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Lexikon
Im modernen Sprachgebrauch bezeichnet es zumeist ein Nachschlagewerk mit Sachinformationen (Konversationslexikon, Realwörterbuch, Reallexikon, Sachlexikon, …
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Begriff und Bedeutung
Ein Lexikon ist allgemein ein Nachschlagewerk oder Wörterbuch im weiteren Sinn. Es kann ein gedrucktes Buch sein, das eine alphabetische Wortliste mit den zugehörigen Bedeutungen enthält. Vereinzelt wurde „Lexikon“ auch als Synonym für ein Sprachwörterbuch verwendet. Im modernen Sprachgebrauch meint der Begriff meistens ein Nachschlagewerk mit Sachinformationen, zum Beispiel ein Konversationslexikon, Realwörterbuch, Reallexikon, Sachlexikon oder Sachwörterbuch.
Je nach Umfang wird teilweise zwischen einem Lexikon im engeren Sinn, einer Enzyklopädie und einem Biografien-Sammelwerk wie „Who’s Who“ unterschieden. Umgangssprachlich und in der Werbung ist der Gebrauch des Wortes aber unscharf. In der Lexikografie, also der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Wörterbüchern und Nachschlagewerken, wird manchmal unterschieden zwischen Wörterbuch für sprachliche Informationen und Lexikon für Sachinformationen. Diese Grenze ist nicht immer eindeutig, weil sich Nachschlagewerk-Typen überschneiden können, etwa wenn ein Artikel die Etymologie, also die Wortherkunft, eines Stichworts erklärt.
Lexika gab es historisch meist in Buchform. Heute bezeichnen sich auch viele Websites als Lexika. Die Wikimedia Foundation arbeitet am freien Wissen und betreibt Online-Nachschlagewerke: Wikipedia ist als Enzyklopädie zu verstehen, Wiktionary als Wörterbuch.
Artikel, Eintrag und Stichwort
Der Hauptteil eines Lexikons in Buchform besteht aus Artikeln oder Einträgen. In Online-Nachschlagewerken treten an die Stelle gedruckter Einträge einzelne Webseiten eines Wörterbuch- oder Enzyklopädieprojekts. Der Begriff „Eintrag“ passt eher zu einem einfachen Wörterbuch oder zu sehr kurzen, stichwortartigen Erklärungen. Der Begriff „Artikel“ passt eher zu einer Enzyklopädie, in der einzelne Themen auch mehrere Buchseiten umfassen können.
Gedruckte Lexika ordnen ihre Themen normalerweise direkt alphabetisch nach den Stichwörtern. Man findet die Informationen also nicht zuerst über ein alphabetisches Register mit Seitenzahlen, sondern durch die alphabetische Reihenfolge der Stichwörter selbst. Diese Sortierungsweise hat in der Mathematik zum Begriff der lexikographischen Ordnung geführt.
Ein Stichwort wird aus möglichen Flexionsformen in einer Grundform ausgewählt. Diese Grundform heißt Lemma oder Zitierform; der Vorgang heißt Lemmatisierung. Wenn ein Wortschatz erschlossen werden soll, geht der Auswahl der Stichwörter die Lemmaselektion voraus. In gedruckten Lexika steht das Stichwort am Anfang des Eintrags oder Artikels und ist typografisch hervorgehoben, meist halbfett oder fett. So kann man es beim Durchblättern schnell finden. In Online-Enzyklopädien fehlt diese Suchfunktion des hervorgehobenen Stichworts im Buch: Dort stehen Stichwörter eher als Überschriften, und Informationen werden oft über interne Suchfunktionen oder Internet-Suchmaschinen gefunden, deren Effizienz unterschiedlich sein kann.
Wortgeschichte
Das Wort „Lexikon“ geht auf das Altgriechische zurück. In der Antike lautet das griechische Wort für Wörterbuch „lexeis“; es ist von „lexis“ abgeleitet, das „Wort“ bedeutet. Die Form wurde erstmals von Photios I. († 891) auf ein Werk des 5. Jahrhunderts angewendet. In der handschriftlichen Überlieferung werden auch die Wörterbücher des Photios und die Suda mit diesem Begriff bezeichnet. In Spätantike und Mittelalter wurde „Lexicon“ für verschiedene Wörterbücher in griechischer Sprache verwendet. Im lateinischen Sprachraum wurde diese Bezeichnung dagegen weder in der Antike noch im Hoch- und Spätmittelalter benutzt.
Um 1480 wurde die frühmittelalterliche griechische Bezeichnung in Italien von Humanisten erneut eingeführt, zunächst nur für gelehrte griechische Werke. Ein deutschsprachiges Nachschlagewerk wurde erstmals 1660 durch Gotthilf Treuers „Poetisch Lexicon und Wörter-Buch“ als „Lexikon“ bezeichnet. Ein frühes Wörterbuch der beginnenden Neuzeit mit dieser Bezeichnung ist das zweisprachige griechisch-lateinische Wörterbuch des Johannes Crastonus, das in der Ausgabe von 1483 den Titel „Lexicon Graeco-latinum“ trägt; frühere Ausgaben hießen noch „Dictionarium“.
Seit Beginn des 18. Jahrhunderts trugen in Deutschland entstandene Realwörterbücher durchweg den Titel „Lexicon“. Durch den Erfolg des Konversationslexikons seit Beginn des 19. Jahrhunderts verstärkte sich die Verwendung im Sinn von Sachwörterbuch. Eine ganz einheitliche Verwendung wurde bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nicht erreicht. Die latinisierte Schreibweise „Lexicon“ dominierte vom 15. bis ins 18. Jahrhundert. Die Schreibweise „Lexikon“ mit k ist im 16. Jahrhundert nur einmal für eine Ausgabe des griechischen Wörterbuchs des Hesychios von Alexandria von 1530 belegt; 1657 folgte das „Griechisch-Deutsch Lexikon“ von Jeremias Felbinger. Im 19. Jahrhundert setzte sich „Lexikon“ immer stärker durch und gilt heute ausschließlich.