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Maifisch

Der Maifisch oder die Alse (auch Alose) (Alosa alosa) gehört zu den Heringsartigen (Clupeiformes). Er ist ein anadromer Wanderfisch, der im Frühjahr zum …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Art und Lebenszyklus
  2. 2. Fortpflanzung und Verbreitung
  3. 3. Rückgang und Gefährdung in Deutschland
  4. 4. Wiederansiedlung im Rheinsystem
  5. 5. Zucht, Information und Umweltbildung

Art und Lebenszyklus

Der Maifisch, auch Alse oder Alose, ist die Heringsart Alosa alosa (Linnaeus, 1758). Er gehört zur Familie Alosidae innerhalb der Heringsartigen (Clupeiformes). Als anadromer Wanderfisch lebt er überwiegend im Meer, wandert zum Fortpflanzen aber aus dem Meer in Flüsse.

Maifische werden meist 30–50 cm, höchstens 80 cm lang und bis zu 4,5 kg schwer. Ihre Hauptnahrung ist Zooplankton, also sehr kleine, im Wasser schwebende Tiere. Die Geschlechtsreife wird im Alter von 3 bis 6 Jahren beziehungsweise nach Angaben zum Lebenszyklus zwischen 3 und 8 Jahren erreicht.

Fortpflanzung und Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet reicht in Europas Küstengewässern von der westlichen Ostsee bis zum Mittelmeer. Größere, aber rückläufige Bestände bestehen noch in Frankreich, Spanien und Portugal. In Frankreich kommt die Art vor allem in Garonne, Gironde, Lot und Tarn, im Loiregebiet sowie in einigen Flüssen der Bretagne vor; auf der Iberischen Halbinsel besonders im Rio Minho und im Douro. Wegen des massiven Bestandsrückgangs gilt in der Gironderegion ein Fangmoratorium: Bis zur Erholung der Bestände dürfen dort keine Maifische gefangen werden.

Von Mitte April bis Anfang Juni, hauptsächlich im Mai, ziehen geschlechtsreife Tiere in Mittel- und Oberläufe großer Flüsse. In warmen Mainächten laichen sie auf kiesigen Flussabschnitten. Ein Weibchen legt 100.000 bis 400.000 Eier. Erwachsene Tiere sterben gewöhnlich nach dem Ablaichen. Nach vier bis fünf Tagen schlüpfen die Jungfische. Im Herbst treiben sie zur Flussmündung; noch vor Ende ihres ersten Lebensjahres wandern die dann 10–15 cm langen Jungtiere ins Meer. Nur wenige Tiere können bis zu dreimal ablaichen und bis zu 9 Jahre alt werden.

Rückgang und Gefährdung in Deutschland

Früher lebte der Maifisch in Deutschland unter anderem in Rhein, Ems, Weser, Elbe und ihren Nebenflüssen; im Rhein reichte sein Vorkommen bis Straßburg und Basel. Im 19. Jahrhundert war er ein wichtiger Speisefisch. Ende dieses Jahrhunderts gingen die Bestände stark zurück: Flussbegradigungen zerstörten Laichplätze, die Industrialisierung verschmutzte Gewässer und Überfischung verringerte die Populationen.

Der Rhein-Fangertrag in den Niederlanden sank von 1890 bis 1900 auf 25 % und von 1911 bis 1920 auf 0,5 % der Menge von 1881 bis 1890. Unpassierbare Staustufen, weitere Gewässerregulierung, Verschmutzung und Überfischung verhinderten eine Erholung. Der letzte dokumentierte nennenswerte Fang in Deutschland betrug 1949 bei Wesel 61,5 kg. Die Angabe, 1950 seien zum Maifest in Köln-Poll noch zwei Zentner Maifisch gebraten worden, wird im Artikel als angeblich bezeichnet.

In den meisten deutschen Bundesländern gilt die Art seit Jahrzehnten als ausgestorben und steht auf der Roten Liste Deutschlands in Kategorie 1, „vom Aussterben bedroht“. Die IUCN führte sie wegen unzureichender Daten bis 2008 als Data Deficient und danach als Least Concern, also nicht gefährdet. Diese Einstufung steht somit neben der besonders kritischen Situation in Deutschland.

Wiederansiedlung im Rheinsystem

Seit 2003 wird die Wiederansiedlung im Rhein vorbereitet; seit 2008 werden im Life-Projekt Maifisch und im Life+-Projekt „Alosa alosa“ Larven ausgesetzt. Hintergrund ist, dass Maifische etwa nach 5 Jahren zum Laichen in Flüsse zurückkehren können. Das internationale EU-Life-Projekt setzte mehrere Millionen in Frankreich gezüchtete Larven an kartierten Stellen im Rheinsystem aus; insgesamt wurden etwa vier Millionen Fische freigelassen. 2010 wurden bei Grieth bei Kalkar erstmals Jungfische im Rhein nachgewiesen. Dies zeigte einen erfolgreichen Start, bedeutete aber noch keine sich selbst reproduzierende Population.

Erste Hinweise auf eine positive Entwicklung gab es 2014: Aufsteigende adulte Maifische wurden in Mosel, Delta- und Oberrhein beobachtet; am AKW Philippsburg fanden sich erstmals seit dem Erlöschen des Bestands juvenile Fische aus natürlicher Reproduktion. Bei Bislich wurden 2014 drei aufsteigende Weibchen gefangen. 2017 wurden bei Koblenz hunderte Maifische bei der nächtlichen Fortpflanzung auf überströmten Kiesbänken beobachtet; damit wurde eine natürliche Fortpflanzung im Mittelrhein gemeldet.

Die Wiederansiedlung wurde nach dem Auslaufen der EU-Projekte 2016 im länderübergreifenden Maifischprojekt fortgeführt. 2017 wurden etwa 200.000 Larven an der Ahrmündung bei Kripp ausgesetzt, 2021 etwa 500.000 Larven im Rhein bei Vallendar. An den Fischaufstiegen Iffezheim und Gambsheim werden aufsteigende Fische gezählt; die Zahlen schwanken stark, etwa von 0 beziehungsweise 3 Tieren 2010 bis 84 beziehungsweise 96 Tieren 2015.

Zucht, Information und Umweltbildung

2012 nahm in Aßlar die erste deutsche Maifischzuchtanlage den Betrieb auf. Eier und Larven stammten aus einer 2008 eröffneten französischen Pilotanlage in Bruch. Diese Anlage soll die Haltungsbedingungen verbessern, damit für Besatzmaßnahmen zunehmend weniger wildlebende Tiere entnommen werden müssen.

Informationstafeln, Filme sowie stationäre und mobile Ausstellungen begleiteten das Programm. Bei Besatzveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen finden außerdem Aktionen von FINNE – Fischwelt in NRW neu entdecken – statt. Das Umweltbildungsprojekt soll Kindern und Jugendlichen die heimische Wasserwelt, ihre Lebewesen und Merkmale gesunder Flüsse praktisch näherbringen.

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