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Wikipedia
Wikipedia [ˌvɪkiˈpeːdia] () ist ein gemeinnütziges Projekt zur Erstellung einer freien Enzyklopädie auf Basis des sogenannten Wiki-Prinzips und der freien …
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Kernidee und Bedeutung
Wikipedia ist ein gemeinnütziges Projekt zur Erstellung einer freien Online-Enzyklopädie. Sie arbeitet nach dem Wiki-Prinzip: Inhalte können von Nutzern direkt im Webbrowser bearbeitet, miteinander verlinkt, diskutiert und laufend verbessert werden. Betrieben wird sie von der Wikimedia Foundation, einer Nonprofit-Organisation mit Sitz in San Francisco. Die Mitarbeit ist freiwillig und grundsätzlich jeder Person möglich; die Autoren erhalten keine finanzielle Entschädigung. Eine Registrierung ist optional.
Die Wikipedia ging am 15. Januar 2001 online. Gründer waren Jimmy Wales und Larry Sanger. Ende 2025 bot sie über 66 Millionen enzyklopädische Artikel und andere Inhalte in über 350 Sprachen und Dialekten; Anfang 2026 gab es rund drei Millionen deutsche Einträge. In der Infobox des Artikels werden 363 Sprachversionen genannt, davon 347 aktive und 16 geschlossene, sowie über 68 Millionen Artikel insgesamt und 3.152.089 deutschsprachige Artikel zum Zeitpunkt des Seitenaufrufs.
Wikipedia gehört nach Nutzung und Verbreitung zu den Massenmedien. Anfang Januar 2022 lag sie weltweit auf Platz 14 der meistbesuchten Websites, in Deutschland auf Platz 7, in Österreich auf Platz 6, in der Schweiz auf Platz 4 und in den Vereinigten Staaten auf Platz 11. Sie ist weltweit und in den deutschsprachigen Staaten die einzige nichtkommerzielle Website unter den ersten 50. Ihre Finanzierung erfolgt vor allem durch Spenden.
Entstehung und Entwicklung
Vorläufer und Ideengeber waren frühere Versuche, Wissen im Internet gemeinschaftlich zu sammeln, etwa Interpedia ab 1993, GNUPedia ab 1999 und Nupedia ab März 2000. Nupedia wurde von Jimmy Wales und Larry Sanger gestartet, arbeitete aber noch nach einem traditionellen Redaktionsmodell: Autoren mussten sich bewerben, und Beiträge durchliefen ein Peer-Review-Verfahren.
Ende 2000 und Anfang 2001 wurden Sanger und Wales auf Wiki-Systeme aufmerksam, bei denen Benutzer Webseiten nicht nur lesen, sondern auch direkt bearbeiten können. Am 15. Januar 2001 war das Wiki der Nupedia unter wikipedia.com erreichbar; dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Wikipedia. Ursprünglich war sie als Nebenprojekt zur Nupedia gedacht, entwickelte sich wegen ihrer Offenheit aber schnell stärker als Nupedia und verdrängte diese bis September 2003 vollständig.
Bereits 2001 entstanden weitere Sprachversionen. Die deutschsprachige Wikipedia wurde am 16. März 2001 angekündigt. Ende 2001 existierten 18 Sprachversionen, darunter Simple English und Esperanto. 2002 erklärte Wales, Wikipedia werde werbefrei bleiben; außerdem wechselte das Projekt von wikipedia.com zu wikipedia.org. Am 20. Juni 2003 kündigte Wales die Gründung der Wikimedia Foundation an, der er die Namensrechte und später auch die Server übereignete.
Später entstanden Kooperationen mit Wissenschafts- und Kulturinstitutionen, etwa mit dem Bundesarchiv, der Universitätsbibliothek Dresden, dem Niederländischen Königlichen Tropeninstitut, dem Nationaal Archief und dem ZDF. Seit 2021 verfolgt Wikimedia Enterprise als kommerzielles Tochterprojekt das Ziel, durch Lizenzvergütungen maximal 30 Prozent der Stiftungseinnahmen zu erwirtschaften. Vereinbarungen wurden unter anderem mit Alphabet, Mistral AI, Perplexity, Amazon, Microsoft und Meta genannt.
Regeln, Aufbau und Mitarbeit
Vier Grundsätze gelten laut Projekt als unumstößlich: Wikipedia ist eine Enzyklopädie; Beiträge müssen dem neutralen Standpunkt entsprechen; Inhalte sind frei und müssen unter einer freien Lizenz stehen; andere Benutzer sind zu respektieren und die Wikiquette einzuhalten. Wichtige inhaltliche Regeln sind außerdem Nachprüfbarkeit und Keine Theoriefindung, also keine originäre Forschung. Bei mehreren Ansichten zu einem Thema soll ein Artikel diese fair darstellen, aber nicht selbst Partei ergreifen.
Die Inhalte stehen unter freien Lizenzen. Mit dem Speichern einer Bearbeitung stimmen Autoren zu, dass ihr Beitrag unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation und seit dem 15. Juni 2009 auch unter Creative Commons „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0“ veröffentlicht wird. Diese Lizenzen erlauben Bearbeitung und Weiterverbreitung, auch kommerziell, wenn die Bedingungen eingehalten werden und abgeleitete Inhalte wieder unter gleichen Lizenzen stehen. Dieses Prinzip heißt Copyleft.
Wikipedia besteht aus vielen Sprachversionen, die technisch eigene Wikis mit eigener Subdomain sind, zum Beispiel de.wikipedia.org oder en.wikipedia.org. Sie sind in Inhalten, Regeln und Organisation weitgehend selbstständig. Artikel zum gleichen Thema werden zwischen Sprachversionen verknüpft, aber normalerweise nicht automatisch übersetzt oder synchronisiert.
Die Seiten sind in Namensräume gegliedert. Der wichtigste ist der Artikelnamensraum mit den enzyklopädischen Artikeln. Daneben gibt es unter anderem den Wikipedianamensraum für Regeln und Metadiskussionen, den Hilfenamensraum und Benutzerseiten. Jede Seite hat eine Diskussionsseite. Hyperlinks werden in einfacher Syntax gesetzt: Begriffe in doppelten eckigen Klammern werden zu internen Links. Blaue Links führen zu bestehenden Artikeln, rote zu noch nicht vorhandenen Artikeln.
Autoren wählen ihre Aufgaben selbst. Dazu gehören Schreiben, Korrekturlesen, Formatieren, Einordnen, Bebildern, Hilfe-Seiten, Mentorenarbeit und Support. Administratoren werden von der Community mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt und können zum Beispiel Seiten schützen oder Benutzer sperren, wenn diese Regeln grob verletzen. Regeln entstehen oft dadurch, dass Vorschläge von vielen übernommen werden; bei strittigen Fällen wird Konsens angestrebt, praktisch aber auch in Verfahren zwischen Diskussion und Abstimmung entschieden.
Qualität, Konflikte und Schutzmechanismen
Wikipedia beruht auf kollaborativer Texterstellung: Viele Menschen können Artikel bearbeiten, andere kontrollieren und korrigieren diese Änderungen. Für fachliche Fragen gibt es Portale und Redaktionen. Gute Artikel können ausgezeichnet werden: „lesenswert“ für besonders gute Artikel, „exzellent“ für herausragende Qualität und „informativ“ für gute Listen und Portale. Solche ausgezeichneten Beiträge dienen als Vorbilder und werden oft auf der Hauptseite vorgestellt.
Welche Themen aufgenommen werden, entscheiden die Bearbeiter in offenen Prozessen. Relevanzkriterien entstanden über Jahre durch Konsens. Sie sollen klären, ob Personen, Ereignisse oder Themen zeitüberdauernd bedeutsam sind. Entspricht ein Artikel den Kriterien nicht oder weist er schwere Mängel, Vandalismus oder Urheberrechtsverletzungen auf, kann er gelöscht werden. Bei klaren Fällen gibt es Schnelllöschanträge; meist wird aber mindestens 7 Tage in einer Löschdiskussion beraten.
Konflikte können zu Edit-Wars führen, also wiederholtem gegenseitigem Rückgängigmachen von Änderungen. Dann können Administratoren Seiten zeitweise schützen. Ein Halbschutz erlaubt Bearbeitungen nur noch für Benutzer, die schon eine gewisse Zeit angemeldet sind. Missbrauch von Mehrfachkonten, sogenannten Sockenpuppen, kann zu Sperren führen. Auch Beleidigungen, Drohungen und fortgesetzte Edit-Wars können temporäre oder dauerhafte Benutzersperren auslösen.
Vandalismus bedeutet in Wikipedia das Einfügen offensichtlich unsinniger, beleidigender, diffamierender, vulgärer oder obszöner Inhalte oder das Löschen ganzer Absätze. Die deutschsprachige Wikipedia führte im Mai 2008 das System der Sichtung ein: Änderungen von Benutzern ohne Sichter-Status werden der Allgemeinheit erst angezeigt, wenn ein Benutzer mit Sichter-Status sie freigeschaltet hat. Seitdem ist der Vandalismus in der deutschsprachigen Wikipedia zurückgegangen.
Der Umgangston gilt als wichtiges Problem. Diskussionsseiten sollen zum sachlichen Konsens führen, doch es kommen auch Beleidigungen, Herabwürdigungen und Drohungen vor. Zur Eindämmung gibt es Vandalismusmeldungen, Sperrprüfungen, Vermittlungsausschuss, Schiedsgericht und Meldeseiten bei Konflikten mit Administratoren. 20 Jahre nach der Entstehung führte die Wikimedia Foundation einen universellen Verhaltenskodex ein, der verbindliche Standards gegen Belästigungen und negatives Verhalten in Wikimedia-Projekten schaffen soll.
Autoren, Mehrsprachigkeit und Technik
Die Identität vieler Wikipedia-Autoren ist unbekannt. Ein Teil arbeitet unangemeldet, andere nutzen Pseudonyme; Angaben auf Benutzerseiten sind freiwillig und nicht überprüfbar. Seit Juni 2014 müssen Autoren offenlegen, wenn sie im Namen von Unternehmen oder ähnlichen Auftraggebern bezahlt beitragen. 2015 sperrte die englische Wikipedia 381 Nutzerkonten wegen bezahlter Artikel ohne Offenlegung.
Als Motive werden unter anderem die Erweiterung des eigenen Wissens, Autonomie, Rückmeldung, die Bedeutung der Tätigkeit und das Ziel freien Wissens genannt. Häufig beginnt Mitarbeit, wenn Leser Fehler oder fehlende Informationen entdecken. Demotivierend wirken Feindseligkeit, Unfreundlichkeit, technische Einstiegshürden und ein umfangreiches Regelwerk. Seit 2007 sinken Bearbeitungen und Neuanmeldungen nach früherem Wachstum; als Gründe nennt der Artikel unter anderem raueren Umgangston, schwierige Einstiegsmöglichkeiten und die kurze Verweildauer vieler Anfänger.
Die Sozialstruktur ist unausgewogen. Eine Umfrage von 2009 ergab einen Männeranteil von 88 Prozent, ein Durchschnittsalter von 33 Jahren und einen hohen Anteil an Studenten. Diskutiert wird ein Gendergap: Frauen beteiligen sich weniger, und Themen mit Bezug zu Frauen oder weiblich geprägten Kulturbereichen werden teils weniger beachtet.
Wikipedia ist mehrsprachig organisiert. Neue Sprachversionen können entstehen, wenn es genügend Interessierte gibt. Es gibt Wikipedien in Regional- und Minderheitensprachen, Dialekten, ausgestorbenen Sprachen und Plansprachen, sofern eine ausreichend große Sprachgemeinschaft und ein Nutzerkreis vorhanden sind. Sprachbarrieren führen dazu, dass die Communitys meist unabhängig arbeiten; Interwiki-Links und Wikimedia Commons unterstützen aber die Zusammenarbeit.
Technisch basiert Wikipedia auf MediaWiki, einer freien Open-Source-Wiki-Software in PHP, die seit 2013 MariaDB nutzt. Frühere Systeme waren UseModWiki und eine von Magnus Manske entwickelte PhpWiki-Engine mit MySQL. Die Infrastruktur wuchs von einem einzelnen Server bis 2004 zu einer verteilten Architektur mit mehreren Rechenzentren und Caching-Standorten. Mobile Apps für Android und iOS sowie eine mobile Webdarstellung erleichtern den Zugriff auf kleinen Bildschirmen.
Nutzung, Vertrauen und Kritik
Wikipedia wird sehr häufig genutzt. Laut New York Times und Comscore wurden im Februar 2014 weltweit monatlich 15 Milliarden Wikipediaseiten von einer halben Milliarde Menschen aufgerufen. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2022 ermittelte, dass 37 % der Deutschen mindestens einmal pro Woche „Online-Nachschlagewerke wie Wikipedia“ benutzen.
Das Vertrauen ist gemischt, aber hoch. Eine YouGov-Umfrage im Vereinigten Königreich von 2014 ergab, dass 60 % der Befragten Wikipedia-Informationen für größtenteils vertrauenswürdig hielten, sieben Prozent für besonders vertrauenswürdig. 28 % vertrauten eher nicht, sechs Prozent überhaupt nicht. Die Encyclopædia Britannica wurde noch stärker vertraut. Wikipedia-Autoren genossen aber etwas mehr Vertrauen, die Wahrheit zu sagen, als Journalisten bestimmter Medien.
Die Zitierfähigkeit wurde häufig bestritten. Früher galt Wikipedia wegen anonymer Autoren, Vandalismusanfälligkeit und möglicher Einflussnahme als wenig zuverlässig. Eine Untersuchung im Auftrag der Wikimedia Foundation kam 2012 jedoch zu dem Ergebnis, dass eine problembewusste Nutzung der weiterentwickelten Wikipedia als Informationsquelle möglich sei. In akademischen Kontexten wird Wikipedia viel genutzt, aber selten selbst als Quelle genannt; stattdessen werden die in Artikeln angegebenen zitierfähigen Quellen verwendet.
Vergleiche mit anderen Enzyklopädien fielen unterschiedlich aus. Nature verglich 2005 die englische Wikipedia mit der Encyclopædia Britannica und fand im Durchschnitt vier Fehler pro Wikipedia-Artikel gegenüber drei bei Britannica; Britannica kritisierte die Studie, Nature wies die Vorwürfe zurück. Andere Bewertungen hoben Aktualität, breite Themenabdeckung und die Kombination aus Artikeln und Weblinks hervor, während Kritiker Mängel bei Verlässlichkeit, Zitaten oder wissenschaftlicher Qualität nannten.
Rechtlich und politisch gab es wiederholt Konflikte. Dazu zählen Urheberrechtsfragen, Datenschutz, Sperrungen und Zensurversuche in verschiedenen Staaten, etwa China, Iran, Tunesien, Syrien, Russland, Türkei und Pakistan. Umgekehrt schalteten Wikipedia-Sprachversionen ihre Seiten aus Protest gegen Gesetzesvorhaben zeitweise ab, unter anderem die deutschsprachige Wikipedia am 21. März 2019 gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform. Neuere Herausforderungen entstehen durch generative KI und soziale Medien: Im Oktober 2025 berichtete die Wikimedia Foundation von einem Rückgang menschlicher Aufrufe um acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und deutlich steigenden Zugriffen durch Chatbots zum KI-Training und Webcrawler.