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Malagasy
Es ist die westlichste Sprache der austronesischen Sprachfamilie und neben Französisch eine der Amtssprachen in Madagaskar. Die am nächsten verwandten …
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Überblick und Einordnung
Malagasy, auf Deutsch auch Madagassisch, Madegassisch und selten Malagassi genannt, ist die Sprache der madagassischen Foko, also der einheimischen Ethnien Madagaskars. Sie wird in Madagaskar, auf den Komoren und auf Réunion gesprochen und hat etwa 27.000.000 Sprecher. In Madagaskar ist sie neben Französisch Amtssprache. Der Sprachcode nach ISO 639-1 ist mg, nach ISO 639-2 und ISO 639-3 mlg.
Sprachgeschichtlich gehört Malagasy zur austronesischen Sprachfamilie, genauer zum malayo-polynesischen Zweig. Es ist die westlichste Sprache dieser Sprachfamilie. Die nächsten verwandten Sprachen außerhalb Madagaskars gehören zur Ost-Barito-Gruppe im Süden Borneos, darunter Ma’anyan in der indonesischen Provinz Kalimantan Tengah. Diese Region liegt fast 7000 km von Madagaskar entfernt. Dass Malagasy Ähnlichkeiten mit anderen austronesischen Sprachen hat, stellte Adriaan Reland bereits 1708 fest. Dahl wies 1951 eine besonders enge Verwandtschaft von Malagasy und Ma’anyan nach.
Neben der Verwandtschaft mit Ma’anyan enthält Malagasy auch Einflüsse des Altmalaiischen. Außerdem werden ein Bantu-Einfluss oder ein Substrat in der Phonotaktik genannt. Adelaar legte 1995 nahe, dass viele Wörter aus Sulawesi Selatan stammen; Blench konnte dies 2018 durch Belege stützen.
Entstehung und Verbreitung
Malagasy kam zusammen mit Einwanderern aus Südostasien nach Madagaskar. Für diese Wanderungsbewegungen gibt es unterschiedliche Hypothesen: Dahl nennt etwa 450 n. Chr., Adelaar das 7. Jahrhundert n. Chr. Madagaskar wurde erstmals durch austronesische Menschen von den Sundainseln im maritimen Südostasien besiedelt. Möglich ist eine direkte Fahrt von Java nach Madagaskar über den Indischen Ozean. Wahrscheinlich ist auch eine Route über die Malediven, wo bis heute ähnliche Bootsformen und Fischereitechniken vorkommen.
Die Sprache stammt von den Südost-Barito-Sprachen ab. Serva nimmt an, dass die Vorfahren der Sprecher der Malagasy-Dialekte zuerst im Süden Madagaskars ankamen. Die mündliche Tradition umfasst poetische Geschichten und Legenden; besonders bekannt ist das nationale Epos Ibonia über einen gleichnamigen malagasy Helden.
Später, etwa im 1. Jahrtausend, vermischten sich verschiedene Siedlergruppen, darunter austronesische, Bantu- und arabische Gruppen. Die Ma’anyan-Sprache ist dem Malagasy am nächsten verwandt und enthält viele malaiische und javanische Lehnwörter. Der Artikel nennt die Annahme, dass die Ma’anyan-Bevölkerung zwischen 50 und 500 n. Chr. als Sklaven und Arbeiter von malaiischen und javanischen Völkern nach Madagaskar gebracht wurde.
Heute ist Malagasy die hauptsächlich gesprochene Sprache Madagaskars. Es wird außerdem von madagassischen Gemeinschaften auf benachbarten Inseln des Indischen Ozeans gesprochen, zum Beispiel auf Réunion, Mayotte und Mauritius. Auch madagassische Auswanderer in Europa und Nordamerika verwenden die Sprache, etwa in Belgien und Washington D.C.
Dialekte und Amtssprache
Malagasy wird in zwei Hauptdialektgruppen eingeteilt: östliche und westliche Dialekte. Der Merina-Dialekt gehört zu den östlichen Dialekten und bildet die Grundlage der Standardvarietät. Diese Standardform wird von Medien und Regierung in Madagaskar verwendet. Der Sakalava-Dialekt gehört zu den westlichen Dialekten. Die Isoglosse, also die Grenze zwischen sprachlichen Merkmalen, verläuft ungefähr vertikal durch Madagaskar. Der Süden gehört zu den westlichen Dialekten, das zentrale Hochland und der Norden, mit Ausnahme der nördlichsten Spitze, zu den östlichen Dialekten. Ethnologue erkennt 12 Varianten des Malagasy als eigene Sprachen an.
Die beiden Hauptdialekte unterscheiden sich unter anderem phonologisch, also in ihren Lautsystemen. Sakalava hat finale nasalisierte Konsonanten verloren, während Merina ein unbetontes [ə̥] anhängt. Aus *tañan „Hand“ wurde im Sakalava [ˈtaŋa] tan̈a, im Merina [ˈtananə̥] tanana. Finales *t wurde im Sakalava zu -[tse], im Merina zu -[ʈʂə̥]: *kulit „Haut“ wurde Sakalava [ˈhulitse] holitse und Merina [ˈhudiʈʂə̥] hoditra. Außerdem behielt Sakalava *li und *ti, während diese im Merina zu [di] beziehungsweise [tsi] wurden, zum Beispiel *putiq „weiß“ zu Sakalava [ˈfuti] foty und Merina [ˈfutsi] fotsy. Diese Unterschiede entstanden bereits in Borneo, bevor Malagasy nach Madagaskar kam.
Der Merina-Dialekt des Malagasy ist neben Französisch Amtssprache von Madagaskar. In der Verfassung von 2007 war außerdem Englisch als offizielle Sprache genannt. An allen öffentlichen Grundschulen ist Malagasy Arbeits- und Unterrichtssprache für alle Fächer. In weiterführenden Schulen, auch privaten, werden Malagasy und Geschichte auf Malagasy unterrichtet.
Schrift und Orthografie
Malagasy wird heute in lateinischer Schrift geschrieben. Diese wurde im 19. Jahrhundert von westlichen Missionaren eingeführt. Davor gab es eine Schrifttradition, die vermutlich bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Im 17. Jahrhundert war bei Tolagnaro, früher Fort-Dauphin, eine Arabico-Malagasy-Schrift in Gebrauch, die Sorabe, also „große Buchstaben“, genannt wurde. Diese arabische Adschami-Schrift wurde vor allem für astrologische und magische Texte verwendet. Das älteste bekannte Manuskript in dieser Schrift ist ein malagassisch-niederländisches Vokabular aus dem 17. Jahrhundert, das Gabriel Ferrand 1908 veröffentlichte; die Schrift muss aber schon im 15. Jahrhundert im Südosten Madagaskars bekannt gewesen sein.
Die erste zweisprachige Übertragung religiöser Texte stammt von Étienne de Flacourt, der auch das erste Wörterbuch des Malagasy veröffentlichte. Radama I., der erste des Lesens kundige Vertreter der Merina-Monarchie, unterstützte die Einführung des lateinischen Schriftsystems und lud Protestanten der London Missionary Society ein, Schulen und Kirchen zu errichten. Das erste in lateinischer Schrift gedruckte Buch auf Malagasy war die Bibel, die 1835 von britischen protestantischen Missionaren übersetzt wurde.
Das madagassische Alphabet umfasst 21 lateinische Buchstaben: A, B, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, R, S, T, V, Y, Z. Auf die fünf Vokale A, E, I, O, Y können Akzente, genauer accent grave, gesetzt werden, wenn die Betonung von den Grundregeln abweicht. Diakritika sind im Standardmalagasy nicht verpflichtend, außer wenn ihr Fehlen zu Mehrdeutigkeit führt. So erhält tanàna „Stadt“ einen Akzent, um es von tanana „Hand“ zu unterscheiden. Wörter, die den normalen Ausspracheregeln folgen, werden normalerweise nicht mit Akzenten geschrieben, außer in Wörterbüchern.
Die Orthografie ist sehr regelmäßig. i wird immer wie /i/ ausgesprochen und am Wortende als y geschrieben. y kommt daher nur am Wortende vor, abgesehen von Eigennamen; i steht nur in der Wortmitte, abgesehen vom Wort i, dem Artikel vor Eigennamen. o wird wie /u/ ausgesprochen, oa wie /o/ und j wie /ds/ beziehungsweise [dz]. h ist stumm. s entspricht einem stimmlosen deutschen /s/, z einem stimmhaften /s/ [z]. Unbetonte Vokale, besonders am Wortende, werden oft elidiert, also weggelassen.
Grammatik
Malagasy hat fünf Vokal-Phoneme, also fünf bedeutungsunterscheidende Vokallaute. Die Betonung liegt normalerweise auf der vorletzten Silbe. Endet ein Wort auf ka, tra oder na, wird die drittletzte Silbe betont. Bei unbetonten Silben kommt Elision häufig vor, also das Weglassen von Lauten.
Die Morphologie, also die Wortbildung und Formenbildung, ist ausschließlich konkatenativ. Das bedeutet, dass grammatische Bestandteile aneinandergereiht werden. Am Verb können bis zu fünf grammatische Kategorien ausgedrückt werden. Reduplikation, also die Wiederholung von Wortteilen, ist ein produktives Mittel der Wortbildung. Malagasy hat kein Genus, also kein grammatisches Geschlecht, und der Plural wird nicht kodiert. Es gibt einen definiten Artikel, aber keinen indefiniten Artikel. Fehlt ein Artikel, hat die Nominalphrase indefinite Bedeutung. Wie viele austronesische Sprachen unterscheidet Malagasy beim Pronomen für „wir“ zwischen inklusiv und exklusiv: isika bedeutet „wir“ einschließlich der angesprochenen Person, izahay bedeutet „wir“ ohne die angesprochene Person.
Die Grundwortstellung ist Verb-Objekt-Subjekt, abgekürzt VOS. Die Kasusmarkierung folgt wie im Deutschen einem akkusativischen Schema.
Besonders wichtig ist der Trigger. Damit ist ein Satzteil gemeint, der die Form des Verbs bestimmt und normalerweise am Satzende steht. Vereinfacht ist der Trigger der Satzteil, dem die sprechende Person die größte Hervorhebung gibt. Manchmal wird er als „Subjekt“ bezeichnet, weil er einige Eigenschaften von Subjekten in anderen Sprachen hat. Diese Bezeichnung ist aber ungenau, weil der Trigger auch Gemeinsamkeiten mit einem Topik hat. Wenn mehrere Nominalphrasen im Satz stehen, kann grundsätzlich jede von ihnen als Trigger gewählt werden, sofern sie definit ist. Die Form dieses Satzteils verändert sich dabei nicht; stattdessen zeigt die Verbform, welcher Satzteil Trigger ist.
Die Einteilung unterscheidet AT, TT und CT. AT bedeutet Actor-Topic oder Actor-Trigger: Das Agens, also der Handelnde, steht in Trigger-Position. TT bedeutet Theme-Topic oder Theme-Trigger: Das Thema oder der betroffene Gegenstand steht in Trigger-Position. CT bedeutet Circumstantial Topic oder Trigger: Ein obliques Argument steht in Trigger-Position, also ein Satzteil mit einer peripheren Rolle wie Instrument, Ort oder Art und Weise.
Tempus, also Zeitform, wird durch Affixe markiert. m- steht für Präsens, n- für Vergangenheit und h- für Futur. Das m-Präfix kommt nur in AT-Konstruktionen vor, während n- und h- auch in TT- und CT-Konstruktionen auftreten können. Beispiele zeigen, wie sich durch die Verbform die Hervorhebung verändert: Mamono ny akoho amin’ny antsy ny mpamboly bedeutet „Der Bauer tötet die Hühner mit dem Messer“; in Vonoin’ ny mpamboly amin’ny antsy ny akoho steht „die Hühner“ als Thema im Vordergrund; in Amonoan’ ny mpamboly ny akoho ny antsy steht „das Messer“ als Instrument im Vordergrund.
Wortschatz und Wörterbücher
Der Grundwortschatz des Malagasy stimmt zu großen Teilen mit der Ma’anyan-Sprache aus der Region des Barito-Flusses im südlichen Borneo überein. Daneben hat Malagasy im Laufe seiner Sprachgeschichte Lehnwörter aufgenommen. Lehnwörter sind Wörter, die aus anderen Sprachen übernommen wurden. Genannt werden Einflüsse aus dem Arabischen, aus Bantusprachen, besonders aus Sabaki-Sprachen wie Swahili, sowie in jüngerer Zeit aus dem Französischen und Englischen.
Beispiele sind omby „Vieh“ aus Swahili ng'ombe, alahady „Sonntag“ aus Arabisch الأحد al-ahad, boky aus Englisch book und savony aus Französisch savon.
Die Lexikographie, also die Erstellung von Wörterbüchern, beginnt früh. Étienne de Flacourt veröffentlichte 1658 das Dictionnaire de la langue de Madagascar, das erste Wörterbuch des Malagasy. Es gibt jedoch ältere Glossare in Arabico-Malagasy-Schrift. 1729 erschien das Vocabulaire Anglais-Malagasy. James Richardson von der London Missionary Society veröffentlichte ein 892 Seiten langes Malagasy-Englisches Wörterbuch, das auch als Nachdruck erhältlich ist, aber veraltete Terminologie und Definitionen enthält. Spätere Wörterbücher sind weniger umfangreich, wurden aber überarbeitet und aktualisiert und spiegeln die Entwicklung der Sprache besser wider. Dazu gehört ein modernes zweisprachiges Wörterbuch auf der Grundlage eines Datenkorpus von über 5 Millionen malagassischen Wörtern.