Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Toleranzedikt

Ein Toleranzedikt ist ein regierungsamtlicher Erlass (Edikt), der religiösen Minderheiten die Duldung zusichert. Oftmals waren Toleranzedikte in der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Frühe Beispiele
  3. 3. Religiöse Duldung in Europa
  4. 4. Weitere Regelungen seit dem 17. Jahrhundert
  5. 5. Toleranz im Zeitalter der Reformen
  6. 6. Preußische und russische Edikte

Begriff und Bedeutung

Ein Toleranzedikt ist ein regierungsamtlicher Erlass, also ein Edikt, der religiösen Minderheiten Duldung zusichert. Es geht dabei nicht unbedingt um vollständige Gleichberechtigung, sondern oft zunächst darum, dass eine bisher benachteiligte oder verfolgte Religionsgemeinschaft ihre Religion ausüben darf.

Historisch waren viele Toleranzedikte nur von begrenzter Dauer. Manche wurden später offiziell widerrufen, andere verloren schleichend ihre Wirkung. Der Begriff hängt mit lateinisch tolerare zusammen, das „erdulden“ oder „ertragen“ bedeutet.

Frühe Beispiele

Ein frühes Beispiel ist das Edikt des Kyros von 538 v. Chr., das den Israeliten die Heimkehr aus dem babylonischen Exil erlaubte.

In der römischen Geschichte wurde das Christentum durch das Toleranzedikt des Galerius vom 30. April 311 zu einer geduldeten Religion. Die Mailänder Vereinbarung vom 13. Juni 313, oft fälschlich „Toleranzedikt von Mailand“ genannt, gewährte Freiheit der Glaubensentscheidung für alle Religionen.

Religiöse Duldung in Europa

In der Frühen Neuzeit regelten mehrere Edikte das Zusammenleben christlicher Konfessionen. Das Edikt von Torda vom 13. Januar 1568 in Siebenbürgen stellte alle christlichen Lehren gleich, besonders Katholiken, Lutheraner, Reformierte und Unitarier. Das Toleranzedikt der Warschauer Konföderation von 1573 sicherte Minderheitskonfessionen Religionsfreiheit sowie volle Zivilrechte und politische Gleichstellung mit den Katholiken.

1593 garantierte die Costituzione Livornina Glaubensfreiheit in der toskanischen Stadt Livorno. Das Edikt von Nantes vom 13. April 1598 duldete die Hugenotten, wurde aber am 18. Oktober 1685 widerrufen. Im Kurfürstentum Brandenburg regelte ein Toleranzedikt vom 16. September 1664 die Toleranz der protestantischen Konfessionen untereinander. Das Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 ermöglichte die Aufnahme der reformierten Hugenotten im lutherischen Preußen.

Weitere Regelungen seit dem 17. Jahrhundert

Die Maryland-Toleranz-Akte von 1649 in den USA duldete andere christliche Konfessionen neben der Kirche von England und gilt als Vorläufer des First Amendment. In England erlaubte die Toleranzakte von 1689 den Dissentern eigene Gottesdienste.

1692 gestattete der chinesische Kaiser Kangxi die Jesuitenmission in China. Das Toleranzedikt des Grafen Ernst Casimir vom 29. März 1712 in Büdingen garantierte „vollkommene Gewissensfreiheit“. Im Gegenzug verlangte es, sich „im Bürgerlichem Wandel gegen Obrigkeit und Unterthanen sowohl als in ihren Häusern ehrbar, sittsam und christlich sich aufzuführen“. Ziel war, dem durch Krieg und Pest verursachten Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken.

Toleranz im Zeitalter der Reformen

Katharina II. erließ am 17. Juni 1773 ein Toleranzedikt als Reaktion auf innenpolitische Auseinandersetzungen mit den muslimischen Tataren. Es versprach die Duldung aller religiösen Bekenntnisse im Russischen Reich, ausgenommen die große Zahl von Juden, die seit der Ersten Teilung Polens ihre Untertanen waren.

Das Toleranzpatent Josefs II. vom 13. Oktober 1781 duldete Minderheiten, die zuvor in Österreich verfolgt worden waren. 1784 erließ Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen ein Toleranzedikt, das Protestanten im Kurfürstentum Kurtrier duldete. Am 29. November 1787 erließ Ludwig XVI. das Edikt von Versailles zugunsten der Hugenotten.

Preußische und russische Edikte

Am 11. März 1812 erweiterte Friedrich Wilhelm III. von Preußen durch das Preußische Judenedikt die Rechte von Juden, die bereits in den altpreußischen Landesteilen eingebürgert waren.

Am 30. März 1847 folgte ein Toleranzedikt König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen; unter anderem wurde der Kirchenaustritt erlaubt. Das Russische Toleranzedikt vom 30. April 1905 gestattete allen Volljährigen die freie Wahl der Konfession.

Weiterlesen