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Junges Deutschland (Literatur)

Das Junge Deutschland ist der Name für eine literarische Bewegung junger, liberal gesinnter Dichter in der Zeit des Vormärzes, die etwa ab 1830, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bewegung im Vormärz
  2. 2. Autoren und lose Verbindung
  3. 3. Politische und literarische Ziele
  4. 4. Verbot und spätere Bezeichnung

Bewegung im Vormärz

Das Junge Deutschland bezeichnet eine literarische Bewegung junger, liberal gesinnter Dichter im Vormärz. Etwa ab 1830 wurden ihre Autoren publizistisch aktiv; angeregt wurden sie von der Julirevolution in Frankreich. Ihre Schriften wurden 1835 auf Beschluss des Bundestages des Deutschen Bundes verboten.

Der Name taucht zuerst bei Heinrich Laube auf. Bekannt machte ihn Ludolf Wienbarg, der seine Ästhetischen Feldzüge 1834 programmatisch einleitete: „Dir, junges Deutschland, widme ich diese Reden, nicht dem alten“.

Autoren und lose Verbindung

Der Beschluss des Deutschen Bundestages vom 10. Dezember 1835 nannte das „junge Deutschland oder ‚die junge Literatur‘“ eine „literarische Schule“. Amtlich wurden Heinrich Heine, Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Ludolf Wienbarg und Theodor Mundt dazu gezählt. Tatsächlich gab es jedoch keine feste Schule oder Gruppe: Die Autoren verband vor allem ihr liberales Engagement.

Ludwig Börne wurde nach einer späteren Bemerkung Theodor Mundts wohl in der Eile nicht genannt. Die Literaturgeschichtsschreibung betrachtete diese sechs Autoren später als Kern der Bewegung. Zum weiteren Umkreis zählen Adolf Glassbrenner, Gustav Kühne und Max Waldau.

Georg Büchner wird häufig mit dem Jungen Deutschland verbunden, grenzte sich aber in einem Brief vom 1. Januar 1836 aus dem Straßburger Exil ausdrücklich davon ab. Dennoch bestanden Gemeinsamkeiten, besonders der Widerstand gegen die politische Restauration. Wie die Jungdeutschen lehnte Büchner den Idealismus der Klassik und die Literatur der Romantik ab; seine Auffassung von Literatur formulierte er in Lenz im Kunstgespräch zwischen Kaufmann und Lenz.

Politische und literarische Ziele

Die Dichter wandten sich gegen die restaurative und reaktionäre Politik Metternichs und der Fürsten des Deutschen Bundes. Sie forderten demokratische Freiheitsrechte, soziale Gerechtigkeit sowie die Überwindung überkommener religiöser und moralischer Vorstellungen.

Klassik und Romantik galten ihnen als apolitisch, rückständig sowie zu realitäts- und lebensfern. Literatur sollte nicht elitär sein, sondern gesellschaftliche und politische Missstände sichtbar machen. Die Jungdeutschen verstanden sich als Erben und Fortführer der Aufklärung und als literarische Wegbereiter der bürgerlich-liberalen Märzrevolution von 1848/49.

Beeinflusst waren sie von Hegels Entwicklungslehre und dem utopischen Sozialismus Saint-Simons. Die meisten hofften nationalpolitisch auf die Einheit Deutschlands in Form einer Republik und damit auf die Überwindung des Feudalismus. Anders als Georg Büchner und die spätere Vormärz-Generation um Georg Herwegh, Ferdinand Freiligrath, Heinrich Heine und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben strebten sie nicht primär einen politischen Umsturz an. Ihr Ziel war eine neue liberale Gesellschaft, in der Autorität nicht mehr ohne Weiteres akzeptiert werden sollte; Politik war für sie nur ein Bereich neben Moral, Religion und Ästhetik.

Verbot und spätere Bezeichnung

Im Dezember 1835 verbot der Frankfurter Bundestag die Schriften der Gruppe in allen Staaten des Deutschen Bundes; namentlich wurde dabei auch „H. Heine“ genannt. Als Begründung wurde behauptet, die Jungdeutschen griffen in belletristischen, allen Lesergruppen zugänglichen Schriften die christliche Religion an, würdigten die bestehenden sozialen Verhältnisse herab und zerstörten „alle Zucht und Sittlichkeit“.

Vermutlich gab eine vernichtende Rezension Wolfgang Menzels zu Karl Gutzkows Roman Wally, die Zweiflerin den Anlass. Menzel meinte darin gesellschaftsgefährdende Pornographie und Blasphemie zu erkennen. Heine, der sich dem Jungen Deutschland nie zugehörig fühlte, griff Menzel daraufhin in Über den Denunzianten Menzel heftig an. Ebenfalls verdächtigt wurden Verbindungen zum 1835 gegründeten politisch-revolutionären Geheimbund Junges Deutschland. Sie konnten nie belegt werden, obwohl beide Gruppierungen teilweise ähnliche Ziele hatten.

1878 prägten Heinrich und Julius Hart in Anlehnung an das Junge Deutschland den Ausdruck „Jüngstes Deutschland“. Die ältere Bewegung wurde von manchen als Vorreiter des späteren Naturalismus betrachtet; „Jüngstes Deutschland“ wurde teilweise auch für anti-naturalistische Strömungen verwendet.

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