Betreiber entwickelt und kontrolliert die Plattform und kann Beiträge entfernen oder ihre Sichtbarkeit einschränken. Dies unterscheidet X von dezentralen Angeboten wie Mastodon, deren Quelltext und verwendetes Protokoll ActivityPub öffentlich dokumentiert sind.
Entwicklung von Twitter zu X
Twitter begann im März 2006 unter dem Namen „twttr“ als SMS-basierte Plattform. Daher galt zunächst ein Limit von 140 Zeichen. Jack Dorsey veröffentlichte am 21. März 2006 den ersten Tweet: „just setting up my twttr.“ Im April 2007 wurde Twitter, Inc. als eigenständiges Unternehmen gegründet. Die Nutzerzahl stieg stark: 105 Millionen aktive Nutzer im April 2010, 200 Millionen im September 2011, rund 218 Millionen im Oktober 2013 und 304 Millionen im zweiten Quartal 2015. Seit April 2010 gab es mobile Apps.
Im November 2017 wurde die Höchstlänge eines Tweets von 140 auf 280 Zeichen erhöht. Seit Dezember 2017 können bis zu 25 Tweets zu einem Thread, also einer zusammenhängenden Beitragsfolge, verbunden werden. Ab 2018 verbarg Twitter Beiträge von Konten, die durch Trolling oder Regelverletzungen aufgefallen waren, teilweise automatisch.
Elon Musks X Corp. übernahm Twitter Ende Oktober 2022. Musk entließ die Hälfte der Mitarbeiter; viele große Werbekunden verließen anschließend die Plattform. Im Juli 2023 ersetzte das Zeichen 𝕏 (Unicode U+1D54F) das Vogel-Logo. Apps und Bezahlangebot wurden in X beziehungsweise Premium umbenannt. Musk beschrieb das Rebranding als Schritt zu einer Allzweck-App für Text-, Bild-, Video- und Audioinhalte sowie Zahlungs- und weitere Onlinedienste.
Seit November 2023 ist das von xAI entwickelte KI-System Grok verfügbar. Am 28. März 2025 wurde die Übernahme von X Corp. durch xAI bekannt gegeben: xAI wurde mit etwa 80 Milliarden US-Dollar bewertet, X Corp. nach Abzug von 12 Milliarden US-Dollar Schulden mit rund 33 Milliarden US-Dollar. Im Februar 2026 wurden unter anderem erweiterte Nachrichten, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Videokonferenzen, die eigenständige App XChat und der Zahlungsdienst XMoney angekündigt.
Zentrale Funktionen
Für ein Konto werden unter anderem E-Mail-Adresse, Nutzername, Telefonnummer zur Verifizierung und Passwort benötigt. Ein Echtname ist nicht vorgeschrieben. Beiträge sind normalerweise öffentlich, können aber auf akzeptierte Follower beschränkt werden. Nach der Veröffentlichung lassen sie sich löschen, jedoch nicht bearbeiten.
Ein Hashtag kennzeichnet mit „#“ ein Thema, zum Beispiel #wikipedia. Er darf Buchstaben und Ziffern, aber keine Satz- oder Leerzeichen enthalten. Mit „@“ wird auf ein Nutzerprofil verwiesen. Ein „Repost“, früher „Retweet“, teilt einen fremden Beitrag und nennt dessen Urheber; zusätzlich kann ein eigener Kommentar ergänzt werden. Antworten bilden Konversationen und Threads. Likes drücken meist Zustimmung, Gefallen oder Unterstützung aus; seit Juni 2024 sind die Likes eines Nutzers nicht mehr öffentlich einsehbar.
Konten können stummgeschaltet werden, sodass ihre Nachrichten nicht mehr angezeigt werden, oder blockiert werden, um weitere Interaktionen zu verhindern. Eigene Listen bündeln ausgewählte Konten; sie können privat oder öffentlich sein. Direktnachrichten ermöglichen private Kommunikation. „Spaces“ sind seit Ende 2020 Live-Audio-Diskussionen mit mehreren Teilnehmern. „Trending Topics“ zeigen seit 2009 stark wachsende Themen und Hashtags.
„Community Notes“ sind seit Ende 2022 eine gemeinschaftliche Faktencheck-Funktion. Registrierte Mitwirkende verfassen Anmerkungen zu Beiträgen und bewerten sie als hilfreich, teilweise hilfreich oder nicht hilfreich. Bei genügend Bewertungen erscheint eine Anmerkung öffentlich, kann aber später überstimmt werden.
Der Empfehlungsalgorithmus von „Für dich“ trifft aus verschiedenen Quellen eine Vorauswahl von ungefähr 1500 Beiträgen und erstellt mithilfe maschinellen Lernens ein Ranking. Angestrebt wird ein Verhältnis von 50:50 zwischen bereits gefolgten und neuen Konten; blockierte Nutzer oder bereits gelesene Beiträge werden entfernt. Teile des Programmcodes wurden im März 2023 veröffentlicht. Daraus ging auch hervor, dass Musks Beiträge bevorzugt wurden.
Eine Programmierschnittstelle (API) verbindet X mit anderen Anwendungen. 2023 wurde der kostenlose Zugang weitgehend abgeschafft; ein Zugang mit weniger Umfang als die frühere Gratisversion kostete beispielhaft 42.000 US-Dollar pro Monat. Kritiker sahen dadurch Non-Profit-Projekte, Wissenschaft und Journalismus gefährdet. Weitere Funktionen sind Archivexport, Push-Benachrichtigungen, Livestreams, Alt-Texte für barrierefreie Bilder und Twitterwalls, auf denen Beiträge zu einem gemeinsamen Hashtag bei Veranstaltungen angezeigt werden.
Technik, Datenschutz und Sicherheit
Twitter setzte Java zur Erzeugung von Webseiten ein. Die Nachrichtenwarteschlange war zunächst in Ruby programmiert und wurde wegen Skalierungsproblemen in Scala neu geschrieben. Das eigene Oberflächen-Framework Bootstrap wurde als Open-Source-Projekt veröffentlicht. Spezialisierte Programme wie TweetDeck ermöglichten die übersichtliche Verwaltung mehrerer Konten.
Wachstum und Architekturprobleme verursachten wiederholt Ausfälle. 2007 war Twitter ungefähr 98 Prozent der Zeit erreichbar und fiel zusammengerechnet mehr als sieben volle Tage aus. Nach einer Architekturanpassung 2008 kam es weiterhin zu Stabilitätsproblemen und zeitweise entfernten Funktionen.
Mehrere Sicherheitslücken wurden bekannt: 2007 konnten manipulierte SMS im Namen eines Opfers veröffentlicht werden; Twitter führte daraufhin eine optionale PIN ein. 2009 und 2010 traten Cross-Site-Scripting-Lücken auf, bei denen fremder JavaScript-Code ausgeführt werden konnte. 2018 teilte Twitter mit, Passwörter seien unverschlüsselt beziehungsweise unmaskiert in einer internen Datei gespeichert worden. Hinweise auf Missbrauch seien nicht gefunden worden; die Zahl der betroffenen Konten blieb unbekannt. Im Juli 2020 verschafften sich Angreifer Zugriff auf die Administrationsoberfläche und missbrauchten prominente Konten für Bitcoin-Betrug.
X sammelt personenbezogene Nutzerdaten und gibt Daten an Dritte weiter. Es behält sich vor, diese bei einem Eigentümerwechsel als Vermögenswert zu verkaufen. Seit 2012 konnte die Datensammlung zeitweise über das Browser-Signal „Do Not Track“ deaktiviert werden. Ebenfalls 2022 zahlte Twitter in einem Vergleich mit US-Behörden 150 Millionen US-Dollar, weil nicht ausdrücklich dafür freigegebene E-Mail-Adressen und Telefonnummern für personalisierte Werbung verwendet worden waren.
Verbreitung und gesellschaftliche Nutzung
2022 waren weltweit 237,8 Millionen Nutzer monatlich aktiv; außerdem wurden für 2022 229 Millionen täglich aktive Nutzer angegeben. In Deutschland nutzten laut ARD-ZDF-Onlinestudie 2020 zehn Prozent Twitter mindestens selten, fünf Prozent wöchentlich und zwei Prozent täglich. Besonders hoch war der Anteil bei den 14- bis 29-Jährigen. In der Schweiz konsultierten 2023 etwa 740.000 Personen X gelegentlich. Österreichische Messungen waren unsicher, weil nur Konten mit korrekt angegebenem Wohnort zugeordnet werden konnten; die tatsächliche Reichweite wurde auf möglicherweise das Vierfache der gemessenen Werte geschätzt.
Öffentliche Einrichtungen verbreiten Informationen, etwa die NASA zu Raumfahrtprojekten oder das Los Angeles Fire Department während der Waldbrände 2007. Hochschulen nutzten Twitter für Lehre, Wissenschaftskommunikation und Konferenzen. Mehr als 60 Hochschulen und Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum kündigten später wegen der Radikalisierung des Diskurses ihren Rückzug an.
Unternehmen verwenden X für Marketing, Marktforschung, Kundendienst und Produktinformationen. Microsoft richtete beispielsweise einen Supportkanal für Xbox ein und suchte automatisch nach Fragen und Problemen. Medien wie BBC und ZDF nutzten den Dienst für aktuelle Meldungen. Informationen erschienen dort oft schneller als in redaktionellen Medien; zugleich konnten sich unbestätigte Gerüchte und Falschmeldungen rasch verbreiten.
Politisch diente Twitter unter anderem Barack Obamas Wahlkampf 2008, Donald Trumps Regierungskommunikation und oppositionellen Gruppen bei den Wahlen im Iran 2009. Aktivisten koordinierten darüber zahlreiche Protestbewegungen. In Deutschland wurde Twitter erstmals im hessischen Landtagswahlkampf 2009 umfassend eingesetzt. Die vorzeitige Veröffentlichung von Wahlergebnissen und Prognosen löste Diskussionen über eine mögliche Beeinflussung von Wahlen aus.
Followerzahlen sind nur begrenzt aussagekräftig. Forscher schätzten 2013, dass bei einem durchschnittlichen Nutzer nur etwa 35 Prozent der Follower reale Personen seien; der Rest bestehe aus „Socialbots“, also Programmen, die Menschen nachahmen. Gekaufte Follower, massenhaftes Folgen und Entfolgen sowie automatisierte Beiträge werden für Werbung, Manipulation und Rufschädigung eingesetzt.
Kritik, Moderation und staatliche Eingriffe
X wird wegen Hassrede, Cybermobbing, Spam, Desinformation, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Verschwörungstheorien und russischer Propaganda kritisiert. Der frühere Twitter-Chef Dick Costolo räumte 2015 ein, zu wenig gegen Trolle und Hassbeiträge unternommen zu haben. Nach Musks Übernahme wurden zahlreiche Moderatoren entlassen, zuvor gesperrte Konten wieder freigeschaltet und Kennzeichnungen falscher Aussagen populärer Nutzer teilweise aufgegeben. Laut EU-Kommissarin Věra Jourová wies X den höchsten Anteil an Falsch- oder Desinformation auf. Beiträge zur Leugnung des Klimawandels verdreifachten sich auf rund 110.000 pro Woche.
Ein weiteres Problem sind algorithmische Sichtbarkeit und mögliche „Filterblasen“, also abgeschlossene Informationsräume, in denen Nutzer vor allem bestätigende Inhalte sehen. Kritiker bezeichneten verdeckte Reichweitenbeschränkungen als „Shadowbans“. X und Medien widersprachen dieser Bezeichnung, weil betroffene Inhalte über die Profilseite weiterhin erreichbar sein konnten. Musks eigene Beiträge werden technisch hervorgehoben. Sperren kritischer oder parodierender Konten sowie die zeitweise Sperrung mehrerer US-Journalisten im Dezember 2022 führten zu Vorwürfen, der Anspruch auf freie Meinungsäußerung werde widersprüchlich umgesetzt.
Twitter führte 2012 länderspezifische Filter ein, um Inhalte nach nationalem Recht zu sperren. In Deutschland wurde am 18. Oktober 2012 erstmals ein Konto nur innerhalb eines Landes blockiert: „@hannoverticker“ gehörte einer verbotenen Neonazi-Gruppierung. Gleichzeitig wurde Twitter dafür kritisiert, gemeldete Hassbeiträge nur unzureichend zu entfernen. In anderen Staaten wurde die gesamte Plattform zeitweise gesperrt, darunter 2014 in der Türkei, 2021 in Uganda und Nigeria sowie 2024 in Brasilien. Die brasilianische Sperre endete am 9. Oktober 2024 nach Zahlung von 28,6 Millionen Reais beziehungsweise 4,7 Millionen Euro.
Kritik betraf auch die Zusammenarbeit mit autoritären Regierungen. Laut einem Bericht wurden vor Musks Übernahme etwa 50 Prozent ihrer Löschanfragen abgelehnt, im ersten Halbjahr danach nur noch 17 Prozent; 83 Prozent wurden umgesetzt. Sperren regierungskritischer Konten in der Türkei und Indien ließen Zweifel an Musks Selbstdarstellung als Verteidiger der Meinungsfreiheit entstehen.
Behörden leiteten mehrere Verfahren ein. Die EU-Kommission eröffnete im Oktober 2023 nach der Verbreitung irreführender Inhalte zum Hamas-Angriff auf Israel ein Verfahren. Im Dezember 2025 verhängte sie wegen vorenthaltener Forschungsdaten und nicht nachvollziehbar dokumentierter Werbung eine Geldstrafe von 120 Millionen Euro. Zahlreiche Medien, Hochschulen, Parteien, Kultureinrichtungen und bekannte Personen verließen X oder stellten ihre Konten still. Als Gründe nannten sie besonders Radikalisierung, Desinformation, politische Einseitigkeit und eine als toxisch empfundene Debattenkultur.
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