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Liste der deutschen Nobelpreisträger
Nobelpreis für Physik · Bearbeiten. Name, Jahr, Lebensdaten, Gewürdigte Leistungen ... 1891–1957, Entwicklung der Koinzidenzmethode · Walther Bothe · Rudolf …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Zuordnung
Der Artikel ist eine Liste deutscher Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger. Er ordnet Personen nach den Nobelpreis-Kategorien und nennt jeweils Jahr, Lebensdaten und die vom Nobelpreiskomitee oder in der Liste angegebene gewürdigte Leistung. Wichtig ist dabei, dass die Zuordnung zu Deutschland nicht immer eindeutig ist, weil viele Lebensläufe durch Auswanderung, Staatswechsel oder mehrere kulturelle Zugehörigkeiten geprägt sind.
Personen, deren Nobelpreis vom Nobelpreiskomitee normalerweise für ein anderes Land geführt wird, die aber eindeutig auch deutsche Biographien haben und daher häufig ebenfalls als Deutsche gelistet werden, sind mit (*) gekennzeichnet. Als Beispiele nennt der Artikel Hermann Hesse, der vom Nobelpreiskomitee nur als Schweizer geführt wird, aber meist als Deutscher und Schweizer erscheint, sowie Albert Schweitzer, der als Franzose geführt wird, sich selbst jedoch als Deutscher bezeichnete und eine deutsche Biographie hatte.
Frieden und Literatur
Beim Friedensnobelpreis werden sechs deutsche oder mit Deutschland verbundene Preisträger genannt. Gustav Stresemann erhielt ihn 1926 für die Annäherung an Frankreich zur Sicherung des Friedens in Europa. Ludwig Quidde wurde 1927 für die Organisation von Friedenskonferenzen ausgezeichnet. Carl von Ossietzky erhielt den Preis 1935 für seinen Einsatz gegen den deutschen Militarismus als Chefredakteur der Weltbühne. Albert Schweitzer* wurde 1952 für seinen Einsatz gegen die atomare Aufrüstung geehrt. Willy Brandt erhielt 1971 den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik. Henry Kissinger* wurde 1973 für die Verhandlung einer Waffenruhe im Vietnamkrieg ausgezeichnet.
Beim Nobelpreis für Literatur reicht die Liste von Theodor Mommsen 1902 bis Herta Müller 2009. Genannt werden Theodor Mommsen für die Römische Geschichte, Rudolf Eucken 1908 für sein philosophisches Werk, Paul Heyse 1910 für sein belletristisches Werk, Gerhart Hauptmann 1912 für sein Wirken in der dramatischen Dichtung und Thomas Mann 1929 für Buddenbrooks. Hermann Hesse* erhielt den Preis 1946 für ein Werk, das Ideale des klassischen Humanismus und hohe Kunst des Stils offenbart. Nelly Sachs* wurde 1966 für lyrische und dramatische Werke über das Schicksal Israels ausgezeichnet. Heinrich Böll erhielt 1972 den Preis für sein Gesamtwerk, Günter Grass 1999 für sein Lebenswerk und Herta Müller 2009 für ihr Gesamtwerk.
Chemie
Der Nobelpreis für Chemie ist in der Liste besonders stark vertreten. Frühe Auszeichnungen gingen an Emil Fischer 1902 für Forschungen über Zucker- und Puringruppen, Adolf von Baeyer 1905 für Arbeiten über organische Farbstoffe und hydroaromatische Verbindungen, Eduard Buchner 1907 für die Entdeckung der zellfreien Gärung und Wilhelm Ostwald 1909 für Arbeiten über die Katalyse. Weitere wichtige Themen waren ringförmige Kohlenwasserstoffe bei Otto Wallach 1910, Chlorophyll bei Richard Willstätter 1915, die Herstellung von Ammoniak bei Fritz Haber 1918 und Thermochemie bei Walther Hermann Nernst 1920.
In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden unter anderem Richard Adolf Zsigmondy* für kolloidale Lösungen, Heinrich Otto Wieland für Gallensäure, Adolf Windaus für Sterine und Vitamine, Hans von Euler-Chelpin für Zuckervergärung und Enzyme, Hans Fischer für Häminsynthese sowie Friedrich Bergius und Carl Bosch für chemische Hochdruckverfahren ausgezeichnet. Richard Kuhn* erhielt 1938 den Preis für Arbeiten über Carotinoide und Vitamine, Adolf F. J. Butenandt 1939 für Steroidhormone, Otto Hahn 1944 für die Entdeckung der Spaltung schwerer Atomkerne.
Nach 1950 werden unter anderem Otto P. H. Diels und Kurt Alder für die Diels-Alder-Reaktion, Hermann Staudinger für die Begründung der Polymerchemie, Karl Ziegler für Entdeckungen auf dem Gebiet der Polymere, Manfred Eigen für die Geschwindigkeitsmessung schneller chemischer Reaktionen und Ernst Otto Fischer für metallorganische Sandwichkomplexe genannt. Spätere Beispiele sind Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel 1988 für die dreidimensionale Struktur des Reaktionszentrums der Photosynthese bei einem Purpurbakterium, Gerhard Ertl 2007 für chemische Prozesse auf Festkörperoberflächen, Stefan Hell 2014 für superauflösende Fluoreszenzmikroskopie, Joachim Frank* 2017 für Kryo-Elektronenmikroskopie und Benjamin List 2021 für asymmetrische Organokatalyse.
Physik
Der Nobelpreis für Physik beginnt in der Liste mit Wilhelm Conrad Röntgen, der 1901 für die Entdeckung der Röntgenstrahlung ausgezeichnet wurde. Philipp Lenard* erhielt 1905 den Preis für Forschung im Bereich Festkörper und Atomphysik, Ferdinand Braun 1909 für Beiträge zur drahtlosen Telegrafie, Wilhelm Wien 1911 für Wärmestrahlung und Max von Laue 1914 für die Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen. Max Planck wurde 1918 für die Entdeckung der Energiequanten ausgezeichnet; Johannes Stark 1919 für den optischen Doppler-Effekt und den Stark-Effekt.
Albert Einstein erhielt 1921 den Nobelpreis „für Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts“. James Franck und Gustav Hertz wurden 1925 für die Bestätigung des Bohrschen Atommodells ausgezeichnet, Werner Heisenberg 1932 für die Begründung der Quantenmechanik. Weitere zentrale Leistungen betreffen die Quantenmechanik bei Max Born*, die Koinzidenzmethode bei Walther Bothe, den Mößbauer-Effekt bei Rudolf Mößbauer und das Schalenmodell der Atomkerne bei J. Hans D. Jensen und Maria Goeppert-Mayer*.
Für neuere Physik nennt die Liste unter anderem Klaus von Klitzing 1985 für den quantisierten Hall-Effekt, Gerd Binnig und Ernst Ruska 1986 für Rastertunnelmikroskop beziehungsweise Elektronenmikroskop, Johannes Georg Bednorz 1987 für keramische Hochtemperatursupraleiter, Jack Steinberger* 1988 für Neutrinos, Wolfgang Paul und Hans Georg Dehmelt* 1989 für die Ionenfalle, Horst L. Störmer 1998 für eine neue Art von Quantenflüssigkeit, Herbert Kroemer 2000 für Halbleiterheterostrukturen, Wolfgang Ketterle 2001 für das Bose-Einstein-Kondensat, Theodor W. Hänsch 2005 für den Frequenzkamm, Peter Grünberg 2007 für den Riesenmagnetwiderstand, Reinhard Genzel 2020 für ein supermassives kompaktes Objekt im Zentrum unserer Galaxie und Klaus Hasselmann 2021 für Beiträge zum Verständnis komplexer physikalischer Systeme.
Medizin und Wirtschaft
Beim Nobelpreis für Physiologie oder Medizin nennt die Liste viele Leistungen aus Immunologie, Infektionsforschung, Zellbiologie, Genetik und Neurowissenschaften. Emil von Behring erhielt 1901 den Preis für die Serumtherapie, Robert Koch 1905 für die Entdeckung der Erreger von Milzbrand, Tuberkulose und Cholera, Paul Ehrlich 1908 für die Begründung der Immunologie und Albrecht Kossel 1910 für Arbeiten zur Zellchemie. Otto F. Meyerhof wurde 1922 für Forschungen über den Stoffwechsel im Muskel ausgezeichnet, Otto Warburg 1931 für Forschungen zum Atmungsferment, Hans Spemann 1935 für den Organisator-Effekt und Otto Loewi* 1936 für Entdeckungen zur chemischen Übertragung von Nervenimpulsen.
Weitere Beispiele sind Gerhard Domagk 1939 für die antibakterielle Wirkung des Sulfonamids Prontosil, Ernst Boris Chain* 1945 für Penizillin, Hans Adolf Krebs* 1953 für den Citratzyklus, Werner Forßmann 1956 für Herzkatheterisierung, Feodor Lynen und Konrad Bloch* 1964 für Cholesterin- und Fettsäurestoffwechsel sowie Max Delbrück* 1969 für die moderne Molekularbiologie und Genetik. Spätere Auszeichnungen gingen unter anderem an Erwin Neher und Bert Sakmann 1991 für Ionenkanäle, Christiane Nüsslein-Volhard 1995 für genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung, Harald zur Hausen 2008 für Forschungen zum humanen Papillomvirus und Thomas Südhof* 2013 für das Transportsystem der Zellen.
Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ist in der Liste mit Reinhard Selten vertreten. Er erhielt ihn 1994 für Forschungen zur Spieltheorie. Spieltheorie bezeichnet hier den wissenschaftlichen Bereich, in dem Entscheidungen mehrerer Beteiligter und ihre gegenseitige Abhängigkeit untersucht werden.