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Teneriffa
Teneriffa ; Gewässer, Atlantik ; Inselgruppe, Kanarische Inseln ; Fläche, 2 034,38 km² ; Einwohner, 955.063 (2024) 469 Einw./km² ; Hauptort, Santa Cruz de Tenerife.
Inhalt6 Abschnitte
Lage, Bevölkerung und Verwaltung
Teneriffa ist die größte der Kanarischen Inseln, gehört politisch zu Spanien und geologisch zu Afrika. Sie liegt im Atlantik, 288 Kilometer vor der Küste Marokkos und der Westsahara sowie 1274 Kilometer von der Südküste des spanischen Festlands entfernt. Die Vulkaninsel ist 83,3 Kilometer lang, bis zu 53,9 Kilometer breit und 2034,38 Quadratkilometer groß. Mit 955.063 Einwohnern im Jahr 2024 und 469 Einwohnern je Quadratkilometer ist sie die bevölkerungsreichste Insel Spaniens. Hauptstadt ist Santa Cruz de Tenerife; die Einheimischen heißen Tinerfeños.
Teneriffa nutzt die Westeuropäische Zeit WET (UTC±0), im Sommer WEST (UTC+1), und liegt damit eine Stunde hinter dem spanischen Festland. Seit dem Cabildo-Gesetz von 1913 verwaltet das Cabildo Insular Angelegenheiten zwischen der Ebene der Provinz und den 31 Municipios, den Gemeinden. Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas de Gran Canaria wechseln sich alle vier Jahre als Regierungssitz der autonomen Kanarischen Inseln ab.
Korruption ist besonders in der kommunalen Politik ein Problem. Laut einer Studie waren auf den Kanaren rund 69 % der Gemeinden in Korruptionsfälle verwickelt, häufig bei Stadtplanung, Bauprojekten und Flächenumwidmungen. Weitere Fälle betreffen öffentliche Gelder, Vetternwirtschaft und unerlaubte Absprachen bei Ausschreibungen. Privatpersonen begegnen eher den indirekten Folgen wie problematischer Baupolitik und mangelhafter Kontrolle; offene Bestechungsforderungen gelten als Ausnahme.
Vulkaninsel, Klima und Natur
Teneriffa entstand vor etwa zwölf Millionen Jahren durch einen Hotspot im Erdmantel. Während die Afrikanische Platte darüber nach Nordosten driftet, erzeugt die vulkanische Aktivität eine Inselkette. Die ältesten Gebiete sind das Anaga-Gebirge im Nordosten, das Teno-Gebirge im Nordwesten und Teile der Bandas del Sur im Süden. Im jüngeren Zentralmassiv liegt die 12 mal 17 Kilometer große Caldera Las Cañadas, ein großer vulkanischer Einbruchskessel. Aus ihr ragt der 3715 Meter hohe Pico del Teide auf, der höchste Berg Spaniens. Die Gebirgszonen bilden von oben ungefähr ein „Y“.
Die Insel ist weiterhin vulkanisch aktiv. Gesicherte Ausbrüche ereigneten sich 1492, 1704/05/06, 1798 und 1909; frühe Angaben von 1341, 1393/94 und 1430 gelten als nicht zuverlässig. Christoph Kolumbus beobachtete 1492 den Ausbruch am Boca Cangrejo. Der Ausbruch vom 18. bis 27. November 1909 bildete den 60 Meter hohen Schlackenkegel Chinyero.
Nordost-Passatwinde sorgen ganzjährig für milde Temperaturen. Feuchte Meeresluft steigt am Teidemassiv auf und bildet in etwa 1000 bis 1500 Metern Höhe Wolken. An Lorbeer- und Kiefernwäldern entsteht durch Nebelkondensation feiner Nieselregen, der besonders der Landwirtschaft im trockenen Sommer auf der Nordseite hilft. In Santa Cruz liegen die mittleren Tageshöchstwerte je nach Monat zwischen 20 und 29 °C, die Tiefstwerte zwischen 14 und 21 °C; das Jahresmittel beträgt 24,4 beziehungsweise 17,3 °C. Es gibt Hochtemperaturphasen über 35 °C.
Viele Pflanzen sind endemisch, kommen also nur auf den Kanaren oder Teneriffa vor. Typisch sind Kanarische Kiefer, sukkulente Wolfsmilchgewächse, Teneriffa-Natternkopf und Kanarischer Drachenbaum. Fast alle Pflanzenarten stehen unter strengem Artenschutz; Pflanzen, Pflanzenteile und Samen dürfen nicht ausgeführt werden. Unter den Tieren fallen der Teydefink, der Kanarengirlitz, Westkanareneidechsen und endemische Schmetterlinge auf. Größere Raubtiere und giftige Schlangen gab es nie. In der bis zu 2000 Meter tiefen Meerenge zu La Gomera leben ungewöhnlich viele Pilotwale.
Mehrere Gebiete stehen unter Schutz. Die gesamte Insel ist seit 1988 nach der Ley del Cielo 31/1988 ein Lichtschutzgebiet, besonders zum Schutz des Observatorio del Teide. Vor der Südwestküste bewahrt das Teno-Rasca-Meeresschutzgebiet marine Lebensräume. Teydefink und Drachenbaum sind die natürlichen Symbole Teneriffas.
Von den Guanchen zur spanischen Herrschaft
Die ältesten menschlichen Spuren stammen aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. Die dauerhafte Besiedlung erfolgte wahrscheinlich zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. in einer oder mehreren Wellen aus Gebieten nördlich und südlich der Straße von Gibraltar. Nach dem Ende der Beziehungen zu Europa spätestens während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts entwickelten die Guanchen, die Urbevölkerung Teneriffas, rund tausend Jahre lang eine eigenständige Kultur.
Eine portugiesische Expedition von 1341 lieferte die erste glaubwürdige spätmittelalterliche Nachricht über die Kanaren, betrat Teneriffa aber nicht. Eine Karte von 1351 zeigte die Insel bereits nahezu richtig und nannte sie „Insula de Infierno“. Im 15. Jahrhundert beanspruchten verschiedene europäische Herrschaftsträger die Kanaren. Diego García de Herrera nahm Teneriffa am 21. Juni 1464 symbolisch in Besitz, doch erlangte er keine tatsächliche Hoheitsgewalt. Eine Befestigung bei Añazo wurde nach Konflikten von Guanchen zerstört.
Das Zentrum der christlichen Mission lag im Menceyato Güímar. Herkunft und Fundzeit der später als Jungfrau von Candelaria verehrten Statue sind umstritten; genannt werden mallorquinisch-katalanische Missionare, Minoriten aus Fuerteventura oder der Franziskaner Alfonso de Bolaños. Bolaños errichtete 1462 einen Missionsstützpunkt. Seine Behauptung, mehrere tausend Guanchen bekehrt zu haben, gilt als deutlich übertrieben; nach seinem Tod 1480 endete diese vom Militär unabhängige Mission.
Die militärische Eroberung begann 1494 unter Alonso Fernández de Lugo. Von 1500 Infanteristen und 150 Reitern überlebten nach der Ersten Schlacht von Acentejo nur 300 Fußsoldaten und 60 Reiter. Bei der zweiten Landung 1495 standen 1500 Mann und 100 Pferde bereit. In der Schlacht von Aguere am 14. November 1495 setzten sich Feuerwaffen, Armbrüste und Kavallerie gegen die vor allem mit Holzlanzen und Steinen kämpfenden Guanchen durch; 45 Angreifer und 1700 Guanchen starben. Nach der Zweiten Schlacht von Acentejo am 25. Dezember 1495 kapitulierten die nördlichen Menceyes im Mai 1496; als offizielles Datum gilt der 25. Juli.
Land- und Wasserrechte gingen anschließend an Geldgeber, Eroberer und angeworbene Siedler. Im Norden entstanden große, auf Zuckerrohr und Export ausgerichtete Betriebe, während viele Ureinwohner im weniger fruchtbaren Süden lebten. Die indigene Bevölkerung war durch Versklavung, Krieg, Krankheiten und schlechte Lebensbedingungen auf etwa 5 % ihres Anfangsbestands gesunken, stellte aber ungefähr 40 % der neuen Gesellschaft. Hinzu kamen Menschen aus verschiedenen Regionen der Iberischen Halbinsel, portugiesische Handwerker, versklavte Afrikaner sowie italienische und flämische Händler. Christlicher Glaube und kastilische Sprache bildeten gemeinsame Grundlagen.
Englische Angriffe auf Santa Cruz scheiterten 1657, 1706 und 1797; beim letzten verlor Admiral Horatio Nelson seinen rechten Arm. 1822 wurde Santa Cruz Hauptstadt des gesamten Archipels, bis dieser Status 1927 geändert wurde. General Franco begann 1936 von Teneriffa aus seinen Putsch; der Bürgerkrieg erreichte die Insel nicht, doch die wirtschaftliche Isolation der Diktatur schadete ihr. Nach Franco erhielten die Kanaren 1978 Präautonomie und 1982 weitgehende Selbstverwaltung. Bei der Kollision zweier Jumbo-Jets am Flughafen Los Rodeos starben am 27. März 1977 insgesamt 583 Menschen – bis heute der schwerste Flugunfall der Luftfahrtgeschichte. Im August 2023 trafen großflächige Waldbrände den Norden der Insel.
Wirtschaft, Energie und Wohnraum
Der Tourismus prägt Wirtschaft und Infrastruktur seit Jahrzehnten. Zentren sind Puerto de la Cruz an der Nordküste sowie Los Cristianos und Playa de las Américas im Süden. Bedeutende Sehenswürdigkeiten sind die UNESCO-Welterbestätten Altstadt von La Laguna und Nationalpark Teide, außerdem La Orotava, das Anaga-Gebirge, die Schlucht von Masca, die Felsen von Los Gigantes, der Drachenbaum von Icod de los Vinos, die Basilika von Candelaria, das Auditorio in Santa Cruz und Walbeobachtungsgebiete im Süden.
In der Landwirtschaft wachsen Bananen, Tomaten, Kartoffeln und Wein. Kanarische Bananen werden vor allem im fruchtbaren Norden bis etwa 300 Meter Höhe angebaut. Tomatenfelder liegen besonders in Küstennähe im Süden und bei Valle de Guerra. Beim Trockenfeldbau bedeckt Bimsstein die Felder: Das poröse Vulkangestein speichert Wasser, fördert die Kondensation und hält den Boden bis 30 Zentimeter Tiefe feucht. Landwirtschaftlich genutzt werden 20 % der Inselfläche; rund 20.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich.
Strom entsteht in öl- und erdgasbetriebenen Anlagen sowie aus Windkraft und Photovoltaik, vor allem im Südosten bei Granadilla. Der Anteil erneuerbarer Energieträger stieg von 19,9 % im Jahr 2022 auf 21,2 % im Jahr 2024.
Wohnraum ist ein ernstes Problem: steigende Mieten und zu wenige bezahlbare Wohnungen führen bis zu Obdachlosigkeit und dem Leben in Vans, Zelten oder provisorischen Unterkünften. Kurzzeitvermietungen über Airbnb sind nicht die einzige Ursache, verschärfen aber die Lage, weil Wohnungen dem langfristigen Mietmarkt entzogen werden.
Verkehr und gesellschaftliches Leben
Die TF-5 verbindet Santa Cruz mit Puerto de la Cruz und führt anschließend als Landstraße bis Icod de los Vinos. Die TF-1 verläuft über Los Cristianos, Costa Adeje und Playa de las Américas nach Santiago del Teide; das letzte 18 Kilometer lange Teilstück wurde 2015 fertiggestellt. Zusammen mit dem Flughafen Teneriffa Süd förderte sie die Entwicklung des Südens erheblich.
Die grünen TITSA-Linienbusse, örtlich Guaguas genannt, bedienen fast alle Orte und beide Flughäfen mindestens stündlich. Seit dem 2. Juni 2007 verbindet eine etwa zwölf Kilometer lange Straßenbahn Santa Cruz mit Vororten, Universität und Innenstadt von La Laguna; seit dem 30. Mai 2009 besteht eine zweite Linie zwischen La Cuesta und Tincer. Für Fernverbindungen dienen der Flughafen Teneriffa Nord und der 1978 eröffnete Flughafen Teneriffa Süd. Fähren verkehren zu sechs anderen Kanareninseln sowie nach Huelva und Cádiz.
Wichtige Feste sind das Fest der Jungfrau von Candelaria am 2. Februar, der Karneval von Santa Cruz zwischen Februar und März, die Karfreitagsprozessionen, die Johannisfeuer in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni, Mariä Aufnahme in den Himmel am 15. August, das Christusfest von La Laguna am 14. September und die Tablas de San Andrés am 29. und 30. November.
Umweltprobleme
Zu den größten Umweltproblemen gehört unzureichend gereinigtes oder ungeklärtes Abwasser. Hunderte Einleitungsstellen führen Abwasser in den Atlantik; viele sind illegal oder nicht genehmigt. Verschmutztes Wasser, Geruch und Gesundheitsrisiken führten beispielsweise zu einer langen Sperrung der Playa Jardín. Neue und erweiterte Kläranlagen sollen die Lage verbessern.
Meeresströmungen tragen große Mengen Plastik zu den Kanaren. An Stränden wie der Playa Grande sammeln sich Flaschen, Tüten und Mikroplastik. Auch die Abfallbehandlung bleibt problematisch: Täglich gelangen etwa 1.600 Tonnen Abfall zur Sortier-, Recycling- und Deponieanlage Arico. Nur ungefähr 3 % der organischen Abfälle werden kompostiert, deutlich weniger als das EU-Ziel von mindestens 55 % bis 2025; ein großer Teil des Mülls wird weiterhin deponiert.
Die 2022 vorgestellte erste CO₂-Bilanz beziffert den Ausstoß der Kanaren auf 10 Millionen Tonnen. Teneriffa und Gran Canaria verursachen zusammen 78 % davon und beherbergen 88 % der Industrie. Der ankommende Luftverkehr ist dabei nicht enthalten; die Universität La Laguna schätzt allein dessen Ausstoß auf mehr als 6 Millionen Tonnen CO₂.
Die Kanaren haben unter Spaniens autonomen Gemeinschaften den höchsten Pflanzenschutzmittelverbrauch je Hektar Anbaufläche. Beim Tomatenanbau wurden auf Teneriffa große Mengen Organochlorpestizide verwendet. Böden bei La Laguna enthalten noch heute hohe Konzentrationen von DDT und Dieldrin. Aufgrund ihrer langen Beständigkeit können frühere Pestizide auch ökologisch bewirtschaftete Flächen belasten und aus dem Boden in Lebensmittel, Grundwasser oder Luft gelangen.