Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Macbeth (Shakespeare)

Macbeth (englisch The Tragedy of Macbeth) ist eine Tragödie von William Shakespeare. Das Werk handelt vom Aufstieg des königlichen Heerführers Macbeth zum König …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und zentrale Figuren
  2. 2. Handlung
  3. 3. Text, Entstehung und Vorlagen
  4. 4. Themen und Deutungen
  5. 5. Wirkung und Bearbeitungen

Werk und zentrale Figuren

Macbeth (englisch The Tragedy of Macbeth) ist eine Tragödie von William Shakespeare. Sie erzählt, wie der zunächst loyale schottische Heerführer Macbeth durch Machtstreben zum Königsmörder und Tyrannen wird und schließlich scheitert. Shakespeare stellte das Werk vermutlich um 1606 fertig. Es verbindet Fakten über den historischen König Macbeth, Bezüge zum englischen König Jakob I. sowie Aberglauben, Mythologie und Fiktion.

Macbeth ist zuerst Thane of Glamis und wird nach einem militärischen Sieg Thane of Cawdor. Drei Hexen sagen ihm voraus, dass er König werde. Seine Frau Lady Macbeth drängt ihn, Duncan zu ermorden. Anfangs ist Macbeth zögerlich, Lady Macbeth wirkt entschlossener und wird zu seiner Vertrauten und Antriebsfigur. Nach den Verbrechen zerbrechen beide psychisch: Lady Macbeth verfällt dem Wahnsinn; Macbeth begeht immer weitere Morde und durchläuft Furcht, Panik, trügerische Sicherheit, Abstumpfung und Nihilismus.

König Duncan ist der rechtmäßige König; seine Söhne heißen Malcolm und Donalbain. Banquo ist Macbeths Freund und Heerführer. Ihm wird prophezeit, Stammvater von Königen zu werden; sein Sohn Fleance entkommt später einem Mordanschlag. Macduff, Thane of Fife, wird Macbeths wichtigster Gegner. Die Thanes Lennox, Rosse, Menteith, Angus und Caithness wechseln wegen Macbeths zunehmender Gewalt auf die Gegenseite.

Die „Weird Sisters“ oder drei Hexen prophezeien Macbeths Aufstieg und Banquos Königsnachkommen. Ihre Sprache ist mehrdeutig, doch Macbeth nimmt sie wörtlich. Hecate, Göttin der Hexerei, erscheint in der Folio-Ausgabe von 1623; ob ihre Rolle und die zugehörigen Passagen von Shakespeare stammen oder später, etwa von Thomas Middleton, ergänzt wurden, ist umstritten.

Handlung

Im ersten Akt besiegt Macbeth gemeinsam mit Banquo die Gegner Duncans. Duncan überträgt ihm den Titel Thane of Cawdor. Kurz zuvor hatten Hexen Macbeth genau diesen Titel und später die Königswürde vorhergesagt. Lady Macbeth überzeugt ihn, Duncan bei dessen Besuch auf der Burg Inverness zu ermorden.

Im zweiten Akt sieht Macbeth vor der Tat einen blutbefleckten Dolch. Lady Macbeth betäubt Duncans Wachen, Macbeth tötet Duncan. Weil Macbeth die Dolche bei sich behält, legt Lady Macbeth sie zu den Wachen, um ihnen die Tat anzulasten. Als Macduff die Leiche entdeckt, erschlägt Macbeth die Kammerdiener. Malcolm flieht nach England, Donalbain nach Irland; dadurch geraten beide unter Verdacht. Macbeth wird als Dritter in der Thronfolge gekrönt.

Im dritten Akt fürchtet Macbeth Banquo, weil dieser die Weissagungen kennt und dessen Nachkommen Könige werden sollen. Er lässt Banquo töten, doch Fleance flieht. Beim Krönungsbankett sieht Macbeth Banquos Geist auf seinem Stuhl; nur er selbst kann ihn wahrnehmen. Lady Macbeth beendet die Feier, und Macbeth beschließt, die Hexen erneut aufzusuchen.

Im vierten Akt warnen die Hexen Macbeth vor Macduff. Zugleich versprechen sie ihm, kein von einer Frau geborener Mensch könne ihm schaden, und er bleibe sicher, bis der Wald von Birnam nach Dunsinane komme. Danach sieht er acht Könige als Nachfahren Banquos und Banquo selbst. Als Macduff nach England flieht, lässt Macbeth dessen Frau und Kinder ermorden. Macduff verbündet sich mit Malcolm, König Edward und Siward gegen Macbeth.

Im fünften Akt schlafwandelt Lady Macbeth, wird wahnsinnig und nimmt sich das Leben. Malcolms Heer nähert sich Dunsinane mit Ästen aus dem Wald von Birnam zur Tarnung; für Macbeth scheint der Wald zu wandern. Im Zweikampf erklärt Macduff, er sei seiner Mutter „vor der Zeit aus dem Bauch geschnitten“ worden. Er tötet Macbeth. Malcolm wird König von Schottland.

Text, Entstehung und Vorlagen

Der Entstehungszeitpunkt ist nicht sicher. Das Stück entstand nach 1603, dem Tod Elisabeths I. und der Thronbesteigung Jakobs I., und vor 1611: Der Astrologe Simon Forman berichtete über eine Aufführung am 20. April 1611 im Globe Theatre. In der Shakespeare-Forschung besteht allgemein Konsens für 1606, doch diese Datierung stützt sich nur auf Indizien, unter anderem eine mögliche Anspielung auf einen Hochverratsprozess dieses Jahres.

Die einzige erhaltene autoritative Textfassung steht in der First Folio von 1623. Mit etwa 2350 Versen ist Macbeth Shakespeares kürzeste Tragödie. Früher galt der Text häufig als gekürzt oder unzuverlässig; neuere Forschung sieht wegen seiner kompakten, geschlossenen Handlung keine überzeugenden Gründe für größere Textverluste. Unstimmigkeiten im Versmaß und zwischen einzelnen Szenen bleiben jedoch bestehen. Besonders die Hecate-Szenen III.V und IV.I werden überwiegend als spätere Ergänzungen angesehen; offen bleibt, ob sie ohne Shakespeares Zustimmung, mit seiner Zustimmung oder von ihm selbst eingefügt wurden.

Hauptquelle waren Raphael Holinsheds Chronicles of England, Scotland and Ireland von 1587. Shakespeare veränderte den Stoff stark: Holinsheds Duncan ist ein schwacher König, während Shakespeare ihn als rechtmäßigen Herrscher zeigt. In der Vorlage herrscht Macbeth zunächst über zehn Jahre streng, aber gerecht und besitzt einen möglichen legitimen Anspruch auf die Krone. Banquo ist dort zudem an Duncans Ermordung beteiligt; Shakespeare entlastet ihn vermutlich, weil er als Vorfahr der Stuarts und Jakobs I. galt. Lady Macbeth wird in Holinshed kaum erwähnt, bei Shakespeare dagegen zur entscheidenden fiktionalen Partnerin Macbeths.

Themen und Deutungen

Das Drama behandelt Machtgier, Schicksal und freien Willen, Sünde, Schuld und Sühne. Zentral ist das Divine Right, das göttliche Recht des Königs: Der gerechte Herrscher gilt als von Gott eingesetzt. Macbeth verletzt diese Ordnung durch seine gewaltsame Machtergreifung. Die Folge sind Chaos, Tyrannei und sein gewaltsamer Tod; mit Malcolm scheint die Ordnung wiederhergestellt. Der Artikel betont aber, dass diese Wiederherstellung fraglich bleibt, weil die politische Ordnung schon vorher instabil war und Donalbain weiter im Exil lebt.

Die Hexen und Lady Macbeth stehen in traditionellen Deutungen für Unnatur und eine Umkehrung der zeitgenössisch erwarteten Geschlechterordnung. Macbeths Ehrgeiz galt damals als negativ: Er verletzt die natürliche Ordnung und führt nicht zum erhofften Erfolg. Neuere feministische Kritik deutet Lady Macbeths Anruf der Geister dagegen als Aufbegehren gegen patriarchalische Ordnung und betont die Verbindung von Macht, Politik und aggressiver Männlichkeit.

Wichtig ist auch die Bildsprache. Der Satz „Fair is foul, and foul is fair“ (I.i, 11) bündelt die Mehrdeutigkeit von Gut und Böse. Wiederkehrende Kleidermetaphern zeigen Macbeth als ungeeignet für die Königswürde: Er fühlt sich „wie in geliehenen Kleidern“ („dressed in borrowed clothes“, I, 3, Z. 108–109). Am Ende hängt sein Titel laut Angus „wie des Riesen Rock / Hängt um den dieb’schen Zwerg“ („like a giant’s robe / Upon a dwarfish thief“, V, 2, Z. 18–20).

Wirkung und Bearbeitungen

Macbeth gehört seit 1660 zu den meistgespielten Shakespeare-Stücken. Seine einsträngige Handlung, die vergleichsweise leicht verständlichen Hauptfiguren und weiterhin aktuelle Fragen nach Macht, politischem Mord und Verbrechen machen es besonders geeignet für Schule und Universität. Im deutschsprachigen Raum steht es unter den Shakespeare-Stücken am häufigsten auf dem Lehrplan.

Aufführungen betonten je nach Zeit Unterhaltung, psychologische Konflikte, politische Aspekte oder die Beziehung des Ehepaars. William Davenants Fassung von 1667 machte die Hexenszenen zu komischen Einlagen mit Tanz und Gesang. 1935 verlegte Orson Welles die Handlung mit einem ausschließlich schwarzen Ensemble in das postkoloniale Haiti. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurden die Hecate-Szenen meist nicht mehr gespielt.

Zu Bühnenbearbeitungen gehören Barbara Garsons satirisches MacBird! (1966), Eugène Ionescos absurdes Theaterstück Macbett (1972) und Charles Marowitz’ A Macbeth (1971). Filmadaptionen gibt es seit James Stuart Blackton 1908. Genannt werden besonders Orson Welles’ Macbeth – Der Königsmörder (1948), Akira Kurosawas Das Schloss im Spinnwebwald (1957), Roman Polańskis Macbeth sowie Justin Kurzels Verfilmung von 2015 mit Michael Fassbender und Marion Cotillard.

Die bekannteste Vertonung ist Giuseppe Verdis Oper Macbeth, 1847 in Florenz uraufgeführt und 1865 in Paris revidiert. Sie hebt die düstere, unheimliche Atmosphäre und das Gewissensthema hervor. Weitere Bearbeitungen stammen unter anderem von Ernest Bloch, Richard Strauss, Duke Ellington, Salvatore Sciarrino und Pascal Dusapin.

Lernvideos zu Macbeth (Shakespeare)

Weiterlesen

Macbeth (2021) Macbeth (Originaltitel: The Tragedy of Macbeth) ist ein Filmdrama von Joel Coen, das im September 2021 beim New York Film Festival seine Premiere feierte … William Shakespeare William Shakespeare. englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler (1564–1616). Artikel · Diskussion. Liste der Herrscher Englands Die Liste der Herrscher Englands enthält die souveränen Staatsoberhäupter des Königreichs England von dessen Einigung im 9. Jahrhundert bis zum Jahr 1707, … Mythologie Das deutsche Wort „Mythologie“ fand erstmals 1712 Verwendung in dem Buch Die teutsche Mythologie oder Beschreibung heidnischer Götter. Vasall Ein Vasall schwört den Lehnseid vor dem thronenden Pfalzgrafen Friedrich I. von der Pfalz. Der Vasall war ein Diener seines Herrn, in dessen Abhängigkeit er … England England · 1 Etymologie · 2 Geographie. 2.1 Klima; 2.2 Flora und Fauna · 3 Geschichte. 3.1 Vor der Römerzeit; 3.2 Römerzeit und Christianisierung · 4 Bevölkerung. Gunpowder Plot Der Gunpowder Plot deutsch Pulververschwörung auch Gunpowder treason war ein fehlgeschlagener Anschlag katholischer Verschwörer auf das englische Parlament … Jambus Nach Gottfried August Bürger ist der Jambus „das einzige, wahre, echte, natürliche, heroische Metrum unserer Sprache“, ein kerndeutscher Versfuß also … Maria Stuart Maria Stuart (* 8. Dezember 1542 in Linlithgow Palace; † 8. Februar / 18. Februar 1587 in Fotheringhay Castle), englisch Mary Stuart, geboren als Mary Stewart, … Sünde Die Sünde besteht nach christlichem Verständnis in einer Abkehr von Gottes Willen, im Misstrauen Gott gegenüber, im Zulassen des Bösen oder im Sich-verführen- … Schuld (Ethik) Schuld bedeutet im moralischen Sinne ein Verstoß gegen das Gewissen. Sprachlich vorherrschend sind – auch nach literarisch-philosophischen Entsprechungen – drei … Exil Exil. Abwesenheit von der eigenen Heimat aufgrund Ausweisung, Verbannung, Vertreibung, Ausbürgerung, Zwangsumsiedlung, religiöser oder politischer Verfolgung.