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Low-Profit-Investition

Unternehmen können mit LPI ein zusätzliches CSR-Potenzial erschließen und so zu einer zeitgerechten Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) beitragen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Zweck
  2. 2. Ausgangspunkt und klassische Renditeerwartung
  3. 3. Nullzins und interdisziplinärer Ansatz
  4. 4. Staatliche Förderung und Finanzierung
  5. 5. Zwei Wege zu günstiger Finanzierung
  6. 6. Auflagen und Ergebnis

Begriff und Zweck

Low-Profit-Investitionen (LPI) sind realwirtschaftliche Investitionen mit einer nur geringen erwarteten Rendite von etwa 0–3 % pro Jahr. Sie sollen Unternehmen ermöglichen, zusätzliches Potenzial für Corporate Social Responsibility (CSR, unternehmerische soziale Verantwortung) zu erschließen und damit zu einer zeitgerechten Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele, der Sustainable Development Goals (SDG), beizutragen.

Damit LPI wirtschaftlich möglich sind, müssen Unternehmen Eigen- und Fremdkapital zu günstigen Bedingungen erhalten. Der Ansatz verbindet daher Fragen der Finanzierung mit Geldpolitik, Fiskalpolitik und staatlicher Förderung.

Ausgangspunkt und klassische Renditeerwartung

Während der Finanzkrise 2008/09 entstanden in den USA die ersten Low-profit limited liability companies (L3C). Eine L3C ist eine Low-Profit-Organisation: Sie verfolgt einen sozialen Zweck, erwirtschaftet eine moderate Rendite und schüttet diese an ihre Eigentümer aus. LPI ist der allgemeinere Begriff für alle Unternehmungen, die auf Low-Profit beruhen. Beteiligungen an einer Low-Profit-Organisation sind für Investoren entsprechend Low-Profit-Investments.

Nach klassischer Finanzwirtschaft besteht die ex ante, also vorab erwartete, Rendite einer realwirtschaftlichen Investition aus dem risikofreien Zinssatz und einer positiven Risikoprämie. Die Risikoprämie ist der zusätzliche Ertrag, der das jeweilige Investitionsrisiko abdecken soll. Als risikofreier Referenzzinssatz gelten Interbankenzinsen: international der Libor (London Interbank Offered Rate), in der Eurozone der Euribor. Je nach Unternehmen und Branche wird die Risikoprämie mit 3 % bis 6 % pro Jahr angesetzt. In dieser Sicht muss ein Unternehmen sowohl den risikofreien Zinssatz als auch das Risiko erwirtschaften, um für Investoren attraktiv und für Banken kreditwürdig zu sein.

Nullzins und interdisziplinärer Ansatz

Bei einer Nullzinspolitik beträgt der Leitzins der Zentralbank Null; damit liegt auch der risikofreie Referenzzinssatz, Libor beziehungsweise Euribor, bei Null. Dennoch müssten Unternehmen weiterhin Renditen von 3–6 % pro Jahr erzielen, um die Marktrisiken abzudecken. Angesichts einer Konjunkturschwäche wird infrage gestellt, ob solche Renditen künftig erreichbar sind und ob sie mit einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung vereinbar sind.

Low-Profit wird als interdisziplinäres Forschungsfeld beschrieben. Seine tragende Säule ist die Finanzwirtschaft. Hinzu kommen die Geldpolitik der Zentralbank, Finanzwissenschaft sowie Fiskal- und Förderpolitik. Rechtlich sind insbesondere Verwaltungsrecht, Steuer- und Subventionsrecht, EU-Beihilfenrecht und Datenschutz relevant.

Staatliche Förderung und Finanzierung

Öffentliches Recht ist wichtig, wenn der Staat LPI reguliert oder fördert. Im Mittelpunkt sollen nicht vor allem Verbote und zwingende Maßnahmen stehen, sondern Kooperation und Zusammenarbeit zwischen Staat und Unternehmen auf Low-Profit-Basis. Subventionen werden praktisch nach verwaltungsrechtlichen Vorschriften und Richtlinien vergeben; ihre Vergabe soll verstärkt an strenge soziale und ökologische Standards gebunden werden.

Staatliche Förderung von LPI wird dort als legitim angesehen, wo öffentliche, dem Gemeinwohl dienende Leistungen erbracht werden. Gemeint sind Bereiche mit geringen Erträgen, aber sozialem und ökologischem Mehrwert, der als Sozialrendite bezeichnet wird. Genannt werden ökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energien und Recycling. Eine Förderung nachhaltiger LPI kann danach ähnlich begründet werden wie Umwelt-, Regional- oder Wohnbauförderung.

Für die Finanzierung müssten Investoren ihre Renditeerwartungen senken und günstig Eigenkapital bereitstellen. Zusätzlich brauchen Unternehmen zinsgünstige Bankkredite als Fremdkapital. Da private Investoren bei risikobehafteten realwirtschaftlichen Investitionen nicht freiwillig auf eine angemessene Risikoprämie verzichten und Banken nicht ohne Weiteres günstige Kredite vergeben, werden neue geld- und fiskalpolitische Rahmenbedingungen als erforderlich dargestellt.

Zwei Wege zu günstiger Finanzierung

Es werden zwei Strategien unterschieden. Erstens kann die Zentralbank eine Negativzinspolitik betreiben. Zweitens kann sie geldpolitisch neutral handeln, während der Staat eine aktive Wirtschafts- und Fiskalpolitik betreibt. Beide Ansätze sollen dazu führen, dass Unternehmen günstiges Eigen- und Fremdkapital für LPI erhalten.

Die Negativzinspolitik wird auf einen Vorschlag des US-Ökonomen Kenneth S. Rogoff aus dem Jahr 2014 zurückgeführt: In einer Konjunkturkrise sollte der Leitzins auf −3 % bis −5 % sinken. Bei verringerter Leistungsfähigkeit könnten sich Unternehmen dann zu geringen Kapitalkosten refinanzieren. Negative Zinsen sollen Investoren und Banken dazu bewegen, günstiges Eigen- beziehungsweise Fremdkapital bereitzustellen. Kleinsparer sollen für entgangene Zinserträge entschädigt werden, etwa durch staatlich gefördertes Sparen mit Sparzulage.

Bei fiskalpolitischen Maßnahmen bleibt die Zentralbank neutral und könnte den Leitzins beispielsweise auf 1–2 % pro Jahr erhöhen. Der Staat führt zugleich eine besondere Vermögensteuer auf sichere Geldanlagen wie Tages- und Festgeldkonten oder Staatsanleihen ein. Ein großzügiger Steuerfreibetrag soll Kleinsparern einen positiven Zinsertrag sichern. Großanleger, die über den Freibetrag hinaus risikofrei anlegen, wären steuerpflichtig. Als Möglichkeit wird eine einheitliche EU-weite Vermögensteuer von 3–5 % pro Jahr genannt. Höhere Steuern auf sichere Anlagen sollen die Renditeerwartungen bei risikobehafteten realwirtschaftlichen Investitionen senken und günstiges Eigenkapital für Unternehmen bewirken.

Fremdkapital soll durch zinsfreie oder zinsgünstige Förderkredite bereitgestellt werden. Das kann ein gewöhnlicher Bankkredit sein, bei dem der Staat die Zinskosten bezuschusst. Förderkredite sollen an eine CSR-Nachhaltigkeitsberichterstattung und strenge Nachhaltigkeitsindikatoren gebunden sein, darunter SDG, UN Global Compact, UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, ILO-Kernarbeitsnormen, ISO 26000 sowie weitere nationale und internationale Normen und Regelwerke.

Auflagen und Ergebnis

Fördergelder für gewinnorientierte Kapitalgesellschaften sollen zusätzliche Auflagen enthalten. Dazu gehören eine Begrenzung von Managergehältern und eine Deckelung des finanziellen Leverage, also des Einsatzes von Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital. Das UN-Umweltprogramm (UNEP) forderte 2015 eine Beschränkung des Leverage im Zusammenhang mit Corporate Redesign und einer Inclusive-Green Economy. Sie soll verhindern, dass Unternehmen durch zinsgünstige Darlehen einen hohen Leverage erreichen und der Staat dadurch private Gewinne und Renditen subventioniert.

Aus finanzwirtschaftlicher Sicht gelten Negativzinspolitik und fiskalpolitische Maßnahmen als gleichwertig, weil sie dieselbe Wirkung auf Renditeerwartungen von Investoren und die Kreditvergabe von Banken haben sollen. Beide setzen nach dem Artikel voraus, Banknoten abzuschaffen und Bargeld weitgehend zu digitalisieren, damit keine Flucht ins Bargeld erfolgt (Rogoff 2016). In beiden Fällen sollen Kleinsparer einen positiven Zinsertrag erhalten. Langfristig sollen so günstige Finanzierungsbedingungen entstehen und die Wirtschaft in einer Konjunkturkrise in eine anhaltend stabile Low-Profit-Phase übergehen.

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