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Liaison (Sprachwissenschaft)

Im Französischen – und teilweise auch in anderen Sprachen – bezeichnet Liaison (frz. ‚Bindung'; deutsch auch Mitbindung) das Auftreten von in anderen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Kennzeichnung
  2. 2. Obligatorische Liaison
  3. 3. Fakultative Liaison
  4. 4. Verbotene Liaison

Begriff und Kennzeichnung

Liaison (französisch „Bindung“, deutsch auch Mitbindung) bezeichnet im Französischen – und teilweise auch in anderen Sprachen – das hörbare Auftreten eines sonst stummen Konsonanten am Wortende. Sie tritt ein, wenn das folgende Wort mit einem Vokal beginnt und beide Wörter eine prosodische Einheit bilden, etwa eine phonologische Phrase oder Intonationsphrase. Das Phänomen gehört zum externen Sandhi, also zu Lautveränderungen an Wortgrenzen.

Im Internationalen Phonetischen Alphabet wird sie mit dem Liaisonbogen ◌‿◌ dargestellt. Sein Unicode-Zeichen ist UNDERTIE, U+203F; die IPA-Nummer lautet 509. Davon zu unterscheiden ist der untergesetzte Ligaturbogen ◌͜◌, COMBINING DOUBLE BREVE BELOW, U+035C. Beide Zeichen haben im IPA die Nummer 509.

Obligatorische Liaison

Eine obligatorische Liaison muss gesprochen werden. Sie steht innerhalb einer Nominalphrase zwischen einem dem Nomen vorausgehenden Determinativ und dem Nomen sowie auch zwischen Determinanten, zum Beispiel les‿enfants und deux‿ours.

Sie ist außerdem nötig zwischen einem Personal- oder Indefinitpronomen und dem Verb: nous‿avons, elles‿aiment. Dies gilt auch bei Inversion, zum Beispiel ont-ils und allons-y.

Weitere Pflichtfälle sind bestimmte feste Wendungen, darunter c’est‿-à-dire, de temps‿en temps, États‿-Unis, non‿-agression, petit‿à petit, peut‿-être, le pied‿à-terre und premier‿avril.

Fakultative Liaison

Wenn eine Liaison weder verboten noch vorgeschrieben ist, kann sie fakultativ sein. Sie wird besonders in gepflegter Sprache verwendet und kommt beim metrischen Vortrag, etwa in Gedichten und Liedern, besonders häufig vor.

Sie ist unter anderem nach Präpositionen möglich, beispielsweise sous un abri. Auch nach einem modifizierenden Adverb kann sie vorkommen: pas encore, trop heureux und très aimable.

Verbotene Liaison

Eine falsche Liaison ist nicht erlaubt. Das gilt nach bestimmten Wörtern wie et, toujours und vers sowie nach einem Substantiv im Singular, etwa sujet intéressant. Der Unterschied kann die Bedeutung verändern: un savant anglais bedeutet „ein englischer Wissenschaftler“, während un savant‿Anglais „ein gelehrter Engländer“ bedeutet, weil savant dort ein vorangestelltes Adjektiv ist.

Keine Liaison steht auch, wenn ein Wort auf mehr als einen Konsonanten endet und nur der letzte stumm ist, zum Beispiel il perd un ami und je prends part à votre deuil. Weitere Verbote gelten in festen Wendungen wie nez à nez und corps à corps, vor Wörtern mit stummem h im Sinn von h aspiré wie les haricots, ils halètent und les handicapés sowie vor präpositionalen Ergänzungen innerhalb von Nominalphrasen.

Auch zwischen einem Nomen im Singular als Subjekt und dem Verb, etwa le chat est parti, zwischen Interrogativpronomen und Verb sowie nach der Endung der zweiten Person Singular wie in tu parles aimablement ist keine Liaison zulässig.

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