Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Marktlagengewinn
Der Marktlagengewinn oder Q-Gewinn (englisch windfall profit oder windfall gain) ist in den Wirtschaftswissenschaften ein dynamischer Gewinn,
Inhalt5 Abschnitte
Kernbegriff
Ein Marktlagengewinn, auch Q-Gewinn, englisch windfall profit oder windfall gain, ist in den Wirtschaftswissenschaften ein dynamischer Gewinn. Er entsteht nicht durch besondere unternehmerische Leistung, sondern durch plötzliche, außergewöhnliche und unerwartete Veränderungen der Marktentwicklung.
Solche Veränderungen können zu Kostensenkungen führen oder eine unerwartete zusätzliche Nachfrage auslösen. Der Gewinn ist deshalb nicht sicher planbar. Er hängt von einer zufälligen oder unverhofften Marktsituation ab.
Einordnung
David Ricardo thematisierte bereits 1817 plötzliche Veränderungen der Marktlage. In der deutschsprachigen Fachliteratur geht die umfassende wissenschaftliche Darstellung des Marktlagengewinns auf Erich Preiser im Jahr 1955 zurück.
Preiser griff auf John Maynard Keynes zurück und nannte den Marktlagengewinn auch Q-Gewinn, genauer Quasimonopolgewinn. Bei Keynes sind windfall gains eine exogene, also von außen kommende, Abweichung vom normalen Unternehmergewinn durch „Monopolgewinne, Produzentenrenten und ähnliches“.
Nach Preiser gehört der Marktlagengewinn zusammen mit dem Pioniergewinn zu den dynamischen Gewinnen. Der Pioniergewinn ist eher planbar, während der Marktlagengewinn durch unverhoffte oder zufällige Marktentwicklungen entsteht. Preiser bezeichnet ihn auch als Knappheitsgewinn.
Entstehung
Volkswirtschaftlich entsteht der Knappheitsgewinn Q, wenn die Nettoinvestition I größer ist als die Nettoersparnis S. Die Formel lautet: I > S. Daraus ergibt sich: I = S + Q.
In der umgekehrten Situation spricht man von Marktlagenverlusten. Sowohl Marktlagengewinne als auch Marktlagenverluste beruhen auf einem Ungleichgewicht.
Ein typischer Fall ist steigende Nachfrage bei kurzfristig unelastischem Angebot. „Unelastisch“ bedeutet hier, dass das Angebot kurzfristig nicht schnell genug ausgeweitet werden kann. Gründe können zum Beispiel der Wegfall eines Konkurrenten oder Hamsterkäufe sein. Dann steigen Preise und/oder Lieferfristen verlängern sich. Dadurch steigen die Umsatzerlöse der Anbieter, während die Gesamtkosten zunächst gleich bleiben.
Im weiteren Verlauf nehmen Marktlagengewinne durch Anpassungsprozesse ab. Am Ende fällt der Marktlagengewinn ganz weg: Q = 0. Dann hat der Markt ein neues Marktgleichgewicht erreicht, und es gilt wieder I = S.
Beispiele
Ein Beispiel sind Gewinne, die entstehen, wenn der Wert eines Grundstücks steigt, weil es in Bauland umgewandelt wird oder weil öffentliche Erschließungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Eine in der Wirtschaftspraxis häufigere Variante sind Kostensenkungen durch unerwartet gesunkene Beschaffungspreise, etwa bei Rohstoffen, Betriebsstoffen oder Hilfsstoffen. Wenn zum Beispiel der Erdöl- und Benzinpreis sinkt, während Beschaffungsmengen und Umsätze konstant bleiben, entsteht ebenfalls ein Marktlagengewinn.
Daher verwendet Keynes den Begriff windfall. Er bedeutet sinngemäß „unerwarteter Glücksfall“ oder „unerwartetes Geschenk“. Die Entwicklung der Ölpreise kann von Unternehmen nicht beeinflusst und kaum vorhergesehen werden; deshalb können daraus Zufallsgewinne entstehen.
Besteuerung
Marktlagengewinne können politisch als Anlass für Sondersteuern gesehen werden. Während der Ölpreiskrise 1979 erzielten erdölfördernde Unternehmen Marktlagengewinne. In den USA führte das Kabinett Carter 1980 eine Crude Oil Windfall Profit Tax ein. Sie wurde 1988 wieder abgeschafft.
In Großbritannien erhob die Labour-Regierung 1997 eine windfall tax auf privatisierte Versorgungsunternehmen, die ein Monopol innehatten. Damit sollte ein Teil der als unverhältnismäßig hoch angesehenen Gewinne wieder abgeschöpft werden.
Die OECD kritisierte, dass eine windfall tax oft nicht diejenigen treffe, die die übermäßigen Gewinne erhalten hätten. Der Grund sei, dass dieser Personenkreis die betreffenden Aktien häufig bereits weiterverkauft habe.