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Ahr
Geographie ... Am Pegel Altenahr stieg die Ahr auf 369 Zentimeter, 20 cm mehr als beim zuvor höchsten Hochwasser in jüngerer Vergangenheit, dem Hochwasser 1993.
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Überblick und Kennzahlen
Die Ahr ist ein 85,1 km langer westlicher, linker Nebenfluss des Rheins. Sie verläuft durch den nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen und den rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Ihr Flusssystem führt über den Rhein zur Nordsee.
Das Einzugsgebiet, also die Fläche, aus der Wasser zur Ahr abfließt, umfasst 897,468 km². Die Quelle liegt bei 474 m ü. NHN, die Mündung bei etwa 53 m ü. NHN; daraus ergibt sich ein Höhenunterschied von 421 m. Rund 17 km des Flusses liegen in Nordrhein-Westfalen und etwa 68 km in Rheinland-Pfalz. Das Sohlgefälle beträgt im Unterlauf 4 ‰, im Oberlauf 4–8 ‰. An der Mündung beträgt die mittlere Wasserführung 8 m³/s.
Die Ahrquelle schüttet durchschnittlich 12 Liter Wasser pro Sekunde. Ihr Wasser enthält viele stickstoffhaltige Ionen, darunter Ammonium und Nitrat. Pegelstationen gibt es in Ahrhütte-Neuhof, Müsch, Altenahr und Bad Bodendorf.
Von Blankenheim zum Rhein
Die Ahr entspringt im Ortskern von Blankenheim in der Eifel: Die gefasste Quelle befindet sich im Keller eines Fachwerkhauses. Zunächst fließt sie unterhalb der Burg Blankenheim durch den Schwanenweiher. Die Bundesstraße 258 folgt ihrem zunächst südöstlich gerichteten Lauf durch die weitgehend geschützten Talwiesen des oberen Ahrtals.
Unterhalb von Ahrdorf erreicht die Ahr ihren südlichsten Punkt und Rheinland-Pfalz. Von Müsch über Antweiler bis Fuchshofen fließt sie nach Norden, ab Schuld über Insul bis Dümpelfeld nach Osten. Dort mündet von rechts der Adenauerbach ein; die Ahr übernimmt dessen nordöstliche Fließrichtung. Bei Altenahr knickt das Tal nach Osten ab und ist stark gewunden. Dort beginnt auch die größte Ahrschleife, die wegen ihrer Flora und Fauna unter Naturschutz steht.
Ab Altenahr ist das Tal schluchtartig in das Ahrgebirge eingeschnitten und von schroffen Felshängen geprägt. Die letzte Engstelle liegt unterhalb der Felsformation Bunte Kuh bei Walporzheim. In Walporzheim weitet sich das Tal plötzlich; anschließend durchfließt die Ahr Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zwischen Bad Bodendorf und Sinzig prägen Ackerbau sowie Obst- und Gemüseanbau die Talsohle.
Die Mündung liegt in der Ebene Goldene Meile auf dem Gebiet von Sinzig nahe Remagen-Kripp. Seit der ab 1979 begonnenen Renaturierung ist sie eine der wenigen naturhaften Flussmündungen in den Rhein und als Naturschutzgebiet Mündungsgebiet der Ahr ausgewiesen.
Zuflüsse und Weinbau
Die Ahr und ihre Zuflüsse bilden das zentrale Gewässersystem des Ahrgebirges in der Osteifel. Zu den Zuflüssen ab 7 km Länge gehören Schaafbach (11,4 km), Lampertsbach (9,5 km), Mühlenbach (7,1 km), Michelsbach (8,3 km), Ahbach (14,9 km), Trierbach (25,3 km), Dreisbach (10,0 km), Armuthsbach (18,4 km), Adenauerbach (15,7 km), Liersbach (14,5 km), Kesselinger Bach (14,1 km), Sahrbach (15,3 km), Vischelbach (10,5 km), Leimersdorfer Bach (8,3 km), Hellenbach (7,7 km) und Harbach (9,9 km).
Bekannt ist die Ahr besonders wegen der Weinberge ab Altenahr flussabwärts. Weinbau findet vor allem an den Südhängen nördlich des Flusses bei Mayschoß, Rech, Dernau und Marienthal statt; bei Heimersheim endet er. Das Weinbaugebiet Ahr ist das größte geschlossene Weinbaugebiet für Rotwein in Deutschland. Seit 1972 verläuft der Rotweinwanderweg durch die Südhänge des unteren Ahrtals.
Hochwasser und Flutkatastrophe 2021
Hochwasser der Ahr verursachten wiederholt schwere Schäden und Todesopfer. Beim Hochwasser vom 21. Juli 1804 starben 64 Menschen. Am 13. Juni 1910 starben 57 Menschen; danach mussten alle Ahr-Brücken außer der Nepomukbrücke bei Rech wiederaufgebaut werden. Das Ereignis von 1804 galt zumindest bis zum 14. Juli 2021 als das höchste Ahr-Hochwasser der letzten Jahrhunderte. Im 1834 gebauten Ahrstraßentunnel in Altenahr erinnern Marken an hohe Pegelstände; für 1804 gibt es dort keine Marke.
Am 2. Juni 2016 erreichten die Pegel in Kreuzberg und Altenahr den bis dahin höchsten Stand seit Messbeginn, lagen aber deutlich unter dem Pegel von 1910. In Altenahr wurden 369 cm gemessen, 20 cm mehr als beim zuvor höchsten Hochwasser der jüngeren Vergangenheit 1993.
Starke, anhaltende Regenfälle führten am 14. Juli 2021 zu den höchsten Pegelständen seit Beginn der Messungen. Die letzte Messung in Altenahr zeigte um 20:45 Uhr 575 cm; in Bad Bodendorf wurden am 15. Juli um 03:45 Uhr 483 cm gemessen. Weil die Messstation in Altenahr ausfiel, wird der Höchststand am 15. Juli auf etwa 1000 cm geschätzt. Damit wurde der Stand von 2016 in Altenahr um rund 6,3 m übertroffen. Die Flutkatastrophe verwüstete viele Orte und Städte im Ahrtal; 134 Menschen starben.
Menschliche Nutzung und Veränderungen
Im Ahrtal gab es schon in der Römerzeit vereinzelte Siedlungen, belegt etwa durch die Römervilla von Bad Neuenahr-Ahrweiler am Silberberg. Mittel- und Oberlauf wurden wegen ihrer ursprünglich ungünstigen Verkehrslage jedoch erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dichter besiedelt. Siedlungen und Verkehrswege, darunter die Ahrtalbahn, wurden ausgebaut.
Für Landwirtschaft, Mühlen und Bewässerung wurde der Fluss stellenweise begradigt, seine Ufer wurden befestigt und Wehre errichtet. Künstliche Sohlschwellen sollten die Fließgeschwindigkeit senken und Erosion verhindern. Seit 1989 werden Wehre und Sohlschwellen im Projekt „Lachs 2000“ zurückgebaut, um die Gewässerökologie zu verbessern und Lachse sowie Meerforellen wieder anzusiedeln. Für Renaturierung und den Rückbau der meisten Querbauwerke wurden von Ende 1989 bis Juli 2011 etwa 3,5 Mio. Euro investiert. Nach der Flutkatastrophe mussten 6000 junge Lachse neu angesiedelt werden, weil die meisten durch Heizöl und andere Schadstoffe getötet worden seien.
Der 2007 fertiggestellte Ahr-Radweg führt auf 85 km von Remagen-Kripp nach Blankenheim. Oberhalb von Dümpelfeld nutzt er überwiegend die Trasse stillgelegter Teile der Oberen und Mittleren Ahrtalbahn. Die Flut 2021 unterbrach den gut ausgebauten und beschilderten Radweg streckenweise.