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Fortschreitende Offenbarung
Offenbarung ist sowohl zyklisch als auch fortschreitend. Jede Manifestation Gottes bringt göttliche Lehren entsprechend der spirituellen Kapazität der Menschen …
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Grundidee der fortschreitenden Offenbarung
Die fortschreitende Offenbarung, auch fortschreitende Gottesoffenbarung, ist ein theologischer Begriff des Bahaitums. Er bezeichnet die Vorstellung, dass göttliche Offenbarung kein einmaliges Ereignis ist und nicht mit einer bestimmten religiösen Sendung endet. Stattdessen setzt sie sich fort und geschieht jeweils in einer Form, die zur Zeit und zum Kulturkreis der Menschen passt.
Die Bahai verstehen die verschiedenen Offenbarungen der Religionsgeschichte und die Religionen, die sich auf sie berufen, als Entwicklungsstufen einer einzigen, unteilbaren, ewigen und sich weiterentwickelnden Religion göttlichen Ursprungs. Das Bahaitum sieht sich selbst als Teil dieser Entwicklung und zugleich als eschatologische, also auf die Erfüllung der letzten Dinge bezogene, Erfüllung aller vorherigen Offenbarungen.
Als Bild verwenden Bahai eine Kette: Jede Perle steht für einen Offenbarungszyklus, die gesamte Kette für den großen adamitischen Zyklus. Baha’u’llah formuliert dazu: „Betrachte mit deinem inneren Auge die Kette der aufeinanderfolgenden Offenbarungen, die die Manifestationen Adams mit der des Bab verbindet.“
Manifestationen Gottes und ihre Lehren
Im Bahaitum sind Manifestationen Gottes Personen, durch die göttliche Lehren zu den Menschen gelangen. Offenbarung gilt zugleich als zyklisch und als fortschreitend. Jede Manifestation bringt Lehren, die der spirituellen Aufnahmefähigkeit der Menschen ihrer jeweiligen Zeit entsprechen.
Religiöse Wahrheit ist deshalb in Bezug auf ihre Empfänger relativ, nicht absolut. Die Offenbarungen enthalten einerseits ewige Wahrheiten, etwa unabänderliche grundlegende moralische und spirituelle Aussagen. Andererseits enthalten sie Botschaften, die an den spirituellen Entwicklungsstand der menschlichen Gesellschaft angepasst sind. Weil sich die Menschheit zivilisatorisch und spirituell weiterentwickelt, kann die Offenbarung fortschreiten.
Baha’u’llah beschreibt die Manifestationen Gottes in diesem Sinn als Ärzte: Sie geben die Arznei für die Nöte ihrer Zeit. Die Abfolge ihrer Sendungen wird außerdem mit den Jahreszeiten verglichen. Eine neue Manifestation gleicht dem belebenden Frühling. Auf eine Zeit positiver Entwicklung, den Sommer, folgt der Herbst: Anhänger folgen dann nicht mehr dem ursprünglichen Geist der Offenbarung, sondern vor allem äußeren Traditionen. Im Winter wird Religion fast völlig zu unreflektierter Nachahmung; dies kann auch dazu führen, dass eine neue Manifestation abgelehnt wird.
Große Zyklen und genannte Manifestationen
Neben den kleineren Zyklen einzelner göttlicher Sendungen kennt das Bahaitum größere Zyklen, die mehrere Manifestationen Gottes umfassen. In den Bahai-Schriften werden zwei genannt: der prophetische oder adamitische Zyklus und der erfüllende, meist Bahai-Zyklus genannte Zyklus.
Als klar aus dem Schrifttum hervorgehende Manifestationen des prophetischen Zyklus gelten Adam, Abraham, Mose, Zarathustra, Krishna, Siddhartha Gautama, Jesus Christus und Mohammed. Weitere Manifestationen dieses Zyklus werden besonders für die Zeit vor Mohammed nicht ausgeschlossen. Da Gott die Menschen nach bahaiischer Auffassung nie ohne Führung lässt, müsse es auch namentlich unbekannte Manifestationen vor Adam gegeben haben. Auch nach Mohammed gebe es weitere Manifestationen, obwohl Mohammed als „Siegel der Propheten“ den großen prophetischen Zyklus abschließt.
Nach Mohammed erkennen Bahai den Bab und Baha’u’llah als zwei weitere Manifestationen Gottes an. Sie sind die ersten beiden Manifestationen des Zyklus der Erfüllung. Dieser begann mit der Verkündigung des Bab im Jahr 1844 und soll mindestens 500.000 Jahre dauern. Innerhalb dieses Zeitraums sollen nach Baha’u’llah viele weitere Manifestationen Gottes in Abständen von etwa 1.000 Jahren folgen; damit setzt sich die Folge der kleineren Offenbarungszyklen fort.