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Maria Stuarda

Maria Stuarda (deutsch: Maria Stuart) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Tragedia lirica“) in drei Akten (vier Teilen) von Gaetano Donizetti.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundkonflikt
  2. 2. Handlung
  3. 3. Musikalische Gestaltung
  4. 4. Entstehung und Fassungen
  5. 5. Aufführungsgeschichte und Überlieferung

Werk und Grundkonflikt

Maria Stuarda, deutsch Maria Stuart, ist eine Oper von Gaetano Donizetti. Die Originalbezeichnung lautet „Tragedia lirica“. Das Werk besteht in der ursprünglichen Fassung aus drei Akten beziehungsweise vier Teilen, ist italienischsprachig und hat ein Libretto von Giuseppe Bardari nach Friedrich Schillers Drama Maria Stuart. Die Spieldauer beträgt etwa 2 ½ Stunden.

Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen Maria Stuarta, der gefangenen Königin von Schottland, und Elisabetta, der Königin von England. Die Handlung spielt 1587 in England, während Marias letzter Lebenstage. Maria war 18 Jahre zuvor aus Schottland geflohen und hatte bei ihrer englischen Cousine Elisabeth Schutz gesucht. Elisabeth hält sie jedoch gefangen, weil sie um ihren eigenen Thron fürchtet.

Wichtige Figuren sind außerdem Graf Roberto Leicester, der sowohl Maria als auch Elisabetta nahesteht, Marias Amme Anna Kennedy, der gemäßigte Talbot sowie der gegen Maria unerbittliche Cecil. Der Konflikt verbindet politische Macht, persönliche Eifersucht, religiöse Gegensätze und die Frage nach Schuld und Vergebung.

Handlung

Im ersten Akt herrscht nach einem Turnier am englischen Hof Feststimmung. Ein französischer Gesandter soll für seinen König um Elisabettas Hand anhalten, doch die Königin ist wegen ihrer heimlichen Liebe zu Leicester unentschlossen. Talbot und die Höflinge bitten sie, Maria die Freiheit zu schenken. Cecil fordert dagegen ihren Tod. Elisabetta schwankt zwischen Milde, Misstrauen, Eifersucht und Rachsucht.

Elisabetta übergibt Leicester einen Ring, den er dem französischen Gesandten als „Liebespfand“ überreichen soll. Leicester reagiert gleichgültig, was ihren Zorn verstärkt. Talbot gibt Leicester anschließend ein Miniaturbildnis und einen Brief Marias. Maria bittet darin um seine Unterstützung. Leicester liebt Maria und wünscht sich ein Wiedersehen. Als Elisabetta überraschend erscheint, fragt sie ihn nach seinen Gefühlen. Seine begeisterte Beschreibung von Marias „engelsgleichem“ Aussehen weckt ihre Eifersucht. Trotzdem stimmt sie einem Treffen mit Maria zu.

Im zweiten Akt darf Maria mit Anna im Park von Fotheringhay spazieren gehen. Die Erinnerung an glückliche Tage in Frankreich wird jedoch durch die Nachricht getrübt, dass Elisabetta mit ihrer Jagdgesellschaft eintrifft. Leicester eilt Maria voraus und bittet sie, sich demütig vor Elisabetta niederzuwerfen, weil dies ihrer Ansicht nach der einzige Weg sei, ihr Leben zu retten. Maria willigt widerstrebend ein, vor allem um Leicester nicht zu gefährden.

Das Treffen der beiden Königinnen beginnt in gespannter Stille. Elisabetta begegnet Maria jedoch mit Verachtung und Hohn. Sie wirft ihr frühere Amouren und Schandtaten sowie den „ungerächten Schatten ihres armen Mannes“ vor. Das „Haupt der Stuart“ sei mit „ewiger Schande bedeckt“ („sul capo di Stuarda onta eterna ripombò“). Maria erträgt die Schmähungen nicht und greift Elisabetta ebenfalls an. Sie bezeichnet sie als „unwürdige und obszöne Hure“ („meretrice indegna e oscena“) und als „niederträchtiger Bastard“ („vil bastarda“). Elisabetta lässt sie daraufhin abführen.

Im dritten Akt drängt Cecil Elisabetta, Marias Todesurteil zu unterschreiben. Sie zögert zunächst aus Angst vor dem Urteil der Welt, setzt aus Rachsucht aber ihren Namen unter das Dokument, als Leicester eintritt. Seine Bitte um Gnade für „ihre Schwester“ weist sie zurück und befiehlt ihm, der Hinrichtung beizuwohnen.

Maria erhält von Talbot und Cecil das Todesurteil. Das Angebot, einen protestantischen Geistlichen zu schicken, lehnt sie ab. Talbot trägt heimlich das Gewand eines katholischen Priesters und nimmt ihre Beichte ab. Maria denkt an ihren Ehemann Arrigo, also Henry, Lord Darnley, an dessen Tod sie sich schuldig fühlt. Kurzzeitig halluziniert sie; Talbot führt sie mithilfe eines Kreuzes in die Wirklichkeit zurück. Maria gesteht außerdem, dass sie sich in die Verschwörung von Babington gegen Elisabetta hineinziehen ließ. Dies bezeichnet sie als „fatalen Fehler“. Nach Talbots Zuspruch bereitet sie sich ruhig auf den Tod vor.

Vor der Hinrichtung verabschiedet sich Maria würdevoll von ihren Anhängern, schenkt Anna ihr Taschentuch und betet mit den Anwesenden um Vergebung. Drei Kanonenschüsse kündigen die einzelnen Schritte der Hinrichtung an. Maria darf Anna als letzten Wunsch mitnehmen, verzeiht Elisabetta offiziell und bittet um den Segen des Himmels für Britannien. Leicester erscheint völlig aufgelöst. Nach dem dritten Kanonenschuss betritt Maria gefasst die Hinrichtungsstätte.

Musikalische Gestaltung

Die Oper verlangt ein Orchester mit zwei Flöten, deren zweite auch Piccolo spielt, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, vier Hörnern, vier Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, großer Trommel, Harfe und Streichern. Zur Bühnenmusik gehören zwei Trompeten, zwei Hörner, drei Posaunen und ein Kanonenschuss.

Die ursprüngliche musikalische Struktur umfasst 18 Nummern. Im ersten Akt stehen unter anderem das Preludio, der „Festchor“ Qui si attenda, Elisabettas Auftrittsnummer Sì, vuol di Francia il rege ... Ah, quando all'ara scorgemi ... In tal giorno di contento sowie das Duett von Elisabetta und Leicester Era d'amor l'immagine. Im zweiten Akt folgen Marias Szene und Cavatina Nella pace nel mesto riposo, ihr Duett mit Leicester Da tutti abbandonata, das Sextett È sempre la stessa, die Konfrontationsszene der Königinnen und die Stretta Va, preparati, furente. Der dritte Akt enthält unter anderem das „Beicht-Duett“ Delle mie colpe ... Quando di luce rosea ..., den „Todes-Hymnus“ und das „Gebet der Schotten“ Deh! tu di un'umile preghiera sowie Marias Hinrichtungsarie.

In manchen Aufführungen werden die ersten beiden Akte zu einem einzigen Akt zusammengezogen. Die kritische Ausgabe von Anders Wiklund, die 1991 bei Casa Ricordi erschien, verwendet nur zwei Akte: Die früheren ersten beiden Akte bilden den ersten Akt, der frühere dritte Akt den zweiten.

Die musikalische Charakterisierung der beiden Königinnen ist deutlich gegensätzlich. Maria wird durch weitgespannte lyrische Melodiebögen und edle Kantilenen im Stil Bellinis als grundsätzlich unschuldig und sympathisch gezeichnet. Elisabettas Musik enthält dagegen plötzliche Ausbrüche, düstere und teilweise „merkwürdige“ Wendungen sowie eine sich windende oder um sich selbst kreisende Melodik. Das stark betonte tiefe Register erklärt, warum ihre Partie auch mit einem Mezzosopran besetzt werden kann. Maria ist die eigentliche Hauptrolle beziehungsweise prima donna; Elisabetta besitzt für eine seconda donna dennoch außergewöhnliches Gewicht.

Als musikalischer Höhepunkt gilt die Konfrontationsszene im zweiten Akt. Sie beginnt mit einem spannungsgeladenen Sextett. Im anschließenden „Dialogo“ singen die beiden Frauen teilweise gleiche Melodien abwechselnd und mit anderem Ausdruck. Marias Ausruf „Figlia impura di Bolena, parli tu di disonore?“, in dem sie Elisabetta als „vil bastarda“ beschimpft, wird durch eine sparsame, wirkungsvolle Orchestrierung besonders deutlich. Weitere zentrale Stellen sind Marias und Leicesters Duett, das „Beichtduett“ mit dem Larghetto Quando di luce rosea und das Finale mit dem Chor, dem „Inno della morte“ und dem Gebet der Schotten.

Entstehung und Fassungen

Das Teatro San Carlo in Neapel gab Donizetti im April 1834 eine neue Oper in Auftrag. Wegen verschiedener Schwierigkeiten verschob sich der ursprünglich für den 6. Juli geplante Termin mehrfach. Donizetti hatte zunächst ein Libretto von Felice Romani erwartet, musste dann aber in Zeitnot gemeinsam mit dem erst 17 Jahre alten, unerfahrenen Giuseppe Bardari arbeiten. Grundlage war Andrea Maffeis italienische Übersetzung von Schillers Drama. Das Libretto war am 19. Juli 1834 fertig und wurde der Zensur vorgelegt. Nach Beginn der Proben Ende August verlangte die Zensur am 4. September mehrere Textänderungen.

Ein weiterer Skandal entstand bei einer Probe der Konfrontationsszene zwischen den Sängerinnen Giuseppina Ronzi de Begnis als Maria und Anna del Sere als Elisabetta. Schließlich verbot König Ferdinand II. die Oper persönlich und ohne Angabe von Gründen. Die später verbreitete Erzählung, Königin Maria Christina sei bei einer Generalprobe in Ohnmacht gefallen, ist nicht erwiesen.

Um die Musik zu retten, passte Donizetti sie gemeinsam mit dem Librettisten Pietro Salatino an einen neuen Text an. Für diese Revision erhielt er zusätzlich zu seiner Gage von 1400 Dukaten weitere 600 Dukaten. Die neue Oper wurde am 18. Oktober 1834 im Teatro San Carlo in Neapel als Buondelmonte uraufgeführt. Sie war durchaus erfolgreich, wurde aber außer in dieser einen neapolitanischen Spielzeit nicht mehr unter diesem Titel gespielt.

Für die Mailänder Scala überarbeitete Donizetti das Werk erneut. Die Titelpartie wurde für Maria Malibran, einen Mezzosopran, angepasst; die ursprüngliche Maria war für einen Sopran geschrieben. Außerdem ersetzte Donizetti das Preludio durch eine Ouvertüre und fügte ein neues Duett für Maria und Leicester ein. Der Ausdruck „vil bastarda“ wurde im gedruckten Libretto durch das mildere „donna vile“ ersetzt. Malibran sang jedoch den ursprünglichen Text. Nach ihrer krankheitsbedingt verschobenen und stimmlich problematischen Premiere am 30. Dezember 1835 wurde die Oper nach sechs Aufführungen abgesetzt und in Mailand verboten. Die Mailänder Aufführung gilt als Uraufführung unter dem Originaltitel Maria Stuarda.

Aufführungsgeschichte und Überlieferung

Die Verbote in Neapel und Mailand verhinderten weitere Aufführungen an anderen Orten nicht. Besonders bis zur Mitte der 1840er Jahre wurde die Oper mehrfach produziert, erreichte im 19. Jahrhundert aber nicht die Popularität anderer Donizetti-Werke. Giuseppina Ronzi de Begnis sang die Originalfassung 1840 in Venedig. Carolina Ungher setzte sich 1837 in Modena und Reggio Emilia für das Werk ein. Welche Fassung damals jeweils gespielt wurde – die neapolitanische Urfassung, die Malibran-Version oder eine Mischform – ist nicht immer genau bekannt. Die letzten nachweisbaren Aufführungen des 19. Jahrhunderts fanden 1865 in Neapel und 1866 in Catania statt.

1958 wurde Maria Stuarda in Donizettis Geburtsort Bergamo wiederentdeckt. Danach entwickelte sie sich zu einem wichtigen und beliebten Werk der Donizetti-Renaissance. Bedeutende Interpretinnen der Titelrolle waren unter anderem Montserrat Caballé, Joan Sutherland, Leyla Gencer, Beverly Sills, Edita Gruberová, Nelly Miricioiu, Patrizia Ciofi und Joyce DiDonato.

Donizettis Autograf gilt als einzige authentische Überlieferung der Oper. Es wurde laut Migliavacca 1972 im Katalog der Nydahl-Sammlung in Stockholm aufgeführt, blieb aber bis 1981 „nicht beachtet“. Für die kritische Ausgabe von 1991 wurde es von Anders Wiklund herangezogen. Heutige Inszenierungen beziehen sich überwiegend auf diese zweiaaktige Fassung.

Zu den dokumentierten Einspielungen gehören Aufnahmen mit Beverly Sills und Montserrat Caballé aus den Jahren 1971 und 1972, Joan Sutherland und Luciano Pavarotti von 1975, Edita Gruberová von 1989 und 1998 sowie Film- und DVD-Mitschnitte mit Montserrat Caballé (1978), Patrizia Ciofi (2008) und Joyce DiDonato (2014).

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