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Islamische Eschatologie

Eschatologie im Islam ist die Doktrin über ‚die letzten Dinge' am Ende der Tage. Vorstellungen über das Leben nach dem Tod finden sich in den frühesten …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundgedanke der islamischen Eschatologie
  2. 2. Koranische Aussagen über Ende und Gericht
  3. 3. Tod, Auferstehung und Jüngstes Gericht
  4. 4. Himmel und Hölle

Grundgedanke der islamischen Eschatologie

Die islamische Eschatologie ist die Lehre von den „letzten Dingen“ am Ende der Tage. Sie behandelt die Auferstehung, das Jüngste Gericht sowie Himmel und Hölle. In Werken des ʿIlm al-kalam und der Islamischen Philosophie heißt sie auch maʿād („Ort der Rückkehr“); dieses Wort erscheint nur einmal im Koran, in Sure 28,85, und kann auch „Auferstehung“ bezeichnen.

Zentral ist die Verbindung zwischen Gottes Einheit und menschlicher Verantwortung: Wer Gottes Einheit anerkennt, soll moralisch und ethisch aufrichtig leben. Am Jüngsten Tag, yawm al-qiyāma („Tag der Auferstehung“), wird über die Taten jedes Menschen geurteilt und anschließend vergolten. Menschen, die einen Platz in den Gärten des Paradieses verdient haben, werden ahl at-tauhīd genannt, also Menschen, die Gottes Einheit bekräftigen.

Koranische Aussagen über Ende und Gericht

Der Koran begründet die Auferstehung damit, dass Gott Leben aus Tod hervorbringen kann. Sure 30, Vers 19 formuliert: „Er bringt (in der Natur) das Lebendige aus dem Toten hervor, und das Tote aus dem Lebendigen. Und er belebt die Erde (wieder) nachdem sie abgestorben war. So werdet ihr (dereinst bei der Auferstehung wieder aus der Erde) hervorgebracht werden.“

Klassische Korankommentare heben die Furcht vor ewiger Bestrafung als Anreiz zu rechtmäßigem Handeln hervor. Zeitgenössische Kommentare betonen stärker Gottes Gnade, die Ordnung des Lebens im Diesseits und Jenseits sowie die Verantwortung des Menschen vor Gottes unwandelbarer Gegenwart.

Die Suren 81, 82, 84 und 99 heißen apokalyptische Suren, weil sie Ereignisse am Ende der Tage schildern. In Sure 81 werden etwa die Sonne „eingehüllt“, Sterne verlieren ihr Licht, Berge beben und schwangere Kamele werden vernachlässigt, bevor die Seelen Rechenschaft ablegen. Zeitpunkt, Ursache und genauer Ablauf dieser Katastrophen bleiben offen. Die Bilder sollen nach Rudi Paret keine objektive Realität oder genaue Zukunftsprognose beschreiben, sondern die Zuhörerschaft erschüttern und den Schrecken des Weltendes ankündigen. Wissenschaftlich untersucht wurden Parallelen zu jüdischen und christlichen kanonischen und apokryphen Überlieferungen; zugleich gibt es arabische Merkmale wie die schwangeren Kamele.

Tod, Auferstehung und Jüngstes Gericht

Der Koran sagt, dass jeder Mensch sterben muss, enthält aber nur wenige indirekte Angaben zur Zeit zwischen individuellem Tod und Endzeit. Nach den Zeichen der „letzten Stunde“ und der Vernichtung aller Geschöpfe werden Menschen auferweckt und gerichtet. Zu den Zeichen gehören das Blasen der Trompete (unter anderem Sure 18:99), das Hervorkommen eines Tieres aus der Erde (Dabba), die Auferweckung im Grab (Sure 30:56), das Entsteigen der Toten aus der Erde (Sure 50:44), das Aufstellen der Waage (Sure 55:7) und die „Abrechnung“ (unter anderem Sure 13:18). Ihre Reihenfolge bleibt unklar.

Islamische Gelehrte stimmen im Allgemeinen einer körperlichen Auferstehung zu, unterscheiden sich aber in der Frage, welcher Körper aufersteht: entweder der wiederhergestellte frühere Körper, ein unsichtbarer Körper, der Seele und Tod überdauert, oder ein astraler Körper der Seele, der zur geistigen Welt Alem al-Mithal und zum Jenseits passt.

Hadithe und Gelehrte wie al-Ghazali, al-Qurtubi und as-Suyuti schildern einen Ablauf nach dem Tod: Der Todesengel trägt die Seele fort; sie kann nach der Grablegung oder schon vorher zurückkehren und Begräbnis und Klagerufe wahrnehmen. Danach befragen die Engel Munkar und Nakīr den Toten. Der Glaube an Gott muss durch das Glaubensbekenntnis bewiesen werden. Weitere Engel halten gute und schlechte Taten fest. Ungläubige können nicht antworten und werden etwa durch Schlangen oder die Grabeszüchtigung, ʿadhāb al-qabr, bestraft; bei ihr verengt sich das Grab. Gläubige erhalten ein erweitertes Grab oder ein Fenster zum Himmel.

Am Jüngsten Tag kommen Menschen aus Grab oder Barzach und werden zum Gericht gerufen, das nach einigen Quellen in Jerusalem stattfindet. Dort entscheidet das Überwiegen guter oder schlechter Taten. Gläubige, besonders die Armen, begegnen Mohammed am Teich al-Ḥaud und erhalten seine Fürbitte. Alle müssen die Brücke as-Sirāt über die Hölle überqueren: Die für den Himmel Bestimmten schaffen dies sicher, Verdammte stürzen hinab. Manche Überlieferungen lassen Kinder, Märtyrer und Propheten unmittelbar nach dem Tod in den Himmel gelangen.

Himmel und Hölle

Der Himmel heißt im Koran unter anderem Dschanna („Garten“, etwa Sure 2:35), ʿadn/Eden (etwa Sure 20:76) und firdaus/Paradies (Sure 18:107; 23:11). Er ist ein freudiger Ort. Spätere Literatur ergänzt die koranischen Quellen und Springbrunnen durch Tore, Schlösser, Pavillons sowie Überfluss an Perlen, Edelsteinen, Milch, Honig und Tieren. Himmelsbewohner erhalten Wein von jungen Knaben in silbernen Bechern; auch Huris werden unterschiedlich beschrieben.

Die Hölle hat zahlreiche Namen. Dschahannam erscheint 109-mal, während nār („Feuer“) mit etwa 125 Nennungen am häufigsten ist. Weitere Bezeichnungen sind saʿīr („glühendes Feuer“), al-ḥuṭama („der Zermalmer“), lazā („loderndes Feuer“), saqar („extreme Hitze“), al-dschaḥīm und hāwiya („Grube“). In der Exegese werden sie mit sieben Höllenstufen verbunden, die auf die sieben Tore in Sure 15:44 zurückgeführt und den sieben Paradiesstufen gegenübergestellt werden.

Höllenstrafen betreffen Körper und Seele. Der Koran unterscheidet „schmerzhafte Strafe“, ʿadhāb ʾalīm, für den Körper und „erniedrigende Strafe“, ʿadhāb muhīn, mit psychologischen Folgen. Nach verbreitetem Glauben bestehen Himmel und Hölle gleichzeitig mit der diesseitigen Welt. Umstritten ist, ob die Hölle ewig besteht: Einige Theologen halten nur das Paradies für ewig, die Mehrheit nimmt eine zeitlich unbegrenzte Hölle an.

Überliefert werden extreme Hitze, teilweise auch klirrende Kälte in der untersten Schicht, schwarze Dunkelheit, Feuer, Blut und Eiter. Verdammte erhalten Dornensträucher (Sure 88:6) und Schmutzwasser (Sure 69:36). Der „verfluchte Baum“ Zaqqum trägt Früchte „wie Dämonenköpfe“, die Höllenbewohner ewig essen müssen. Genannt werden außerdem Schlangen, Skorpione, verschiedene Hinrichtungsarten, Nacktheit und besondere Folter des Gesichts. Neuere Denker seit Muhammad Iqbal lehnen konkrete Bilder jenseitiger Strafen teilweise ab und deuten die Hölle spirituell und personalisiert.

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