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Wortakzent

Der Wortakzent ist ein prosodisches Merkmal des Wortes und einer von verschiedenen linguistischen Akzenten. Er ist einbezogen in die Satzmelodie und kann von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Kennzeichnung
  2. 2. Grundregeln im Deutschen
  3. 3. Fremdwörter, Ableitungen und Nebenakzente
  4. 4. Betonung zusammengesetzter Wörter
  5. 5. Latein und slawische Sprachen
  6. 6. Rumänischer Wortakzent

Definition und Kennzeichnung

Der Wortakzent oder die Wortbetonung ist in der Phonologie die lautliche Hervorhebung einer Silbe innerhalb einer mehrsilbigen Wortform. Er ist ein prosodisches Merkmal, also eine Eigenschaft des sprachlichen Rhythmus und Klangs. Der Wortakzent ist in die Satzmelodie eingebunden und kann von seiner sprachlichen Umgebung abhängen. Längere oder zusammengesetzte Wörter können neben einem Hauptakzent einen oder mehrere Nebenakzente besitzen.

Im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) stehen kurze senkrechte Striche vor der betonten Silbe:

  • ˈ kennzeichnet den Haupt- oder Primärakzent, etwa in ˈZeitung, Comˈputer und Hoˈtel.
  • ˌ kennzeichnet den Neben- oder Sekundärakzent, etwa in ˈBahnhofˌstraße und ˌDreißigˈjahrfeier.
  • ˈˈ kann einen Hervorhebungs- oder kontrastiven Akzent anzeigen, etwa in ˈneunˈˈzig, nicht ˈneunˈˈzehn.

In einigen Sprachen wird der Wortakzent in der Schrift sichtbar gemacht. In der deutschen Schriftsprache wird er normalerweise nicht eigens gekennzeichnet; seltene Ausnahmen gibt es bei Fremdwörtern und fremden Namen.

Grundregeln im Deutschen

Im Deutschen ist innerhalb eines Wortes genau eine Silbe am stärksten hervorgehoben. Der deutsche Wortakzent ist ein dynamischer Akzent oder Druckakzent: Die betonte Silbe wird im Wesentlichen mit erhöhter Lautstärke gesprochen.

Sprachtypologisch gilt der deutsche Wortakzent als frei. Er kann auf jeder nicht reduzierten Silbe stehen, beispielsweise in ˈUrlaub, kaˈputt und ˈRisiko. Reduzierte Silben sind abgeschwächte und nicht betonbare Silben, etwa die jeweils letzten Silben in Ende, Regen, Bügel und oder.

Einige wenige Wortpaare unterscheiden sich nur durch die Position des Akzents:

  • Roˈman bezeichnet eine Erzählung in Buchform, ˈRoman einen Namen.
  • Auˈgust bezeichnet den Monat, ˈAugust einen Vornamen.
  • Teˈnor bezeichnet eine Singstimme, ˈTenor die Grundaussage.

Nach traditioneller Auffassung liegt der Akzent regelhaft auf der Stammsilbe, die häufig die erste Silbe nach den Präfixen ist. Nach neuerer Auffassung wird die Betonung vom Wortende aus bestimmt: Gemäß dem Dreisilbengesetz trägt eine der drei letzten betonbaren Silben den Hauptakzent. Am häufigsten ist der Pänultima-Akzent, also die Betonung der vorletzten Silbe.

Fremdwörter, Ableitungen und Nebenakzente

In das Deutsche integrierte Fremd- oder Lehnwörter zeigen besonders deutlich, wie die deutschen Betonungsregeln wirken. Die Regeln der Ausgangssprache werden in der Regel nicht übernommen. Eine Ausnahme bilden französische Fremdwörter, die oft auf der letzten Silbe betont werden, etwa Büˈro, Restauˈrant und Hoˈtel.

Bei Fremdwörtern sind unterschiedliche Positionen möglich:

  • letzter Akzent: Eleˈfant, Krokoˈdil, Kaˈmel
  • vorletzte Silbe: ˈTurban, ˈKonsul, ˈBison
  • vorvorletzte Silbe: ˈPinguin, ˈRisiko, ˈMonitor

Japanische Lehnwörter sind aufschlussreich, weil der japanische Tonakzent nicht ins Deutsche übernommen werden kann. Deshalb gelten die deutschen Regeln. Meist wird die vorletzte Silbe betont, wie in Ikeˈbana; manchmal die letzte, wie in Samuˈrai, oder die drittletzte, wie in ˈKimono. Bei viersilbigen Wörtern wie Mitsuˈbishi liegt der Akzent niemals auf der ersten Silbe. Damit ist das Dreisilbengesetz erfüllt.

Bei abgeleiteten Wörtern können Suffixe, also angehängte Wortbildungselemente, betont oder unbetont sein. Betont sind beispielsweise -ei in Bäckeˈrei, -ion in Diskusˈsion und -al in phänomeˈnal. Unbetont sind -ung in ˈLieferung, -heit in ˈSicherheit und -isch in ˈmalerisch.

Gehen der hauptbetonten Silbe mindestens zwei Silben voraus, können einige von ihnen einen Neben- oder Sekundärakzent tragen, etwa in Bibliothekarin oder Absolution.

Betonung zusammengesetzter Wörter

Bei einem Kompositum, also einem zusammengesetzten Wort, wird ein Bestandteil gegenüber dem anderen hervorgehoben. Meist trägt der erste Teil die stärkere Betonung, beispielsweise ˈTischtuch und ˈKindergarten.

In bestimmten Fällen wird dagegen der zweite Teil stärker betont. Dazu gehören Südˈafrika und Nordaˈmerika, die Verbindungen rot-ˈgrün und schwarz-ˈweiß sowie Dreiˈzimmerwohnung und Oberˈpostdirektion. Innerhalb der einzelnen Bestandteile gelten weiterhin die jeweiligen Regeln des gewöhnlichen Wortakzents.

Latein und slawische Sprachen

Im Lateinischen gilt das Paenultimagesetz. Der Akzent liegt auf der vorletzten Silbe, wenn diese lang ist. Als lang gilt eine Silbe, wenn sie einen langen Vokal enthält oder wenn in derselben Silbe nach dem Vokal ein Konsonant folgt, wie in secundus ‚zweiter‘. Ist die vorletzte Silbe kurz und endet auf einen kurzen Vokal, wie in agricola ‚Bauer‘, fällt der Akzent auf die drittletzte Silbe, die Antepänultima. Deren eigene Quantität spielt dabei keine Rolle.

Im Russischen ist der Wortakzent frei und beweglich oder mobil: Er kann grundsätzlich auf jeder Silbe liegen und innerhalb der verschiedenen Formen eines Wortes seine Position wechseln. Bei manchen Verben springt er in der Konjugation, etwa zwischen я пиˈшу ja piˈschu ‚ich schreibe‘ und ты ˈпишешь ty ˈpischesch ‚du schreibst‘. Einige Substantive besitzen betonte Pluralendungen, zum Beispiel проˈфессор proˈfessor und профессоˈра professoˈra. Außerdem sind Formen des indogermanischen Lokativs erhalten; dieser Kasus wurde im modernen Russischen durch den Präpositiv ersetzt.

Im Tschechischen liegt die Betonung stets auf der ersten Silbe. Bei Verbindungen mit einer Präposition kann sogar die Präposition betont sein, etwa in na zdraví ‚auf die Gesundheit‘ beziehungsweise ‚Prost!‘. Tschechisch unterscheidet kurze und lange Vokale und kennzeichnet lange Vokale mit einem Akzentzeichen; diese Vokallänge bestimmt jedoch nicht die Betonung.

Im Polnischen liegt der Akzent in der Regel auf der zweitletzten Silbe, der Paenultima. In einigen Ausnahmefällen wird die drittletzte Silbe betont. Das Polnische unterscheidet nicht zwischen langen und kurzen Vokalen.

Rumänischer Wortakzent

Das Rumänische besitzt wie das Russische einen freien und mobilen Akzent. Seine mögliche Position umfasst eine besonders große Spanne: Der Akzent kann von der letzten bis zur sechstletzten Silbe reichen. Beispiele sind paturile [ˈpa.tu.ri.le] ‚die Betten‘ mit Betonung auf der viertletzten Silbe, nouăsprezece [ˈno.u̯ə.spre.ze.t͡ʃe] ‚neunzehn‘ mit Betonung auf der fünftletzten Silbe und (al) nouăsprezecelea [ˈno.u̯ə.spre.ze.t͡ʃe.le̯a] ‚(der) Neunzehnte‘ mit Betonung auf der sechstletzten Silbe.

Auch im Rumänischen kann allein der Akzent Wörter oder grammatische Formen voneinander unterscheiden. veselă [ˈve.se.lə] bedeutet ‚glücklich‘, während veselă [ve.ˈse.lə] ‚Geschirr‘ bedeutet. cântă [ˈkɨn.tə] bedeutet ‚er/sie/es singt‘, cântă [kɨn.ˈtə] dagegen ‚er/sie/es sang‘.

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