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Georg Büchner
1835 verfasste Büchner innerhalb von fünf Wochen Dantons Tod und schickte das Manuskript an Karl Gutzkow mit der Bitte um rasche Veröffentlichung. · Dantons Tod …
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Überblick
Karl Georg Büchner (* 17. Oktober 1813 in Goddelau, Großherzogtum Hessen; † 19. Februar 1837 in Zürich) war ein deutscher Schriftsteller, Mediziner, Naturwissenschaftler und Revolutionär. Er gilt trotz seines sehr schmalen Werkes und seines frühen Todes mit 23 Jahren als einer der bedeutendsten Autoren des Vormärz. Vormärz bezeichnet die politisch unruhige Zeit vor der Märzrevolution von 1848, in der viele Schriftsteller soziale Ungerechtigkeit und staatliche Unterdrückung kritisierten.
Büchner verband in seinem kurzen Leben Politik, Literatur und Wissenschaft. Als Revolutionär kämpfte er gegen die politischen Verhältnisse im Großherzogtum Hessen. Als Schriftsteller schrieb er Dramen, eine Erzählung und eine politische Flugschrift. Als Mediziner und Naturwissenschaftler forschte er unter anderem zum Nervensystem von Fischen. Teile seines Werkes zählen zur Exilliteratur, weil sie im Zusammenhang mit Flucht und politischer Verfolgung entstanden.
Kindheit, Ausbildung und politische Entwicklung
Büchner wurde 1813 als Sohn des Arztes Karl Ernst Büchner und Louise Caroline Büchner, geborene Reuß, geboren. Er war das erste von acht Kindern; zwei starben kurz nach der Geburt. Zu seinen überlebenden Geschwistern gehörten unter anderem Luise Büchner, später Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, und Ludwig Büchner, später Philosoph und Schriftsteller. 1816 zog die Familie nach Darmstadt, wo der Vater Stadtphysikus und Hospitalarzt wurde.
Ab 1821 besuchte Büchner die Privat-Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt des Theologen Carl Weitershausen. Dort lernte er unter anderem Französisch, Latein und Griechisch. 1825 wechselte er zum neuhumanistischen Pädagogium in Darmstadt, später nahm er auch an einem Intensivkurs in Italienisch teil. Schon als Schüler beschäftigte er sich mit Geschichte und republikanischen Ideen. 1831 verließ er die Schule mit einem Reifezeugnis, das ihm „gute Anlagen“ und einen „klaren und durchdringenden Verstand“ bescheinigte.
Am 9. November 1831 schrieb sich Büchner an der Medizinischen Fakultät der Universität Straßburg ein und studierte dort bis 1833 vergleichende Anatomie. In Straßburg wohnte er im Haus des Pfarrers Johann Jakob Jaeglé und lernte dessen Tochter Wilhelmine Jaeglé kennen, mit der er sich 1832 heimlich verlobte. In einem später sogenannten „Fatalismus-Brief“ formulierte er die Vorstellung, der Mensch könne nicht aktiv in den geschichtlichen Prozess eingreifen, sondern werde zu dessen Spielball, zum „Schaum auf der Welle“.
Straßburg war für Büchner politisch prägend. Er erlebte dort ein offeneres Klima als in Darmstadt und trat immer stärker für politische Freiheiten ein. Am 24. Mai 1832 hielt er vor der Studentenverbindung Eugenia einen Vortrag über die politischen Verhältnisse in Deutschland. Die Straßburger Jahre nannte er später seine glücklichste Zeit.
Gießen, Widerstand und Flucht
Am 31. Oktober 1833 schrieb sich Büchner an der Universität Gießen ein, weil im Großherzogtum Hessen nur höchstens zwei Studienjahre im Ausland erlaubt waren. In Gießen erlebte er die Schikanen der Obrigkeit und staatliche Gewalt unmittelbar. Seine gesundheitliche Lage war schlecht, er litt unter der Trennung von Wilhelmine Jaeglé und war mit Lehrern und Kommilitonen unzufrieden. Einer seiner Dozenten, Johann Bernhard Wilbrand, wurde später Vorbild für den engstirnigen und inhumanen Doktor in Woyzeck.
Büchner fand die oppositionellen Bestrebungen vieler Studenten nicht radikal genug. Er wollte nicht nur Studenten einbeziehen, sondern auch andere Bürger. Deshalb gründete er mit ehemaligen Schulkameraden, Studenten und Handwerkern die Gesellschaft für Menschenrechte, eine geheime Organisation nach französischem Vorbild. Ihr Ziel war ein Umsturz der politischen Verhältnisse. Die Gruppe blieb jedoch klein.
1834 arbeitete Büchner mit Friedrich Ludwig Weidig zusammen, einem wichtigen Oppositionellen aus Hessen-Darmstadt. Zwischen beiden kam es zu Differenzen: Weidig wollte taktische Bündnisse und einen gemäßigteren Kurs, Büchner sah dagegen materielle Ungleichheit und die Armut der Landbevölkerung als Grundproblem. Im Juli 1834 wurde illegal der Hessische Landbote gedruckt, den Büchner in Gießen verfasst hatte und den Weidig gegen Büchners Willen stark überarbeitete. Die Flugschrift trug die Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ und rief die hessische Landbevölkerung zur Revolution gegen Unterdrückung auf. Sie nutzte Statistiken, um zu zeigen, dass die Landbevölkerung mit ihren Steuern die überzogenen Ausgaben des Hofes finanzierte.
Nachdem im August 1834 Karl Minnigerode mit 150 Exemplaren des Hessischen Landboten gefasst und verhaftet worden war, wurde Büchners Zimmer durchsucht. Am nächsten Tag wurde er verhört, aber nicht verhaftet. 1835 schrieb Büchner innerhalb von fünf Wochen Dantons Tod und schickte das Manuskript an Karl Gutzkow, weil er Geld für seine geplante Flucht brauchte. Nachdem er einer Vorladung nicht gefolgt war, wurde er steckbrieflich gesucht. Am 9. März 1835 floh er über Weißenburg nach Straßburg. Seine Mutter gab ihm im letzten Moment Geld; sein Vater brach danach den Kontakt ab, erlaubte der Mutter aber weitere Unterstützung.
Werke und literarische Bedeutung
Büchners Werk ist klein, aber literaturgeschichtlich sehr wichtig. Zu seinen Werken gehören die Flugschrift Der Hessische Landbote von 1834, gemeinsam mit Friedrich Ludwig Weidig, das Drama Dantons Tod von 1835, die Erzählung Lenz von 1835, das Lustspiel Leonce und Lena von 1836 und das Dramenfragment Woyzeck von 1837. Außerdem übersetzte er 1835 Victor Hugos Dramen Lucretia Borgia und Maria Tudor ins Deutsche. Das Drama Pietro Aretino ist verschollen.
Dantons Tod beschreibt das Scheitern der Französischen Revolution. Anders als der historische Danton, der an taktischen Fehlern scheiterte, erkennt Büchners literarischer Danton von Anfang an die Sinnlosigkeit seines Handelns. In Lenz stellt Büchner die seelischen Leiden des Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz dar. Woyzeck blieb unvollendet, wurde aber später besonders bedeutend, weil seine Hauptfigur aus der untersten Gesellschaftsschicht stammt, was damals in der deutschen Literatur ungewöhnlich war.
Büchner gilt als politisch kritischer Autor des Vormärz und als Gegner einer romantischen Dichtung, die der Wirklichkeit ausweicht. Neu und wichtig sind bei ihm die genaue Beobachtung, die psychologische Zeichnung seiner Figuren und die Darstellung ambivalenter Charaktere, die keine einfachen, konsequenten Entscheidungen treffen können. Auch die Verwendung von Umgangssprache als Stilmittel war neu. Der Perspektivenwechsel mit unmittelbarem Übergang von der Ich- zur Er-Erzählung gehörte ebenfalls zu seinen modernen erzählerischen Mitteln.
Wissenschaft, Zürich und Tod
Nach seiner Flucht lebte Büchner wieder in Straßburg und wandte sich neben der Literatur erneut der Wissenschaft zu. Im Winter 1835/36 erforschte er das Nervensystem der Fische und vollendete seine Dissertation Abhandlung über das Nervensystem der Barbe. Im Frühjahr 1836 stellte er die Arbeit in mehreren Lesungen der Gesellschaft für Naturwissenschaft in Straßburg vor. Daraufhin wurde er als Mitglied aufgenommen, und die Gesellschaft veröffentlichte die Arbeit.
Ende Juli 1836 legte Büchner seine Arbeit Mémoire sur le système nerveux du barbeau (Cyprinus Barbus L.) an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich vor. Am 3. September 1836 wurde er in absentia, also in Abwesenheit, zum Doktor der Philosophie promoviert. Am 18. Oktober 1836 zog er nach Zürich. Am 5. November hielt er seine Probevorlesung Über die Schädelnerven und wurde Privatdozent. Sein Kurs „Zootomische Demonstrationen“ behandelte die Anatomie von Fischen und Amphibien anhand selbst angefertigter Präparate, wurde aber nur von wenigen Studenten besucht.
Schon vor dem Umzug nach Zürich hatte Büchner in Straßburg mit Woyzeck begonnen. Er nahm Entwürfe mit in die Schweiz, das Werk blieb jedoch Fragment. Für das folgende Semester plante er einen weiteren Kurs. Dazu kam es nicht mehr: Am 2. Februar 1837 erkrankte er schwer an Typhus, der damals in Zürich verbreitet war und meist durch verunreinigtes Wasser übertragen wurde. Caroline und Wilhelm Schulz, deutsche Flüchtlinge und Freunde aus dem Straßburger Exil, pflegten ihn und benachrichtigten Wilhelmine Jaeglé. Büchner starb am 19. Februar 1837 im Beisein seiner Braut und des Ehepaares Schulz. Er wurde zunächst auf dem Zürcher Friedhof „Krautgarten“ beerdigt; 1875 wurden seine sterblichen Überreste auf den „Germaniahügel“ umgebettet.
Nachlass und Erinnerung
Büchners Werke wurden erst nach und nach vollständig zugänglich. 1850, 13 Jahre nach seinem Tod, veröffentlichte sein Bruder Ludwig die Nachgelassenen Schriften. Woyzeck war darin nicht enthalten, unter anderem weil das Manuskript stark verblasst und weitgehend unleserlich war. 1879 veröffentlichte Karl Emil Franzos Georg Büchner: Sämtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß; darin wurde Woyzeck erstmals in einer stark überarbeiteten Fassung zugänglich. Spätere wichtige Ausgaben erschienen unter anderem 1922 durch Fritz Bergemann, 1980 im Carl-Hanser-Verlag, 1992/1999 durch Henri Poschmann und von 2000 bis 2013 als Marburger Ausgabe in zehn Bänden.
An Büchner erinnern zahlreiche Ehrungen. Der seit 1923 vergebene Georg-Büchner-Preis gilt als der bedeutendste Literaturpreis in der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1981 gibt es in Marburg eine Forschungsstelle Georg Büchner – Literatur und Geschichte des Vormärz, seit 1979 eine Georg Büchner Gesellschaft. In seinem Geburtshaus in Goddelau befindet sich seit 1998 das Museum Büchnerhaus mit der Dauerausstellung „Von Goddelau zur Weltbühne“. Außerdem tragen zahlreiche Straßen, Schulen und Plätze seinen Namen, darunter ein Georg-Büchner-Platz auf dem Campus Irchel der Universität Zürich.