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Macbeth (Bloch)

Macbeth ist eine Oper (Originalbezeichnung: Lyrisches Drama) in einem Prolog und drei Akten in sieben Bildern von Ernest Bloch (Musik) mit einem …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grunddaten und Bedeutung
  2. 2. Prophezeiung und Königsmord
  3. 3. Herrschaft, Schuld und Untergang
  4. 4. Musikalische Gestaltung
  5. 5. Orchester und Klangapparat
  6. 6. Entstehung, Aufführungen und Aufnahmen

Grunddaten und Bedeutung

Macbeth ist eine Oper von Ernest Bloch mit einem französischen Libretto von Edmond Fleg. Die Originalbezeichnung lautet „Lyrisches Drama“. Das Werk besteht aus einem Prolog und drei Akten in sieben Bildern. Es basiert auf William Shakespeares Tragödie Macbeth und folgt der Vorlage eng. Die Oper wurde am 30. November 1910 an der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. Die Spieldauer beträgt ungefähr 2 ¼ Stunden. Ort und Zeit der Handlung sind Schottland im 11. Jahrhundert.

Im Mittelpunkt steht der Feldherr Macbeth, der durch eine Prophezeiung der Hexen zum Machtstreben verführt wird. Zusammen mit Lady Macbeth begeht er Königsmord, wird selbst König und gerät danach immer tiefer in Angst, Schuld und Gewalt. Wichtige Figuren sind Macbeth (Bass), Lady Macbeth (Sopran), Macduff (Bariton), Lady Macduff (Sopran), Banquo (Tenor), König Duncan (Tenor), Malcolm (Tenor), Lennox (Tenor) sowie drei Hexen (Sopran, Mezzosopran, Alt). Der Chor verkörpert unter anderem Gefolge, Hofstaat, Wachen, Soldaten, Volk und Erscheinungen.

Prophezeiung und Königsmord

Zu Beginn erscheinen auf einer windumtosten Heide nahe einem Schlachtfeld drei Hexen. Sie treffen Macbeth und Banquo, zwei siegreiche Feldherren, und sagen ihnen die Zukunft voraus. Macbeth soll Thane von Glamis und Cawdor werden und eines Tages König sein. Banquo soll zwar selbst nicht König werden, aber königliche Nachkommen haben. Die erste Prophezeiung erfüllt sich sofort: Macduff meldet, dass König Duncan Macbeth zum Thane von Cawdor ernannt hat, weil der bisherige Titelträger in der Schlacht Verrat begangen hat.

Im ersten Akt berichtet Macbeth seiner Frau von den Prophezeiungen. Lady Macbeth fordert ihn auf, seine Skrupel abzulegen. Als König Duncan in Macbeths Schloss übernachten will und außerdem erklärt, sein Sohn Malcolm solle später den Thron erben, wird Macbeth von Gewissensbissen erschüttert. Lady Macbeth plant dennoch Duncans Ermordung. Sie will die Diener des Königs mit einem Trank betäuben, damit ihnen die Schuld zugeschoben werden kann.

In der Nacht trifft Macbeth auf Banquo, der von den Hexen geträumt hat. Danach wartet Macbeth auf das vereinbarte Glockensignal. Als es erklingt, geht er los, um Duncan zu töten. Nach der Tat ist er nicht mehr zurechnungsfähig. Lady Macbeth beschmiert deshalb die schlafenden Wachen mit Blut, um den Verdacht abzulenken. Am Morgen entdecken Macduff und Lennox den Mord. Macduff schlägt Alarm und will die Söhne des Königs in Sicherheit bringen, weil er Verrat fürchtet. Die Szene endet mit allgemeinem Aufruhr und der Bemerkung eines alten Mannes, er habe in seinem langen Leben noch nie eine solche Nacht erlebt.

Herrschaft, Schuld und Untergang

Im zweiten Akt ist Macbeth neuer König, doch er fürchtet die Prophezeiung über Banquos Nachkommen. Er hat Duncan nicht ermordet, damit Banquos Kinder später von der Macht profitieren. Deshalb beauftragt er zwei Mörder, Banquo und dessen Sohn Fléance zu töten. Banquo wird ermordet, aber Fléance entkommt. Während eines Festes erscheint Macbeth der Geist Banquos auf seinem Platz am Tisch. Die anderen Gäste können die Erscheinung nicht sehen. Lady Macbeth versucht, die Situation zu beruhigen. Nach dem Fest wird Macbeth erneut von der Erscheinung heimgesucht und beschließt, auch Malcolm, Macduff und deren Familien töten zu lassen.

Im zweiten Bild beklagen Lady Macduff und ihr Sohn die Flucht Macduffs nach England, wo er ein Heer aufbauen will. Macbeths Mörder dringen ein und töten beide. Als Macduff eintrifft, kann er nur noch Rache schwören.

Im dritten Akt sucht Macbeth die Hexen in einer finsteren Höhle auf. Sie beschwören Beelzebub und Luzifer und zeigen ihm Erscheinungen. Macbeth wird vor Macduff gewarnt. Zugleich wird ihm geweissagt, er könne nicht besiegt werden, es sei denn, der große Wald von Birnam marschiere zur Höhe von Dunsinane gegen ihn. Macbeth fühlt sich dadurch sicher, weil er es für unmöglich hält, dass sich Bäume aus eigenem Willen bewegen.

Im letzten Bild schlafwandelt Lady Macbeth mit einem Leuchter durch einen Saal. In ihrem Wahnsinn glaubt sie, eine Glocke zu hören und überall Blut zu sehen, das sie nicht entfernen kann. Danach erfährt Macbeth, dass sich ein Heer von zehntausend Soldaten nähert. Kurz darauf meldet Lennox, dass Lady Macbeth sich selbst getötet hat. Ein Diener berichtet, der Wald habe sich in Bewegung gesetzt. Die Gegner rufen: „Mort à Macbeth! Gloire à Malcolm!“ Im Zweikampf tötet Macduff Macbeth und bestimmt Malcolm zum neuen König.

Musikalische Gestaltung

Macbeth ist ein Frühwerk Blochs. Die Musik steht in der Tradition von Claude Debussy, Richard Strauss und Gustav Mahler. Ihre Tonsprache wird als schwärmerisch und mit dem Fin de Siècle verbunden beschrieben. Fin de Siècle bezeichnet hier den Stil der Zeit um die Jahrhundertwende. Die Instrumentation ist reichhaltig und arbeitet mit vielen chromatischen Farben. Chromatik bedeutet, dass viele Halbtonschritte verwendet werden und dadurch eine besonders dichte, spannungsreiche Klangwirkung entsteht.

Im Metrum, also in der Taktordnung, gibt es stetige Takt- und Rhythmuswechsel. Die Stimmführung ist von Debussys Pelléas et Mélisande beeinflusst. Das traditionelle Konzept der Arie tritt zurück. Besonders deutlich wird das in der Schlafwandelszene Lady Macbeths im letzten Bild: Sie ist eher ein deklamierter als ein gesungener Monolog. „Deklamation“ bedeutet, dass der Text sprachähnlich vorgetragen wird. Dadurch wird die geistige Verwirrung der Figur besonders passend dargestellt.

Orchester und Klangapparat

Die Orchesterbesetzung ist groß und farbenreich. Zu den Holzbläsern gehören drei Flöten, drei Oboen, vier Klarinetten und vier Fagotte. Die Blechbläser bestehen aus vier Hörnern in F, drei Trompeten in C, drei Posaunen und Tuba. Hinzu kommen Pauken und Schlagwerk für zwei Spieler mit kleiner Trommel, Triangel, Tamtam, Glockenspiel, großer Trommel und Becken.

Außerdem verwendet Bloch Celesta, zwei Harfen und Streicher. Zusätzlich gibt es Bühnenmusik auf der Bühne: kleine Trommel, drei Trompeten, zwei Hörner, drei Flöten, Klavier, Harfe, Glockenspiel und Tamtam. Diese Besetzung unterstützt die dramatische Atmosphäre der Oper, besonders die Szenen mit Prophezeiungen, Erscheinungen, Mord und Krieg.

Entstehung, Aufführungen und Aufnahmen

Ernest Bloch beschäftigte sich ab Dezember 1903 mit der Idee zu Macbeth. Das Libretto schrieb sein Freund Edmond Fleg. Die ersten Skizzen des Prologs entstanden im Dezember 1904, als Bloch 24 Jahre alt war. Er arbeitete bis September 1909 an der Oper. Nach eigener Aussage tat er dies im Wald und in den Bergen der Schweiz, wo er sich zunächst ein Jahr lang ganz in Shakespeares Dichtung vertiefte, bevor er mit der eigentlichen Komposition begann.

Noch vor der Fertigstellung spielte Bloch Teile des Werks in einem Salon im Haus des Sohnes von Georges Bizet. Die Sängerin Lucienne Bréval und der Musikkritiker Pierre Lalo nahmen die Musik begeistert auf. Durch sie kamen Bloch und Fleg mit Albert Carré, dem Direktor der Opéra-Comique, in Kontakt. Die Uraufführung fand nach Intrigen am 30. November 1910 statt. Lucienne Bréval sang die Lady Macbeth; ihr ist das Werk auch gewidmet.

Zunächst gab es dreizehn Aufführungen in Paris. Das Publikum reagierte gespalten, entweder begeistert oder mit völliger Ablehnung. Die Ablehnung hing auch mit antisemitischer Stimmungsmache zusammen. Die meisten Kritiker urteilten negativ; positive Stimmen kamen unter anderem von Ildebrando Pizzetti und Pierre Lalo. Eine von Bloch autorisierte englische Übersetzung des Librettos stammt von Alex Cohen, der sich an Shakespeare orientierte. Bloch passte dafür auch rhythmische Strukturen an.

Erst 1938 wurde das Werk wieder gespielt, im Teatro San Carlo in Neapel; diese Aufführungen wurden wegen eines antisemitischen Edikts Mussolinis gestoppt. Weitere Aufführungen folgten unter anderem 1953 in Rom, 1957 in Triest, 1958 in Brüssel, 1959 an der Mailänder Scala, 1960 an der University of California, Berkeley, 1968 in Genf, 1973 an der Juilliard School New York, 1997 in Montpellier, 1998 in Dortmund, 2003 im Theater an der Wien, 2009 in London, 2013 an der Long Beach Opera sowie 2014 in Chicago und New York. Die Diskographie nennt mehrere Live-Mitschnitte, darunter Aufnahmen aus Genf 1968, London 1975, Montpellier 1997, Dortmund 1998 und Wien 2003.

Lernvideos zu Macbeth (Bloch)

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