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Barentssee
Der Nordatlantikstrom, ein Ausläufer des Golfstroms, sorgt dafür, dass viele Häfen an der Barentssee ganzjährig eisfrei sind, obwohl sie weit im Norden liegen.
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Lage und Bedeutung
Die Barentssee ist ein Randmeer des Arktischen Ozeans nördlich von Norwegen und dem europäischen Teil Russlands. Sie liegt zwischen Spitzbergen im Nordwesten, Franz-Josef-Land im Norden, Nowaja Semlja im Osten sowie Nordwestrussland und Skandinavien im Süden. Wichtige Inseln sind Kolgujew, die Bäreninsel und Hopen; die größte Stadt an ihrer Küste ist Murmansk.
Ihre Fläche beträgt 1.405.000 km², ihr Volumen 322.000 km³ und ihre maximale Tiefe 600 m. Als mittlere Tiefe werden 229 m beziehungsweise im Artikel gerundet 230 m angegeben. Damit gehört sie zu den tieferen Schelfmeeren, also zu den Meeren über dem flachen Randbereich eines Kontinents.
Zum Europäischen Nordmeer wird die Barentssee durch eine Linie von Spitzbergen über die Bäreninsel bis zum Nordkap begrenzt. Die Grenze zum Weißen Meer verläuft zwischen Swjatoi Nos an der Murmanküste und Kap Kanin. Im Osten trennt Nowaja Semlja die Barentssee von der Karasee.
Die Grenze der Hoheitsgebiete zwischen der Sowjetunion beziehungsweise Russland und Norwegen war während und nach dem Kalten Krieg umstritten. Russland verlangte zuletzt eine Grenzziehung bei ungefähr 32° Ost. Im April 2010 vereinbarten Russland und Norwegen einen Kompromiss: Das umstrittene Gebiet wurde durch eine Mittellinie in etwa gleich große Teile geteilt.
Wasser, Eis und Nahrungsnetz
Der Nordatlantikstrom, ein Ausläufer des Golfstroms, führt vergleichsweise warmes Wasser in die Barentssee. Deshalb bleiben viele Häfen trotz der weit nördlichen Lage das ganze Jahr über eisfrei. Im September ist die Barentssee vollständig eisfrei.
Es gibt drei Wassermassen: warmes, salzreiches Oberflächenwasser aus dem Nordatlantikstrom mit mehr als 3 °C und einem Salzgehalt von mehr als 35 ‰; kaltes polares Wasser mit weniger als 0 °C und einem Salzgehalt unter 35 ‰; sowie warmes, salzarmes Küstenwasser mit mehr als 3 °C und weniger als 34,7 ‰ Salzgehalt.
Die Grenze zwischen dem Atlantikwasser und dem polaren Wasser heißt polare Front. Im Westen wird ihr Verlauf bei der Bäreninsel durch die Form des Meeresbodens bestimmt und ist deshalb relativ konstant und scharf ausgeprägt. Im Osten nahe Nowaja Semlja ist die Front dagegen diffus und schwankt stark.
Wegen der vergleichsweise hohen Wassertemperatur produziert die Barentssee deutlich mehr Biomasse als andere Meere derselben geografischen Breite. Im Frühjahr beginnt eine Algenblüte mit der Bildung von Phytoplankton, also kleinsten pflanzlichen Organismen im Wasser. Davon ernährt sich Zooplankton, das wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische, Seevögel und Meeressäuger bildet.
Rohstoffe und Fischerei
Die Barentssee ist wirtschaftlich vor allem wegen ihrer Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie der Fischerei bedeutend. Der flache Ostteil wird nach dem dort mündenden Fluss Petschora Petschorasee genannt und enthält reiche Erdölvorkommen. Auch im Südwesten gibt es große Öl- und Erdgaslager; im zentralen Bereich werden weitere Vorkommen vermutet. Seit den 1970er Jahren wird in der Barentssee Erdöl gefördert.
Die Firma Statoil errichtete dort mit dem Projekt Snøhvit, auf Deutsch „Schneewittchen“, Europas erste Erd- beziehungsweise Flüssiggas-Förderanlage. Bei Hammerfest in Nordnorwegen entstand außerdem eine Anlage zur Verflüssigung von Erdgas.
Die Fischereiwirtschaft ist besonders für Norwegen und Russland wichtig. Vor allem Kabeljau wird in der Barentssee gefangen. Murmansk und das ehemals finnische Petschenga dienen außerdem als Stützpunkte der russischen Nordflotte.
Umweltbelastungen und Überwachung
Die Barentssee ist erheblichen ökologischen und militärischen Belastungen ausgesetzt. An ihren Küsten liegen zahlreiche, häufig militärische Schiffsfriedhöfe; insgesamt befindet sich dort vermutlich der weltweit größte Schrottplatz für Atom-U-Boote. Mehrere schwere Unglücke ereigneten sich in dem Seegebiet: Im August 2000 sank das russische Atom-U-Boot Kursk, 2003 sank die K-159 auf dem Weg zur Verschrottung. Während des Kalten Krieges verklappte die sowjetische Nordflotte an drei Orten flüssigen und festen radioaktiven Abfall.
Eine weitere ökologische Belastung geht von Königskrabben aus, die die Sowjetunion in den 1960er Jahren nahe Murmansk aussetzte. Diese bioinvasive Tierart – eine eingeführte Art, die sich stark ausbreitet und heimische Ökosysteme beeinträchtigen kann – war Stand 2022 zu einer Plage geworden und hatte sich bis an die norwegische Küste verbreitet.
In den 2010er und 2020er Jahren verlegten russische Schiffe in der Barentssee Spezialsonare und Seekabel. Die Anlagen befinden sich vor der russischen Küste sowie vor Alexandraland und Nowaja Semlja und dienen dazu, U-Boote und Schiffe anderer Staaten zu orten.