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Mama und Papa
Mama und Papa sind im Deutschen die gebräuchlichsten Kosewörter für Mutter und Vater und im Allgemeinen die beiden ersten Wörter, die ein Kleinkind erlernt …
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Bedeutung und Besonderheit
Mama und Papa sind im Deutschen die häufigsten Kosewörter für Mutter und Vater. Sie gehören im Allgemeinen zu den ersten Wörtern, die Kleinkinder lernen und sprechen. Lautlich sehr ähnliche Formen kommen in zahlreichen Sprachen vor, etwa Mama, Papa, Baba, Dada und Tata.
Diese weltweite Ähnlichkeit bedeutet weder, dass die betreffenden Sprachen genetisch miteinander verwandt sind, noch handelt es sich um Lautmalerei. Nach einer 1959 veröffentlichten Erklärung des Linguisten Roman Jakobson beruht sie auf physiologischen Bedingungen, die den frühen Spracherwerb aller Kinder unabhängig von ihrer Muttersprache prägen.
Entstehung der ersten Lautfolgen
Der ungerundete offene Zentralvokal [a] ist der erste Vokal, den ein Kind artikulieren kann. Der stimmhafte bilabiale Nasal [m] entsteht durch das Verschließen der Lippen und ist der erste Konsonant dieser Art. Wenn ein Kind lernt, den Lippenverschluss wieder zu öffnen, kann es die bilabialen Plosive [p] und [b] bilden. Als alveolare Gegenstücke entstehen [t] und [d] mit einem Verschluss im Bereich hinter den oberen Schneidezähnen.
Durch die Wiederholung einfacher Silben wie ma, pa oder ta entstehen Formen wie mama, papa und tata. Diese Verdoppelung heißt in der Psycholinguistik Affektgemination. Die ersten Lautfolgen besitzen zunächst noch keine feste Bedeutung. Erst die jeweilige Kultur ordnet sie bestimmten Personen zu. Deshalb kann Mama in einigen Sprachen, beispielsweise im Georgischen, den männlichen Elternteil bezeichnen; Papa kann umgekehrt für den weiblichen Elternteil stehen. Die deutschen Wörter Mutter und Vater haben dagegen eine andere Herkunft und lassen sich lautgesetzlich aus dem Indogermanischen ableiten.
Vom Laut zur Personenbezeichnung
Untersuchungen von Virginia Volterra aus dem Jahr 1979 zeigen, dass die Lautfolgen nicht sofort als Namen für die Eltern verwendet werden. „Mama“ stand bei den untersuchten Kindern eher für einen Aufruf oder eine Bitte als unmittelbar für die Mutter.
Für „Papa“ beschrieb Volterra mehrere Entwicklungsphasen. Zunächst erschien der Ausruf in Situationen, die direkt oder indirekt mit dem Vater zusammenhingen, ohne ihn bereits eindeutig zu bezeichnen. Ein Kind sagte beispielsweise „Papa“, wenn es auf den Arm genommen werden wollte, weil der Vater dies zuvor meist getan hatte. In einer zweiten Phase verwendete das Kind das Wort auch für Vermutungen und Wünsche mit Bezug zum Vater, etwa wenn es erwartete, dass er gleich ins Zimmer komme. Danach wurde „Papa“ auf den Vater selbst und auf unmittelbar mit ihm verbundene Situationen eingegrenzt. In der letzten beschriebenen Phase verallgemeinerte das Kind die Bezeichnung wieder und nannte alle erwachsenen Männer „Papa“.
Gebrauch im Deutschen und Französischen
Die deutsche Schriftsprache übernahm Mama und Papa erst im 17. Jahrhundert aus dem Französischen. Gleichzeitig wurden weitere französische Verwandtschaftsbezeichnungen wie Onkel, Tante, Großvater, Großmutter, Cousin und Cousine entlehnt. Sie verdrängten zunehmend ältere germanischstämmige Wörter wie Oheim, Muhme, Vetter und Base. Heute sind sie so stark in den deutschen Wortschatz integriert, dass sie kaum noch als Fremd- oder Lehnwörter wahrgenommen werden.
Aussprache und Schreibweise von Mama wurden an das Deutsche angepasst. Die Nasalvokale des französischen maman wurden durch offene [a]-Laute ersetzt. Das abschließende n entfiel, weil es im Französischen keinen eigenen Konsonanten bezeichnet, sondern die Nasalierung des vorhergehenden Vokals anzeigt. Bei Mama und Papa verlagerte sich die Betonung im Deutschen mit der Zeit von der zweiten auf die erste Silbe oder wurde ausgeglichen. Eine Betonung der letzten Silbe war besonders in der Bildungssprache lange üblich, wirkt heute jedoch antiquiert, geziert oder absichtlich französisch. Die stets endbetonten Anreden „Frau Mama“ und „Herr Papa“ waren im 18. und 19. Jahrhundert in vornehmen Haushalten verbreitet und werden heute nur noch ironisch gebraucht.
Gebrauch im Italienischen und Englischen
Um 1700 wurde das französische papa auch ins Italienische und Englische übernommen. Im Italienischen schreibt man papà, weil das Wort wie im Französischen auf der letzten Silbe betont wird. Es ist nicht mit papa, der italienischen Bezeichnung für den Papst, zu verwechseln. Papà wird heute in allen gesellschaftlichen Schichten und Mundarten Italiens verwendet. Nur in der Toskana konnte sich mit babbo ein einheimisches Lallwort behaupten. Dante nannte es bereits um 1305 in De vulgari eloquentia als typisches Beispiel der Kindersprache.
Im Englischen setzte sich papa nicht gegen die traditionellen Kosenamen dad und daddy durch. Zwar war papa besonders im 19. Jahrhundert zeitweise modern, doch wurde es damals wie heute oft als gekünstelte Ausdrucksweise vermeintlich besserer gesellschaftlicher Kreise verspottet. 2016 berichteten Medien über einen entsprechenden Trend unter amerikanischen „Hipstern“; in Kindertagesstätten von Williamsburg soll damals bereits etwa die Hälfte der Kinder ihre Väter papa genannt haben.
In den Vereinigten Staaten ist papa außerdem in Familien und Gemeinschaften mittel- und südeuropäischer Einwanderer verbreitet. Auch Familien mit zwei Vätern verwenden die Bezeichnung häufiger, weil sie neben dad einen zweiten, eindeutig unterscheidbaren Kosenamen benötigen. In Schottland und in Familien schottischer Auswanderer kann papa dagegen als Kosename für den Großvater dienen, während der Vater wie im übrigen englischen Sprachraum dad genannt wird.