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Mangelwirtschaft
... Zentralverwaltungswirtschaft (Planwirtschaft) der realsozialistischen Staaten benutzt wird. ... Mit dem Begriff Mangelwirtschaft wird auch die Wirtschaft in Kuba …
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Begriff und Grundprinzip
Mangelwirtschaft bezeichnet eine Wirtschaftsform, bei der Waren oder Dienstleistungen knapp sind, obwohl genügend Geld vorhanden ist, um sie zu kaufen. Der Begriff geht auf den ungarischen Wirtschaftswissenschaftler János Kornai zurück und wird vor allem zur Beschreibung der Zentralverwaltungswirtschaft beziehungsweise Planwirtschaft der realsozialistischen Staaten verwendet.
Kornai erklärte in seinem Buch Economics of Shortage von 1980, dass der chronische Warenmangel in den Ländern des Ostblocks seit den späten 1970er-Jahren, der sich während der 1980er-Jahre fortsetzte, kein bloßer Planungs- oder Preisfehler, sondern ein prinzipielles Merkmal des kommunistischen Systems sei. Mangelwirtschaft bedeutet dabei nicht, dass überhaupt nichts verfügbar ist. Gemeint ist vielmehr eine Verteilungssituation, in der die Nachfrage das vorhandene Warenangebot übersteigt und Geld deshalb nicht allein über den Zugang zu den gewünschten Gütern entscheidet. Neben dem Mangel an bestimmten Produkten kann gleichzeitig ein Überfluss an anderen Produkten bestehen.
Beim Erwerb knapper Waren zählen daher zusätzlich andere Faktoren: langes Schlangestehen, die Suche nach Angeboten, Wartelisten, sozialer Status, persönliche Beziehungen, politische Privilegien oder alternative Währungen wie Devisen. Als eine Hauptursache des anhaltenden Mangels nennt Kornai die unzureichende Produktion. Den Produzenten fehlten Anreize, ausreichend und bedarfsgerecht zu produzieren. Dadurch entsteht ein Verkäufermarkt, während in den meisten funktionierenden Marktwirtschaften ein stetiger Überfluss produziert wird, der zu einem stärker auf die Konsumenten ausgerichteten Marktangebot führt.
Versorgungsengpässe in der DDR
In der DDR traten Engpässe besonders bei Waren des gehobenen Bedarfs auf. Die im Artikel genannten Wartezeiten zeigen die Bedeutung des Mangels: Auf eine Wohnung mussten Familien etwa fünf Jahre, auf ein Telefon zehn Jahre und auf ein Auto der Marke Wartburg 15 Jahre warten. In den 1980er-Jahren wuchs die Wartezeit auf Personenkraftwagen auf mehr als zehn Jahre an.
Knapp waren außerdem hochwertige Kleidung, ansprechende Möbel und Bettwäsche, besondere Fleisch- und Wurstsorten sowie eine breite Auswahl an Obst und Gemüse. Auch elementare Dienstleistungen waren schwer erhältlich, darunter Werkstätten, Fahrschulen und Handwerker. Private Baumaterialien und sanitäre Einrichtungsgegenstände konnten kaum auf einfachem Wege gekauft werden.
Zur Abmilderung des Mangels bei gehobenen Konsumgütern wurden Exquisit- und Delikat-Geschäfte eingerichtet. Dort wurden besondere Bekleidung beziehungsweise besondere Lebensmittel zu hohen Preisen angeboten. Hochwertige elektrische Geräte wie Farbfernseher und Stereoanlagen waren ebenfalls sehr teuer oder in den sogenannten Intershops gegen frei konvertierbare Währungen erhältlich.
Kaufkraftüberhang und Folgen
Obwohl sich die Versorgungslage der DDR absolut gesehen stetig verbesserte, blieb ein erheblicher Kaufkraftüberhang bestehen. Niedrige Mieten, steigende Löhne und gute Zinsen auf Spareinlagen ließen die privaten Sparguthaben kontinuierlich anwachsen. Das Warenangebot konnte die vorhandene Nachfrage jedoch weiterhin nicht ausreichend befriedigen.
Bedürfnisse wurden deshalb häufig nicht einfach mit Geld erfüllt. Entscheidend waren lange Warteschlangen und Wartelisten, persönliche Kontakte, politische Privilegien oder die Bezahlung mit frei konvertierbaren Währungen. Diese Verteilung führte zu großer Intransparenz, Planungsunsicherheit, Ungerechtigkeit und Unzufriedenheit in der Bevölkerung.
Auch die Wirtschaft wurde beeinträchtigt. Oft war unklar, ob eine benötigte Ware überhaupt, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Menge verfügbar sein würde. Dadurch konnten wirtschaftliche Vorhaben nur unsicher geplant werden. Besonders neue Projekte wurden häufig bereits im Ansatz verhindert; genehmigte Investitionen waren oftmals höchst ineffektiv. Der anhaltende Mangel war eine der Ursachen dafür, dass die DDR wirtschaftlich nicht mit der Entwicklung in Westdeutschland Schritt halten konnte.
Westpakete und internationale Beispiele
Versorgungslücken wurden in der DDR teilweise durch Westpakete von Familien und Freunden aus der Bundesrepublik Deutschland geschlossen. Im Jahr 1988 wurden 28 Millionen Westpakete in die DDR geschickt. Einrichtungen wie Genex und Intershop sollten durch Geschenke oder Investitionen von Westdeutschen sowohl die Versorgungslage verbessern als auch Deviseneinnahmen erzielen.
Nach dem Ende des Ostblocks wird der Begriff Mangelwirtschaft auch auf die Wirtschaft Kubas und Nordkoreas sowie auf Venezuela seit 2015 angewendet.