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Nachschlagewerk
Manuskript Jacob Grimms für das Deutsche Wörterbuch. Das umfassendste Wörterbuch der deutschen Sprache wurde 1838 begonnen und 123 Jahre später vollendet.
Inhalt5 Abschnitte
Begriff, Zweck und Formen
Ein Nachschlagewerk ist ein Buch oder ein ähnliches Werk, das schnellen Zugang zu Wissen ermöglicht. Reine Datenbanken und vergleichbare Datensammlungen wie Telefonbücher werden in der Regel nicht dazu gezählt. Nachschlagewerke können wissenschaftliche Hilfsmittel sein oder sich an allgemein Interessierte richten. Typische Formen sind Lexika und Enzyklopädien, wobei die Begriffe nicht immer eindeutig voneinander abgegrenzt werden.
Nachschlagewerke können als gedrucktes Buch, auf CD-ROM oder DVD sowie im Internet erscheinen. Online-Angebote können kostenlos oder – wie Wikipedia – sogar frei im Sinne des Freien Wissens sein. Andere Angebote finanzieren sich durch Anzeigen, Abonnements oder Zugriffsgebühren. Eine besondere gedruckte Form ist die Loseblattsammlung: Sie besteht aus einem Aktenordner, dessen Seiten durch ein Abonnement regelmäßig aktualisiert werden. Ein verbreitetes Beispiel sind Gesetzessammlungen.
Neben Text enthalten traditionelle Nachschlagewerke häufig Fotos, Illustrationen, Informationsgrafiken, Karten oder Pläne. Digitale Werke können zusätzlich Audiodokumente, Videos und Animationen anbieten; solche Kombinationen werden oft als Multimedia bezeichnet. Zu den bekannten deutschsprachigen Beispielen gehören die Brockhaus-Enzyklopädie und das Lexikon des Mittelalters, eine Fachenzyklopädie.
Grundtypen und Umfang der Beiträge
Nachschlagewerke lassen sich auf einer Achse zwischen Wörterbuch und Einführungsliteratur einordnen. Sprachwörterbücher erklären den Gebrauch oder die Bedeutung von Wörtern. Sie behandeln entweder eine einzige Sprache oder geben Übersetzungen in eine andere Sprache an. Das Wort „Lexikon“ bezeichnete ursprünglich solche Wortschatzsammlungen. Außerdem wird zwischen Konversationslexika und Hauslexika unterschieden.
In Richtung Einführungsliteratur werden die Beiträge zu den einzelnen Stichwörtern länger. Die Brockhaus Enzyklopädie bietet relativ kurze Artikel, die rasch Auskunft geben und sich leicht miteinander verknüpfen lassen. Die amerikanische Collier’s Encyclopedia und die niederländische Grote Spectrum Encyclopedie enthalten dagegen deutlich längere Artikel. Dadurch kann ein Thema ausführlicher behandelt werden, ohne dass Leser ständig zwischen verwandten Artikeln wechseln müssen.
Nahe an der Einführungsliteratur stehen Handwörterbücher. Sie enthalten vergleichsweise wenige, dafür sehr lange Beiträge und ähneln bereits Einführungswerken für Studierende eines Fachs. Das Deutsche Wörterbuch, dessen Manuskript mit Jacob Grimm verbunden ist, gilt im Artikel als umfassendstes Wörterbuch der deutschen Sprache; es wurde 1838 begonnen und 123 Jahre später vollendet.
Ordnungsprinzipien und Suche
Die häufigste innere Ordnung ist alphabetisch. Sie beruht unmittelbar auf der Sprache und gilt deshalb als besonders allgemeingültig. Vor allem Nutzer, die schnell und bequem eine bestimmte Information suchen, profitieren von dieser Ordnung.
Andere Werke ordnen Wissen systematisch nach Sachzusammenhängen. Ein Bildwörterbuch kann beispielsweise alle Wörter zum Thema Automobil zusammen mit einem detaillierten Bild eines Autos auf einer Seite darstellen. Ein Werk mit längeren Beiträgen in systematischer Ordnung heißt Handbuch. Chroniken verwenden dagegen die Zeit als Ordnungssystem.
Systematische Werke und Nachschlagewerke mit langen Artikeln sollten ein detailliertes Register, auch Index genannt, besitzen. Es ermöglicht einen schnellen alphabetischen Zugang zu den gesuchten Inhalten.
Seit 1974 versucht die Encyclopædia Britannica, verschiedene Nachschlageformen miteinander zu verbinden. Die Micropedia umfasst viele kurze Beiträge für das schnelle Nachschlagen. Die Macropedia bietet lange Artikel zum vertiefenden Lesen. Die Propedia ordnet das Wissen systematisch nach Gebieten und soll als Einstieg dienen. Hinzu kommt ein zweibändiger Index.
Kataloge und Bibliografien
Ein Katalog verzeichnet und erschließt Gegenstände oder Bestände. Dazu gehören Ausstellungs-, Museums-, Messe- und Warenkataloge. Bibliotheken, Archive und Dokumentationen erfassen ihre Bestände ebenfalls durch Kataloge, früher häufig als Kartei und heute meist digital. Zu Kunstausstellungen erscheinen oft Kataloge in Buchform, die zusätzliche Informationen zum Thema oder zum Künstler enthalten. Auch kommerzielle Verzeichnisse von Lieferanten, Versandhäusern oder Verlagen zählen dazu.
Eine Bibliografie – auch Bibliographie geschrieben – ist ein Verzeichnis von Literaturhinweisen beziehungsweise ein Katalog für die Literatursuche. Erfasst werden etwa Bücher, Zeitschriften und andere Veröffentlichungen. Bibliografien sind meist thematisch nach Fachgebieten, nach Branchen oder räumlich nach Nachlässen und Bibliotheken geordnet.
Das VLB, das „Verzeichnis lieferbarer Bücher“, ist ein wichtiges Beispiel und zugleich Katalog und Bibliografie. Es ist als Buch, CD-ROM oder Online-Angebot verfügbar. Die „Deutsche Nationalbibliografie und Bibliografie der im Ausland erschienenen deutschsprachigen Veröffentlichungen“ wird von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) erstellt. Sie gilt laut Artikel als größte Datensammlung deutschsprachiger Literatur und erfasst alle eingesandten Pflichtexemplare der Veröffentlichungen in Deutschland.
Almanache, Atlanten und Fachgruppen
Ein Almanach ist meistens ein Jahrbuch zu einem bestimmten Thema. Beispiele sind der Fischer Weltalmanach und astronomische Jahrbücher wie der Nautical Almanac. Almanache können außerdem literarische und künstlerische Inhalte enthalten.
Ein Atlas ist ein kartografisches Nachschlagewerk zu geografischen Gegebenheiten. Atlanten können nutzerorientiert sein, etwa als Schulatlas, historisch oder politisch ausgerichtet sein, etwa als Historischer Atlas, oder eine bestimmte Region behandeln, etwa als Nationalatlas. Manche Werke tragen den Namen Atlas, ohne kartografische Produkte zu sein. Anatomieatlanten sind beispielsweise Sammlungen von Illustrationen und Erklärungen zum Körperbau des Menschen.
Nachschlagewerke lassen sich außerdem nach ihren Fachgebieten und Funktionen gruppieren. Dazu zählen bibliografische, biografische und theologische Nachschlagewerke, Wörterbücher sowie Enzyklopädien. Bei Enzyklopädien wird unter anderem zwischen Spezialenzyklopädien, Universalenzyklopädien, deutschsprachigen Lexika, Online-Enzyklopädien und Wikipedias in verschiedenen Sprachen unterschieden.