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Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie

Sie umfassen Falschmeldungen, Fake News, pseudowissenschaftliche Gesundheitstipps, Desinformation und Verschwörungstheorien zu allen Aspekten der Krankheit. Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Verbreitung der Falschinformationen
  2. 2. Eigenschaften des Virus, Krankheitsverlauf und Tests
  3. 3. Schutz, Behandlung und Impfungen
  4. 4. Ursprungs- und Verschwörungserzählungen
  5. 5. Staatliche Falschangaben und politische Verharmlosung
  6. 6. Wissenschaftliche Einordnung und Gegenmaßnahmen

Gegenstand und Verbreitung der Falschinformationen

Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie und zu SARS-CoV-2 umfassen Falschmeldungen, Fake News, pseudowissenschaftliche Gesundheitstipps, Desinformation und Verschwörungstheorien. Sie betreffen Eigenschaften und Herkunft des Virus, Schutz- und Heilmittel, Impfungen, Gegenmaßnahmen sowie staatliches Handeln. Begünstigt wurden sie durch die anfängliche wissenschaftliche Unkenntnis über eine neue Viruserkrankung und durch die schnelle Verbreitung über soziale Medien, Messenger-Dienste und einzelne Medien.

Als Falschinformation gilt eine Hypothese erst nach ihrer Falsifizierung. Sie ist deshalb vom normalen wissenschaftlichen Dissens zu unterscheiden. Verbreitet wurden Behauptungen unter anderem von Impfgegnern, Esoterikern, einzelnen Medizinern, rechtsextremen und rassistischen Gruppen sowie von Staatsmedien und politisch interessierten Akteuren. Die russische Auslandspropaganda nutzte Falschmeldungen gezielt zur Destabilisierung westlicher demokratischer Gesellschaften. WHO, Regierungen, medizinische Institutionen, seriöse Medien, Plattformbetreiber, Ärzte und Faktenchecker reagierten mit Aufklärung; teilweise wurden auch Strafverfolgungsbehörden tätig.

Ein Grundmuster besteht darin, wissenschaftliche Einzelmeinungen aus ihrem Zusammenhang zu lösen, Unsicherheiten als Beweis gegen Forschung darzustellen oder aus zeitlichen Korrelationen ursächliche Zusammenhänge abzuleiten. Verschwörungserzählungen machen aus der komplexen und unsichtbaren Bedrohung durch ein Virus einen angeblich planenden Verursacher, etwa China, die USA, die Pharmaindustrie, Bill Gates oder einen „tiefen Staat“.

Eigenschaften des Virus, Krankheitsverlauf und Tests

Frühe Kettenbriefe und Videos übertrieben die Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 oder enthielten unbelegte Symptome. Die Inkubationszeit kann laut WHO bis zu 14 Tage dauern, beträgt aber meist fünf Tage. Flüssigkeiten verlängern oder verstärken die Lebensdauer beziehungsweise Infektiosität des Virus nicht. SARS-CoV-2 wird durch Tröpfchen und Aerosole übertragen und kann sich außerhalb eines Wirts nicht vermehren. Ein angeblicher typischer Hautausschlag und ein plötzliches Umkippen auf offener Straße wurden nicht belegt. Ärztliche Behandlung kann Symptome behandeln, auch wenn es anfangs keine spezifische Heilung gab.

Ein als angebliche Whistleblowerin aus Wuhan dargestelltes Video nannte Ende Januar 2020 90.000 Infizierte und behauptete, eine Person könne mindestens 14 weitere anstecken. Am 26. Januar 2020 hatte die WHO dagegen 1985 Infizierte in China registriert. Die damals geschätzte Basisreproduktionszahl R0 lag bei 1,4 bis 2,5; für 90.000 Infizierte hätte sie ungefähr 14 bis 15 betragen müssen.

Verharmlosende Grippevergleiche übersahen die fehlende Immunität der Bevölkerung, die exponentielle Zunahme, den fehlenden Impfstoff und begrenzte Behandlungskapazitäten. Laut ECDC starben jährlich durchschnittlich etwa 0,1 Prozent der Erkrankten an saisonaler Grippe. Von den damals getesteten COVID-19-Fällen starben bis April 2020 je nach Region und Messzeitpunkt 0,8 bis 7,7 Prozent. Das RKI schrieb am 8. Oktober 2020, COVID-19 verursache eine höhere Letalität als schwere Grippe und beatmungspflichtige Patienten müssten länger beatmet werden.

Der PCR-Test gilt als „Goldstandard“ für den direkten Erregernachweis. Der Ct-Wert beschreibt, wie oft Erbgutspuren verdoppelt werden mussten, um die Nachweisgrenze zu überschreiten. Ein positives Ergebnis weist Erbgut nach, beweist aber nicht allein den Verlauf oder die Infektiosität. Unterschiedliche Testkits und Labore sind nicht vollständig standardisiert, weshalb die Interpretation von Ct-Werten schwierig ist. Die Behauptung, Mehrfachtests würden beim RKI als neue Fälle gezählt, wurde zurückgewiesen: Weitere Tests werden einem bestehenden Fall zugeordnet; nur eine seltene erneute Infektion kann als neuer Fall gelten. Auch steigende Fallzahlen waren nicht bloß Folge mehrerer Tests, da die Positivrate ebenfalls stieg.

Schutz, Behandlung und Impfungen

Viele Behauptungen versprachen einfache Schutz- oder Heilmittel. Alkohol tötet Viren auf der Haut in geeigneten Desinfektionsmitteln, aber nicht im Körper. Im Iran führte die Falschmeldung, Whiskey oder Alkohol heile COVID-19, bis Ende März 2020 zu 480 Todesfällen und 2850 Erkrankungen durch Vergiftungen beziehungsweise Methanolschäden. Bleich- und Desinfektionsmittel sind beim Trinken oder Injizieren lebensgefährlich. Von Januar bis Ende März 2020 registrierten US-Behörden 17.392 Vergiftungen mit Desinfektionsmitteln, 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, sowie 28.158 mit Reinigungsmitteln, 12 Prozent mehr.

Chloroquin, Hydroxychloroquin und Azithromycin wurden unter anderem von Donald Trump beworben, obwohl keine ausreichenden Wirksamkeitsbelege vorlagen und starke Nebenwirkungen bekannt waren. In den USA und Nigeria starben Menschen nach Chloroquin-Einnahme. Auch Ivermectin wurde nach ersten Labor- und Medienberichten, obwohl nicht ausreichend zur COVID-19-Behandlung untersucht, in hohen Dosen und als Tierarzneimittel verwendet. WHO, FDA und EMA warnten davor oder empfahlen es höchstens im Rahmen klinischer Prüfungen. Für Knoblauch, Zwiebeln, Heißluft, Kuhdung, Kuhurin, traditionelle chinesische Medizin, Homöopathie und Zistrosenextrakt gab es keinen belastbaren Nachweis einer Behandlung oder Vorbeugung gegen COVID-19. Vitamin C, Zink und Vitamin D wurden ebenfalls ohne ausreichende Belege empfohlen. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel kann mit schweren Verläufen korrelieren; Ursache, Folge oder Zufall sind jedoch nicht geklärt. Überdosierungen können unter anderem Hyperkalzämie und Nierenschäden verursachen.

Masken verursachen bei Erwachsenen bei korrekter Anwendung keine gefährliche CO₂-Anreicherung. Kinder unter zwei Jahren sollten nach dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte keinen Mundschutz tragen. Durchfeuchtete Masken sollen gewechselt werden, weil ihre Schutzwirkung abnimmt; Keime vermehren sich dadurch nicht in der Lunge. Angebliche Parasiten oder Metallfäden in Schnellteststäbchen und FFP2-Masken erwiesen sich als Fasern, Pflanzenteile, Hautschuppen oder Staub. Positive Schnelltests nach dem Auftragen von Cola, Bier oder Apfelmus belegen keine Unwirksamkeit, weil dabei die vorgeschriebene Pufferlösung und der richtige pH-Wert fehlen.

Falschbehauptungen über genetische Impfstoffe besagten, mRNA- oder Vektorimpfstoffe würden das menschliche Erbgut verändern, Unfruchtbarkeit verursachen, Mikrochips enthalten oder Geimpfte zu „Superspreadern“ machen. Bei mRNA-Impfstoffen liegt die mRNA außerhalb des Zellkerns vor und wird nicht in DNA umgeschrieben. Adenovirus-Vektoren sind nicht-integrierend; ihre DNA liegt „episomal“ getrennt von der menschlichen DNA. Für Unfruchtbarkeit, ADE, einen Zytokinsturm oder eine Weitergabe des Spike-Proteins durch Geimpfte wurden keine entsprechenden Belege gefunden. Zurückgezogene oder methodisch kritisierte Studien, etwa von Harald Walach, wurden als Belege für übertriebene Nebenwirkungszahlen verwendet. Das PEI betonte, dass klinische Prüfungen und laufende Überwachung notwendig sind; unerwünschte Ereignisse sind nicht automatisch kausale schwere Nebenwirkungen.

Ursprungs- und Verschwörungserzählungen

Ein millionenfach verbreitetes Video zeigte eine gebratene Fledermaus in einer Suppe und machte chinesische Essgewohnheiten für die Pandemie verantwortlich. Die Aufnahme entstand jedoch 2016 in Palau, nicht 2019 in Wuhan. Die Erzählung knüpfte an Vermutungen über einen Tiermarkt an und wurde als rassistisches Narrativ eingeordnet, das Chinesen pauschal mangelnde Hygiene und Krankheitsübertragung zuschreibt.

Die These, SARS-CoV-2 sei als biologische Waffe in einem Labor hergestellt worden, wurde unter anderem von Medien, Politikern und russischen Staatsmedien verbreitet. Genomanalysen stellten fest, dass das Virus zu 96 Prozent mit Coronaviren aus Fledermäusen identisch ist und keine eindeutigen Merkmale künstlicher Herstellung zeigt. Zwei in Science veröffentlichte Studien von Juli 2022 kamen zu dem Ergebnis, dass der erste Ausbruch eng mit dem Huanan-Markt in Wuhan verbunden war; die ersten 155 Infektionen gruppierten sich dort. Eine Untersuchung des US-Geheimdienstes von 2021 wies die Biowaffenthese zurück, hielt aber damals sowohl eine Übertragung von Tieren als auch einen Laborunfall für prüfenswert. Medien berichteten 2025 über entsprechende, noch wissenschaftlich geprüfte BND-Erkenntnisse.

Auch 5G-Strahlung wurde fälschlich mit COVID-19 verbunden. Das Virus wird nicht durch Mobilfunk verursacht; in vielen Ländern mit COVID-19 gab es kein 5G-Netz. Die Thesen führten in Großbritannien und anderen Ländern zu Angriffen auf Mobilfunkmasten und Beschäftigte. Antisemitische Erzählungen machten „die Juden“, Israel, George Soros oder jüdische Führungskräfte von Impfstoffunternehmen für Virus und Impfungen verantwortlich. Rechtsextreme Gruppen beschuldigten zusätzlich Migranten, Roma, Muslime oder Globalisierung. Esoterische und religiöse Erzählungen deuteten die Pandemie als Plan einer „Neuen Weltordnung“, als Mittel zur Einführung von Mikrochips oder als Erfüllung apokalyptischer Prophezeiungen. Fiktive oder vage Vorhersagen aus Büchern von Dean Koontz und Sylvia Browne sowie angebliche Nostradamus-Zitate wurden nachträglich als Vorhersagen dargestellt.

Staatliche Falschangaben und politische Verharmlosung

Auch Regierungen und staatliche Medien verbreiteten falsche oder irreführende Informationen. China brachte im Dezember 2019 Ärzte aus Wuhan zunächst zum Schweigen und verbreitete später die Darstellung, das Ausland komme schlechter mit der Pandemie zurecht und das Virus könne aus den USA stammen. Kritische Journalisten und Blogger verschwanden; ab dem 10. April 2020 mussten medizinische Veröffentlichungen zur Herkunft des Virus staatlich genehmigt werden.

Russische Staatsmedien und Plattformen verbreiteten seit Januar 2020 laut einer Taskforce des Europäischen Auswärtigen Dienstes Hunderte Falschmeldungen: Das Virus stamme aus NATO-Laboren, sei eine Biowaffe, werde von Bill Gates oder George Soros finanziert oder die Pandemie diene zur Errichtung von Hygienediktaturen. Ziel war laut den Analysen, Vertrauen in westliche Regierungen, Medien und Institutionen zu untergraben.

In Brasilien bezeichnete Jair Bolsonaro COVID-19 als „kleine Grippe“, forderte eine Rückkehr zur Normalität und wollte Maßnahmen von Gouverneuren blockieren. In Mexiko sagte Andrés Manuel López Obrador, Menschen sollten sich trotz Empfehlungen umarmen und weiter in Restaurants gehen. In den USA verharmloste Donald Trump die Pandemie wiederholt, versprach zu wenige Tests, stellte Chloroquin als zugelassene Therapie dar und machte andere für Versäumnisse verantwortlich. Seine Aussagen verzögerten laut der Darstellung Schutzmaßnahmen und verschärften Engpässe.

Auch in Deutschland gab es staatliche Falschangaben: Gesundheitsminister Jens Spahn bestritt am 14. März 2020 „massive weitere Einschränkungen“, die zwei Tage später angekündigt wurden. In Serbien wurden zwischen dem 19. März und dem 1. Juni 2020 intern 632 Todesfälle registriert, offiziell aber nur 244; vor den Parlamentswahlen wurden auch Neuinfektionen niedriger angegeben. Österreichische Behörden unterschätzten zunächst die Gefahr in Tirol und isolierten Ischgl und das Paznauntal erst am 13. März 2020. Weitere Beispiele betreffen Iran, Turkmenistan, Tadschikistan, Belarus, Venezuela und Tansania.

Wissenschaftliche Einordnung und Gegenmaßnahmen

Eine Untersuchung der University of Oxford erfasste 225 vom 1. Januar bis 31. März 2020 verbreitete Einzelthesen. 59 Prozent verzerrten oder rekontextualisierten vorhandene Informationen, 38 Prozent waren vollständig erfunden. 87 Prozent der Interaktionen entfielen auf rekonfigurierte Falschmeldungen. 80 Prozent der Aussagen stammten von gewöhnlichen Nutzern, doch 20 Prozent von Politikern und Prominenten erzeugten 69 Prozent der Interaktionen. 39 Prozent bezogen sich auf Maßnahmen von Regierungen, WHO und UNO; 88 Prozent erschienen in sozialen Medien. Twitter ließ 59 Prozent, YouTube 27 Prozent und Facebook 24 Prozent der von Faktencheckern als falsch eingestuften Inhalte stehen.

Falschinformationen entstehen häufig in Situationen von Kontrollverlust. Laut der Sozialpsychologin Pia Lamberty machen Verschwörungserzählungen eine abstrakte, unsichtbare Bedrohung durch einen vermeintlich konkreten und absichtlich handelnden Verursacher verständlicher. Michael Butter betont, dass bekannte Feindbilder lediglich auf die Pandemie übertragen wurden. Behauptungen von Personen mit akademischen Titeln sind nicht automatisch wissenschaftlich; entscheidend sind Fachgebiet, Belege, Methode und die Einordnung durch die Forschung.

Die WHO sprach am 2. Februar 2020 von einer „massiven Infodemie“ und entwickelte Hotline, Webseiten zur Mythenentkräftung und die „Infodemiologie“ als Wissenschaft des Umgangs mit Informationsschwemmen. Sie arbeitete mit Google, Facebook, Twitter, WeChat und TikTok zusammen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte am 15. April 2020 vor einer Desinformationswelle, die Menschen und Gruppen stigmatisiere. 27 Wissenschaftler aus acht Staaten verurteilten am 18. Februar 2020 Verschwörungstheorien zur Virus-Herkunft und verwiesen auf Genomstudien zur natürlichen Herkunft. Mehr als 100 Mediziner forderten im Mai 2020 von Plattformen Korrekturen, Herabstufungen und die Entfernung wiederholter gesundheitsgefährdender Falschinformationen.

Für die Bewertung von Aussagen sind transparente Behördenkommunikation, die Darstellung von Unsicherheiten, unabhängige Faktenchecks, wissenschaftliche Belege und der Vergleich mit Primärquellen entscheidend. Nutzer sollten vor dem Weiterleiten prüfen, wer eine Behauptung aufstellt, ob sie durch belastbare Daten gestützt wird und ob Fachleute sie im Zusammenhang bestätigen.

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