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Liste bekannter Ethiker
Die Liste bekannter Ethiker erfasst Personen, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und Vermittlung der Ethik von ihren Anfängen bis in die …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und zeitlicher Rahmen
Die Liste versammelt Personen, die wesentlich zur Entwicklung oder Vermittlung der Ethik beigetragen haben. Ethik bezeichnet hier die philosophische Beschäftigung mit Moral, richtigem Handeln, Tugenden, Werten, Gerechtigkeit und dem guten Leben. Die Auswahl reicht von der Antike bis zur Gegenwart und umfasst neben Philosophinnen und Philosophen auch Theologen, Rechtswissenschaftler, Ökonomen, Soziologen und politische Denker.
Die antiken Grundlagen stammen aus verschiedenen Kulturräumen. In Griechenland zählen Sokrates (469–399 v. Chr.), der Tugend als Wissen definierte, Platon (428/427–348/347 v. Chr.) mit seiner Tugend- und Sozialethik sowie Aristoteles (384–322 v. Chr.), der Ethik als Teil der Politik auffasste, zu den zentralen Denkern. Hinzu kommen unter anderem Demokrit, Protagoras, Kallikles und Thrasymachos. In China stehen Konfuzius (ca. 551–479 v. Chr.), Mengzi, Mozi und der vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr. lebende Laotse für eigenständige ethische Traditionen.
Antike Schulen und Tugendlehren
Mehrere antike Schulen entwickelten unterschiedliche Vorstellungen vom guten Leben:
- Der Hedonismus richtet die Ethik am Wohlbefinden oder an der Lust aus. Demokrit wird als atomistischer Materialist und Hedonist geführt; Eudoxos von Knidos war ebenfalls Hedonist. Epikur (um 341–271/270 v. Chr.) begründete den Kepos, den „Garten“, und vertrat einen negativen Hedonismus.
- Der Stoizismus ist durch Zenon von Kition (um 333/332–262/261 v. Chr.), den Begründer der Stoa, sowie Kleanthes, Chrysipp, Seneca und Epiktet vertreten.
- Die Tugendethik fragt nach guten Eigenschaften und einer gelungenen Lebensführung. Neben Sokrates, Platon und Aristoteles gehört Thomas von Aquin (um 1225–1274) mit seinem Konzept der Kardinaltugenden in diese Tradition. In der Moderne erneuerten besonders Philippa Foot (1920–2010), eine der Begründerinnen der modernen Tugendethik, und Alasdair MacIntyre (1929–2025) diesen Ansatz.
Weitere eigenständige Positionen sind die Mitleidsethik Arthur Schopenhauers, Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ und die von Jean-Jacques Rousseau vertretene Ethik einer „angeborenen Liebe zum Guten“.
Pflichten, Folgen und Verträge
Die deontologische Ethik beurteilt Handlungen nach Pflichten und Regeln. Ihr bedeutender Vertreter Immanuel Kant (1724–1804) formulierte den Kategorischen Imperativ; Christine Korsgaard führt diese Richtung als Neokantianerin weiter. William David Ross (1877–1971) war Hauptvertreter einer intuitionistischen Ethik, die moralische Einsichten auf unmittelbare Urteile zurückführt.
Der Utilitarismus bewertet Handlungen nach ihrem Nutzen beziehungsweise ihren Folgen. Jeremy Bentham (1748–1832) gilt als sein Begründer. Weitere Vertreter sind John Stuart Mill, Francis Hutcheson, Richard Brandt, Hans Albert, John Jamieson Carswell Smart und Peter Singer, der eine präferenzutilitaristische Position vertritt. Henry Sidgwick verband Common-sense-Moral und Utilitarismus. John Harsanyi begründete das Prinzip des Durchschnittsnutzens und das Gleichwahrscheinlichkeitsmodell. G. E. M. Anscombe führte den Begriff „Konsequentialismus“ für folgenorientierte Ansätze ein.
Vertragstheorien begründen moralische oder politische Regeln durch gedachte oder tatsächliche Übereinkünfte. Thomas Hobbes und John Locke verbanden solche Überlegungen mit dem Naturrecht; David Gauthier wird als Kontraktualist genannt. John Rawls (1921–2002) entwickelte mit „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ einen besonders einflussreichen Ansatz. James M. Buchanan befasste sich ebenfalls mit sozialer Gerechtigkeit. Thomas M. Scanlon, Thomas Pogge, Otfried Höffe und Martha Nussbaum verbinden Ethik mit politischer Philosophie, Recht oder Gerechtigkeitsfragen.
Werte, Gefühle und moralische Sprache
Die Wertethik untersucht moralische Werte und ihre Geltung. Max Scheler und Nicolai Hartmann vertraten eine materiale Wertethik; Robert Reininger, Heinrich Rickert und David Wiggins werden der Wertphilosophie zugeordnet. George Edward Moore entwickelte eine nicht-naturalistische Ethik, nach der moralische Eigenschaften nicht einfach auf natürliche Eigenschaften reduziert werden können.
Gefühlsethische Ansätze erklären Moral durch Empfindungen. David Hume vertrat eine Ethik des „moral sense“, Adam Smith eine Theorie der ethischen Gefühle („moral sentiments“). Demgegenüber war Mark de Bretton Platts ein Gegner der Humeschen Motivationstheorie.
Die Metaethik untersucht Bedeutung, Begründung und Wahrheitsanspruch moralischer Urteile. Zu ihren Vertretern gehören Alfred Jules Ayer, Simon Blackburn, Richard Mervyn Hare, John Leslie Mackie, John McDowell, George Edward Moore, Bertrand Russell, Charles L. Stevenson, Richard Joyce und Titus Stahl. Hare begründete den Universellen Präskriptivismus. Mackie vertrat die moralische Irrtumstheorie, Stevenson den Non-Deskriptivismus. Francis Herbert Bradley stellte als Erster ausdrücklich die Frage: „Warum soll ich moralisch sein?“
Einen anderen Zugang bilden Diskursethiken, die moralische Geltung mit vernünftiger Verständigung verbinden. Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas (1929–2026) gelten als Begründer; Vittorio Hösle arbeitete ebenfalls zur Diskursethik.
Angewandte und gesellschaftliche Ethik
Die angewandte Ethik bezieht allgemeine moralische Überlegungen auf konkrete Lebens- und Gesellschaftsbereiche. Dieter Birnbacher arbeitet besonders zu Bioethik und Medizinethik, Michael Quante zur allgemeinen und biomedizinischen Ethik. Ulla Wessels behandelt unter anderem Abtreibung, Gentechnik, Moralpsychologie, Konsequentialismus und Supererogation, also Handlungen, die moralisch gut, aber nicht verpflichtend sind. Ursula Wolf, Jean-Claude Wolf und Robert Spaemann befassen sich unter anderem mit Tierethik; Hans Jonas gilt als Vordenker einer Natur- und Zukunftsethik, Vittorio Hösle und Ludwig Siep arbeiten ebenfalls zu Natur- beziehungsweise ökologischer Ethik.
Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsethik werden unter anderem durch Arno Anzenbacher, Friedhelm Hengsbach, Dietmar Mieth, Bernward Gesang, Norbert Hoerster und Ernst-Wolfgang Böckenförde vertreten. Böckenförde war Urheber des nach ihm benannten Böckenförde-Diktums. Max Weber verfasste „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Hans Küng war Religionsethiker und Initiator der Stiftung Weltethos.
Auch gesellschaftliches und politisches Handeln ist Teil der Liste. Mohandas Karamchand Gandhi (1869–1948) begründete das Konzept des gewaltfreien Widerstandes. William Godwin gilt als Begründer des Sozialismus und des politischen Anarchismus. Niccolò Machiavelli vertrat eine machtpolitische Haltung auf der Grundlage von Gemeinwohl und Staatsräson. Friedrich Nietzsche trat als Moralkritiker hervor, Jean-Paul Sartre als Hauptvertreter des Existentialismus und Max Stirner als ethischer Egoist und Amoralist. Die Liste zeigt damit, dass Ethik sowohl theoretische Grundfragen als auch konkrete Probleme von Politik, Gesellschaft, Medizin, Religion, Umwelt und menschlichem Zusammenleben umfasst.