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Bundeslade

Sie ist bis heute das Symbol für den Bund Gottes mit dem Volk Israel (daher der Name „Bundeslade“). Berührt werden durfte sie nur von den Würdigsten und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was die Bundeslade ist
  2. 2. Gestalt und Inhalt
  3. 3. Geschichte nach der biblischen Überlieferung
  4. 4. Bedeutung in religiösen Schriften
  5. 5. Archäologie und der äthiopische Tabot
  6. 6. Kunst, Maria und moderne Darstellungen

Was die Bundeslade ist

Die Bundeslade, auch Bundestruhe, „Lade des Zeugnisses“, „Gotteslade“ oder einfach „die Lade“ genannt, war nach der Tora ein heiliger Kultgegenstand der Israeliten. Sie wurde nach Gottes Anweisung angefertigt und sollte vor allem die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten aufnehmen, die Mose auf dem Berg Sinai erhalten hatte.

Nach dem Auszug aus Ägypten, während der Wüstenwanderung und bei der sogenannten Landnahme galt die Bundeslade als Zeichen und Garant der Gegenwart Gottes inmitten des Volkes. Sie symbolisierte den Bund zwischen Gott und Israel. Berührt werden durfte sie nur von besonders Würdigen und Hohepriestern; eine unbefugte Berührung galt als Sakrileg und führte der Überlieferung zufolge zum sofortigen Tod.

Einen eindeutigen archäologischen Nachweis für die tatsächliche Existenz der Bundeslade gibt es nicht. In heutigen Synagogen wird der Schrein für die Torarollen „Heiliger Schrein“ (Aron hakodeš) genannt. Er steht gewöhnlich an der Wand in Richtung Jerusalem.

Gestalt und Inhalt

Nach Ex 25,10–22 war die Bundeslade eine etwa 130 × 80 × 80 cm große Truhe aus Akazienholz. Da die genaue Länge der damaligen „Elle“ unbekannt ist, handelt es sich um Schätzungen. Die Truhe war innen und außen mit reinem Gold überzogen und besaß vier goldene Ringe. Durch diese wurden zwei mit Gold überzogene Tragestangen geführt; sie sollten in den Ringen bleiben und nicht herausgezogen werden.

Die abnehmbare Deckplatte bestand ebenfalls aus purem Gold. Auf ihren beiden Enden befanden sich zwei Cherubim aus getriebenem Gold. Sie breiteten ihre Flügel über der Platte aus und wandten einander ihre Gesichter zu. Zwischen den Cherubim erschien nach der Überlieferung die Herrlichkeit Gottes, die Schechina. Die Deckplatte heißt in verschiedenen Bibelübersetzungen unter anderem „Gnadenstuhl“, „Versöhnungsdeckel“ oder „Sühneplatte“ und wurde als Zeichen der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen verstanden.

In der Lade lagen nach der Tora und jüdischer Tradition die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten. Ein Gomer Manna sowie Aarons grünender Stab wurden laut den entsprechenden Bibelstellen vor der Bundeslade im Allerheiligsten aufbewahrt. Der Brief an die Hebräer nennt dagegen alle drei Gegenstände als Inhalt der goldüberzogenen Lade. Dies kann damit erklärt werden, dass Manna-Krug und Stab später in die Lade gelegt wurden. Zur Zeit des salomonischen Tempels befanden sich dort nach 1 Kön 8,9 jedoch nur die Gesetzestafeln.

Einige Theologen und Religionshistoriker vermuteten außerdem ein Stierbild, einen oder zwei heilige Steine oder einen Transportsockel für ein Kultbild. In den biblischen Schriften gibt es für diese Deutungen jedoch keinen Hinweis.

Geschichte nach der biblischen Überlieferung

Die Bundeslade wurde nach der Überlieferung unter Moses von Bezalel angefertigt. Die Steintafeln wurden zunächst mit ihr durch die Wüste getragen und in der Stiftshütte, einem zerlegbaren Zelttempel, aufbewahrt. Später stand die Lade in Silo. Für ihren Transport war der levitische Unterstamm Kohat zuständig; sie musste dabei verhüllt werden.

Um 1050 v. Chr. fiel die Bundeslade nach der Schlacht bei Aphek in die Hände der Philister. Diese brachten sie über Aschkelon nach Aschdod und stellten sie in den Tempel ihres Gottes Dagon. Nach Unglücksfällen und Krankheiten gaben sie die Lade über Gat und Ekron auf einem unbemannten Karren zurück, der von säugenden Kühen gezogen wurde. Sie kam zunächst nach Bet Schemesch und anschließend nach Kirjat-Jearim in das Haus Abinadabs. Archäologen haben an beiden Orten Strukturen gefunden, die sich mit den biblischen Berichten in Verbindung bringen lassen.

König David brachte die Lade später auf den Berg Zion und nach Jerusalem, um die Stadt auch zum religiösen Zentrum zu machen. Vor ihrer endgültigen Aufstellung stand sie drei Monate im Haus Obed-Edoms und danach zunächst in einem Zelt. König Salomo ließ sie in den von ihm erbauten Tempel bringen. Dort befand sie sich im Allerheiligsten. Dieses durfte nur der Hohepriester und nur einmal im Jahr am Versöhnungstag Jom Kippur betreten.

Bei der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. im Jahr 587/586 v. Chr. wurde der Tempel geplündert. Seitdem gilt die Bundeslade als verschollen, sofern sie tatsächlich vorhanden war; wahrscheinlich wurde sie dabei zerstört. Nach 2 Makk 2,5–7 soll der Prophet Jeremia sie vor der Plünderung zusammen mit der Stiftshütte und dem Räucheraltar in einer Höhle am Berg Nebo verborgen haben. Diese Stelle sollte verborgen bleiben, bis Gott sein Volk wieder sammelt und ihm gnädig ist.

Bedeutung in religiösen Schriften

Im Tanach beziehungsweise Alten Testament erscheint die Bundeslade als Aufbewahrungsort der Gesetzestafeln, als heiliges Heiligtum und als Zeichen göttlicher Führung. Josua betet vor ihr nach der Niederlage bei Ai. Im Krieg gegen die Philister soll sie Israel schützen, kann jedoch trotzdem geraubt werden. Als Usa bei der Überführung nach Jerusalem nach der Lade greift, um sie vor dem Herabfallen zu bewahren, verletzt er nach der Überlieferung das Berührungsverbot und stirbt.

Jeremia 3,16 kündigt an, dass die Bundeslade ihre Bedeutung verlieren und keine zweite Lade hergestellt werden werde, sobald Jerusalem Mittelpunkt des jüdischen Volkes geworden sei. Die Makkabäerbücher gehören zur Septuaginta. Sie sind weder Teil des jüdischen noch des protestantischen Bibelkanons, gelten aber in der römisch-katholischen Kirche als deuterokanonisch.

Im Neuen Testament wird die Sühneplatte der Bundeslade mit Jesus Christus verbunden. Der Römerbrief verwendet dafür den griechischen Begriff ἱλαστήριον, der in älteren Lutherausgaben als „Gnadenstuhl“ wiedergegeben wird. Der Hebräerbrief beschreibt erneut die Lade im Tempelinneren. In der Offenbarung wird die Bundeslade im geöffneten himmlischen Tempel sichtbar.

Im Koran wird die Bundeslade im Zusammenhang mit der Sakīna erwähnt. Sie steht für göttliche Gegenwart und göttliches Eingreifen, besonders im Krieg. Sure 2,248 nennt sie als Zeichen der Herrschaft und als Trägerin eines Vermächtnisses aus dem Nachlass Moses und Aarons; Sure 9,26 spricht davon, dass Allah Frieden auf seinen Gesandten und die Gläubigen senkte und unsichtbare Heerscharen sandte.

Archäologie und der äthiopische Tabot

Alle bisherigen Berichte über Funde der Bundeslade beruhen ausschließlich auf mündlichen Aussagen. Konkrete Gegenstände oder belastbare Belege gibt es nicht. Behauptungen über angebliche Entdeckungen in Tunneln unter dem Tempelberg, am Berg Nebo oder am Kalvarienberg konnten nicht bestätigt werden. Die Berichte über Kreuzritter und den Templerorden besitzen keine echten Zeugnisse aus den entsprechenden Überlieferungen. 1911 bestach Montagu Brownlow Parker einen hohen Aufsichtsbeamten, um nachts unter dem Felsendom graben zu können, wurde jedoch entdeckt, bevor er die Grotte erreichte. Heute sind archäologische Forschungen auf dem Tempelberg durch islamische Behörden streng untersagt.

In den 1920er Jahren behauptete Antonia Frederick Futterer, am Berg Nebo einen Geheimgang mit einer Inschrift über die goldene Bundeslade gefunden zu haben. Bei einer späteren Überprüfung war die Inschrift nicht mehr vorhanden. 1981 erklärte Tom Crotser, die Lade in einer Krypta am Ende eines Ganges im Berg Nebo fotografiert zu haben. Der Archäologe Siegfried A. Horn beurteilte die wenigen erkennbaren Aufnahmen jedoch als Darstellung eines modernen, teilweise maschinell gefertigten Gegenstands. Ähnlich zweifelhaft sind Aufnahmen Ron Wyatts von 1989.

Nach der Überlieferung der äthiopischen Kirche wurde die ursprüngliche Lade von Meneliks Gefolge, dem Sohn Salomons und der Königin von Saba, gestohlen und durch eine Replik ersetzt. Sie soll sich heute in Aksum, der heiligen Stadt Äthiopiens, in einer Kapelle neben der Kirche der Heiligen Maria von Zion befinden. Grundlage dieser Erzählung ist das äthiopische Nationalepos Kebra Negast aus dem 13. Jahrhundert. Ein Mönch bewacht die Reliquie ständig; nur er darf sie unverhüllt sehen. Ob sich darunter tatsächlich die Bundeslade oder lediglich eine leere Kiste befindet, ist nicht überprüfbar.

In Äthiopien gibt es Dutzende sogenannter Kopien. Jede äthiopisch-orthodoxe Kirche bewahrt einen Tabot auf, eine verhüllte Kiste beziehungsweise eine Darstellung der Gesetzestafeln. Einmal jährlich wird eine solche Replik in Prozessionen durch die Stadt getragen. Die Form des äthiopischen Tabots entspricht jedoch nicht der biblischen Beschreibung. Auch die in Aksum behauptete Lade wurde von Dimotheos 1868 als ein im 14. Jahrhundert in Indien entstandener Gegenstand beschrieben, der keineswegs der biblischen Lade entspreche.

Kunst, Maria und moderne Darstellungen

In der mittelalterlichen christlichen Kunst wurde die Bundeslade früh, aber nur vereinzelt dargestellt. Miniaturen in Bibelhandschriften und Weltchroniken griffen vor allem ihre typologische Bedeutung auf: Die in der Lade bewahrten heiligen Gegenstände galten als Vorbild für den von Maria getragenen Christus. In der Reformation wurde die Bundeslade darüber hinaus als Hauptsymbol der göttlichen Offenbarung vor der Ankunft Jesu verstanden.

In der römisch-katholischen Überlieferung wurde der Titel „Bundeslade Gottes“ auf Maria übertragen. Er erscheint in der Lauretanischen Litanei von 1531 als „Foederis arca“. Außerdem wurde das Bild des Tempels und der Bundeslade aus Offenbarung 11,19 mit Jesus und Maria als „Tochter Zion“ verbunden.

Die Bundeslade ist auch Gegenstand parawissenschaftlicher Erklärungen und fiktionaler Werke. Erich von Däniken deutete sie etwa als Kondensator und Kommunikationsapparat, Robert Charroux als Funkgerät der Prä-Astronautik. Steven Spielbergs Film Jäger des verlorenen Schatzes stellt die Suche nach der Lade als Abenteuer dar: Nationalsozialistische Archäologen suchen sie bei Tanis wegen ihrer angeblich unendlichen Macht, während Indiana Jones sie aufzuhalten versucht. In Harry Mulischs Roman Die Entdeckung des Himmels wird angenommen, dass Kaiser Titus den Inhalt aus Jerusalem nach Rom brachte. Solche Darstellungen arbeiten mit Spekulationen über Funktion und Verbleib und gehören nicht zum archäologischen Nachweis.

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