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Macbeth Underworld

Macbeth Underworld ist eine Oper in acht Kapiteln von Pascal Dusapin (Musik) mit einem Libretto von Frédéric Boyer nach William Shakespeares Tragödie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Handlung
  3. 3. Figuren und Deutung
  4. 4. Musikalische Gestaltung und Orchester
  5. 5. Entstehung und Aufführungen
  6. 6. Aufnahmen

Überblick

Macbeth Underworld ist eine Oper in acht Kapiteln von Pascal Dusapin. Das Libretto schrieb Frédéric Boyer nach William Shakespeares Tragödie Macbeth. Die Originalsprache ist Englisch. Die Oper wurde am 20. September 2019 am Brüsseler Opernhaus La Monnaie/De Munt uraufgeführt und dauert etwa 1 ¾ Stunden.

Im Zentrum stehen Macbeth, Lady Macbeth, der Geist Banquos, ein Kind, ein Pförtner und die drei unheimlichen Schwestern. Die Handlung spielt nicht als fortlaufende Nacherzählung von Shakespeares Macbeth, sondern in der Unterwelt: Die Figuren sind bereits tot und erleben entscheidende Momente wie Erinnerungsbruchstücke erneut. Für das Verständnis ist die Kenntnis der Shakespeare-Vorlage wichtig.

Handlung

Der Pförtner führt das Publikum mit einem gesprochenen Prolog ein. Im ersten Kapitel, „So foul so fair“, befinden sich der Geist Banquos, Lady Macbeth und das Kind in der Unterwelt. Lady Macbeth erinnert sich an die Prophezeiung der drei unheimlichen Schwestern: Macbeth werde König, und auch die Nachfahren Banquos würden Könige werden. Macbeth wird von blutrünstigen Fantasien geplagt; der Geist erkennt seinen Wahnsinn.

Im zweiten Kapitel, „Come thick night!“, erwarten Macbeth und Lady Macbeth König Duncan, der bei ihnen übernachten will. Sie planen, ihn zu ermorden. Macbeth sieht einen schwebenden Dolch, der ihn zur Tat drängt. Im dritten Kapitel, „Sleep no more“, berichtet Macbeth seiner Frau in wirren Worten vom Mord am König. Er wird von Wahnvorstellungen verfolgt und glaubt, nie wieder ruhig schlafen zu können. Der Pförtner öffnet die Tore zur Unterwelt.

Im vierten Kapitel, „Nox perpetua“, singen die Schwestern ein Requiem für den Ermordeten, während Macbeth und seine Frau gekrönt werden. Im fünften Kapitel, „Look the Ghost enters“, erscheint bei der Krönungsfeier der Geist Banquos, den nur Macbeth sehen kann. Macbeths Reaktionen beunruhigen Lady Macbeth.

Im sechsten Kapitel, „A deed without a name“, denkt Lady Macbeth über den Verlust ihrer Liebesfähigkeit nach. Macbeth verlangt von den Hexen Auskunft über sein Schicksal. Sie sagen ihm, kein von einer Frau geborener Mann könne ihn besiegen, und er bleibe unbesiegt, bis sich der Wald von Birnam gegen ihn erhebe. Im siebten Kapitel, „Out damned spot!“, versucht Lady Macbeth zwanghaft, einen eingebildeten Blutfleck von ihren Händen zu entfernen; auch sie zeigt Zeichen des Wahnsinns.

Im achten Kapitel, „Out brief candle!“, erfährt Macbeth vom Geist, dass Lady Macbeth tot ist. Macbeth und der Geist sehen, wie sich der Wald von Birnam bewegt. Macbeth fühlt sich von der Prophezeiung betrogen. Das Kind erklärt, es sei vor seiner Geburt aus dem Leib seiner Mutter geschnitten worden; seine Stimme sei sein Schwert. Macbeth werde als Monster und Tyrann in Erinnerung bleiben, will aber dennoch nicht aufgeben.

Figuren und Deutung

Dusapin behandelte den Macbeth-Stoff sehr frei. Er hatte sich nach eigener Aussage mehr als 100 Verfilmungen angesehen, von einer Stummfilm-Fassung von 1908 bis zu Hollywood-Blockbustern. Giuseppe Verdis Macbeth-Oper spielte als Vorlage kaum eine Rolle. Eine wichtige Anregung war Roman Polanskis Macbeth-Film von 1971, aus dem Dusapin die Figur des Pförtners übernahm. In der Partitur ist er ein etwas verwirrter und komischer, zugleich furchteinflößender Wächter der Unterwelt.

Lady Macbeth ist an Judi Denchs Darstellung angelehnt. Dusapin übernimmt im siebten Kapitel, der Szene des Händewaschens, ihren Wortrhythmus unverändert. Anders als eine dominierende „perverse Narzisstin“ erscheint Lady Macbeth hier eher zerbrechlich. Macbeths Charakter wird in der Partitur knapp beschrieben: „Macbeth ist verrückt“ („Macbeth has gone mad“).

Die drei unheimlichen Schwestern werden meist vom Frauenchor begleitet, der wie ein Echo wirkt. Ihr Text ist rätselhaft und widersprüchlich; sie drücken Macbeths Begehren aus. Das Kind ist eine Art Phantom, möglicherweise der rachsüchtige Sohn Banquos oder ein nie geborenes Kind der Macbeths. Der Geist Banquos steht zugleich für Macbeths Schicksal und sein Gewissen.

Musikalische Gestaltung und Orchester

Die Handlung wird in Bruchstücken erzählt, nicht als geschlossene Geschichte. Sie besteht aus Erinnerungen bereits verstorbener Figuren und konzentriert sich auf die düsteren Episoden des Macbeth-Stoffs. Die Gesangspartien nutzen verschiedene Ausdrucksformen: Sprechen, Sprechgesang und Arioso, also eine gesangliche Form zwischen Rezitativ und Arie.

Das Orchester ist von dunklen Klangfarben geprägt, besonders von Bläsern und tieferen Streichinstrumenten. Eine Orgel steht für die „metaphysische Dimension des Stoffs“, also für eine Ebene jenseits der sichtbaren Handlung. Zum Orchester gehören unter anderem drei Flöten, zwei Oboen, Klarinetten, Fagotte, vier Hörner, Trompeten, Posaunen, Tuba, Orgel, großes Schlagwerk und Streicher. Das Schlagwerk ist umfangreich besetzt, teils hinter der Bühne oder in den Kulissen, und enthält unter anderem Tamtam, Große Trommel, Kirchenglocke, Donner- und Waldgeräusche sowie Schläge an der Höllenpforte. Als Bühnenmusik kommt eine Erzlaute hinzu.

Entstehung und Aufführungen

Macbeth Underworld entstand im Auftrag des Brüsseler Opernhauses La Monnaie/De Munt. Die Uraufführung fand dort am 20. September 2019 in einer Inszenierung von Thomas Jolly statt. Alain Altinoglu leitete das Symphonieorchester und den Frauenchor von La Monnaie. Zu den Mitwirkenden gehörten Magdalena Kožená als Lady Macbeth, Georg Nigl als Macbeth, Ekaterina Lekhina, Lilly Jørstad und Christel Loetzsch als unheimliche Schwestern, Naomi Tapiola als Kind, Kristinn Sigmundsson als Geist und Graham Clark als Pförtner. Die Produktion war eine Koproduktion mit der Pariser Opéra-Comique und der Opéra de Rouen Normandie.

Die Reaktionen waren überwiegend positiv, auch wenn es Kritik gab. Gelobt wurden unter anderem Musik, Ausführende, Orchester und Bühnenbild. Hans Reul sah das Libretto als einzigen kleinen Schwachpunkt. Michael Struck-Schloen äußerte sich enttäuscht und fand, das Werk bleibe an Spannung und Magie hinter Shakespeare und Verdi zurück. 2021 gab es eine weitere Produktion in Saarbrücken in einer Inszenierung von Lorenzo Fioroni.

Aufnahmen

Von der Uraufführung am 20. September 2019 existiert ein Videomitschnitt unter der musikalischen Leitung von Alain Altinoglu und in der Inszenierung von Thomas Jolly. Er wurde als Videostream auf der Website des Brüsseler Opernhauses La Monnaie/De Munt angeboten.

Eine weitere Videoaufnahme stammt aus dem Jahr 2021 vom Saarländischen Staatstheater Saarbrücken. Justus Thorau dirigierte, Lorenzo Fioroni inszenierte. Die Aufnahme wurde live produziert und als Videostream auf Arte Concert angeboten.

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