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Journalistische Darstellungsform
Nachrichten und Berichte zu schreiben, ist das journalistische Kernhandwerk. Die Auswahl der Themen erfolgt nach dem Nachrichtenwert, der sich zusammensetzt …
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Grundlagen und journalistische Prinzipien
Journalistische Darstellungsformen sind Formen, in denen Inhalte für Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen und Internet aufbereitet werden. Das jeweilige Medium spielt dabei eine wichtige Rolle; diese Anpassung an das Medium wird Medienadäquatheit genannt.
Ein zentrales Merkmal der bundesdeutschen Journalismuslehre nach 1945 ist die aus dem amerikanischen Journalismus übernommene Trennung von Information und Meinung. Diese 1. Trennungsregel bedeutet: Informierende Darstellungsformen sollen objektiv sein und sich jeder Wertung enthalten, während meinungsäußernde Formen ausdrücklich die Sicht des Journalisten oder des Mediums wiedergeben.
Journalistische Beiträge beruhen auf eigener Recherche, zum Beispiel persönlicher Recherche, Telefon-, Archiv- oder Internetrecherche. Weitere Quellen sind Nachrichtenagenturen und Bildagenturen. In der Praxis werden außerdem Pressemitteilungen von Unternehmen und Institutionen verwendet. Diese „Originaltexte“ oder „Waschzettel“ werden teilweise unverändert oder nur leicht verändert übernommen. Dadurch wächst der Einfluss der Public Relations auf den Journalismus.
Die 2. Trennungsregel betrifft redaktionelle Inhalte und Werbung: Laut Presserecht muss der redaktionelle Teil eines Mediums unabhängig vom Anzeigenteil erstellt werden. Der Unterschied zwischen redaktionellen Beiträgen und Werbung muss deutlich erkennbar sein.
Die Auswahl von Themen richtet sich nach dem Nachrichtenwert. Er setzt sich aus der Aktualität sowie aus Wissens-, Unterhaltungs- und Nutzwert zusammen.
Informierende Darstellungsformen
Nachrichten und Berichte gelten als journalistisches Kernhandwerk. Sie sind stärker als andere Darstellungsformen auf Objektivität ausgerichtet und dürfen keine Wertung enthalten.
Die Kurzmeldung ist die auf ein Minimum beschränkte Darstellung eines allgemein interessierenden Ereignisses. Meist handelt es sich um etwas bereits Geschehenes; möglich ist aber auch eine Ankündigung.
Die Nachricht stellt ein für Leser, Radiohörer oder Fernsehzuschauer interessantes und wichtiges Ereignis kompakt dar. Im Unterschied zur Kurzmeldung beantwortet sie die sieben relevanten journalistischen W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher beziehungsweise welche Quelle?
Für die Nachricht gilt grundsätzlich: Das Wichtigste, also der Kern, steht zuerst. Danach folgen Einzelheiten, die Quelle und Hintergrundinformationen wie Vorgeschichte, Zusammenhänge oder zusätzliche Informationen. Die Reihenfolge ist jedoch nicht starr und kann zweckmäßig verändert werden. Dieses weniger strenge Prinzip wird in der neueren Fachliteratur „Bausteine-Modell“ genannt. Davon zu unterscheiden ist das Prinzip der umgekehrten Pyramide, das im 19. Jahrhundert in den USA entwickelt wurde. Danach nimmt die Wichtigkeit der Fakten nach unten ab. Artikel können deshalb leicht von unten her gekürzt werden.
Der Bericht ist länger und umfangreicher als eine Nachricht, folgt im Aufbau aber demselben Grundsatz: Das Wichtigste und Interessanteste kommt zuerst. Zusätzlich enthält er Einzelheiten, etwa längere Zitate, sowie Hintergrundinformationen. Auch Urteile, Einschätzungen und Stellungnahmen von Experten können aufgenommen werden.
Längere informationsorientierte Formen folgen meist nicht dem Prinzip „das Wichtigste zuerst“, sondern einem roten Faden und einem Spannungsbogen. Dabei kann die Person des Journalisten mit subjektiven Beobachtungen und Einschätzungen sichtbar werden. Eckart Klaus Roloff bezeichnete Reportage, Feature, Porträt und Essay deshalb als interpretierende Darstellungsformen. Wolf Schneider und Paul-Josef Raue nannten sie unterhaltende, Michael Haller erzählende Formen.
Die Reportage schildert ein Ereignis lebendig, das der Reporter selbst beobachtet hat. Er muss dafür am Ort des Geschehens gewesen sein. Besonders deutlich zeigt sich dies in einer Live-Reportage im Radio, in der der Reporter beschreibt, was er sieht und zusätzlich weiß. In einer Print-Reportage werden die eigenen Eindrücke schriftlich gestaltet; für eine live-ähnliche Darstellung eignet sich das Präsens. Anders als der Bericht zitiert die Reportage nicht nur offizielle Auskunftgeber, sondern auch „einfache“ Leute. Im Konkreten soll sie möglichst das Allgemeine sichtbar machen.
Das Feature ist vielfältiger und abwechslungsreicher als die Reportage. Eine live-ähnliche Schilderung dient häufig nur als Einstieg. Im Mittelpunkt stehen allgemeine Themen, die nicht an die Tagesaktualität gebunden sind und an einem Einzelfall veranschaulicht werden. Nach Walther von La Roche wechseln im Feature ständig Anschauung und Abstraktion sowie Schilderung und Schlussfolgerung.
Ein Porträt beschreibt journalistisch eine Person, eine Gruppe, eine Institution oder ein Unternehmen. Personenporträts verbinden oft ein frei wiedergegebenes Interview mit Reportage- oder Feature-Elementen. Unternehmensporträts sind meist eher nachrichtlich aufgebaut; Porträts können aber auch kommentierende Elemente enthalten. Der Nachruf ist eine Sonderform und würdigt Leben und Werk einer kürzlich verstorbenen Persönlichkeit. Nach Walther von La Roche ist das Porträt genau genommen keine Darstellungsform, sondern ein Inhalt.
Das Interview ist ein Gespräch zwischen einem oder mehreren Journalisten und einem Interviewpartner in Frage-und-Antwort-Form. Es kann als bearbeiteter Originalton oder Originaltext erscheinen. Beim sachzentrierten Interview beantwortet ein Experte Fragen zu einem Sachverhalt, etwa im Ratgeber- oder Technikjournalismus. Im personenbezogenen Interview steht die interviewte Person im Mittelpunkt, beispielsweise in Society-Publikationen oder Talkshows. Im meinungszentrierten Interview geht es vor allem um die Stellungnahme des Interviewten zu einem Sachverhalt. Mischformen sind möglich.
Interviews werden häufig vor der Veröffentlichung vom Gesprächspartner gegengelesen und autorisiert, also freigegeben. Dies dient der Prüfung der inhaltlichen Richtigkeit und ist keine Zensur. Wesentliche nachträgliche Veränderungen der Gesprächsinhalte sind unüblich. Verändert der Interviewte Inhalte stark, kann die Redaktion auf die Veröffentlichung verzichten. Im angloamerikanischen Journalismus ist eine solche Autorisierung nicht üblich. Eine Sonderform ist die Umfrage oder im Rundfunk und Fernsehen die Vox pop, also die „Stimme des Volkes“.
Meinungsäußernde Darstellungsformen
Bei meinungsäußernden Darstellungsformen ist die Meinung des Journalisten oder des Mediums das kennzeichnende Merkmal. Sie können trotzdem informierende und berichtende Bestandteile enthalten.
Der Leitartikel behandelt meist weniger einzelne tagesaktuelle Themen als Entwicklungen und Trends. Er gibt nicht nur die Meinung eines einzelnen Verfassers wieder, sondern – auf Grundlage der Grundtendenz des Publikationsorgans – auch die Meinung der Mehrheit der Redaktion. Er hält sinngemäß die „Fahne“ der Redaktion hoch und wird auch Editorial genannt.
Der Kommentar ist die Meinung eines einzelnen Verfassers zu einem meist tagesaktuellen Sachverhalt, über den zuvor an anderer Stelle berichtet wurde. Beim Einerseits-/Andererseits-Kommentar werden Argumente für und gegen einen Sachverhalt verglichen, ohne dass sich der Autor festlegt. Der Geradeaus-Kommentar führt direkt auf ein Ziel zu. Der argumentierende Kommentar enthält meist drei bis fünf begründende Argumente. Am Ende wird das anfangs gefällte Urteil bekräftigt; manchmal folgt ein Ausblick. Möglich sind auch Pro- und Contra-Kommentare zweier Autoren mit gegensätzlichen Positionen.
Die Kritik oder Rezension bespricht ein Werk oder Ereignis aus Kunst und Kultur, etwa ein Buch, Theaterstück, einen Film, eine Fernsehproduktion, ein Konzert, einen Tonträger, ein Kunstwerk, eine Ausstellung oder eine Unterhaltungsveranstaltung. Sie verbindet Beschreibung und Bewertung und kann außerdem Erklärungen, Interpretationen, Analysen, Vergleiche und Einordnungen enthalten. Bei Kulturereignissen und Büchern werden auch die Bezeichnungen Rezension oder Besprechung verwendet. Eine besonders negative, destruktive Kritik, die einen Gegenstand in wesentlichen Teilen seiner Ausführung und Zielsetzung als gescheitert beurteilt, heißt Verriss. Kritiken können Elemente von Nachricht, Bericht, Reportage, Kommentar, Interview, Feature, Essay und Glosse enthalten und bieten häufig konkreten Nutzwert, etwa bei der Entscheidung, ob man ein Buch lesen, einen Film ansehen oder ein Theaterstück besuchen soll.
Der Test ist mit Kritik und Rezension verwandt, behandelt aber Konsumgüter und Dienstleistungen statt Kunstwerke oder Kulturereignisse. Getestet werden zum Beispiel technische Geräte, Autos, Kosmetika und Lebensmittel. Methodisch werden Funktionen und Bedienung ausführlich untersucht; auch das Auseinanderbauen eines Geräts oder eine chemische Analyse von Kosmetika oder Lebensmitteln kann dazugehören. Wie eine Rezension enthält der Test beschreibende und bewertende Teile und vergleicht häufig Produkte derselben Kategorie.
Die Glosse ist ein kurzer, subjektiver Meinungsartikel mit spitzer Argumentation. Sie kann Themen aller Art behandeln und hat meist einen heiteren oder ironischen Unterton. Typische Stilmittel sind Wortspiele, Metaphern, Ironie und Satire. Glossen in Lokalzeitungen heißen Lokalglossen oder Lokalspitzen.
Die Kolumne ist ein Meinungsartikel eines einzelnen, oft bekannten Publizisten. Das Essay ist eine kurze, geistreiche Abhandlung mit subjektiven Betrachtungen zu kulturellen oder gesellschaftlichen Phänomenen.
Die Betrachtung ist eine seltene, längere und meinungsbetonte Analyse eines gesellschafts- oder politischen Problems. In der journalistischen Tradition der „Leipziger Schule“ hatte sie einen festen Platz. Heute wird sie nur noch sehr selten verwendet, gelegentlich im Kulturteil von Zeitungen.
Das Feuilleton ist heute keine Darstellungsform, sondern ein Ressort: der Kultur- und Gesellschaftsteil einer Zeitung, am Wochenende auch als Sonntagsbeilage. Gelegentlich bezeichnet der Begriff noch eine kleine, eher literarische Form, die wenig beachteten Einzelheiten des Lebens eine menschlich bewegende Seite abgewinnt.
Entwicklung und journalistische Einsatzfelder
Emil Dovifat prägte zunächst den Begriff der journalistischen „Stilformen“. Die aktuelle deutschsprachige Journalistik nach 1945 verwendet zur Abgrenzung bevorzugt die Bezeichnung „journalistische Darstellungsformen“.
Seit den 1950er-Jahren entstand in der Bundesrepublik nach US-amerikanischem Vorbild eine professionelle Journalistenausbildung. Dabei wurden Darstellungsformen definiert und kategorisiert. Walther von La Roche leistete Pionierarbeit; seine „Einführung in den praktischen Journalismus“ beschrieb das System 1975 grundlegend. In der DDR entwickelte sich parallel eine differenzierte Genre-Theorie mit informatorischer, analytischer und bildhaft konkreter Mitteilungsweise.
Wolf Schneider und Paul Josef Raue ergänzten die informierenden und meinungsäußernden Formen um die Kategorie Unterhaltung. Eine ähnliche wissenschaftliche Definition findet sich bei Siegfried Weischenberg und der „Hamburger Schule“. Nach der „Mainzer Schule“ beziehungsweise dem Fischer Lexikon gibt es als dritte Kategorie außerdem phantasiebetonte Formen wie Hörspiel und Kurzgeschichte, also literarische Formen.
In der Praxis bewährte sich besonders Michael Hallers Definition der „Leipziger Schule“, die zwischen objektiven und subjektiven Formen unterscheidet. Eckart Klaus Roloff sieht dagegen als dritte Gruppe interpretierende Textgattungen wie Porträts, Features, Interviews, Essays und Reportagen. Michael Haller und Christoph Fasel schlugen für längere informationsorientierte Formen wie Interview, Reportage und Feature die Bezeichnung „erzählende“ Darstellungsformen innerhalb der informierenden Darstellungsformen vor.
Die journalistischen Formen erscheinen in unterschiedlichen Ausprägungen in verschiedenen Formaten und Ressorts. Dazu gehören Politik-, Wirtschafts-, Kultur-, Sport-, Lokal-, Wissenschafts-, Technik-, Medizin-, Geschichts- und Reisejournalismus. Weitere Felder sind Ratgeber- beziehungsweise Service- oder Nutzwertjournalismus, Verbraucherjournalismus, Fachjournalismus, Boulevard-Journalismus sowie Kinder- und Jugendjournalismus.
Bilder, Aufbau und weitere Bestandteile
Visuelle Elemente sind für journalistische Medien bedeutsam. Tageszeitungen beziehen für den Mantel-Teil die meisten Fotos von Agenturen. Ein großer Teil dieser Agentur-Fotos betrifft nachrichtenwertabhängig Prominente, Katastrophen wie Unfälle, Wetterereignisse und Erdbeben sowie Konflikte.
Im Lokaljournalismus entstehen viele Fotos bei offiziellen Terminen, etwa bei Ehrungen, Einweihungen sowie kommunalpolitischen oder vereinsbezogenen Anlässen. Wegen des häufigen Händeschüttelns werden solche Bilder spöttisch „Schüttelbilder“ genannt. Illustrierte setzen traditionell auf hochwertige Bilder und arbeiten mit eigenen und freien Fotografen, die Reportagefotos und ganze Fotostrecken ermöglichen.
Weitere visuelle Formen sind Fotos zur Illustration eines Beitrags, darunter auch Symbolfotos, Titelbilder, Fotoreportagen, Comics, Cartoons, Bildergeschichten, Karikaturen, Grafiken, Infografiken, Diagramme, Karten, Tabellen, Datenjournalismus und Audio-Slideshows auf Internetseiten. Karikaturen stellen Menschen oder gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen komisch überzeichnet dar und sind häufig ironisch, satirisch oder polemisch.
Ein informierender journalistischer Beitrag im Druck oder auf Webseiten besteht meist aus Überschrift, Vorspann und eigentlichem Text. Die Überschrift kann aus Schlagzeile oder Hauptzeile sowie Dachzeile und/oder Unterzeile bestehen. Der Vorspann oder Lead fasst die wesentliche Aussage in wenigen Zeilen zusammen, ist oft fett gesetzt und gehört noch nicht zum Anfang des folgenden Textes. Der eigentliche Text ist in Absätze gegliedert und kann Zwischenüberschriften enthalten.
Zusätzlich können Abbildungen mit Bildunterschrift, Tabellen mit Tabellenunterschrift und Infoboxen enthalten sein. Infoboxen geben weiterführende Informationen, etwa Buchtipps, Fernsehtipps, Kontaktadressen, Webseiten, Termine oder herausgestellte Zitate. Eine Spitzmarke kann unter anderem eine Quellenangabe, eine Ortsmarke, den Autorennamen oder ein Autorenkürzel, eine Agenturangabe oder bei Internetartikeln das Datum enthalten. Autorenname, Autorenkürzel und Agenturbezeichnung stehen als Signatur häufig auch am Ende des Fließtextes. Kommentare sind immer namentlich oder mit eindeutig zuzuweisendem Autorenkürzel gekennzeichnet.
Neben redaktionellen Beiträgen gibt es weitere Textgattungen mit vor allem unterhaltender, servicebezogener oder kontaktstiftender Funktion. Dazu zählen Veranstaltungskalender, Wetterberichte, Witze, Rätsel, Kurzgeschichten, Fortsetzungsromane, Leserbriefe, Kleinanzeigen und Jobangebote. Werbeanzeigen gehören meist fest zu Printmedien; als Werbespots sind sie auch Bestandteil von Radio- und Fernsehprogrammen und als Online-Werbung von Internetmedien. Das Impressum ist ein fester und gesetzlich vorgeschriebener Bestandteil aller Printmedien.