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Laudato si’ (Oratorium)

Laudato si' ist der Titel eines Oratoriums, komponiert von dem Kirchenmusiker Peter Reulein auf ein Libretto von Pater Helmut Schlegel OFM. Es wurde am 6.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entstehung
  2. 2. Textliche Grundlage und Aufbau
  3. 3. Musikalische Gestaltung
  4. 4. Aufführungen und Veröffentlichung
  5. 5. Besetzung

Überblick und Entstehung

Laudato si’ ist ein Oratorium des Kirchenmusikers Peter Reulein mit einem Libretto von Pater Helmut Schlegel OFM. Ein Oratorium ist ein größeres musikalisches Werk für Solisten, Chor und Orchester, meist mit religiösem Inhalt, das konzertant aufgeführt wird. Das Werk trägt den vollständigen Charakter eines franziskanischen Magnificat: Es verbindet das biblische Magnificat der Maria mit Gedanken von Papst Franziskus sowie mit Franz von Assisi und Klara von Assisi.

Die ersten Pläne entstanden im Frühjahr 2015 im Referat Kirchenmusik des Bistums Limburg. Anlass war das 50-jährige Jubiläum dieses Referates im Jahr 2016. Geplant wurde eine Auftragskomposition, die das Jubiläum feiern, aber auch bei anderen Gelegenheiten aufgeführt werden konnte. Die Vielfalt der Kirchenmusik im Bistum sollte durch unterschiedliche Musikgruppen hörbar werden. Als inhaltliche Grundlage waren Texte und Aussagen von Papst Franziskus vorgesehen; außerdem sollte das Magnificat mit seinen beiden neuesten Enzykliken verbunden werden.

Helmut Schlegel wurde als Librettist verpflichtet. Dadurch kamen Franz von Assisi und Klara von Assisi als handelnde Personen hinzu. Da das Jubiläum in das Heilige Jahr der Barmherzigkeit fiel, wurde auch dessen Leitgedanke aufgenommen. Peter Reulein komponierte die Musik zu Schlegels Libretto. Dorothea Lindenberg entwarf ein Logo, das mit Elementen aus dem Sonnengesang des Franz von Assisi arbeitet. Das Oratorium entstand vor dem religiösen und gesellschaftlichen Hintergrund des Jahres 2015 und wurde 2016 im Dehm-Verlag veröffentlicht.

Textliche Grundlage und Aufbau

Das Werk ist in einen Prolog und fünf Bilder gegliedert. Im Zentrum steht das Magnificat der Maria aus dem Evangelium nach Lukas, Lk 1,46–55, in lateinischer Sprache. Das Magnificat ist ein Lobgesang Marias; im Oratorium wird Maria als starke Frau mit tiefem Glauben und erfrischender Menschlichkeit dargestellt. Der Text betont, dass das Magnificat ein „Mehr“ an Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit fordert.

Zwischen die einzelnen Verse des Magnificats sind mehrere Handlungsstränge eingefügt. Dazu gehören Stationen aus dem Leben Marias, unter anderem die Verkündigungsszene und der „Gute Rat“ bei der Hochzeit zu Kana. Hinzu kommen paraphrasierte Aussagen von Papst Franziskus aus den Enzykliken Evangelii gaudium von 2013 und Laudato si’ von 2015. Eine Enzyklika ist ein wichtiges päpstliches Rundschreiben. Auch Aussagen von Franz von Assisi werden aufgenommen; sie werden von ihm selbst und von Klara von Assisi wiedergegeben.

Eine wichtige Quelle ist der Sonnengesang des Franz von Assisi, dessen einzelne Strophen mit „Laudato si’“ beginnen. Das Motto des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Im Artikel wird betont, dass Papst Franziskus damit Grundgedanken des Magnificat aufgenommen und zentrale Fragen der Menschheit in die Mitte der christlichen Botschaft gestellt habe: besonders Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.

Helmut Schlegel übertrug die Prosatexte in rhythmische Lyrik. Klara von Assisi erhält eine eigene Stimme, weil Franziskus ohne Klara nicht denkbar sei und das Magnificat das Lied einer Frau ist. Der Text verbindet dies mit der Aussage, dass Jesus und der Evangelist Lukas besonders der Erniedrigung von Frauen entgegenwirkten. Der Anbruch des „Reiches Gottes“ widerspricht einer Über- oder Unterordnung in Geschlechterrollen. Barmherzigkeit wird als Grundlage der Botschaft der Bibel und anderer religiöser Suchbewegungen der Menschheit beschrieben. Das Oratorium will dazu einladen, in Jesus das Gesicht Gottes zu suchen und in den Gesichtern aller Lebewesen das Gesicht Jesu zu erkennen und zu ehren.

Musikalische Gestaltung

Die Musik verwendet ein großes kirchenmusikalisches Spektrum. Beteiligt sind ein vier- bis achtstimmiger Chor, ein Kinder- und Jugendchor, eine Choralschola, Orgel, Orchester, ein Sprecher und fünf Gesangssolisten. Eine Choralschola ist eine Gruppe, die liturgischen Choral singt. Insgesamt hat das Werk größtenteils den Charakter eines freudigen Musikfestivals. In rezitativ-artigen Teilen, also in gesangsnah gesprochenen oder erzählenden Abschnitten, erscheinen Klänge aus Filmmusik und Musiktheater. Der Sprecher erklärt in freien Worten jeweils das folgende Bild.

Die Orgel setzt besondere Akzente. Der Artikel nennt Anklänge an Olivier Messiaen, Jehan Alain, Max Reger und Sigfrid Karg-Elert. Eine kurze Orgelpassage im Stil einer Hammond-Orgel ist als Hommage an den Jazz gestaltet. Im Prolog mit dem Titel Erfüllt ist die Zeit werden bei der Erscheinung des Engels Tuned Glasses eingesetzt, also gestimmte Gläser als Klanginstrument.

Im ersten Bild, Die Schöpfung tanzt – die Schöpfung klagt, stellt Franz von Assisi als Tenorsolo das Thema Laudato si’ vor. Begleitet wird er von Blockflöte und Pizzicato-Streichern, bei denen die Saiten gezupft werden. Weil Papst Franziskus aus Argentinien stammt, verwendet Reulein Musik im Stil des Tango Argentino. Hier ist auch erstmals die Choralschola zu hören.

Im zweiten Bild, Gottes Neubeginn, bildet der Jubilus der Maria den Höhepunkt. Dabei erscheint erstmals das Thema des Magnificats, das anschließend vom Chor übernommen wird. Das Bild endet mit dem Lied Glauben können wie du von Helmut Schlegel und Joachim Raabe aus dem Jahr 2009, das im deutschsprachigen katholischen Gesangbuch Gotteslob unter GL/LM 885 steht.

Das dritte Bild, Er gab dir Atem, gab dir Würde, beginnt mit einer Musical-ähnlichen Darstellung der Hochzeit zu Kana und endet mit Klezmermusik. Das vierte Bild, Das Leben feiert Aufstand, beginnt mit einem Pauken-Solo und Tubaklängen in der Kreuzigungsszene auf dem Berg Golgatha; dazu singt die Choralschola. Papst Franziskus verbindet in einem dramatischen Rezitativ das biblische Leid mit gegenwärtigem Leid wie Armut, Prostitution, Flucht und Vertreibung. Danach folgt ein Duett von Franz und Klara, begleitet von Harfe, Flöte und zurückhaltenden Streicherklängen. Anschließend singen Kinderstimmen ein österliches Halleluja als afrikanisches Call and Response, also als Wechselgesang.

Das fünfte Bild, Ein jeder Augenblick ist Anfang, beginnt wie das erste mit einem zuversichtlichen Tango, diesmal als Terzett von Papst Franziskus, Franz und Klara. Den Abschluss bildet eine Doxologie, ein Lobpreis Gottes, mit dem fanfarenartigen Magnificat-Thema. Im Schluss-Hymnus soll das Publikum in den Kosmos der Schöpfung einstimmen. Das Werk endet mit einer Doppelfuge über Amen und Halleluja, die in finalen Jubel mündet.

Aufführungen und Veröffentlichung

Die Uraufführung fand am 6. November 2016 im Hohen Dom zu Limburg in Limburg an der Lahn statt. Sie gehörte zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Referates Kirchenmusik des Bistums Limburg. Die Gesamtleitung hatte Peter Reulein, der Komponist des Werkes. Eine weitere Aufführung gab es am 29. Januar 2017 im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main. Weitere Termine werden im Artikel als offen bezeichnet.

Am 29. Januar 2017 wurde auch der gleichnamige Konzertfilm auf DVD erstmals verkauft. Die Aufnahmen entstanden während der Uraufführung am 6. November 2016 im Limburger Dom. Der vom Tonstudio Ölmuhle hergestellte Konzertfilm ist zweistündig und im Breitbildformat. Im Unterschied zu auf YouTube veröffentlichten Ausschnitten nutzt die DVD Einstellungen aus verschiedenen Perspektiven sowie Nahaufnahmen der Sänger und Musiker.

Eine kurze Reaktion wird von Bischof Georg Bätzing überliefert. In spontanen Dankesworten am Ende der Uraufführung griff er den Ausdruck „Klangraum des Gebets“ auf, den Helmut Schlegel für das Oratorium gefunden hatte. Außerdem sagte er, er wolle Papst Franziskus bei Gelegenheit ausrichten, wie gut er in Limburg vertreten worden sei.

Besetzung

Die Gesamtleitung lag bei Peter Reulein. Die instrumentale Besetzung der Aufführungen am 6. November 2016 und 29. Januar 2017 umfasste unter anderem Flöte, Sopranblockflöte, Oboe, Klarinette in B, Fagott, zwei Trompeten in B, zwei Hörner in F, Posaune, Tuba, Pauke, Percussion, Harfe, Streicher und Orgel. Die Percussion verwendete Tamburin, kleine Trommel, susp. Cymbal, Triangel, Windchimes, Tuned Glasses, Marimba, Djembé und Glockenspiel. Die Streicher spielten mit Donata Wilken als Konzertmeisterin. An der Orgel spielte Johannes Schröder, im Limburger Dom am 6. November 2016 und im Frankfurter Dom am 29. Januar 2017 jeweils an der dortigen Domorgel.

Bei der Aufführung am 6. November 2016 sangen Marina Herrmann die Maria als Sopran, Janina Moeller den Engel als Sopran, Anna Metzen die Klara von Assisi als Mezzosopran, André Khamasmie den Franziskus von Assisi als Tenor und Johannes Hill den Papst Franziskus als Bariton. Der Sprecher war Br. Christopherus Goedereis OFMCap mit Männerstimme.

Als Chöre wirkten St. Martin und Martinis aus Idstein sowie Vocalensemble und Cappuccinis aus Frankfurt-Liebfrauen mit, jeweils mit Sopran, Alt, Tenor und Bariton. Dazu kam der Kinder- und Jugendchor Maria Rosenkranz aus Frankfurt-Seckbach unter der Leitung von Karin Mayle-Polivka mit Sopran und Alt. Die Choralschola bestand aus Männerstimmen unter der Leitung von Franz Fink. Die Choreinstudierung übernahmen Franz Fink, Andreas Großmann und Peter Reulein.

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