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Liste von Tsunamis
Diese Liste von Tsunamis führt Ereignisse auf, bei denen durch zeitgenössische Berichte und geologische Untersuchungen Tsunamis als Folge von …
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Gegenstand und Ursachen
Die Liste erfasst Tsunamis, die durch zeitgenössische Berichte oder geologische Untersuchungen nachgewiesen sind. Als Auslöser nennt sie Vulkanausbrüche, Erdbeben und untermeerische Erdrutsche; auch in Binnenseen wurden Tsunamis beobachtet. Die Ereignisse reichen von prähistorischen Megawellen bis zu modernen Katastrophen. Angaben zu Wellenhöhe, Magnitude und Opferzahl sind teilweise Schätzungen; bei alten Ereignissen oder kombinierten Erdbeben- und Tsunamikatastrophen lässt sich häufig nicht trennen, wie viele Menschen jeweils durch die Welle starben.
Prähistorische Megatsunamis
In prähistorischer Zeit entstanden mehrere hundert Meter hohe Tsunamis besonders durch sehr große Hang- und Bergrutsche nach Vulkanismus oder Erdbeben. Meteoriteneinschläge im Ozean konnten ebenfalls riesige Wellen erzeugen. Rekonstruiert werden solche Ereignisse durch Tsunamite, also charakteristische Ablagerungen, sowie durch datierte Fels- und Sedimentproben.
Zu den größten genannten Beispielen gehören der Chicxulub-Impakt vor etwa 66 Millionen Jahren: Ein vermutlich zehn Kilometer großer Himmelskörper östlich von Yucatán soll im Gebiet des heutigen Texas Megatsunamis von um die 1.000 Metern erzeugt haben; noch in rund 3.000 Kilometern Entfernung, im heutigen North Dakota, wurden Wellen bis 100 Meter nachgewiesen. Der ungefähr gleich alte Nadir-Impakt vor Westafrika könnte Wellen bis 800 Meter ausgelöst haben. Für den Mjølnir-Impakt in der heutigen Barentssee vor etwa 145 Millionen Jahren werden ebenfalls mehrere hundert Meter hohe Tsunamis genannt.
Auch Massenbewegungen lösten sehr große Wellen aus: Auf Molokaʻi verursachte vor etwa 1,4 Millionen Jahren der Einsturz eines Teils des Mauna Kamakou Tsunamis bis 600 Meter. Auf Lānaʻi liegen Tsunamiablagerungen über 300 Meter hoch, die mit einer unterseeischen Trümmerlawine vor etwa 105.000 Jahren verbunden werden. Der Einsturz der Ostflanke des Pico do Fogo auf den Kapverden vor etwa 73.000 Jahren soll einen Megatsunami bis 170 Meter verursacht haben; auf Santiago sind Anbrandungshöhen bis 270 Meter belegt. Kleinere, aber gut rekonstruierte Beispiele sind der Ätna-Tsunami vor etwa 8.300 Jahren mit bis 34 Metern in Süditalien und rund 18 Metern auf Malta sowie die Storegga-Rutschung vor etwa 8.200 Jahren. Bei Storegga bewegten sich auf 95.000 km² etwa ±2.800 km³ Material; Tsunamiablagerungen liegen auf den Shetland-Inseln bis 20 Meter, in Norwegen bis 11 Meter und in Schottland bis 6 Meter über dem Meeresspiegel. Die Folgen für Doggerland und eine Zahl von 700 bis 3.000 Toten sind eine Einschätzung von Weninger et al. aus dem Jahr 2008. Auch für den Comer See weisen Sedimentanomalien auf zwei Tsunamis hin.
Antike und Mittelalter
Bereits die Antike enthält sowohl geologisch nachweisbare als auch schriftlich überlieferte Ereignisse. Um 1.800 v. Chr. soll ein Erdbeben der Stärke 9,5 südlich von Caldera in Chile einen bis 20 Meter hohen Tsunami ausgelöst haben; die Küste der Atacama-Wüste wurde vermutlich auf rund 1.000 Kilometern verwüstet. Die minoische Eruption auf Santorin um 1.550 v. Chr. wird teils mit Wellen bis 60 Metern im östlichen Mittelmeer verbunden; Ablagerungen auf Anafi liegen sogar 250 Meter über dem Meeresspiegel. Die frühere Annahme, die Welle habe die minoische Kultur ausgelöscht, gilt nicht als zutreffend, weil diese mindestens ein halbes Jahrhundert fortbestand.
Herodot überlieferte für 479 v. Chr. den ältesten genau datierbaren Tsunami: Nach einem Erdbeben der geschätzten Stärke 7,0 in der nördlichen Ägäis überraschte eine große Welle persische Belagerer von Potidaia. Thukydides beschrieb 426 v. Chr. beim Erdbeben im Golf von Euböa erstmals ausdrücklich den Zusammenhang von Erdbeben und nachfolgenden Flutwellen. Das Erdbeben vor Kreta am 21. Juli 365 erzeugte vermutlich einen bis 30 Meter hohen Tsunami im östlichen Mittelmeer; Ammianus Marcellinus schilderte die typische Reihenfolge Erdbeben, Meeresrückzug und Riesenwelle. Zehntausende Menschen starben, und in Alexandria wurden Schiffe bis zwei Kilometer landeinwärts versetzt.
Im Mittelalter zeigen besonders japanische Ereignisse die wiederkehrende Gefährdung der Pazifikküste. Nach dem Hakuhō- beziehungsweise Tenmu-Erdbeben von 684 begann in Japan die gezielte Aufzeichnung solcher Naturkatastrophen. Das Jōgan-Sanriku-Erdbeben von 869, geschätzt Stärke 8,0 bis 8,6, verursachte bis elf Meter hohe Wellen, zerstörte Hunderte Dörfer und tötete etwa 1.000 Menschen. Weitere schwere Ereignisse waren das Erdbeben im Japanischen Meer 1026 mit rund 1.000 Toten, das Meiō-Erdbeben von 1498 mit über 25 Meter hohen Wellen und mindestens 5.000, möglicherweise bis 26.000 Toten sowie ein Bergrutsch am Stromboli 1343, dessen Welle Neapel verwüstete. Die Opferzahlen des Tsunamis in der Sagami-Bucht 1293 sind umstritten: Schätzungen reichen von einigen Tausend bis über 23.000 Toten.
Frühe Neuzeit bis 19. Jahrhundert
Neben Küstenmeeren verzeichnet die Liste Flutwellen in Seen und Flüssen. Ein Erdrutsch am Genfersee löste 563 einen Tsunami bis 16 Meter aus; bei Lausanne soll er etwa 13 Meter hoch gewesen sein. 1584 verursachte ein Felssturz nach einem Erdbeben im Kanton Waadt eine bis 13 Meter hohe Welle, die Genf und Lausanne überschwemmte. Im Vierwaldstättersee führten erdbebenbedingte Erdrutsche 1601 zu einer Flutwelle bis vier Meter, die Luzern beschädigte.
Zu den schweren Katastrophen des 17. und 18. Jahrhunderts zählen das Keichō-Sanriku-Erdbeben 1611 mit bis 20 Meter hohen Wellen und geschätzt etwa 5.000 Toten sowie das Kaskadien-Erdbeben vom 26. Januar 1700. Dessen geschätzte Magnitude von 8,7 bis 9,2 erzeugte an Washington, Oregon und British Columbia Anbrandungshöhen von etwa 20 Metern und in Japan noch etwa fünf Meter hohe Wellen; dort hieß es „verwaister Tsunami“, weil kein lokales Erdbeben verzeichnet worden war. Beim Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755 trafen etwa 40 Minuten nach den Erdstößen mehrere sechs bis 20 Meter hohe Wellen ein. Mindestens 30.000 Menschen starben, nach anderen Schätzungen möglicherweise etwa 60.000. Der Yaeyama-Tsunami von 1771 forderte 13.486 Tote; die Anbrandungshöhe wird widersprüchlich mit bis 85 oder 30 Metern angegeben. 1792 starben beim Einsturz des Mayuyama nach dem Ausbruch des Fugen-dake etwa 15.000 Menschen; dies gilt als folgenschwerste geologische Eruption Japans.
Im 19. Jahrhundert waren besonders der Krakatau-Ausbruch von 1883 und der Meiji-Sanriku-Tsunami von 1896 bedeutend. Beim Krakatau erreichten Wellen an Südsumatra bis 42 Meter, zerstörten rund 165 Dörfer und töteten offiziell 36.417 Menschen. Der Meiji-Sanriku-Tsunami, eine 23 Meter hohe Wasserwand, forderte 26.000 Tote.
Katastrophen des 20. Jahrhunderts
Das 20. Jahrhundert umfasst Erdbeben-, Rutschungs-, Vulkan- und auch explosionsbedingte Tsunamis. Beim Messina-Erdbeben 1908 traf etwa zehn Minuten nach dem Beben ein rund 13 Meter hoher, vermutlich durch einen unterseeischen Erdrutsch ausgelöster Tsunami ein. Mindestens 75.000 Menschen starben insgesamt; die Ursachen der einzelnen Todesfälle sind nicht trennbar. Die Halifax-Explosion von 1917 erzeugte kurzzeitig eine 18 Meter hohe Welle und mindestens 16 Tote.
Lokale Bergstürze konnten in engen Seen und Fjorden besonders hohe Wellen bilden: 1934 erreichte eine Welle im Tafjorden am Einschlagsort über 60 Meter und tötete 40 Menschen. Im Lovatnet-See entstanden 1905 und 1936 nach Bergstürzen Wellen von rund 40 beziehungsweise bis 70 Metern; 61 beziehungsweise 74 Menschen starben. In der Lituya Bay rissen 1958 etwa 90 Millionen Tonnen Gestein und Eis eine Welle aus, die am Gegenhang über 520 Meter hochlief; wegen der kaum besiedelten Lage starben fünf Menschen.
Große pazifikweite Ereignisse machten die Fernwirkung deutlich. Das Valdivia-Erdbeben von 1960, mit Stärke 9,5 das stärkste Erdbeben des 20. Jahrhunderts, erzeugte einen Tsunami bis 25 Meter. Nach 15 Stunden erreichte er Hawaii mit 10,6 Metern und 61 Toten, Japan mit 5,5 Metern und mindestens 185 Toten; der Tsunami verursachte im Pazifik mindestens 1.655 Tote, während die gesamte Katastrophe je nach Schätzung bis etwa 6.000 Tote forderte. Nach dem Aleuten-Erdbeben 1946 erreichten die Wellen Hawaii nach etwa fünf Stunden und töteten dort 159 Menschen. Weitere besonders verlustreiche Ereignisse waren der Moro-Golf 1976 mit mindestens 3.564 Tsunami-Toten und etwa 1.500 Vermissten, Flores 1992 mit mindestens 1.690 Toten sowie Papua-Neuguinea 1998 mit mindestens 2.200 Toten. Bei Papua-Neuguinea erreichten vermutlich durch unterseeische Erdrutsche verursachte Wellen bis 15 Meter Höhe die Küste rund zehn Minuten nach dem Beben.
Ereignisse seit 2000
Die schwerste aufgeführte moderne Tsunamikatastrophe ist das Erdbeben im Indischen Ozean vom 26. Dezember 2004. Das Beben vor Sumatra hatte eine Magnitude um 9,3 und war das drittstärkste je gemessene Beben. Mindestens 231.000 Menschen in acht asiatischen Ländern starben; die Wellenenergie reichte bis Ost- und Südostafrika.
Beim Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 trafen nach einem Beben der Stärke 9,0 Wellen bis 23 Meter auf Ostjapan. Im Januar 2012 ging die japanische Polizei von 15.844 Toten und 3.450 Vermissten aus, in der Tabelle insgesamt von etwa 19.300. Der Tsunami löste die Nuklearkatastrophe von Fukushima aus. Weitere Ereignisse waren Java 2006 mit mindestens 700 Toten, Samoa 2009 mit 189 Toten und Mentawai 2010 mit mindestens 435 Toten.
Der Java-und-Sumatra-Tsunami vom 22. Dezember 2018 zeigt einen vulkanisch ausgelösten Ablauf: Ein Ausbruch des Anak Krakatau, ein Beben der Magnitude 3,4 und ein Teilkollaps des Kraters ließen Gestein ins Meer rutschen. Nach 24 Minuten traf die Welle auf Land; die erste Welle war zwei bis drei Meter, die zweite vier Meter hoch. Das Warnsystem reagierte nicht, weil es auf stärkere Erdbeben ausgerichtet war. 429 Menschen starben. Der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Haʻapai 2022 verursachte in Tonga 1,2 Meter hohe Wellen und Überschwemmungen bis Peru, wo zwei Menschen starben. Beim Kamtschatka-Erdbeben vom 29. Juli 2025 mit Stärke 8,8 führten rasche Evakuierungen trotz bis sechs Meter hoher Tsunamis zu wenigen Personenschäden; mindestens eine Frau starb in Japan bei einem Verkehrsunfall im Zusammenhang mit der Evakuierung. Der Tracy-Arm-Erdrutsch vom 10. August 2025 erzeugte am Gegenhang einen Wellenschlag über 480 Meter, doch das unmittelbar betroffene Gebiet war menschenleer.