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Manual (Musik)

Manual (von lateinisch manus „Hand“) bezeichnet in der Musik eine Klaviatur von Tasteninstrumenten, die mit den Händen bedient wird, im Unterschied zum …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Umfang der Klaviatur
  3. 3. Anzahl der Manuale
  4. 4. Geteilte Manuale

Begriff und Grundprinzip

Ein Manual ist in der Musik die Klaviatur eines Tasteninstruments, die mit den Händen gespielt wird. Es steht damit im Gegensatz zum Pedal, das mit den Füßen bedient wird. Manuale kommen zum Beispiel bei Orgeln, Cembali, Virginalen, Harmonien, Klavieren und elektronischen Tasteninstrumenten vor.

Für das Verständnis wichtig sind drei Aspekte: der Umfang eines Manuals, also wie viele Töne es umfasst; die Anzahl der Manuale an einem Instrument; und die Möglichkeit, ein Manual in verschiedene Klangbereiche aufzuteilen.

Umfang der Klaviatur

Die antike Hydraulis hatte eine einreihige Tastatur mit sieben Tasten pro Oktave. Diese entsprachen den sieben Tönen einer heptatonischen Tonleiter, also einer Tonleiter mit sieben Tonstufen. Im Mittelalter entstand für weitere diatonische Töne eine zweite Reihe mit Obertasten. Als älteste Beispiele für die heute übliche Anordnung von sieben Untertasten und fünf Obertasten gelten Abbildungen in Michael Praetorius’ Syntagma musicum, Band 2: De Organographia von 1619, zur Orgel des Domes zu Halberstadt von Nicholas Faber aus dem Jahr 1361.

Mittelalterliche Orgeln hatten zunächst einen kleineren Manual- und Tonumfang. Der ursprüngliche Umfang von einer Oktave wurde in der Spätgotik auf 2 1/2 Oktaven erweitert, nämlich H–f2. Die Orgel der Rysumer Kirche besaß bei ihrer Erbauung im 15. Jahrhundert diesen Umfang mit allen diatonischen Tönen. In der Renaissance wurde der Umfang ab dem Ende des 16. Jahrhunderts meist auf F in der Großen Oktave erweitert, im Barock auf C. Das ist bis heute üblich. Der Standardumfang moderner Orgeln liegt bei vier bis fünf Oktaven.

Bei mitteltönig gestimmten Tasteninstrumenten wurden Obertasten manchmal geteilt. Dadurch ließ sich die Zahl reiner Terzen erhöhen. Solche geteilten Obertasten heißen Subsemitonien. Sie sind bei etwa 70 Orgeln in Deutschland, Italien, den Niederlanden, England, Schweden und Dänemark nachweisbar, die zwischen 1468 und 1721 gebaut wurden. Die Tastenanzahl lag dann bei 13 bis 16 Tasten pro Oktave. Bei Cembali werden auch größere Zahlen genannt: Gioseffo Zarlino erwähnt 1558 im Werk Le istituzioni harmoniche 19 Tasten pro Oktave für ein Cembalo cromatico, ebenso Praetorius 1619 für ein Cembalo universale. Das von Nicola Vicentino erfundene Archicembalo von 1555 hatte 36 Tasten pro Oktave. Ein Cembalo von Vito de Trasuntino aus dem Jahr 1606 mit 31 Tasten pro Oktave ist in Bologna erhalten. Mit der Wohltemperierten Stimmung wurden geteilte Obertasten überflüssig.

Bei historischen Orgeln findet man in der Bassoktave oft die kurze oder gebrochene Oktave. Da das Cis der Großen Oktave in der Orgelliteratur selten gebraucht wurde, aber wegen der großen Pfeifen viel Material kostete, wurde es bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts häufig weggelassen. Die Taste fehlte entweder ganz oder wurde an das eine Oktave höhere cis0 gekoppelt.

Das Klavier wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter anderem von Bartolomeo Cristofori erfunden und hatte zunächst einen Umfang von fünf Oktaven. John Broadwoods technische Weiterentwicklung führte 1794 zu einer Erweiterung um eine Oktave. Ab den 1830er Jahren wurden Klaviere mit dem heute üblichen Umfang von 88 Tasten produziert. Seltene Konzertflügel wie der „Imperial“ von Bösendorfer haben acht Oktaven, also 97 Tasten.

Anzahl der Manuale

Die Zahl der Manuale hängt stark von der Instrumentenart und der Größe des Instruments ab. Positive, Portative, Regale und andere Kleinorgeln werden gewöhnlich mit nur einem Manual gebaut. Cembali haben in der Regel ein oder zwei Manuale, selten drei.

In Italien wurden bis ins 18. Jahrhundert nur einmanualige Cembali gebaut. In Frankreich gab es mindestens seit 1648 Cembali mit zwei Manualen, zum Beispiel ein erhaltenes Instrument von Jean II Denis. In Flandern gehen zweimanualige Cembali zwischen etwa 1570 und 1650 auf die Familie Ruckers zurück. Bei diesen sogenannten Transponiercembali war das obere Manual immer um eine Quarte höher gestimmt als das untere. Hieronymus Albrecht Hass baute 1740 ein großes dreimanualiges Cembalo mit einem 16-Fuß-Register.

Besondere Kombinationsinstrumente bauten die Ruckers im 17. Jahrhundert: kastenförmige Instrumente aus Cembalo und Virginal. Sie hatten zwei Klaviaturen an zwei verschiedenen Seiten und konnten deshalb nicht gleichzeitig von einer Person gespielt werden.

Orgeln haben gewöhnlich ein bis drei Manuale. Großorgeln besitzen vier bis sechs Manuale. Im Barock entstanden die ersten viermanualigen Orgeln. Von der Orgel von Winchester aus dem Jahr 980 wird berichtet, dass sie zwei Manuale mit je 20 Tasten und 400 Bronzepfeifen hatte; auf jeder Taste erklangen zehn Pfeifen gleichzeitig. Durch Gottfried Fritzsches Erweiterungsumbauten gehörten die Hamburger Orgeln in St. Jacobi und St. Katharinen zu den ersten Orgeln mit vier Manualen. Arp Schnitger schuf vier viermanualige Orgeln in Hamburg, Groningen und Zwolle. François-Henri Clicquot vollendete 1777 in St-Nicolas-des-Champs in Paris eine Orgel mit fünf Manualen und Pedal. Die Orgel der Atlantic City Convention Hall verfügt über sieben Manuale.

Instrumente mit mehreren Klaviaturen besitzen meist Koppeln. Eine Koppel verbindet verschiedene Klaviaturen miteinander. So können Register, die eigentlich einer anderen Klaviatur zugeordnet sind, von einem Manual aus gespielt werden.

Geteilte Manuale

Bei Instrumenten mit verschiedenen Klangeinstellungen, zum Beispiel durch Register, kann ein Manual teilweise in getrennte Bereiche aufgeteilt werden. Eine solche Aufteilung heißt Bass-Diskant-Teilung oder kurz B/D-Teilung. Dabei können für den Bassbereich und den Diskantbereich unterschiedliche Einstellungen gelten. Das kommt etwa bei Kleinformen der Orgel wie Regal und Positiv, beim Cembalo und beim Harmonium vor.

Technisch geschieht dies durch geteilte Register. Der Teilungspunkt, also die Grenze zwischen den beiden Bereichen, ist dabei in der Regel festgelegt und für alle eingebauten Register gleich.

Eine andere Möglichkeit ist die Teilung über die elektrische Traktur. Traktur bezeichnet die Verbindung zwischen Taste und Klangerzeugung beziehungsweise angesteuertem Werk. Bei dieser Lösung können unterschiedliche Werke angesteuert werden, und der Teilungspunkt kann teilweise frei gewählt werden. Das entspricht der Split-Funktion bei elektronischen Tasteninstrumenten wie Keyboards oder E-Pianos. Dort können ein oder auch mehrere Teilungspunkte frei festgelegt werden.

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