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Marcus Porcius Cato der Ältere
Marcus Porcius Cato Censorius, genannt Cato der Ältere, auch Cato der Censor (* 234 v. Chr. in Tusculum; † 149 v. Chr. in Rom), war ein römischer Landwirt, …
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Bedeutung und Grundhaltung
Marcus Porcius Cato Censorius, genannt Cato der Ältere oder Cato der Censor, wurde 234 v. Chr. in Tusculum geboren und starb 149 v. Chr. in Rom. Er war römischer Landwirt, Feldherr, Geschichtsschreiber, Schriftsteller und Staatsmann. Als „homo novus“, also als politischer Aufsteiger ohne Vorfahren aus dem senatorischen Patriziat, erreichte er die höchsten Ämter der Römischen Republik.
Cato gilt als „Vater“ der römischen Prosaliteratur. Mit den Origines verfasste er als Erster ein Geschichtswerk in lateinischer Sprache. De agri cultura, seine Abhandlung über Landwirtschaft, ist das älteste vollständig erhaltene lateinische Prosawerk. Von seinen Reden und den Origines sind dagegen nur Fragmente erhalten.
Politisch vertrat Cato eine konservative und antihellenische Haltung, die allerdings keine breite Unterstützung fand. Er wandte sich gegen den zunehmenden griechischen Einfluss auf die römische Kultur und stand damit besonders im Gegensatz zu den griechenfreundlichen Scipionen. Griechische Formen übernahm er in seinen Werken nur beiläufig. Er stellte sich vor allem als erfahrener Landwirt und Offizier dar und wollte in lateinischer Sprache Werke schaffen, die der römischen Identität dienten. Sein Beiname „der Ältere“ unterscheidet ihn von seinem berühmten Urenkel Cato dem Jüngeren.
Leben und politische Laufbahn
Cato stammte aus einer plebejischen Familie des Ritterstandes, die für militärische Tüchtigkeit bekannt war. Wie seine Vorfahren betrieb er Landwirtschaft, wenn er nicht im Heer diente. Mit 17 Jahren begann er unter Marcus Claudius Marcellus seinen Kriegsdienst als eques, also als Reiter. 214 v. Chr. wurde er in Sizilien zum tribunus militum, einem militärischen Führungsamt, gewählt und blieb dort bis zur Auflösung seines Heeres 210 v. Chr. In dieser Zeit knüpfte er wichtige Verbindungen zu Marcus Claudius Marcellus und Lucius Valerius Flaccus. Besonders Flaccus unterstützte später seinen politischen Aufstieg.
Um 210 v. Chr. ging Cato nach Rom und gewann als Gerichtsredner eine eigene Klientel, also einen Kreis politisch und gesellschaftlich verbundener Anhänger. 207 v. Chr. wurde er erneut tribunus militum und erwarb unter Gaius Claudius Nero weiteren Kriegsruhm. Danach durchlief er den cursus honorum, die übliche Abfolge römischer Staatsämter: 204 v. Chr. wurde er Quästor und diente unter Publius Cornelius Scipio Africanus, 199 v. Chr. Ädil und 198 v. Chr. Prätor sowie Statthalter von Sardinien.
195 v. Chr. wurden Cato und Lucius Valerius Flaccus zu Konsuln gewählt. Als Konsul führte Cato römische Truppen in Spanien erfolgreich gegen aufständische Stämme. Eine erste gemeinsame Bewerbung um die Zensur scheiterte 189 v. Chr.; 184 v. Chr. wurden Cato und Flaccus schließlich zu Zensoren gewählt. Zensoren überwachten unter anderem die Zusammensetzung der Bürger-, Ritter- und Senatorenstände sowie die öffentlichen Sitten.
Cato ging bei der Überprüfung von Senatoren und Rittern besonders streng vor. Außerdem förderte er die Staatseinnahmen und ließ Zweckbauten errichten beziehungsweise ausbauen, darunter das Abwassersystem. Wegen dieser Amtsführung erhielt er den Beinamen Censorius.
152 v. Chr. reiste Cato als Gesandter nach Nordafrika. Das selbstbewusste Auftreten der karthagischen Politiker und der sichtbare Wohlstand Karthagos überzeugten ihn davon, dass die Stadt erneut zu einem gefährlichen Gegner werden könne. Danach warb er wiederholt für ihre Zerstörung und trug zur politischen Vorbereitung des dritten Punischen Krieges bei. Cato starb 149 v. Chr., kurz nach Kriegsbeginn, und erlebte die vollständige Vernichtung Karthagos nicht mehr.
Sitten, Tugenden und Gesellschaftsbild
Cato wollte die überlieferten römischen Sitten und Tugenden stärken. Im Mittelpunkt stand der mos maiorum, die Gesamtheit der Sitten und Verhaltensmaßstäbe der Vorfahren. Dieses Konzept war nicht starr, sondern dynamisch und formbar; deshalb waren seine genauen Grenzen unscharf. Seine Einhaltung sollte die Römische Republik festigen. Als Zensor kontrollierte Cato das Verhalten der Bürger und konnte Verstöße reglementieren. Er wollte den mos maiorum zu einem nationalen Symbol machen, ohne die politische Vorrangstellung der nobilitas, also der römischen Führungsschicht, infrage zu stellen.
Wichtige Tugenden waren virtus, die vor allem soldatische Tapferkeit bezeichnete, industria, also Fleiß, fides, das Vertrauen und die Verlässlichkeit, sowie pietas, die Ehrfurcht gegenüber den Göttern. Diese Werte sollten das Verhalten des Einzelnen bestimmen und die Gesellschaft stabilisieren. Sie konnten in der Politik allerdings auch als Begründung für persönliche Machtziele dienen.
Cato vermittelte seine Wertvorstellungen in Reden, Briefen, den Origines und De agri cultura. Dabei hob er seine eigenen Leistungen für die res publica, das Gemeinwesen, hervor und verband dessen Wohl eng mit seinem eigenen. De agri cultura beschreibt insbesondere die Werte und Aufgaben eines Gutsbesitzers. Als Zensor bekämpfte Cato den Luxus der Senatoren und den wachsenden Einfluss der von ihm abgelehnten „Hellenisten“. Beides betrachtete er als Gefahr für die res publica und als Ursache des römischen Sittenverfalls.
Geschichtswerk Origines
Die Origines waren die erste in lateinischer Sprache verfasste Frühgeschichte Roms. Das Werk behandelte die Gründung Roms und weiterer italienischer Städte und versuchte, die Wurzeln anderer italischer Gemeinschaften in die römische Geschichte einzubeziehen. Es bestand aus sieben Büchern; erhalten sind weniger als 150 Fragmente.
Cato begann die Origines in seinen späteren Lebensjahren und arbeitete bis zu seinem Tod daran. Das vierte und fünfte Buch berichteten über den ersten und den zweiten Punischen Krieg. Die beiden letzten Bücher behandelten die römische Geschichte vom zweiten Punischen Krieg bis 149 v. Chr. Obwohl das Werk die italienischen Wurzeln Roms betonte, war es nicht einfach gegen die griechische Kultur gerichtet: In ihm finden sich regelmäßig auch griechische Elemente.
Landwirtschaft und Wirtschaftlichkeit
De agri cultura („Über den Landbau“) ist Catos einziges vollständig überliefertes Werk und die älteste vollständig erhaltene lateinische Prosaschrift. Die Abhandlung orientiert sich an den Idealen des römischen Bauerntums, richtet die Führung eines Landguts aber zugleich streng auf Gewinn und Wirtschaftlichkeit aus.
Das Werk behandelt den Anbau von Wein und Oliven, die Viehhaltung und zahlreiche praktische Fragen des Gutsbetriebs. Es enthält Bauernregeln, Gebrauchs-, Bau-, Betriebs- und Herstellungsanleitungen, Mustervereinbarungen, Bedarfsrechnungen und Hinweise zur Führung von Menschen. Hinzu kommen Angaben über alte Bräuche und Aberglauben.
Cato erklärt, wie ein Gut wirtschaftlich geführt werden kann, gibt aber keine für jeden Betrieb unveränderlichen Regeln vor. Die Umsetzung seiner Hinweise soll sich nach der Vermögenslage und dem Lebensstil des Besitzers sowie nach Standort und wirtschaftlichem Schwerpunkt des Gutes richten. Außerdem berechnet er, wie viele Arbeitskräfte abhängig von der Größe der Anbaufläche und der Art des Anbaus benötigt werden.
Familie und überlieferte Aussprüche
Cato war mit Licinia und Salonia verbunden und hatte die Söhne Marcus Porcius Cato Licinianus und Marcus Porcius Cato Salonianus. Zu seinen späteren Nachfahren gehörten Cato der Jüngere, Porcia Catonis und weitere Personen aus bedeutenden Familien der späten Republik. Der überlieferte Stammbaum verbindet seine Familie unter anderem mit Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus.
Besonders bekannt ist der Ausspruch „ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ („im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“). Cato soll ihn angeblich an das Ende aller seiner Reden gesetzt haben, unabhängig von deren Thema. Zu den weiteren überlieferten Sentenzen zählt „rem tene, verba sequentur“: Man solle am Inhalt der Rede festhalten, dann würden die Worte folgen.
Im 3. Jahrhundert n. Chr. verbreitete sich unter Catos Namen eine Sammlung von Verssprüchen, die dicta Catonis. Die Echtheit vieler dieser Sentenzen ist umstritten. Wegen ihrer einfachen Sprache wurden die dicta dennoch sehr beliebt. Im Mittelalter dienten sie als Schulbuch für den Lateinunterricht, als Vorlage für Stilübungen und als Ratgeber und wurden in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt.