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Signifikant
Denotation – ein mehrdeutiger Ausdruck der Semantik. · Konnotation – ein mehrdeutiger Ausdruck, insbesondere der Logik und der Sprachwissenschaft. · Louis …
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Grundbegriff und Zeichenmodell
Ein Signifikant, auch Signans, Bezeichnendes oder Bezeichner genannt, ist in der strukturalistischen Linguistik und Semiotik die Ausdrucksseite eines sprachlichen Zeichens. Er besitzt eine materielle oder quasi-materielle Form, etwa als hörbare Lautfolge oder sichtbare Buchstabenfolge. Das Signifikat, auch Bezeichnetes genannt, bildet dagegen die Inhaltsseite: die Bedeutung, den Begriff oder das Vorstellungsbild, auf das der Signifikant verweist. Signifikant und Signifikat müssen beide vom bezeichneten Gegenstand und vom wirklichen Ding unterschieden werden.
Beispielsweise ist die Buchstabenfolge „Hut“ der Signifikant. Mit ihr wird das Signifikat „Art von Kopfbedeckung“ verbunden. Erst diese Verbindung ermöglicht es, die Buchstabenfolge als Zeichen zu lesen. Die Laut- oder Schriftform kann daher auch Ausdruck, Form, Formativ, Schriftbild oder Zeichenkörper heißen; für die Inhaltsseite werden unter anderem die Begriffe Inhalt, Bedeutung, Sinn oder Vorstellungsbild verwendet.
Ferdinand de Saussure beschreibt ein Zeichen als Verbindung von Signifikant und Signifikat. Dabei handelt es sich um eine dyadische Zeichenrelation, also ein zweiseitiges Modell. Im Unterschied zum dreiseitigen semiotischen Dreieck enthält dieses Modell nicht die Beziehungen des Zeichens zu einem Bezugsobjekt oder zu einem wirklichen Ding. Die reale Welt bleibt in der Darstellung ausgeblendet.
Signifikant in der Linguistik
Der Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure (1857–1913) bezeichnet den Signifikanten in seinem Cours de linguistique générale, auf Deutsch Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, als „Lautbild“ eines Signifikats. Das Signifikat ist der Inhalt, auf den dieses Lautbild verweist. So ist das Wort „Baum“ der Signifikant für das Vorstellungsbild Baum.
Ein Zeichen bildet eine Einheit aus Signifikant, Signifikat und der Verknüpfung beider Seiten, die als Referenz bezeichnet wird. Saussure veranschaulicht ihre enge Verbindung durch die Metapher eines Papierblatts. Ebenso lässt sich das Zeichen als Kreis darstellen, dessen zwei Hälften durch eine Trennlinie in Signifikant und Signifikat geteilt sind.
Die Zuordnung zwischen Signifikant und Signifikat beruht auf einer gesellschaftlichen Konvention und ist arbiträr, also willkürlich festgelegt und nicht von Natur aus vorgegeben. Deshalb kann grundsätzlich eine unterschiedliche Lautfolge mit demselben Begriff verbunden werden. Eine Ausnahme bilden einige wenige lautmalerische Wörter wie „Kuckuck“, deren Klang einen Bezug zum Bezeichneten erkennen lässt.
Zugleich besitzt jeder Signifikant einen differentiellen Charakter: Er wird durch seine Unterschiede zu anderen Signifikanten bestimmt. Seine Funktion ergibt sich somit aus seiner Stellung und Abgrenzung innerhalb des sprachlichen Systems. Der Begriff wurde besonders im Zusammenhang mit dem linguistic turn für die modernen Geisteswissenschaften sowie für Strukturalismus und Poststrukturalismus wichtig. Gelegentlich wird „Signifikant“ auch als Synonym für Referent oder ungenau im allgemeinen Sinn von Zeichen oder Symbol verwendet.
Erweiterung durch Lacan
In der von Strukturalismus und besonders von Roman Jakobson beeinflussten Psychoanalyse Jacques Lacans erhält der Signifikant eine erweiterte Bedeutung. Lacans Ansatz wird auch Strukturale Psychoanalyse genannt. Sigmund Freud kannte Saussures Werk nicht und verwendete den Begriff noch nicht.
Für Lacan können nicht nur Wörter als Signifikanten wirken, sondern auch Objekte, Beziehungen und Symptomhandlungen. Voraussetzung ist, dass sie in ein System eingeschrieben sind: in die Ordnung des Symbolischen. Das Symbolische bezeichnet den Bereich der Zeichen und sprachlich geordneten Beziehungen innerhalb der Psyche. Ein Signifikant erhält auch hier seine Bedeutung durch die Differenz zu anderen Signifikanten.
Sprache, Subjekt und Unbewusstes
Lacan versteht das Symbolische als eine „Kette von Signifikanten“ („chaîne de signifiants“). Die einzelnen Signifikanten stehen in einer bestimmten Ordnung zueinander. Diese Ordnung wird durch einen „Herrensignifikanten“ garantiert und gestützt: den Namen des Vaters. Er gilt als „fundamentaler Signifikant“, der dem Subjekt Identität gibt und ihm einen festen Platz in der symbolischen Ordnung von Familie und Gesellschaft ermöglicht.
Das Subjekt ist nach Lacan selbst in die Signifikantenkette eingebunden. Dies fasst er in dem Satz zusammen: „Ein Signifikant ist, was ein Subjekt repräsentiert für einen anderen Signifikanten.“ Anders als bei Saussure ist der Signifikant gegenüber dem Signifikat die primäre Instanz. Nicht das Signifikat verursacht den Signifikanten; vielmehr ist die allgegenwärtige Sprache bereits vorhanden, bevor ein bestimmter Inhalt gebildet wird.
Signifikanten sind nach dieser Auffassung das Erste, was einem Kind begegnet, und jede Äußerung des Kindes ist bereits in einem weiten Sinn sprachlich. Auch das Unbewusste ist laut Lacan „strukturiert wie eine Sprache“ und besteht aus Signifikanten. Die Signifikantenkette kann außerdem als Ahnenkette verstanden werden: Jedes Subjekt ist schon vor seiner Geburt und noch nach seinem Tod in eine solche Linie eingeschrieben, die sein Schicksal unbewusst beeinflusst.
Reiner Signifikant und Steppunkte
Lacan radikalisiert Saussures Gedanken der Arbitrarität, indem er die Vorrangstellung des Signifikanten betont. Der Signifikant ist nach dieser Auffassung zunächst ein bedeutungsloses materielles Element in einem geschlossenen differentiellen System. Symbole stammen für Lacan nicht unmittelbar aus dem Realen.
Einen „Signifikanten ohne Signifikat“ nennt Lacan „reinen Signifikanten“. Er bildet eine Leerstelle oder einen „leeren“ Signifikanten innerhalb der Struktur des Symbolischen. Diese Stelle kann mit unterschiedlichen Signifikaten besetzt werden. Damit ist die Verbindung zwischen Ausdruck und Bedeutung nicht endgültig festgelegt; Signifikate können unter den Signifikanten „gleiten“.
Dieses völlige „Gleiten der Signifikate“ wird durch „Steppunkte“ verhindert. Der Ausdruck bezeichnet stabilisierende Naht- oder Haltepunkte, welche die Beziehung zwischen Signifikanten und Signifikaten vorläufig befestigen. Fehlen solche Haltepunkte, entgleitet dem Subjekt nach Lacans Theorie die Wirklichkeit, was zur Psychose führt.