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Mauritius

Mauritius ist eine stabile Demokratie, laut verschiedenen Demokratieindizes ist Mauritius sogar der demokratischste Staat Afrikas. Mauritius hat außerdem eines …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und Raum
  2. 2. Natur und Bevölkerung
  3. 3. Kolonialzeit und Unabhängigkeit
  4. 4. Politik und Verwaltung
  5. 5. Wirtschaft und Verkehr
  6. 6. Kultur und Freizeit

Staat und Raum

Mauritius ist ein Inselstaat im Südwesten des Indischen Ozeans, etwa 870 km östlich von Madagaskar und rund 1800 km vom afrikanischen Kontinent entfernt. Hauptstadt ist Port Louis. Der Staat ist eine parlamentarische Republik, wurde am 12. März 1968 vom Vereinigten Königreich unabhängig und gehört weiterhin dem Commonwealth sowie der Afrikanischen Union an. Seine Fläche beträgt 2103 km²; 2023 hatte er 1,261 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 600 Einwohnern je km².

Zum Staatsgebiet gehören die Hauptinsel Mauritius mit 1865 km², Rodrigues mit etwa 109 km² und rund 40.000 Einwohnern, die Cargados-Carajos-Inseln mit etwa 3,2 km² sowie die Agalega-Inseln mit etwa 24 km². Mauritius und Rodrigues gehören mit Réunion zu den Maskarenen. Der Chagos-Archipel war 1965 vom Vereinigten Königreich ausgegliedert worden; seit dem 22. Mai 2025 ist er wieder Teil von Mauritius.

Mauritius liegt auf der Afrikanischen Platte und ist vulkanischen Ursprungs. Die älteste vulkanische Phase dauerte von vor zehn bis vor fünf Millionen Jahren, eine mittlere von vor 3,5 bis vor 1,7 Millionen Jahren und die jüngste von vor 700.000 bis mindestens vor 20.000 Jahren. Vor allem basaltische Laven formten die Inseln. Der höchste Berg ist der Piton de la Petite Rivière Noire mit 828 m.

Das tropische Klima bringt an den Küsten durchschnittlich 23,3 °C, in höheren Lagen 19,4 °C. Der trockene Winter dauert von Juni bis Oktober, der feuchte Sommer von Dezember bis April. Die Ostküste erhält wegen der Südostpassate etwa 1960 mm Niederschlag pro Jahr und damit etwa 2,5-mal so viel wie die im Regenschatten liegende Westküste mit 780 mm. Die Zyklonsaison reicht vom 15. November bis 15. Mai; Zyklone haben Windgeschwindigkeiten über 118 km/h.

Natur und Bevölkerung

Die isolierte Lage führte zu einer eher artenarmen, aber besonders endemischen Fauna. Endemisch bedeutet, dass eine Art nur in einem bestimmten Gebiet vorkommt. Vor dem Menschen gab es an Land außer Fledertieren keine Säugetiere. Menschen führten unter anderem Ratten, Mäuse, Mangusten, Mähnenhirsche und Javaneraffen ein. Viele Vogelarten wurden durch Lebensraumveränderung und eingeschleppte Tiere bedroht oder ausgerottet. Der Dodo (Raphus cucullatus), der auch im Wappen erscheint, war bereits um 1690 ausgerottet. Auch die Riesenschildkröten der Gattung Cylindraspis verschwanden gegen 1800.

Von 670 Arten von Blütenpflanzen ist etwa die Hälfte endemisch. Ursprünglich war ein großer Teil der Insel von tropischem Regenwald bedeckt; Trochetia boutoniana ist die Nationalblume. Zum Schutz bestehen zwei größere Nationalparks: der Black River Gorges National Park seit dem 15. Juni 1994 und der Bras D’Eau National Park seit dem 25. Oktober 2011. Drei Gebiete sind Ramsar-Gebiete, also international bedeutsame Feuchtgebiete: Rivulet Terre Rouge Estuary Bird Sanctuary, Blue Bay Marine Park und Pointe d’Esny.

2023 lebten etwa 1,3 Millionen Menschen in Mauritius; die Einwohnerzahl sank um 0,1 %. Die Geburtenziffer lag bei 9,6, die Sterbeziffer bei 10,2 je 1000 Einwohner. Die durchschnittliche Kinderzahl betrug 2022 1,3 pro Frau, die Lebenserwartung 73,5 Jahre. 16,0 % der Bevölkerung waren 2023 jünger als 15 Jahre, 13,3 % älter als 64 Jahre.

68 % der Einwohner sind Indomauritier, 27 % Kreolen, gut 3 % Sinomauritier und etwa 2 % Frankomauritier. Ureinwohner gibt es nicht, da Mauritius vor der Kolonialisierung unbewohnt war. Die meistgenutzte Alltagssprache ist das französisch basierte Kreolische Morisyen, das über 86,5 % als Muttersprache sprechen. Im Parlament ist Englisch die offizielle Sprache; Französisch darf ebenfalls verwendet werden. Die größte Religion ist der Hinduismus mit 48,5 %, gefolgt vom Christentum mit 32,7 % und dem Islam mit 17,3 %.

Kolonialzeit und Unabhängigkeit

Die Insel war Arabern und Malaien wohl bereits im 10. Jahrhundert bekannt. Europäer entdeckten sie 1505 durch Pedro Mascarenhas; andere Quellen nennen 1507 oder 1510. Die Portugiesen nutzten Mauritius nur als Stützpunkt.

1598 nahm der Niederländer Wybrand van Warwijck die Insel für Holland in Besitz und benannte sie nach Moritz von Oranien. Erst ab 1638 wurde sie besiedelt. Niederländische Kolonialherren führten Sklaven aus Madagaskar ein und legten erste Zuckerrohrplantagen an. Zyklone, Dürren, Krankheiten und Nahrungsmangel belasteten die Kolonie. 1710 gaben die Niederländer Mauritius auf; die Insel war zu diesem Zeitpunkt fast vollständig abgeholzt, und Tierbestände wie die Dodos waren ausgerottet oder stark dezimiert.

Frankreich eroberte Mauritius 1715, nannte es Île de France und ließ durch Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar Zuckerrohr anbauen. Mahé de Labourdonnais gründete 1735 Port Louis. 1810 besetzten britische Truppen die Insel; ab 1814 war sie britische Kronkolonie. Französische Sprache und der Code civil Napoleons blieben jedoch einflussreich. Nach dem Verbot der Sklaverei ab 1835 kamen viele Arbeitskräfte aus Indien auf die Plantagen. Als ihr Bevölkerungsanteil 1871 60 % erreichte, wurde die Einwanderung von Kontraktarbeitern gestoppt.

Verfassungen von 1947 und 1959 erweiterten das Wahlrecht: zunächst auf lesekundige Frauen und Männer über 21 Jahre, danach auf alle Erwachsenen. Am 12. März 1968 wurde Mauritius unabhängig. Sir Seewoosagur Ramgoolam war der erste Premierminister. Seit einer neuen Verfassung vom 12. März 1992 ist Mauritius eine Republik.

Politik und Verwaltung

Mauritius gilt als stabile repräsentative Demokratie mit freien Wahlen und Menschenrechtsgarantien. Repräsentative Demokratie bedeutet, dass die Bevölkerung Abgeordnete wählt, die politische Entscheidungen treffen. Das politische System folgt dem britischen Westminster-System. Die Nationalversammlung hat mindestens 62 und höchstens 70 Mitglieder. Sie werden alle fünf Jahre in 21 Wahlbezirken gewählt. Acht zusätzliche Sitze können als „beste Verlierer“ an in den Wahlergebnissen unterrepräsentierte ethnische Gruppen gehen. Dieses Best Loser System, das auf einer Volkszählung der 1970er Jahre beruht, ist umstritten.

Der Präsident wird vom Parlament gewählt. Er ernennt aus den Abgeordneten den Premierminister, der die Regierung leitet und Ministerkandidaten vorschlägt. Die Angaben im Artikel sind nicht vollständig einheitlich: In der Übersicht wird Dharam Gokhool als Präsident und Navin Ramgoolam als Premierminister genannt; im Politikabschnitt wird Prithvirajsing Roopun seit 2019 als Präsident genannt, während Navin Ramgoolam dort seit November 2024 Premierminister ist.

Nach dem Demokratieindex 2024 erreichte Mauritius 8,23 von 10 Punkten und Rang 20 von 167; es wird als „vollständige Demokratie“ bewertet. Der Fragile States Index 2024 bewertet das Land mit 37,8 von 120 Punkten als sehr stabil. Mauritius hat kein reguläres Militär. Die Special Mobile Force mit 1500 Mitgliedern und die National Coast Guard mit 500 Mitgliedern sind paramilitärische Polizeieinheiten.

Die Hauptinsel ist traditionell in neun Bezirke gegliedert. Die lokale Verwaltung umfasst Port Louis als Großstadt, vier Landstädte und neun Selbstverwaltungsbezirke mit insgesamt 130 Dörfern. Rodrigues besitzt seit 2002 eine eigene Regionalversammlung und damit Autonomie innerhalb des Staates. Menschenrechtslage, Presse- und Meinungsfreiheit werden grundsätzlich als gut beschrieben, zugleich werden unter anderem Misshandlungen durch Sicherheitskräfte, langsame Strafjustiz, Diskriminierung und Kinderarbeit kritisiert. Gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte wurden Anfang Oktober 2023 entkriminalisiert.

Wirtschaft und Verkehr

Mauritius hat wegen politischer Stabilität viele ausländische Investitionen angezogen und eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas erreicht. Das BIP betrug 2024 nominal geschätzt 15 Milliarden US-Dollar; nach Kaufkraftparität 39,3 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 31.193 US-Dollar pro Kopf. Die Wirtschaft war vor der Unabhängigkeit fast ganz vom Zuckerrohr abhängig. Rohrzucker wächst noch auf etwa vier Fünfteln der kultivierten Fläche, doch die Wirtschaft ist heute vielfältiger.

Der tertiäre Sektor, also Dienstleistungen, ist der wichtigste Wirtschaftsbereich. Es folgen Baugewerbe und Industrie. In der Textilindustrie gab es 2021 535 Unternehmen mit rund 35.000 Beschäftigten; sie war mit 47,3 % des Handelsvolumens der größte Exportsektor. Tourismus ist ebenfalls wichtig: In den 2010er-Jahren kamen jährlich etwa 1 Million Touristen. Während der COVID-19-Pandemie sank sein Anteil am BIP von etwa 15–20 % auf unter 5 %. 2020 betrug das reale BIP-Wachstum −14,5 %, 2024 wieder 4,9 %.

Das Straßennetz ist 1600 km lang, überwiegend asphaltiert, und wegen der britischen Kolonialzeit gilt Linksverkehr. Die M2 verbindet Grand Baie über Port Louis mit dem internationalen Flughafen Sir Seewoosagur Ramgoolam International Airport. Seit dem 10. Januar 2020 verbindet die fast 26 km lange Stadtbahn Metro Express Port Louis mit Curepipe. Zudem verkehren Busse, Taxis und tägliche Flüge nach Rodrigues.

Kultur und Freizeit

Die Kultur verbindet Einflüsse Frankreichs und des Vereinigten Königreichs mit afrikanischen und asiatischen Traditionen. Die Küche enthält französische, indische, chinesische und kreolische Elemente.

Der bedeutende mauritische Musikstil Sega entstand aus musikalischen Formen entflohener Sklaven. Seine typische Begleitung besteht aus der Rahmentrommel ravanne, der Floßrassel maravanne und einem Triangel oder ähnlichen Schlaginstrument. Sega wurde 2014 in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen; 2017 folgte der schnellere Sega tambour von Rodrigues. Auch indische und chinesische Musiktraditionen prägen das Land. Bhojpuri-Volkslieder und die Geet-Gawai-Zeremonie wurden 2016 als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

Bekannt sind außerdem die 1847 gedruckten Briefmarken Rote und Blaue Mauritius. Sie entstanden, als Mauritius als fünftes Land der Erde Briefmarken verwendete, und gelten heute als sehr selten und wertvoll. Sport- und Freizeitmöglichkeiten umfassen unter anderem Wandern, Tauchen, Schnorcheln, Segeln, Surfen und Kitesurfen. Die Korallenriffe ziehen besonders Taucher und Schnorchler an.

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