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Wiktionary
... Wortschatz der Sprachen abdecken. Als (linguistischer) Thesaurus werden zum Worteintrag assoziierte Begriffe wie Synonyme und Oberbegriffe zusammengestellt …
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und Zweck
Das Wiktionary ist ein gemeinschaftliches Projekt der Wikimedia Foundation zur Erstellung eines frei zugänglichen, mehrsprachigen Wörterbuchs und Thesaurus. Ein Thesaurus ist eine Sammlung sprachlich verwandter Wörter, zum Beispiel Synonyme und Oberbegriffe. Das Projekt ist ein Partner der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia, hat aber eine andere Aufgabe: Wikipedia erklärt Sachthemen, Wiktionary erklärt sprachliches Wissen zu Wörtern.
Als Sprachwörterbuch beschreibt Wiktionary unter anderem Homonyme, Bedeutungen, Grammatik, Etymologie und Übersetzungen. Homonyme sind gleich geschriebene oder gleich klingende Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung. In einer theoretischen Endausbaustufe hätte jede Sprachversion den Wortschatz aller Fremdsprachen, erklärt in der jeweiligen Grundsprache, sowie alle Wörter der eigenen Sprache mit Übersetzungen in alle Fremdsprachen.
Wiktionary ist wiki-basiert: angemeldete und nicht angemeldete Autoren können mitarbeiten, die Registrierung ist optional. Das Gesamtprojekt ist seit dem 12. Dezember 2002 online. Am 3. Juli 2024 umfassten die Wiktionarys international über 48,5 Millionen Einträge in 174 Sprachen, darunter Deutsch.
Aufbau der Einträge
Die Einträge in Wiktionarys folgen festen Formatvorlagen. Viele Wiktionarys legen für Wörter mit gleicher Buchstabenfolge, aber unterschiedlicher Groß- und Kleinschreibung eigene Einträge an, zum Beispiel „Bank“ und „bank“ im deutschen Wikiwörterbuch. Dieses Vorgehen unterscheidet sich von Wikipedia, wo solche Varianten meist in einem Eintrag zusammengeführt werden.
Das deutsche Wikiwörterbuch kategorisiert Artikel hauptsächlich nach Wortart und Sprache, nicht nach Bedeutungsbereichen wie „Biologie“ oder „Medizin“. Um trotzdem einen Überblick über Fachgebiete zu geben, werden manuell gepflegte Listen genutzt.
Neben Textinformationen können auch Audiodateien zur Aussprache eingebunden werden. Im deutschen Wikiwörterbuch waren zum Stand 31. Dezember 2023 in über 850.000 Einträgen Hör- und Aussprachebeispiele verlinkt; bei den deutschen Einträgen hatten mehr als 810.000 Einträge solche Beispiele. Außerdem wird es bei geeigneten Einträgen als Bildwörterbuch ausgebaut: Im Dezember 2023 enthielten über 28.000 Einträge Illustrationen. Das deutsche Wiktionary enthält auch ein Reimwörterbuch mit Reimwörtern für über 41.000 Wortendungen.
Lizenz und Sprachversionen
Die Inhalte der Wiktionarys stehen unter freien Lizenzen. Sie sind unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, kurz GFDL, lizenziert und seit Juni 2009 zusätzlich unter der Creative-Commons-Lizenz „CC-BY-SA 3.0 Unported“. Für diese Doppellizenz wurde die GFDL von Version 1.2 auf Version 1.3 aktualisiert.
Die erste Sprachversion war das englischsprachige Wiktionary, das am 12. Dezember 2002 begann. Am 29. März 2004 folgten die französisch- und die polnischsprachige Version. Am 1. Mai 2004 wurde zu jeder weiteren Sprache, in der bereits eine Wikipedia-Version existierte, ein Wiktionary gestartet; dadurch entstanden an einem Tag 143 weitere Wiktionarys, darunter die deutschsprachige Version.
Die zehn größten Wiktionarys nach Einträgen waren am 3. Juli 2024: Englisch mit 8.069.181 Einträgen, Französisch mit 5.801.877, Malagasy mit 4.284.521, Chinesisch mit 1.717.216, Griechisch mit 1.526.636, Russisch mit 1.362.687, Deutsch mit 1.132.402, Kurdisch mit 1.000.807, Schwedisch mit 942.591 und Spanisch mit 928.398 Einträgen. Die reine Zahl der Einträge sagt jedoch nur begrenzt etwas über die Qualität aus, weil auch gebeugte Formen und alternative Schreibweisen als eigene Einträge gezählt werden können.
Wichtige Sprachversionen
Das deutschsprachige Wiktionary, auch Wikiwörterbuch genannt, startete am 1. Mai 2004. Der 100.000ste Eintrag wurde im Dezember 2009 erstellt, der 500.000ste im April 2016, und am 20. August 2021 wurde die Marke von 1.000.000 Einträgen erreicht. Mitte März 2026 gab es insgesamt 1.233.488 Artikel. Davon behandelten 969.535 deutsche Wörter; 175.176 davon waren deutsche Grundform-Einträge. Nach Sprache der erklärten Wörter waren etwa 79 Prozent der Artikel deutsch, knapp 5 Prozent englisch und je zwei Prozent lateinisch und tschechisch.
Das englischsprachige Wiktionary war die erste Version. Es erreichte im November 2005 100.000 Einträge, im August 2007 500.000, am 18. Oktober 2008 1 Million, am 7. September 2010 2 Millionen, am 25. November 2016 5 Millionen und am 9. April 2019 6 Millionen Einträge. Am 1. Februar 2020 enthielt es etwa 6,2 Millionen Einträge, darunter besonders viele zu lateinischen, englischen, spanischen, italienischen, russischen, französischen, deutschen und portugiesischen Wörtern.
Das französischsprachige Wiktionary, Wiktionnaire, wurde am 29. März 2004 gegründet und ist nach der englischen Version eine der umfangreichsten Sprachversionen. Aus ihm wurde 2020 das Papierwörterbuch „Le Dico“ abgeleitet. Weitere im Artikel genannte Sprachversionen sind das vietnamesische und das polnische Wiktionary. Das polnische Wiktionary enthielt nach eigener Darstellung mit etwa 7.900 jiddischen Einträgen das größte moderne Wörterbuch der Nachkriegszeit für Jiddisch, das in Polen „herausgegeben“ wurde.
Wachstum durch Bots
Ein großer Teil des Wachstums vieler Wiktionarys entstand durch Bots. Bots sind Programme, die automatisch Einträge anlegen, importieren oder bearbeiten. Laut Statistik wurden über alle Sprachversionen hinweg 67,5 Prozent aller Einträge von registrierten Bots erstellt.
Im englischsprachigen Wiktionary haben sieben der dort gelisteten Bots etwa 163.000 Einträge neu erstellt. Websterbot importierte 259 komplexe Einträge aus öffentlich verfügbaren Quellen, die später oft manuell in viele Einzeleinträge aufgeteilt wurden. ThirdPersBot erstellte Verbformen der dritten Person Singular, die in gedruckten Wörterbüchern meist nicht als eigene Einträge erscheinen.
Auch andere Sprachversionen wuchsen stark durch maschinelle Importe. Die englische und französische Version importierten etwa 20.000 Einträge der Unihan-Datenbank zu CJK-Schriftzeichen, also chinesischen, japanischen und koreanischen Schriftzeichen. Das französische Wiktionary übernahm viele Einträge aus alten, lizenzfreien Wörterbüchern wie der 8. Ausgabe des „Dictionnaire de l’Académie française“ von 1935 mit rund 35.000 Worteinträgen. Das französische und das vietnamesische Wiktionary importierten große Teile des Free Vietnamese Dictionary Project. Im polnischen Wiktionary importierte Tsca.bot unter anderem etwa 15.000 Interlingua-Stummeleinträge und knapp 6.000 jiddische Einträge. Im russischen Wiktionary wurden mit LXbot ab Oktober 2006 etwa 80.000 Stummeleinträge für englische, deutsche und französische Wörter übernommen.
Nutzung und Bewertung
Wiktionary ist ein stark genutztes Online-Wörterbuchprojekt. Sprachübergreifend wurde wiktionary.org am 24. August 2017 von Alexa Internet im „Alexa Traffic Rank“ auf Rang 555 geführt. Von den registrierten Zugriffen entfielen etwa 45 Prozent auf die englische, 15 Prozent auf die russische, 13 Prozent auf die französische und 6 Prozent auf die deutsche Version.
Die Bewertung fällt je nach Sprachversion und Untersuchung unterschiedlich aus. Für das deutsche Wiktionary wird angegeben, dass Einträge dazu neigen, präskriptiv zu sein, also Sprache eher normierend darzustellen. Außerdem seien Erklärungen mitunter linguistisch unpräzise. Für die wissenschaftliche Lexikographie stelle das deutsche Wiktionary keine Konkurrenz dar.
Beim englischen Wiktionary wurden 2006 unter anderem fehlende Nachvollziehbarkeit der Richtigkeit für Laien, unvollständige Einträge, oft fehlende Ausspracheinformationen, nur gelegentliche Audiobeispiele und häufig fehlende Übersetzungen kritisiert. Untersuchungen aus den Jahren 2006 bis 2009 hoben gegenüber WordNet positiv hervor, dass das englische Wiktionary auch Kompositionen, Akronyme, Abkürzungen, Fehlschreibungen und vereinfachte Schreibweisen zulässt. Als Nachteile wurden unvollständige oder fast leere Einträge, eine ungleiche Gewichtung der Sprachen und wenige verzeichnete Synonyme genannt. Ein Buch von 2012 stellte dagegen fest, dass das englische Wiktionary im Vergleich zu WordNet besser darin abschneidet, Bedeutungen nach der geläufigsten Verwendung aufzuführen, und sah es als möglichen Konkurrenten von Expertenlexika mit vielen Anwendungsmöglichkeiten.