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Mariä Himmelfahrt (Niederschönenfeld)
Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters in Niederschönenfeld, einer Gemeinde im Landkreis Donau-Ries …
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Bedeutung und Entwicklung
Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Niederschönenfeld war die Kirche eines Zisterzienserinnenklosters. Sie entstand in ihrer heutigen Form in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist besonders wegen ihrer weitgehend erhaltenen barocken Ausstattung, ihres ungewöhnlichen blau-gelb-weißen Stucks und zweier Dominikus Zimmermann zugeschriebener Stuckmarmoraltäre bedeutend. Sie steht als Baudenkmal unter Schutz.
Das Kloster wurde 1241 von Graf Berchthold III. von Graisbach gegründet und gehörte seit 1254 dem Zisterzienserorden an. Seine erste Kirche war eine romanische Pfeilerbasilika mit drei Apsiden. In der Mitte des 15. Jahrhunderts ersetzte ein gotischer Chor diese Dreiapsidenanlage.
Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche von 1659 bis 1662 nach Plänen Konstantin Paders wiederaufgebaut. Die Bauleitung hatte der Schlierseer Maurermeister Wolf Reiter. Große Teile des Mauerwerks der Vorgängerkirche blieben erhalten. Weihbischof Caspar Zeiler weihte den Neubau am 12. oder 13. September 1662. Bereits 1677 mussten wahrscheinlich durch den sumpfigen Untergrund verursachte schwere Schäden für 1000 Gulden behoben werden; Pader machte Reiter dafür verantwortlich.
Um 1680 erhielt die Kirche ihre barocke Ausstattung und eine neue Farbgestaltung. Diese Fassung wurde bei der Innenrestaurierung von 1958 bis 1963 wiederhergestellt. Von 1986 bis 1992 folgte eine grundlegende Sanierung. Auch der weiß-grüne Außenanstrich wurde nach dem barocken Erscheinungsbild gestaltet.
Bauform und Innenraum
Die äußerlich schlichte Kirche bildet den Nordflügel der ehemaligen Klosteranlage. In den Wänden der Seitenschiffe liegen zwei Fensterreihen übereinander; der niedrige Obergaden, also die obere Fensterzone des Mittelschiffs, besitzt querovale Rundfenster. Der Eingang befindet sich am südlichen Seitenschiff.
Im Westen stehen zwei hohe Türme mit verstärkenden Eckpilastern. Ihre unteren Geschosse sind von einem anschließenden Klosterflügel umbaut. Das oberste Geschoss der quadratischen Unterbauten besitzt auf allen Seiten Zwillingsarkaden. Darüber folgen achteckige Aufbauten mit abgerundeten Klangarkaden, profilierten Gesimsen und Zwiebelhauben.
Das Langhaus ist dreischiffig und in neun Joche, also einzelne Raumabschnitte, gegliedert. Die beiden westlichen Joche werden von der ehemaligen Nonnenempore und der darüberliegenden Orgelempore eingenommen. Rundbogenarkaden auf kräftigen Pfeilern öffnen das Mittelschiff zu den zweigeschossigen Seitenschiffen, die Kreuzgratgewölbe tragen.
Im Obergeschoss der Seitenschiffe verläuft ein Gang. Er ist durch vergitterte Logen, sogenannte corretti, mit gedrechselten Säulen zum Kirchenschiff geöffnet. Unter ihnen stehen lateinische Texte aus Marienhymnen; ursprünglich befanden sich dort Darstellungen aus dem Leben Marias. Das Mittelschiff trägt ein Tonnengewölbe mit tiefen Stichkappen, durch die Licht aus den Obergadenfenstern einfällt. Ein verkröpftes, also vor- und zurückspringendes Gesims kennzeichnet den Beginn des Gewölbes. Der um zwei Stufen erhöhte Chor umfasst zwei Joche, endet dreiseitig und ist ebenfalls mit einer Stichkappentonne überwölbt.
Farbiges Stuckprogramm
Konstantin Pader schuf den Stuck bereits während des Kirchenbaus. Ursprünglich war er weißgrau; die heutige Farbgebung in Blau, Gelb und Weiß entspricht der Neugestaltung um 1680. Geometrische Felder, Sterne und Blattranken schmücken die Wände, während an der Decke zum Teil große Figuren erscheinen.
Über dem Chor thront Maria in einer Wolke, umgeben von einem Strahlenkranz und Engelsbüsten. Im mittleren Joch des Langhauses sind die Taube des Heiligen Geistes und Engel dargestellt. Stuckkartuschen über den Durchgängen zu den Chorkapellen enthalten rechts die Wappen der Klosterstifter Berchthold von Graisbach und Adelheid. Links erscheinen die Wappen des bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen, die den Wiederaufbau des Klosters nach dem Dreißigjährigen Krieg unterstützten.
Altäre und weitere Ausstattung
Der Hochaltar und die Altäre der beiden Chorkapellen wurden um 1680 aufgestellt. Das Hauptbild des Hochaltars zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Darüber ist Gottvater dargestellt; seitlich stehen die Apostel Petrus und Paulus, an der Spitze der Erzengel Michael. Die lebensgroßen Figuren des heiligen Leonhard und des heiligen Johannes Nepomuk entstanden im 18. Jahrhundert. Unter der Mensa, der Altarplatte, bewahrt ein Glasschrein die im 18. Jahrhundert aus Rom überführten Gebeine der Märtyrerin Hilaria.
Die beiden Stuckmarmoraltäre im Langhaus stammen aus der Zeit um 1705/07 und werden Dominikus Zimmermann zugeschrieben. Ihre Antependien, also die verkleideten Vorderseiten der Altartische, sind in Scagliola-Technik gefertigt. Dabei wird eine Einlegearbeit aus Stuckmasse hergestellt, die kostbaren Stein nachahmt. Der rechte Altar ist dem heiligen Petrus Nolascus gewidmet; sein Hauptbild zeigt dessen Marienvision, während das Antependium ihn zwischen Vasen und einem Blumenmedaillon darstellt.
Der linke Kreuzaltar enthält das Reliquiar des Gnadenkreuzes. Nach der zugehörigen Legende flohen die Schwestern 1646 vor schwedischen und französischen Truppen. Eine Schwester versteckte ihr Zellenkreuz in der Klosterküche und ließ davor in einer Eierschale ein Öllicht brennen. Bei ihrer Rückkehr zwei Jahre später sollen Kreuz und Licht unversehrt gewesen sein und das Licht noch gebrannt haben. Daraus entwickelte sich eine Wallfahrt. Konstantin Pader errichtete von 1659 bis 1662 über der früheren Klosterküche die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz, die 1662 zusammen mit der Klosterkirche geweiht wurde. Seit der Umwandlung des Klosters in eine Strafanstalt findet statt der Wallfahrten jährlich am zweiten Sonntag im September das Kreuzfest statt. Das 1961 erneuerte Scagliola-Antependium des Kreuzaltars zeigt die Schwester mit Öllicht und Kreuz. Neben dem Altar hängen Votivtafeln.
Am linken Chorbogen steht eine spätgotische Madonna aus der Zeit um 1580. Vor ihr knien Figuren des heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zur Kreuzigungsgruppe am rechten Chorbogen gehören ein Bernhard von Clairvaux aus dem 15. Jahrhundert und eine Maria Magdalena aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das ursprünglich im Kapitelsaal aufgestellte Chorgestühl entstand im frühen 17. Jahrhundert und verbindet gotische mit Renaissanceformen. Figuren der heiligen Afra aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und des heiligen Ulrich von etwa 1620 erinnern in den Chorkapellen an die Patrone des Bistums Augsburg.
Die um 1680 geschaffene Kanzel besitzt gedrehte Säulen und Bilder der vier Evangelisten sowie des heiligen Bernhard. Auf ihrem Schalldeckel steht der Salvator Mundi, Christus als Erlöser der Welt. Ebenfalls aus der Ausstattung von 1680 stammen sechs Beichtstühle mit gedrehten Pilastern und teilweise erneuerten Heiligenbüsten. Prozessions- und Bruderschaftsstangen wurden im späten 17. Jahrhundert gefertigt.
Historische Orgel
Die mit der Jahreszahl 1683 bezeichnete Orgel stammt aus der Werkstatt Paul Preschers (1628–1695) und gilt als eines der „frühen bayerischen Klangdenkmäler“. Ihr Prospekt, die sichtbare Schauseite, ist fünfteilig. Ölgemälde am Untergehäuse zeigen Jubal mit der Flöte, Cäcilia an der Orgel und König David mit der Harfe.
Das Instrument wurde mehrfach verändert. Einer Reparatur von 1728 folgten 1862/63 Arbeiten Christian Kunz’ aus Rain: Er ergänzte ein Pedalregister, baute ein älteres Salicional 8′ sowie eine neue Kastenbalganlage ein. Joseph Bittner nahm 1897 den Bestand auf, Adalbert Schönemann erstellte am 15. November 1915 ein Gutachten. Eine geplante neue Orgel der Gebrüder Link wurde nicht gebaut. Vermutlich nach 1925 fertigte die Werkstatt Kofler eine weitere Balganlage. Die Firma Gebrüder Sandtner teilrestaurierte und erweiterte das Instrument 1960; 1993 kam ein neues Gebläse hinzu. Nach einer Bestandsuntersuchung durch Alois Linder im Jahr 2014 restaurierte die Firma Johannes Klais die Orgel von 2017 bis 2019 grundlegend. Weihbischof Florian Wörner weihte sie am 27. Oktober 2019.
Heute besitzt die Orgel 13 Register, also Reihen von Pfeifen gleicher Klangfarbe, auf zwei Manualwerken und Pedal. Das Hauptwerk umfasst Principal 8′, Salicional 8′, Octav 4′, Rohrfloet 4′, Quint 3′, SuperOctav 2′, Sesquialter III ab f und Mixtur IV 1′. Das Nebenwerk besitzt Coppel 8′ und Viola 8′; zum Pedal gehören Subbass 16′, Octavbass 8′ und Posaune 8′. Hinzu kommen die Koppel I/P sowie zwei Cimbelsterne, Nachtigall und Vogelsang als Nebenregister.
Eine Besonderheit sind zwei Spielanlagen an der Vorder- und Rückseite des Gehäuses. Sie spielen das Werk in unterschiedlichen Tonhöhen; deshalb sind Ais/B und Dis/Es in allen Oktavlagen doppelt vorhanden. An der vorderen Spieltafel beträgt der Stimmton a′ ungefähr 444,7 Hz bei 15 °C. Die „Nonnenseite“ erklingt im höheren Cornettton. Bei der letzten Restaurierung wurde wieder die historisch belegte mitteltönige Stimmung eingerichtet.