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Nasalvokal
Ein Nasalvokal wird gebildet, indem das Velum gesenkt wird, so dass pulmonale Luft gleichzeitig durch den Nasenraum und den Mundraum entweichen kann.
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Grundbegriff
Ein Nasalvokal ist ein Vokal, bei dem das Velum, also das Gaumensegel, gesenkt wird. Dadurch kann pulmonale Luft gleichzeitig durch den Nasenraum und den Mundraum entweichen. Nasalvokale stehen den oralen Vokalen gegenüber: Bei oralen Vokalen liegt das Velum an der Rachenrückenwand an, sodass der Nasenraum geschlossen ist.
Von Nasalvokalen müssen nasale Konsonanten unterschieden werden. Bei nasalen Konsonanten entweicht die pulmonale Luft nur durch den Nasenraum. Bei Nasalvokalen bleibt dagegen auch der Mundraum beteiligt.
In der Lautschrift wird Nasalierung meistens mit einer übergesetzten Tilde angegeben, zum Beispiel [õ] für ein nasales o. Das IPA-Zeichen ist ◌̃, die IPA-Nummer ist 424, Unicode ist U+0303. In X-SAMPA wird Nasalierung mit ~ oder _~ wiedergegeben, in Kirshenbaum mit <nzd>. Früher wurde auch ein Ogonek unter dem Vokal verwendet.
Vorkommen und Bedeutung
Nasalvokale mit phonologischem Charakter sind besonders typisch für das Französische. „Phonologisch“ bedeutet hier, dass der Unterschied zwischen nasalem und oralem Vokal für die Bedeutung eines Wortes wichtig sein kann. Phonematisch kommen Nasalvokale außerdem im gegischen Dialekt des Albanischen, im Portugiesischen und Bretonischen, in sino-tibetischen Sprachen, im Polnischen und im Kaschubischen vor.
Auch einige deutsche Dialekte verwenden Nasalvokale, zum Beispiel Schwäbisch und Bairisch. In die deutsche Standardsprache sind Nasalvokale vor allem über französische Fremdwörter gelangt. Ein Beispiel ist das Wort Restaurant, das standardsprachlich mit einem Nasalvokal ausgesprochen wird. Die starke Verbreitung des Französischen als Weltsprache im 17. Jahrhundert trug dazu bei, dass Nasalvokale zusammen mit französischem Fremdwortgut in viele Kultursprachen übernommen wurden.
Französisch und Portugiesisch
Im Französischen ist das Gaumensegel bei Nasalvokalen von Anfang des Vokals an gesenkt. Ein Beispiel ist fin [fɛ̃], deutsch „Ende“.
Im Portugiesischen verläuft die Nasalierung anders. Dort wird das Gaumensegel erst nach Beginn der Intonation des Vokals verzögert dem Zungengrund angenähert, ohne ihn zu berühren. Dadurch entsteht oft ein diphthongischer Laut, also ein Laut mit gleitender Vokalbewegung.
Das portugiesische Adverb bem „gut“ klingt deshalb eher wie [bɛĩ]. Die Buchstabengruppe -im in fim [fĩ], deutsch „Ende“, wird tatsächlich eher [fiĩ] ausgesprochen. Diese Aussprache unterscheidet sich nur wenig von der Gruppe -inh- [-iɲ-] in Martinho [mɐrˈtiɲu], deutsch „Martin“. Auch bom „gut“ wird eher wie [bow̃] gesprochen und nicht wie das französische bon [bɔ̃], deutsch „gut“.
Polnisch und Kaschubisch
Im Polnischen werden nasale Vokale durch einen Ogonek gekennzeichnet. Die beiden Zeichen sind Ą und Ę. Grundsätzlich wird ą als [ɔ̃] und ę als [ɛ̃] ausgesprochen.
Vor Verschlusslauten, also Plosiven, wird die Aussprache jedoch in einen oralen Vokal und einen passenden nasalen Konsonanten getrennt. Vor b und p entstehen [ɔm, ɛm], vor ć (ci) und dź (dzi) [ɔɲ, ɛɲ], vor c, d und t [ɔn, ɛn] und vor g und k [ɔŋ, ɛŋ]. Praktisch werden die Vokale nur vor Zischlauten nasal ausgesprochen. Das ą bleibt außerdem am Wortende nasal, während ę am Wortende wie e gesprochen wird.
Das Kaschubische besitzt zwei Nasalvokale: den hinteren Nasalvokal Ą und den vorderen Nasalvokal Ã. Das ą wird grundsätzlich [ɔ̃] ausgesprochen, das ã [ɑ̃].
Indoarische Sprachen
Im Hindi können sämtliche Vokale auch nasal vorkommen. Dazu gehören die kurzen Vokale a, i, u und die langen Vokale a:, e:, i:, o:, u:, æ:, ɔ:. Nasalvokale sind im Hindi sehr häufig, besonders in Pluralendungen. Auch Panjabi und Bengalisch kennen nasale Vokale.
In den indischen Schriften gibt es zwei Zeichen für die Nasalierung von Vokalen: Chandrabindu, in Devanagari ँ und als Umschrift m̐, sowie Anusvara, ं und als Umschrift ṁ. Im Hindi werden Buchstaben mit Chandrabindu immer nasaliert. Beim Anusvara erfolgt vor Verschlusslauten und nasalen Konsonanten eine Trennung von Vokal und Nasal.
In den arabischen Alphabeten des Urdu und Panjabi zeigt das Zeichen Nun-e ghunna die Nasalierung eines Vokals an.