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Literatur der Restaurationsepoche
Die Literatur der Restaurationsepoche umfasst die Literatur der Zeit von 1815–1848, die im Wesentlichen durch das besinnliche Biedermeier und den auch …
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Epoche zwischen Restauration und Revolution
Die Literatur der Restaurationsepoche umfasst im Wesentlichen die Jahre 1815 bis 1848: vom Ende des Wiener Kongresses bis zum Beginn der bürgerlich-liberalen Märzrevolution. Ihre beiden deutlichsten Strömungen sind das besinnliche, häufig unpolitische Biedermeier und der politisch engagierte Vormärz.
Die Abgrenzung der Epoche ist jedoch nicht eindeutig. Friedrich Sengle betonte in seinem dreibändigen Werk „Biedermeierzeit“ die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Richtungen: Alle Autorinnen und Autoren reagierten auf die Modernisierung. Einige öffneten sich der neuen Zeit und engagierten sich sozial und politisch; andere wehrten moderne Entwicklungen ab und betonten traditionelle Werte. Die heutige Literaturwissenschaft betrachtet Begriffe wie „Biedermeier“, „Vormärz“ und „Restauration“ sowie die enge Verknüpfung von Literaturgeschichte und politischen Ereignissen kritisch. Deshalb werden auch andere Zeiträume vorgeschlagen, etwa 1820 bis 1855. Dafür wird der Begriff „Zwischenphase“ zwischen Goethezeit und Realismus verwendet.
Politische und gesellschaftliche Umbrüche
Die Epoche vereint sehr unterschiedliche Richtungen: christliche Erweckungsliteratur und idyllisches Biedermeier stehen neben Vormärz, Jungem Deutschland und politischen Agitationsgedichten, etwa von Georg Herwegh. Verbunden waren die Schreibenden durch das Bewusstsein, in einer Übergangszeit zu leben.
Nach der Französischen Revolution stellte der Wiener Kongress 1815 die alten politischen Verhältnisse weitgehend wieder her. Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 verboten die Burschenschaften und schränkten Lehr- und Pressefreiheit stark ein. Als Reaktion verbreitete sich auch unter Intellektuellen ein „biedermeierlicher Quietismus“, also politische Zurückhaltung und der Rückzug in Familie und Privatleben. Dafür stehen Eduard Mörikes „holdes Bescheiden“ und Adalbert Stifters „Andacht des Kleinen“.
Gleichzeitig war der gesellschaftliche Fortschritt nicht aufzuhalten. Atheismus bot aufgeklärten Intellektuellen eine Möglichkeit, sich dem Zwang von Kirche und Religion zu entziehen. In Preußen waren die Zünfte aufgehoben und die Gewerbefreiheit eingeführt worden; die Industrialisierung begann sich durchzusetzen. Obwohl die alten politischen Mächte restauriert waren, blieben die territorialen Veränderungen der napoleonischen Zeit bestehen. Die liberale Bewegung verlangte politische Beteiligung des Bürgertums und trug schließlich zur Märzrevolution von 1848 bei.
Lebensgefühl und literarische Formen
Viele Dichter empfanden ihre Gegenwart als zerrissen. Typisch wurden deshalb Figuren, die zwischen Gegensätzen schwanken und keine konsequenten Entscheidungen treffen können. Karl Leberecht Immermann beschrieb dieses Lebensgefühl in „Die Jugend vor 25 Jahren“ als gespalten und doppelt, krankhaft, nervös und lebensschwach. Es zeigt sich beispielsweise in Eduard Mörikes Roman „Maler Nolten“, besonders in Larken, dem Freund der Titelfigur.
Prägend war außerdem die Auseinandersetzung mit Goethe und der deutschen Klassik. August Graf von Platen-Hallermünde und Friedrich Rückert griffen auf antike und orientalische Vorbilder zurück, um neue dichterische Formen zu erschließen; ihre Werke wirkten jedoch häufig künstlich, und besonders Rückert wurde parodiert. Mörike entwickelte antike Formen nach Goethes Vorbild produktiv weiter. Im Drama blieb Schillers klassisches Vorbild etwa bei Franz Grillparzer wirksam.
Der Vormärz wandte sich dagegen bewusst von der Klassik ab. Erlebnislyrik erschien dort im Wesentlichen nur noch als Parodie. Christian Dietrich Grabbe schuf mit „Napoleon oder Die hundert Tage“ ein Drama der offenen Form, Georg Büchner mit „Dantons Tod“ ein Dokumentardrama. Besonders vielfältig entwickelte sich die nicht an antike Traditionen gebundene Prosa: Reisebeschreibungen, Reportagen, Essays und Charakterskizzen wurden zu beliebten Gattungen.
Die politisch engagierten Autoren warfen Goethe seine „olympische“ Kälte vor. Heinrich Heine bezeichnete Goethes Tod als Ende der „Kunstperiode“. Darin lagen sowohl die Abkehr von einer Kunst, die gesellschaftliche Wirklichkeit ausblendete, als auch die Trauer über den Verlust einer autonomen, um ihrer selbst willen geschaffenen Kunst.
Merkmale des Biedermeiers
Das Biedermeier betont Ruhe, Ordnung, bürgerliche Beschaulichkeit, Bescheidenheit, Mäßigung sowie das Leise und Unscheinbare; das Dämonische wird vermieden. Bevorzugt werden kleinere Formen wie Stimmungsbild, Skizze und Novelle. Der typische Biedermeier-Mensch wurde später oft als unpolitischer, obrigkeitstreuer und harmoniesüchtiger Kleinbürger karikiert. Grillparzers „Der Traum ein Leben“ fasst das Ideal im Vers zusammen: „Eines nur ist Glück hienieden, / Eins: des Innern stiller Frieden“.
Viele Biedermeier-Autoren vertraten eine konservative bis reaktionäre Haltung. Angesichts von Industrialisierung und Urbanisierung sehnten sie sich nach einem einfachen, harmonischen Leben. Heinrich Claurens Erzählung „Mimili“ markiert 1816 den erfolgreichen Anfang dieser Literatur. Das idyllische und vom Zeitgeschehen abgewandte Schreiben war dennoch eine Reaktion auf die Gegenwart: Der wahrgenommenen Entfremdung und Sinnentleerung sollte durch die Rückkehr zu elementarem Erleben und Schaffen begegnet werden. Anders als die meist adeligen Schriftsteller der Romantik waren die Autoren des Biedermeiers Bürger und stammten oft aus einfachen Verhältnissen.
Natur galt nicht mehr hauptsächlich als Spiegel von Sehnsucht und Ichschmerz, sondern als genau zu beobachtende Schöpfung. Christliche und pantheistische Sichtweisen – also die Vorstellung einer göttlichen Gegenwart in der gesamten Natur – konnten dabei nebeneinanderstehen. Forschungsreisen, Sammeln und Katalogisieren förderten erste empirische, auf Beobachtung beruhende Interessen.
Adalbert Stifter formulierte in der Vorrede zu „Bunte Steine“ von 1853 das „Sanfte Gesetz“. Danach zeigen sich wahre Größe und sittliche Ordnung in Gerechtigkeit, Einfachheit, Selbstbeherrschung, vernünftigem Handeln und Wirksamkeit im eigenen Lebenskreis, nicht in Zorn, Rache, Zerstörung oder gewaltsamen Gefühlsausbrüchen. Jeder Mensch soll geachtet, geehrt und ungefährdet neben den anderen bestehen können.
Stifters „Der Nachsommer“ erschien 1857 und wurde von ihm selbst „Erzählung“ genannt. Das Werk galt lange als Höhepunkt des Biedermeiers, gehört als Bildungsroman aber eigentlich zum Realismus. Auch andere Werke Stifters reichen über das Biedermeier hinaus: „Brigitta“ verbindet fatalistische Elemente mit frauenrechtlich-emanzipatorischen Ansätzen. Reine Biedermeier-Literatur findet sich eher im trivialen Bereich, etwa in Literaturkalendern.
Politische Literatur des Vormärz
„Vormärz“ ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für die oppositionelle bis revolutionäre politische Literatur vor der deutschen Märzrevolution von 1848. Der Beginn ist umstritten: Genannt werden 1815 mit dem Wiener Kongress, 1819 mit den Karlsbader Beschlüssen, 1830 mit der Julirevolution oder 1840. Im Gegensatz zum konservativen, restaurativen und politisch resignierten Biedermeier wollte der Vormärz politische Veränderungen in Deutschland erreichen und die Lebensverhältnisse verbessern. Wichtige Gattungen waren Brief und Reisebericht.
Zum Vormärz gehören Georg Büchners Werke „Woyzeck“, „Lenz“, „Der Hessische Landbote“, „Leonce und Lena“ und „Dantons Tod“ sowie die Literatur des Jungen Deutschlands. Diese wichtigste Autorengruppe der Zeit wollte das politische Bewusstsein des Bürgertums stärken und forderte eine engagierte Literatur mit dem Ziel der Revolution. Der Deutsche Bundestag verbot ihre Veröffentlichungen 1835. Zu den Hauptvertretern zählten unter anderem Ludwig Börne mit „Briefe aus Paris“, Ferdinand Freiligrath mit „Ca ira“ und „Neue politische und soziale Gedichte“, Bettina von Arnim mit „Dieses Buch gehört dem König“, Louise Aston mit „Meine Emanzipation“ und Georg Herwegh mit „Gedichte eines Lebendigen“.
Heinrich Heine wird teilweise dem Jungen Deutschland zugerechnet, grenzte sich aber aus ästhetischen Gründen von dessen „Tendenzpoeten“ ab. Er kritisierte, dass ihre rebellischen „gereimten Zeitungsartikel“ Poesie, Kunst und Ästhetik vernachlässigten. Die Gesellschaftskritik der Jungdeutschen teilte er dennoch. Seine Werke wurden 1835 gemeinsam mit denen des Jungen Deutschlands verboten.
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