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Kaffeekrise in der DDR

Die Kaffeekrise in der DDR war das Ergebnis von Versorgungsschwierigkeiten mit Kaffee Ende der 1970er Jahre in der DDR. „Kaffee Mix“, bestehend aufgrund der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern der Krise
  2. 2. Vorgeschichte und Bedeutung von Kaffee
  3. 3. Ursachen und Maßnahmen 1976 bis 1978
  4. 4. Reaktionen in der DDR
  5. 5. Folgen in der Bundesrepublik
  6. 6. Vietnam und der Weltmarkt

Kern der Krise

Die Kaffeekrise in der DDR war eine Versorgungskrise mit Kaffee Ende der 1970er Jahre. Kaffee war für die DDR schwierig zu beschaffen, weil Rohkaffee auf dem Weltmarkt nur gegen Devisen erhältlich war. Devisen sind ausländische Zahlungsmittel, die die DDR für Importe aus nichtsozialistischen Ländern brauchte.

Um 1977 konnte der Binnenhandel der DDR nicht mehr ausreichend mit Kaffee versorgt werden. Die Krise war nicht nur ein Alltagsproblem für Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern hatte auch wirtschafts- und außenpolitische Folgen. Die DDR versuchte stärker als zuvor, Rohstoffe durch Tauschgeschäfte zu bekommen. Dabei sollten zum Beispiel Waffen und LKW aus der DDR gegen Rohkaffee und Energierohstoffe aus Partnerländern getauscht werden. Die Kaffeekrise steht deshalb auch für eine stärker ökonomisch ausgerichtete Außen- und Entwicklungspolitik der DDR.

Vorgeschichte und Bedeutung von Kaffee

Kaffee war schon nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone Mangelware, ähnlich wie in fast ganz Nachkriegseuropa. Die ersten Kaffeeimporte der DDR kamen über die Sowjetunion. Als diese Lieferungen 1954 eingestellt wurden, entstand eine frühe Versorgungskrise. Dadurch verstärkte die DDR ihre Bemühungen, Devisen für den Kauf von Rohkaffee zu erwirtschaften.

Ab 1957 wurde in der DDR Röstkaffee hergestellt. Bis in die 1970er Jahre wurde Kaffee zu einem wichtigen Ausgabeposten in privaten Haushalten. Geschenke von westdeutschen Verwandten deckten etwa 20 Prozent des Bedarfs. Ab den 1960er Jahren war die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln zwar gesichert, aber Luxus- und Konsumgüter sowie Delikatessen waren kaum verfügbar. Das trug dazu bei, dass Genussmittel wie Süßwaren, Tabak, alkoholische Getränke und Bohnenkaffee stärker nachgefragt wurden.

In den 1970er Jahren lag der Verbrauch von Bohnenkaffee bei 3,6 Kilogramm pro Kopf und Jahr. DDR-Bürger gaben damals jährlich 3,3 Milliarden Mark für Kaffee aus. Das war fast so viel wie für Möbel und nahezu doppelt so viel wie für Schuhe. Kaffee war damit nicht nur ein Genussmittel, sondern ein wichtiger Bestandteil der Alltagskultur.

Ursachen und Maßnahmen 1976 bis 1978

Die eigentliche Kaffeekrise begann 1976. Wegen einer Missernte in Brasilien in der Saison 1975/6 stiegen die Weltmarktpreise für Kaffee stark an. Die DDR musste statt etwa 150 Millionen Valutamark plötzlich fast 700 Millionen Valutamark, beziehungsweise etwa 300 Millionen Dollar, pro Jahr für Kaffeeimporte ausgeben.

Gleichzeitig wirkten sich die Folgen der Ölkrise von 1973 in der DDR erst Mitte der 1970er Jahre aus, weil die Verrechnungspreise im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe im Fünfjahresmittel des Weltmarktpreises festgelegt wurden. Die SED-Führung senkte deshalb die Importe von Nahrungs- und Genussmitteln insgesamt, um Devisen für die Einfuhr von Erdöl freizumachen.

Alexander Schalck-Golodkowski empfahl, den Kaffeeimport einzustellen. Das konnte Werner Lamberz, Mitglied des Politbüros, durch Rüstungs- und Tauschgeschäfte, unter anderem mit Äthiopien, verhindern. Auch mit Angola gab es einen Tausch: Die DDR lieferte allradgetriebene LKW W 50, die für den Kaffeeanbau in bergigem Gelände geeignet waren, und erhielt dafür Kaffee.

Im Handel wurde die billigste Kaffeesorte „Kosta“ eingestellt. Sie hatte 7,50 Mark pro 125 Gramm gekostet. Stattdessen wurden nur noch die Sorten „Rondo“ und „Mona“ angeboten, die um 12,5 beziehungsweise 25 Prozent teurer waren. Zusätzlich kam „Kaffee-Mix“ auf den Markt: eine Mischkaffeesorte mit 49 Prozent Ersatzkaffee zum Preis von 4 Mark pro 125 Gramm. Auf eine Kontingentierung wurde verzichtet, also auf eine feste Begrenzung der Kaufmenge. Die Führung nahm an, dass sich die Bevölkerung über Verwandte in der Bundesrepublik mit Kaffee versorgen könne.

Reaktionen in der DDR

Viele DDR-Bürger lehnten den Kaffee-Mix ab. Der Kaffeemangel wurde als Angriff auf ein wichtiges Konsumbedürfnis und auf einen vertrauten Teil der Alltagskultur empfunden. Es entstanden Spottnamen wie „Edescho“ für „Erichs Devisenschoner“, in Anspielung auf Eduscho, und „Erichs Krönung“, in Anspielung auf Jacobs Krönung.

Der Kaffee-Mix verursachte auch technische Probleme. In der Gastronomie fielen Kaffeemaschinen aus, weil der Mischung unter anderem Erbsenmehl beigemischt war. Das darin enthaltene Eiweiß quoll unter Druck und Hitze auf und verstopfte die Filter. Es kam zu zahlreichen Eingaben, empörten Reaktionen gegenüber verschiedenen Gremien und zu Protesten.

Nach 1978 entspannte sich der Kaffeemarkt wieder, und der Kaffeepreis normalisierte sich. Trotzdem blieb die Beschaffung von Devisen für Kaffee in den 1980er Jahren ein Problem. Fortdauernde Versorgungskrisen schadeten dem Ansehen der politischen Führung. Für die Jahre 1975 bis 1977 wird angenommen, dass 20 bis 25 Prozent des gesamten Kaffeeverbrauchs in der DDR aus Westpaketen aus der Bundesrepublik stammten. Kaffee wurde dadurch auch zu einem innerdeutschen Symbol, das über seine Rolle als Genussmittel hinausging.

Als direkte Folge wies die DDR-Führung zunächst den Zoll an, großzügig zu sein, wenn in Westpaketen oder im Gepäck westlicher DDR-Besucher mehr Kaffee als erlaubt gefunden wurde. Im September 1977 wurde die bis dahin begrenzte Kaffeemenge für die persönliche Mitnahme in die DDR und für Pakete als Geschenksendungen aus der Bundesrepublik vollständig freigegeben.

Folgen in der Bundesrepublik

Auch in der Bundesrepublik stiegen 1977 die Kaffeepreise, aber es kam dort nicht zu Versorgungsengpässen. Im unteren Preissegment wurden günstigere Kaffeesorten verwendet. Außerdem kamen Surrogatmischungen auf den Markt, also Mischungen mit Kaffeeersatz. Beispiele waren „Caro mit“, „Jota-Sport“, „Aromata“ und „Rogga halb & halb“. Diese Produkte wurden jedoch nur begrenzt angenommen.

Kaffeehändler wie Tchibo und später Eduscho begannen in den 1970er Jahren, Kaffee zusammen mit Non-Food-Artikeln anzubieten. Dieses Cross-Selling, also der Verkauf anderer Waren zusätzlich zum Hauptprodukt, kann ebenfalls als Folge der Krise auf dem Kaffeemarkt im Westen verstanden werden.

Vietnam und der Weltmarkt

Die Kaffeekrise beeinflusste auch die Kaffeeproduktion in Vietnam. Die Beziehungen zwischen der DDR und Nordvietnam waren sehr eng. In Vietnam war schon 1926 unter französischer Herrschaft in kleinen Mengen Kaffee angebaut worden. Ab 1975, etwa parallel zur Kaffeekrise in der DDR, begann der systematische Anbau von Robusta-Kaffeesorten. Robusta wächst schneller, enthält mehr Coffein, eignet sich für das vietnamesische Hochland und lässt sich leichter mechanisiert ernten. Im Vergleich zu Arabica-Kaffee sind Qualität und Preisniveau geringer.

Unter dem Eindruck der Krise schlossen die DDR und Vietnam 1980 und 1986 zwei Regierungsabkommen. Die DDR lieferte Ausrüstung und Maschinen für den Aufbau der Kaffeeproduktion. Vietnam vergrößerte die bewirtschaftete Fläche von 600 auf 8600 Hektar und schulte Fachpersonal, auch in der DDR. Für das neu gegründete Kombinat Viet-Duc lieferte die DDR LKW, technische Geräte und Bewässerungssysteme. In Dray Linh baute sie außerdem ein Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung im Wert von 20 Millionen US-Dollar. Für 10.000 von der Küste umgesiedelte Menschen, die im Anbau und bei der Ernte arbeiten sollten, wurden Unterkünfte und Versorgungseinrichtungen errichtet.

Als Gegenleistung sollte die DDR über 20 Jahre die Hälfte der gesamten vietnamesischen Kaffee-Ernte erhalten. Da Kaffee vom Anpflanzen bis zur Ernte acht Jahre braucht, sollte 1990 die erste verwertbare Ernte kommen. Nach 1990 gelang es Vietnam rasch, sich als zweitgrößter Anbieter auf dem Weltmarkt nach Brasilien zu etablieren und traditionelle afrikanische Kaffeeanbauländer zu verdrängen. Die Aufhebung des Handelsboykotts der USA gegenüber Vietnam half dabei. Zusammen führte dies 2001 zu einer weiteren globalen Kaffeekrise, diesmal durch Überversorgung. Laut den Länderinformationen des Auswärtigen Amts war Deutschland 2008 vor den USA der größte Abnehmer vietnamesischen Kaffees.

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