Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Samsara
Dieser Kreislauf wird in einigen indischen Religionen als leidvoll (siehe Dukkha/Leiden) gewertet. Der Ausbruch aus diesem unheilvollen Kreislauf geschieht …
Inhalt4 Abschnitte
Grundidee
Samsara (Sanskrit: saṃsāra; Pali: saṃsāra; wörtlich „beständiges Wandern“) bezeichnet in mehreren indischen Religionen den immerwährenden Zyklus des Seins. Gemeint ist der Kreislauf von Werden und Vergehen oder der Kreislauf der Wiedergeburten. Die Vorstellung kommt im Buddhismus, Jainismus sowie in Teilströmungen des Hinduismus und Manichäismus vor.
In einigen indischen Religionen gilt dieser Kreislauf als leidvoll. Das Leiden wird im buddhistischen Zusammenhang mit dem Begriff Dukkha verbunden. Ziel ist es, aus diesem unheilvollen Kreislauf auszubrechen. Das geschieht durch Loslassen von Bindungen, Begierden und Wunschvorstellungen sowie durch Erkenntnis. Der erreichte Zustand der Erlöstheit heißt im Hinduismus Moksha und im Buddhismus Nirwana. In manchen Varianten wird er auch als ewige Glückseligkeit verstanden.
Lebensrad
Samsara wird besonders anschaulich im sogenannten Lebensrad dargestellt, das im tibetischen Buddhismus weit verbreitet ist. Im Zentrum des Rades stehen die Triebkräfte des Kreislaufs: die Drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung. Sie werden als Hahn, Schlange und Schwein gezeigt. Der Hahn steht für Gier, die Schlange für Hass und das Schwein für Unwissenheit.
An das Zentrum schließt sich die Darstellung der Folgen von Handlungen an. Handlungen, die auf den Geistesgiften beruhen, führen als schwarzer, absteigender Weg nach unten. Der Weg der Überwindung dieser Geistesgifte wird als weißer, aufsteigender Pfad dargestellt. Diese Wege führen in die nächste Ebene des Lebensrades, die sechs möglichen Wiedergeburtsbereiche.
Wiedergeburtsbereiche
Das Lebensrad unterscheidet sechs Bereiche der Wiedergeburt. Im weißen Bereich werden von oben nach unten Götter (Devas oder Suras), Asuras und Menschen dargestellt. Im schwarzen Bereich folgen von oben nach unten Tiere, hungrige Geister (Pretas) und Höllenwesen.
Das Ausmaß des Leidens nimmt vom Götterbereich abwärts immer weiter zu. Es reicht bis zu extremen Leidenserfahrungen in verschiedenen Höllenbereichen, darunter kalte, heiße und große Höllen. Trotzdem gilt die menschliche Daseinsform als die beste Voraussetzung, um Nirwana zu erreichen. Menschen erfahren weder übermäßig Leid noch übermäßig Glück. Als Gott ist das Glück so stark, dass man keinen Grund sieht, Samsara zu verlassen. Als Tier fehlt der nötige Verstand. Als hungriger Geist oder Höllenwesen ist die Möglichkeit zur Befreiung wegen des überwiegenden Leidens sehr schwer.
Abhängiges Entstehen und Verbreitung
Im Außenbereich des Lebensrades werden die Zwölf Glieder des abhängigen Entstehens bildlich dargestellt. Das abhängige Entstehen beschreibt, dass Zustände und Erfahrungen nicht unabhängig entstehen, sondern durch Ursachen und Bedingungen miteinander verbunden sind. Am Anfang beziehungsweise Ende des gesamten Kreislaufs steht Nichtwissen, auf Sanskrit avidya und auf Pali avijja.
Die Lehre von Samsara ist nicht in allen indischen Religionen und nicht in allen Strömungen dieser Religionen allgemein akzeptiert. Die Ansichten darüber unterscheiden sich entsprechend. Im frühen Hinduismus und im Ur-Buddhismus standen zunächst der Glaube an eine Geisterwelt und die Ahnenverehrung im Vordergrund. In den frühen vedischen Schriften, besonders im Rigveda, ist die Lehre von Wiedergeburt und Samsara noch nicht vorhanden. Erste theoretische Fragen zu Wiedergeburt und Lebenskreisläufen erscheinen erst in den Upanishaden. Danach wurde diese Vorstellung von kleineren Gruppen vertreten und später weitgehend, aber nicht vollständig, Teil des indischen Kulturkreises.