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Marienerscheinungen in Međugorje

Im Jahr 2024 erteilte der Papst auch seine Zustimmung zur Marienverehrung, ohne die sogenannten Botschaften und Visionen als übernatürlich anzuerkennen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Phänomens und heutige kirchliche Einordnung
  2. 2. Botschaften, Praktiken und geistlicher Inhalt
  3. 3. Chronik der ersten Tage
  4. 4. Die sechs Seher und die Geheimnisse
  5. 5. Kirchliche Untersuchungen und offizielle Position
  6. 6. Konflikte, Kritik und Missbrauchsfälle

Kern des Phänomens und heutige kirchliche Einordnung

Die Marienerscheinungen von Međugorje, auch Medjugorje, bezeichnen Berichte, nach denen einer Gruppe von sechs Jugendlichen am 24. Juni 1981 und in den folgenden Tagen nahe dem Dorf Međugorje in der westlichen Herzegowina die Gottesmutter Maria erschienen sei. Einige der Beteiligten geben an, Maria erscheine ihnen seitdem weiterhin und übermittle Botschaften. Es handelt sich nach Umfang und Dauer um die längste und größte Serie angeblicher Marienerscheinungen in der Geschichte des Katholizismus.

Međugorje ist bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort. Seit Beginn sollen sich über 60 Millionen Menschen dorthin auf den Weg gemacht haben; aktuell werden jährlich etwa 2,5 Millionen Pilger genannt. Vor Ort sind etwa 30 religiöse Gemeinschaften und karitative Organisationen tätig. Das tägliche Abendgebetsprogramm der Pfarrei umfasst Rosenkranz, Heilige Messe, Anbetung und Beichtgelegenheiten und dauert etwa 3–4 Stunden. Es wird von über 6 Millionen Menschen täglich live im Internet verfolgt. Das jährliche Jugendfestival zieht etwa 80.000 Teilnehmer an. Wegen der intensiven Beichtpraxis wird Međugorje oft als „Beichtstuhl der Welt“ bezeichnet; es gibt 65 Beichtstühle, die oft nicht ausreichen.

Die katholische Kirche hat die angeblichen Erscheinungen nicht als übernatürlich anerkannt. Gleichzeitig sind seit 2019 auf Anordnung von Papst Franziskus offiziell organisierte Pilgerreisen durch Diözesen und Pfarreien erlaubt. Diese Erlaubnis ist ausdrücklich seelsorglich begründet und keine Anerkennung der Visionen. Im Jahr 2024 erlaubte der Papst durch Zustimmung zur Marienverehrung in Međugorje ebenfalls keine Anerkennung der sogenannten Botschaften und Visionen als übernatürlich.

Botschaften, Praktiken und geistlicher Inhalt

Maria soll sich in Međugorje als „Königin des Friedens“ bezeichnet haben. Der Friede wird dabei nicht nur als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern als geistlicher, familiärer und sozialer Friede, der aus dem Gebet kommt. Als zentrales Anliegen der Botschaften wird die Bekehrung, also die Umkehr des Menschen zu Gott, genannt.

Die Botschaften werden oft in den „Fünf Steinen von Medjugorje“ zusammengefasst. Diese Analogie prägte der Pfarrer Pater Jozo Zovko in Anlehnung an David und Goliath. Gemeint sind: Gebet des Rosenkranzes; Heilige Messe als Zentrum des Lebens; monatliche Beichte; Fasten mittwochs und freitags nur mit Brot und Wasser; Lesen der Heiligen Schrift. Weitere betonte Praktiken sind die Anbetung des Allerheiligsten Sakraments, die Verehrung des Kreuzes und das Lesen der Vita von Heiligen.

Die Note des Dikasteriums für die Glaubenslehre von 2024 beschreibt die geistliche Erfahrung von Međugorje als im Kern auf Christus bezogen. Maria werde als Fürsprecherin verstanden, deren Wirken Jesus Christus untergeordnet sei. Die Heilige Messe wird in einer Botschaft als „Hochform des Gebets“ bezeichnet; Maria selbst sei den Gläubigen während der Messe näher als während der Erscheinungen.

Zugleich weist die Note auf problematische Elemente hin. Einige Aussagen wirkten mit „konfusen menschlichen Erfahrungen“, theologisch ungenauen Äußerungen oder nicht ganz legitimen Interessen verbunden. Kritisch gesehen werden besonders Formulierungen wie „mein Plan“ oder „mein Vorhaben“, wenn sie Maria eine Stellung geben könnten, die allein Christus zukommt. Die Note betont daher, dass Marias Mittlerschaft als „mütterliche Fürsprache“ zu verstehen sei. Pilgerfahrten sollen nicht wegen der mutmaßlichen Seher erfolgen, sondern um Maria, der Königin des Friedens, und Christus zu begegnen.

Chronik der ersten Tage

Die ersten Ereignisse sollen am 24. Juni 1981 gegen 15 Uhr oder in der Dämmerung begonnen haben. Ivanka Ivanković, 15 Jahre alt, und Mirjana Dragičević, 16 Jahre alt, waren in Podbrdo oberhalb des Dorfes Bijakovići unterwegs. Ivanka will ein helles Licht gesehen haben, das menschliche Form annahm, und rief: „Das ist die Jungfrau!“ Weitere Jugendliche kamen hinzu oder wurden später beteiligt: Vicka Ivanković, Ivan Dragičević, Ivan Ivanković, Milka Pavlović, später statt Milka ihre Schwester Marija Pavlović sowie der zehnjährige Jakov Čolo. Die Jugendlichen berichteten von der Vision; Dorfbewohner spotteten, Eltern sorgten sich wegen möglicher Konflikte mit der kommunistischen Miliz.

Am 25. Juni 1981 näherte sich die Gruppe der Gestalt und berührte sie nach eigenen Angaben. Vicka sagte, sie habe Stahl gefühlt; Marija beschrieb die Kleidung als wie Luft. Die Erscheinung habe wie eine junge Frau von etwa 20 Jahren ausgesehen und eine singende Stimme gehabt. Am 26. Juni waren über tausend Menschen anwesend. Die Erscheinung soll erst als Nebel und dann als Gestalt sichtbar geworden sein. Marija berichtete außerdem von einer eigenen Erscheinung vor einem Kreuz, bei der Maria geweint und gesagt habe: „Friede, Friede, Friede und nur Friede! Der Friede muss zwischen Gott und dem Menschen und zwischen den Menschen herrschen!“

Am 27. Juni befragte Pater Jozo Zovko die Seher erstmals gemeinsam mit Pater Zrinko Čuvalo getrennt. Am 28. Juni reagierte die Erscheinung auf die Frage nach einem Zeichen nach den Berichten nur mit einem Lächeln oder dem Satz: „Geht in den Frieden des Herrn“. Am 29. Juni wurden die Jugendlichen in einer psychiatrischen Klinik in Mostar untersucht; der Psychiater attestierte psychische Gesundheit. An diesem Tag soll die Erscheinung die Heilung des gelähmten dreijährigen Daniel Šetka versprochen haben, die nach Zovkos Feststellung am nächsten Tag nicht eingetreten war.

Am 30. Juni 1981 kam es wegen Polizeipräsenz zu einer Fahrt in die Ebene von Cerno. Dort soll Maria auf Mirjanas Frage geantwortet haben, sie werde „noch drei Tage“ erscheinen, also bis zum 3. Juli. Das widersprach der Angabe vom Vortag, wonach sie bleiben werde: „Solange ihr es wünscht, solange ihr wollt“. Am 1. Juli soll es eine „Erscheinung im Auto“ und später eine Erscheinung im Pfarrhaus gegeben haben; Zovko berichtete von einer Stimme, die ihm befahl, die Kinder zu schützen. Am 2. Juli soll eine erste Erscheinung in der Pfarrkirche stattgefunden haben. Am 3. Juli verkündeten die Seher, Maria habe gesagt, dies sei ihre letzte Erscheinung; dennoch werden spätere und bis heute andauernde Erscheinungen berichtet.

Die sechs Seher und die Geheimnisse

Die Gruppe der Seher besteht aus sechs Personen, die bei Beginn der Ereignisse zwischen zehn und siebzehn Jahre alt waren: Ivanka Ivanković-Elez, Mirjana Dragičević-Soldo, Vicka Ivanković-Mijatović, Ivan Dragičević, Marija Pavlović-Lunetti und Jakov Čolo. An ihnen wurden mehrfach Untersuchungen durchgeführt, unter anderem 1984, 1985 und 1998, mit Tests wie MMPI, EPI, MHQ und Rorschachtest. Laut Artikel schlossen diese Ergebnisse Betrug, Simulation, Epilepsie, Hysterie, Halluzinationen und psychische Krankheiten aus. Während der Ekstase sei das Schmerzempfinden aufgehoben gewesen; der Umweltbezug wie Hören sei unterbrochen gewesen, während sensorische Bahnen normale Integrität gezeigt hätten. Das Phänomen wird daher im Artikel als „wissenschaftlich unerklärlich“ bezeichnet.

Drei Seher geben weiterhin tägliche Erscheinungen an: Vicka Ivanković-Mijatović, Ivan Dragičević und Marija Pavlović-Lunetti. Marija übermittelt die monatliche öffentliche Botschaft am 25. eines jeden Monats. Bei ihr sollen Experimente einen deutlichen Unterschied zwischen mystischer Ekstase und herbeigeführter Hypnose gezeigt haben.

Drei andere Seher sollen die angekündigten zehn Geheimnisse vollständig erhalten haben; danach hätten ihre täglichen Erscheinungen aufgehört. Mirjana Dragičević-Soldo berichtet von einer jährlichen Erscheinung am 18. März, ihrem Geburtstag, und seit dem 2. August 1987 zusätzlich von monatlichen Erscheinungen oder vom Hören der Stimme Marias am zweiten Tag des Monats. Ivanka Ivanković-Elez, die als erste die Erscheinung gesehen haben soll, berichtet, dass ihre täglichen Erscheinungen 1985 endeten. Jakov Čolo, der Jüngste der Gruppe, lebt in Međugorje.

Die Geheimnisse sollen künftige Ereignisse von großer Bedeutung betreffen. Mirjana Soldo soll dazu bestimmt sein, sie zehn Tage vor ihrem Eintreten einem Franziskanerpriester mitzuteilen; dieser solle sie drei Tage vor der Realisierung der Welt offenbaren.

Kirchliche Untersuchungen und offizielle Position

Die kirchliche Beurteilung ist von Anfang an umstritten. Pater Jozo Zovko, der damalige Pfarrer von Međugorje, war zunächst skeptisch. Nach eigenen Angaben hörte er beim Beten eine Stimme: „Geh hinaus und beschütze die Kinder“. Danach wurde er ein entschiedener Unterstützer. Die örtlichen Franziskaner förderten die Versammlungen. Gleichzeitig bestand in der Herzegowina seit über 100 Jahren ein Konflikt zwischen Franziskanern und der Diözesanhierarchie von Mostar-Duvno um die pastorale Zuständigkeit.

Bischof Pavao Žanić von Mostar war anfangs offen und verteidigte die Seher gegen das kommunistische Regime, äußerte 1983 jedoch gegenüber der Glaubenskongregation „stärkste Zweifel“. Ein wichtiger Wendepunkt war der „herzegowinische Fall“, also der Konflikt um zwei suspendierte Franziskaner. Die angebliche Stellungnahme der Gospa gegen das Handeln des Bischofs belastete das Verhältnis dauerhaft.

Mehrere Untersuchungskommissionen kamen zunächst zu negativen oder nicht bestätigenden Ergebnissen. Die Erklärung von Zadar der Jugoslawischen Bischofskonferenz vom April 1991 formulierte die Position „Non constat de supernaturalitate“: Die Übernatürlichkeit der Ereignisse kann noch nicht bestätigt werden. Private Pilgerreisen waren erlaubt, sofern sie nicht der Authentifizierung der Ereignisse dienten. Bischof Perić interpretierte die Erklärung strenger als „constat de non supernaturalitate“, also als sichere Nichtübernatürlichkeit, was umstritten blieb.

Die Ruini-Kommission, 2010 unter Kardinal Camillo Ruini eingesetzt, schloss 2014 ihre Arbeit ab. Ihr Bericht unterschied zwischen den ersten sieben Tagen und den heutigen Erscheinungen. Er empfahl, die ersten sieben Tage als übernatürlich anzuerkennen und Medjugorje in ein päpstliches Heiligtum umzuwandeln, äußerte aber Zweifel an den gegenwärtig andauernden Erscheinungen. Papst Franziskus nannte den Bericht 2017 „sehr, sehr gut“, äußerte aber zugleich Zweifel an täglichen Botschaften: „Maria ist keine Chefin eines Telegrafenamtes, die täglich eine Nachricht schickt.“

2017 wurde Erzbischof Henryk Hoser als Sondergesandter nach Međugorje entsandt, zunächst mit rein pastoralem Auftrag. 2018 wurde er Sonder-Apostolischer Visitator für die Pfarrei auf unbestimmte Zeit, wodurch Međugorje faktisch stärker unter vatikanische Kontrolle kam. Nach Hosers Tod ernannte Papst Franziskus am 27. November 2021 Erzbischof Aldo Cavalli zum Apostolischen Visitator. Am 12. Mai 2019 genehmigte der Papst offiziell organisierte Pilgerreisen, ohne die Erscheinungen anzuerkennen.

Am 19. September 2024 veröffentlichte das Dikasterium für die Glaubenslehre die Note „Die Königin des Friedens“. Sie nennt positive Wirkungen wie Bekehrungen, Rückkehr zu Eucharistie und Beichte, Berufungen zum Priester- und Ordensleben sowie zur Ehe, Vertiefung des Glaubens- und Gebetslebens und Erneuerung von Ehe und Familie. Der Bischof von Mostar-Duvno kann der Marienverehrung ein Nihil obstat erteilen, also erklären, dass kirchlich nichts entgegensteht. Zugleich stellt die Note klar, dass damit kein direkter übernatürlicher Ursprung der Visionen behauptet wird. Die Botschaften gelten nicht als „Privatoffenbarungen“, sondern als „erbauliche Texte“ und sollen als „mutmaßliche Botschaften“ bezeichnet werden.

Konflikte, Kritik und Missbrauchsfälle

Die Ereignisse begannen im kommunistischen Jugoslawien, ein Jahr nach Titos Tod, in einer politischen Krise. Öffentliche Glaubensbekundungen waren streng eingeschränkt. Die Behörden deuteten die Versammlungen als „klerikal-nationalistische“ Herausforderung. Jozo Zovko wurde 1981 wegen „antisozialistischer Propaganda“ verhaftet und zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, später reduziert. Auch weitere Franziskaner erhielten Haftstrafen; die Seher und ihre Familien wurden verhört, bedroht und verfolgt.

In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren wurde Međugorje in serbisch-kroatische Konflikte hineingezogen. Serbische Medien verbanden den Ort mit der Erinnerung an Ustaša-Verbrechen und Massengräber serbischer Opfer. Auf kroatischer Seite wurde Međugorje während der Kriege in Kroatien und Bosnien-Herzegowina national gedeutet, etwa als Zeichen einer „Wiedererweckung der kroatischen Nation“.

Auch wirtschaftlich wurde der Ort wichtig. Obwohl die Regierung das Phänomen zuerst unterdrücken wollte, unterstützte sie ab Mitte der 1980er Jahre angesichts wirtschaftlicher Not und Inflation den Pilgertourismus, um Devisen zu gewinnen. Gegner werfen den Sehern vor, sich bereichert zu haben; Verteidiger entgegnen, die Seher seien Laien und müssten für ihre Familien sorgen.

Kritik richtet sich auch gegen einzelne Inhalte und Erscheinungsdetails. Besonders genannt wird die Aussage vom 30. Juni 1981, die Erscheinungen dauerten „noch drei Tage“, obwohl sie nach den Angaben einiger Seher weitergingen. Weitere als ungewöhnlich beschriebene Aspekte sind zitternde Hände der Erscheinung, das Lächeln beim Berühren oder Küssen, ein angeblich zertretener Schleier und theologisch fragwürdige Aussagen.

Der Artikel nennt zudem schwere Vorwürfe und Missbrauchsfälle im Umfeld des Wallfahrtsortes. Pater Tomislav Vlašić, ein geistlicher Begleiter der Seher, wurde 2008 kirchlich sanktioniert, 2009 laisiert und aus dem Franziskanerorden entlassen, 2020 exkommuniziert. Kritiker vermuten, er könne die damals noch minderjährigen Seher beeinflusst haben. Außerdem wurden Fälle sexuellen Missbrauchs im Zusammenhang mit Pilgerreisen oder Gruppen in Međugorje genannt, darunter 2009 die Verurteilung eines suspendierten peruanischen Priesters in Rimini und 2019 die Versetzung des inhaftierten Priesters Michele Barone in den Laienstand.

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