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Mädchen
... Verkleinerungsform des mittelalterlichen Wortes Magd → Mä[g]dchen. ... mittelhochdeutsch maget, frühneuhochdeutsch Meid (diminutiv: Meidlein) darstellt.
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Begriff und heutiger Sprachgebrauch
Ein Mädchen ist ein Kind weiblichen Geschlechts oder allgemeiner eine junge ledige weibliche Person. Umgangssprachlich wird auch „Mädel“ verwendet. Früher konnte „Mädchen“ zudem kurz für eine Hausangestellte stehen.
Der Duden empfiehlt seit 2011, besonders deutlich seit Oktober 2020, „Mädchen“ im modernen Sprachgebrauch nur noch für ein Kind weiblichen Geschlechts zu verwenden. Die weiteren, veraltenden oder veralteten Bedeutungen gelten zunehmend als diskriminierend. Zusammensetzungen wie „Zimmermädchen“, „Dienstmädchen“ oder „Kindermädchen“ können abwertend wirken, weil sie an eine nicht erwachsene und unmündige Frau denken lassen; je nach Zusammenhang werden etwa „Hotelangestellte“, „Hausangestellte“, „Haushaltshilfe“ oder „Kinderbetreuerin“ als Ersatz genannt.
„Mädel“ ist laut Duden in der Umgangssprache verbreitet, oft ironisch. Der Ausdruck wurde jedoch unter anderem im Nationalsozialismus für den Bund Deutscher Mädel (1933–1945) verwendet und wird mitunter von der heutigen rechtsextremistischen Szene aufgegriffen. „Maid“ gilt heute als veraltet und noch spöttisch.
Mädchen in Judentum und Christentum
Im Alten Testament werden Mädchen unter anderem mit Anmut, Schönheit, Schmuck, Musizieren, Gesang, Tanz, Jungfräulichkeit und Brautwerbung verbunden. Es kommen aber auch Brautraub, Vergewaltigung und Trauer vor. Besondere Gebote, die ausschließlich für Mädchen gelten, gibt es in der Bibel nicht. Als bekannte weibliche Gestalten nennt das Alte Testament beispielsweise Rebekka, Dina, Mirjam, Abischag und Ester.
Im orthodoxen Judentum unterscheiden sich rituelle Regeln für Mädchen und Jungen. Jungen werden bald nach der Geburt im Ritus der Brit Mila beschnitten. Bei Mädchen wird meist bei der nächsten Tora-Lesung in der Synagoge ihr Name bekannt gegeben. Für diese Namensgebung, Zeved habat oder Simchat bat, enthalten Mischna und Talmud keine Vorschriften; sie wird daher je nach jüdischer Strömung, Zeit und Region unterschiedlich gestaltet. Mädchen studieren wie Jungen jüdische Schriften, insbesondere Gesetze zu den von Frauen zu erfüllenden Mitzwot, etwa zu Sabbat, Kashrut und Familienreinheit. Eine Bat Mitzwa als Übergangsritus entsprechend der Bar Mitzwa gibt es nur außerhalb des orthodoxen Judentums.
Im Neuen Testament ist von Mädchen weniger ausführlich die Rede. Maria war zur Zeit der Verkündigung ein junges Mädchen. Weitere Beispiele sind Salome, die Tochter der Herodias, die nach ihrem Tanz den Kopf des Johannes fordert, die zwölfjährige Tochter des Jaïrus, die Jesus vom Tod erweckt, sowie die kleine Tochter einer Griechin, der Jesus einen Dämon austreibt. Das Christentum kennt grundsätzlich keine unterschiedlichen Riten für Mädchen und Jungen; in der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen können einzelne Sakramente und Sakramentalien jedoch nur Männer oder Frauen empfangen.
Rollen in Jugendkulturen
In Deutschland durften Mädchen sich erst seit 1911 gesetzlich aktiv an den damals neu entstehenden Jugendbewegungen wie den Wandervögeln beteiligen. Innerhalb dieser Organisationen bestanden Vorbehalte gegen gemeinsame Aktivitäten von Jungen und Mädchen. Hans Breuer meinte beispielsweise, Gemischtwandern verweichliche die Jungen und mache Mädchen „verbengelt und verwildert“.
Nach Klaus Farin sind gegenwärtige Jugendkulturen, deren Bedeutung in der Jugendarbeit seiner Auffassung nach abnimmt, weiterhin weitgehend männlich dominiert. Mädchen seien trotz ihrer geringeren Anzahl aber aktiv beteiligt und nicht bloß „Mitläuferinnen“. Als mädchenorientierte Szene nennt er die Cosplay-Kultur. Angela McRobbie betrachtete die Girlie-Kultur als moderne, allein von Mädchen getragene Bewegung der Popkultur. Jonas Engelmann bezeichnete Emo als erste Jugendkultur, in der sich auch Jungen an Mädchen angepasst hätten.
Mädchenforschung
Die Mädchenforschung untersucht seit dem späten 20. Jahrhundert wirtschaftliche, politische, soziale und kulturelle Faktoren, die die Lebensbedingungen von Mädchen bestimmen. Sie ist ein Zweig der Frauenforschung. Wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussionen wurden unter anderem durch Elena Gianini Belottis 1973 in Italien veröffentlichten Essay „Was geschieht mit kleinen Mädchen?“ angeregt.
In Deutschland entstanden in den 1980er Jahren erste Ansätze einer geschlechtsdifferenzierenden Mädchenforschung. Die stärkere Förderung von Frauenstudien und -projekten führte auch zu universitären Projekten und Lehrveranstaltungen zur Mädchenarbeit. Der 6. Jugendbericht von 1984 bot mit 39 Expertisen zu Lebenswelten und Perspektiven von Mädchen eine Grundlage für die Forderung, Mädchen gezielt in allen Bereichen der Jugendhilfe zu fördern. Claudia Franziska Bruner veröffentlichte 1991 eine erste Übersicht zu Ergebnissen der jungen Mädchenforschung; 2008 folgte ein Übersichtsartikel von Helga Kelle.
In den Vereinigten Staaten gibt es Girls’ Studies an mehreren Hochschulen, darunter an der University of Missouri–Kansas City, der State University of New York in Cortland und der University of Illinois at Urbana-Champaign. Elline Lipkin veröffentlichte 2006 den Übersichtsband „Girls’ Studies: Seal Studies“.